El Niño, La Niña und Erdgas

Marita Noon
Das Death Valley in Kalifornien ist als „der heißeste Ort der Erde“ bekannt. Aber wenn man dann in den Nachrichten hört, dass es „am heißesten Ort der Erde einen rekordheißen Monat Juni“ gegeben hatte – wobei die „Temperatur im Juni um 3°C über der mittleren Temperatur“ lag – könnte man versucht sein, die Wärme den alarmistischen Behauptungen bzgl. Klimawandel zuzuordnen. Während es in Südkalifornien zu Stromausfällen im Zuge einer Hitzewelle gekommen war, wurde es im Death Valley 52,2°C* heiß. Am 30. Juni 2013 wurde eine Temperatur von 53,8°C gemessen, und die höchste offiziell jemals gemessene Temperatur dort wurde am 10. Juli 1913 mit 56,7°C registriert.


[*Im Original sind alle Angaben in Grad Fahrenheit. Sie wurden hier vom Übersetzer in Grad Celsius konvertiert. Anm. d. Übers.]

Ja, in den meisten Gebieten der USA ist es ein heißer Sommer – aber das hat Joe Bastardi von Weather Bell bereits am Ground Hog Day [2. Februar] vorhergesagt. Unter Bezug auf El Niño sagte er: „Wir könnten den heißesten Sommer seit 2012 erleben“. Dr. Roy Spencer, Leitender Forschungswissenschaftler an der University of Alabama in Huntsville [UAH] erklärt: „Normalerweise ist das zweite Kalenderjahr nach einem El Niño-Ereignis das wärmste Jahr“. Der gegenwärtige El Niño machte 2015 „zum drittwärmsten Jahr der Satelliten-Aufzeichnungen“ — also zum drittwärmsten Jahr der letzten 38 Jahre (alle drei der heißesten Jahre traten im Zuge von El Niño-Ereignissen auf). Das El Niño-Ereignis 2015/2016 ist eines der stärksten jemals.

El Niño ist ein natürliches Wetterphänomen, dem man bereits vor Jahrhunderten auf die Spur gekommen war, als peruanische Fischer bemerkten, dass sich der Ozean oftmals jeweils zum Jahresende erwärmte. Sie nannten das Phänomen „El Niño“, das Christkind. Bloomberg zufolge „erkannten moderne Forscher in den sechziger Jahren die Bedeutung dieses Ereignisses für das globale Wetter, als sie die Verbindung entdeckten zwischen warmem Wasser und damit korrespondierender atmosphärischer Veränderungen“. (Siehe Bild oben rechts).

El Niño bedeutet normalerweise mildere Winter und kühlere Sommer in den USA – was schlecht war für die Erzeuger von Erdgas in Amerika, wird doch weniger davon gebraucht für Heizung bzw. Air Condition. In einer Beschreibung des Winters 2015/2016 hieß es in einem Bericht: „mild, nass oder sogar ,welcher Winter‘?“ Diese milderen Wintertemperaturen fielen zusammen mit einer üppigen Gaserzeugung aus Schiefer-Formationen, die im vergangenen Winter weiter zugenommen hatte. Bei Natural Gas Intelligence (NGI) hieß es: „Die Erdgaspreise sind auf ihr niedrigstes Niveau seit 1999 gesunken“. Als Folge davon fielen auch die Strompreise auf dem Großmarkt.

Der Trend ,weg von Kohle‘ bei der Stromerzeugung hatte den Gaserzeugern ursprünglich geholfen, konnte doch die gesteigerte Erzeugung mühelos die steigende Nachfrage decken. Jedoch hat diese Nachfrage nachgelassen, weil NGI zufolge „die meisten Regionen der USA , die sich den Ausstieg aus der Kohle leisten konnten, diesen Schritt bereits vollzogen hatten“.

Während der mildere Winter und die Überversorgung zufällig zusammenfielen und die Erdgaspreise auf Talfahrt schickten bis auf das niedrigste Niveau seit 17 Jahren, sorgen Wetter und Vorräte jetzt wieder dafür, dass die Preise steigen.

