Energiewende: Warum dem Wasser die Kraft ausgeht

Foto: Red. WELTWOCHE

Silvio Borner und Dominik Hauri )*
Während Haushalte immer mehr zahlen, bedroht Billigstrom die umweltfreundliche Wasserkraft. Die Perversion ist politisch gewollt.


Die Existenzkrise der fast mythischen Wasserkraft lässt viele Schweizer misstrauisch werden. Doch die Propaganda der Befürworter der Energiewende verstellt den Blick auf die harten Fakten und Widersprüche:

1 – Installierte Kapazitäten versus produzierte Mengen: 

Viel Geld wird in Kapazitäten von Sonne und Wind investiert, obwohl die Lastfaktoren in der Schweiz bei der Sonne lediglich 12 Prozent und beim Wind bloss knapp 20 Prozent betragen. Die installierte Kapazität liefert zu 80 bis 90 Prozent null und nichts. Kern- oder Gaskraftwerke dagegen erreichen problemlos einen Faktor von 85 bis 90 Prozent. Doch selbst bei 100 Prozent Versorgung mit Sonne und Wind benötigten wir für windstille und sonnenfreie ­Tage 100 Prozent Ersatzkapazität.

2 – Produzierte Mengen versus Marktwert: 

Weil subventionierte Fotovoltaik- und Windanlagen mit Vorrang ins Netz einspeisen, produzieren sie bei Dunkelheit oder Flaute zu wenig, aber bei starkem Sonnenschein oder Wind zu viel. Der Strom­überschuss bei guter Witterung ist wertlos, weil das Netz kein Speicher ist und die überschüssige Produktion mit Negativpreisen verschachert werden muss.

3 – Markt- versus Verbraucherpreise: 

Wegen des allein in Deutschland mit 25 Milliarden Euro pro Jahr subventionierten Flatterstroms von Wind und Sonne fallen die internationalen Grosshandelspreise unter die ­Produktionskosten von Wasserkraft. Der Marktwert der «neuen erneuerbaren Energien» (NEE) betrug in Deutschland nicht einmal 10 Prozent der Subvention. Je grösser die Marktverzerrung, desto grösser die Kosten-Unterdeckung und die Verluste der Wasserkraft. Aber mit zunehmendem NEE-Anteil steigen die Preise für die Endverbraucher wegen der Einspeisevergütungen, der wachsenden Aufwendungen für Reserve- und Speicherkapazitäten sowie der Kosten für die Netzstabilisierung.

4 – Politik versus Wirtschaft: 

Der Strommarkt ist regulierungsbedürftig, weil die Netze «natürliche Monopole» sind, die ihre Leistungen billiger als mehrere Konkurrenten erbringen. Der Staat regelt, wer zu welchen Preisen das Netz als Anbieter oder Nachfrager benutzen darf. Doch die Anbieter von Solar- oder Windstrom ­liefern zu garantierten und viel zu hohen Entschädigungen, so viel und wann sie gerade können. Ihre private Rendite ist ein vervielfachter volkswirtschaftlicher Verlust. Sie verdrängen damit vor allem Wasser- und Kernkraft und vermehrt auch Gaswerke vom Markt. Davon profitiert aus­gerechnet die dreckige, aber eben billige Kohle. Weil Wasser- und Kernkraft nicht so leicht den Kapriolen von Sonne und Wind folgen können, produzieren sie mit Verlusten weiter.

5 – Gewinner versus Verlierer: 

Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für NEE wurde nicht zuletzt deshalb eingeführt, weil marktfreundliche Kreise ein Referendum gegen die Strommarktliberalisierung vermeiden wollten. Bittere Ironie: Die KEV ist seither auf ­stolze 1,3 Rappen gestiegen, während die Haushalte noch immer auf die freie Wahl des Versorgers warten müssen. 2015 wurden von der KEV 148 Millionen Franken für Fotovoltaik-Anlagen ausgezahlt. Der Kreis der Begünstigten weitet sich rasch aus. Auch wenn die Vergütungs­tarife stark reduziert wurden, bleibt eine KEV-Zusage ein Geschenk für wenige, das viele unter Zwang berappen. Man muss sich deshalb über die 30 000 Fotovoltaik-An­lagen auf der Warteliste nicht wundern. Die Migros-Verteilbetrieb Neuendorf AG erhielt 2015 aus der KEV für vier grosse Fotovoltaik-Anlagen rund 1,5 Millionen Franken – dies bei garantierten Tarifen bis 2038. Eine einzige Fotovoltaik-Scheune ­beglückte ihren Bauern mit über 150 000 Franken. Rund 3000 Anlagenbetreiber erhalten noch für 20 Jahre und mehr 70 Rappen pro Kilowattstunde. Der Marktwert dieses Stroms liegt zurzeit bei rund 4 Rappen. Bei den heutigen Netztarifen lohnt sich die Stromproduktion für Hausbesitzer, weil sich durch Eigenverbrauch ihre Netzkosten senken lassen. Aber natürlich bleiben auch sie im Netz, für das sie aber wenig zahlen – und werden so zu Schmarotzern.

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)*  Anmerkung der EIKE-Redaktion : Dieser Artikel ist zuerst erschienen in WELTWOCHE Zürich:

"Energiewende: Warum dem Wasser die Kraft ausgeht" | Die Weltwoche, Ausgabe 24/2016 | Mittwoch, 15. Juni 2016

http://www.weltwoche.ch/

EIKE dankt der Redaktion der WELTWOCHE und den Autoren Silvio Borner und Dominik Hauri für die Gestattung des ungekürzten Nachdrucks.

Silvio Borner ist Mitglied im Carnot-Cournot-Netzwerk, einem Interdisziplinären Think Tank für Politikberatung in Technik und Wirtschaft  [ http://www.c-c-netzwerk.ch/ ].

Dominik Hauri ist Ökonom und war bis 2015 ­Projektleiter des Instituts für Wirtschaftsstudien in Basel.

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Was soll die sinnlose Bemerkung 'dreckige Kohle" in dem ansonsten sachlichen und überzeugenden Artikel?