El Niño-Ereignissen folgt gewöhnlich ein La Niña genanntes Ereignis – zu dem es kommt, wenn sich der Ozean abkühlt. La Niña dauert allgemein drei Monate oder bis zu zwölf Monaten nach einem El Niño-Zyklus. In einem Bericht von CNBC im Januar wurde projiziert, dass der diesjährige El Niño „von Mai bis Juli verschwinden werde“. Genau das erleben wir jetzt auch, und das führt zu dem trockeneren und heißeren Sommer. Im Browning World Climate Bulletin heißt es: „Die Faktoren, die in so großen Gebieten von Nordamerika im April und Mai für sehr niedrige Temperaturen sorgten, verschwinden immer mehr, so dass die heißen maritimen Luftmassen wieder landeinwärts vordringen können“. Auch bei NGI heißt es: „Das El Niño-Ereignis, das zu den Rekord-Wintertemperaturen in Nordamerika geführt hatte, hat inzwischen der Transition zu La Niña Platz gemacht, was normalerweise zu Sommertemperaturen über den Normalwerten führt“.

Unter Verweis auf diese Wettervorgänge zitiert Bloomberg Kevin Trenberth mit den Worten: „Die Zyklen treten im Mittel alle zwei bis drei Jahre auf und helfen bei der Regulierung der Temperatur auf der Erde, wenn der äquatoriale Pazifik die Sonnenwärme absorbiert während eines El Niño und dann die Wärme in die Atmosphäre freisetzt. Das kann eine La Niña erzeugen: ein ,Wiederauflade-Zustand‘ wenn ,die Erde kühler ist als zur Zeit vor diesen Vorgängen’“.

Während Experten noch unterschiedlicher Meinung hinsichtlich des Timings sind, erwarten die Meisten doch die Bildung von La Niña bereits im Juli oder erst im Dezember oder sogar Januar. Trenberth erklärt: „La Niña ist mehr eine Überbetonung von ,normal‘. Falls es in einem Gebiet typischerweise trocken ist, kann es bei einem La Niña arid werden. Ist es typischerweise nass, kann es Überschwemmungen geben“. Was einen kälteren und volatileren Winter bedeutet – obwohl Prophezeiungen von trockenem und wärmerem Wetter im Südwesten der USA sprechen. Aus Berichten geht hervor, dass eine starke La Niña mehr Polarluftmassen in die USA lenken könnte, und typischerweise folgt einem starken El Niño, den wir gerade hinter uns haben, eine starke La Niña.

Am 29. Juni verkündete die Financial Times: „Die Erdgaspreise in den USA sind sprunghaft um 30% in diesem Monat gestiegen, da heißes Wetter die Nachfrage nach Air Conditioning hat steigen lassen und die Vorräte auf mehr marktkonforme Mengen hat schrumpfen lassen“.

Bastardi zufolge wird sich der heiße Sommer noch bis zum Herbst hinziehen, wobei die 32°C-Marke im Nordosten und dem Mittleren Westen sogar noch im Oktober gerissen werden könnte. Dann geht es von einem Extrem zum Nächsten mit niedrigeren Temperaturen in der gesamten Nordhälfte der USA.

Diese Bedingungen sorgen via Heizung und Kühlung für eine höhere Nachfrage nach Erdgas. Und das wird den US-Gaspreisen zusammen mit den geringeren Vorräten einen Schub verleihen – was zu einem Ausgleich auf dem Markt führt“.

Investoren rät Bloomberg: „Angesichts der Erwartungen nach strengeren Wintern in den USA im Zuge einer La Niña empfiehlt SocGen (Societe Generale Corporate & Investment Banking), in Erdgas zu investieren“. Mitarbeiter Phil Flynn stimmt dem zu. Er sagte mir, dass wir in unserem Bemühen, die Stromerzeugung auf die Grundlage von Erdgas zu stellen, jetzt anders als im Winter 2014 an einem Punkt angelangt sind, an dem es nicht genügend Kohlekraftwerke gibt, um die Nachfragelücke zu füllen. Der Grundgedanke war, dass die Winter im Zuge der globalen Erwärmung mild bleiben würden, aber mit dem natürlich auftretenden La Niña-Zyklus und dem projizierten kalten Winter stehen wir vor einer hohen Nachfrage zu einer Zeit, in der die Erdgaserzeugung vor dem Zusammenbruch steht. Mit geringerer Versorgung und gesetzlichen Hindernissen für den Pipelinebau könnte Erdgas nicht die gesamte Nachfrage decken. Er ermutigt seine Kunden bzgl. Erdgas.

Für die Verbraucher könnte dies bedeuten, dass wegen der starken Korrelation der Strom-Großmarktpreise mit den Erdgaspreisen die Energiekosten beeinflusst werden können – was zu höheren Rechnungen führt. Wegen der niedrigen Erdgaspreise haben Hausbesitzer noch nicht das volle Ausmaß der höheren Kosten von Erneuerbaren gefühlt – aber dies könnte sich ändern auf unserem Weg in einen La Niña-Winter.

Link: http://oilpro.com/post/25732/el-nio-la-nia-and-natural-gas

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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