Zusammenbruch von SolarCity (SCTY) – wird Elon Musk jetzt überschätzt?

Ryan McQueeney
Weniger als eine Woche nach enttäuschenden Verkaufszahlen von Tesla Motors Inc. (hier) gab es weitere schlechte Nachrichten für Elon Musk. Die Firma SolarCity Corp., deren Vorsitzender Musk derzeit ist, meldete einen Q1-Verlust, der größer als erwartet ausfiel (hier). Die Aktien gingen daraufhin um fast 25% auf Talfahrt.


Angesichts des weiteren Rückgangs der Tesla-Anteile um 7% nach nicht eingetretenen Gewinn-Erwartungen hat Musks Netzwerk mit Sicherheit einen schweren Schlag erlitten. Natürlich haben wir keinerlei Mitleid mit dem Gründer, dem Nach-Wie-Vor-Milliardär von Tesla, SpaceX und Paypal, aber die Investoren fangen an, Fragen zu stellen über die wirkliche Realität des wahrgenommenen „Musk-Effektes“.

Eines wollen wir hier klarstellen: Elon Musk ist ein Genie. Der Mann war eine revolutionäre Kraft beim Vorankommen unserer Gesellschaft, und seine Luftschlösser über die Fähigkeit der Menschheit sind inspirierend. Nichtsdestotrotz wird immer klarer, dass Musks Rückhalt ein Unternehmen nicht automatisch zu einem Rendite-Garanten macht.

Das Tesla-Problem

Das vielleicht besorglichste Thema für Musk sind die unverändert bestehenden Schwierigkeiten von Tesla. Musk selbst hat am lautesten über Tesla geredet sowie Elektroautos allgemein. Dabei ging er sogar so weit zu sagen, dass das Unternehmen im Jahre 2025 genauso viel wert sein wird wie Apple heute. Jetzt fangen viele Kritiker an zu argumentieren, dass Musks Rhetorik den Wert von Tesla auf Jahre hinaus künstlich aufgebauscht hat.

Das Problem mit Tesla ist, dass das Unternehmen mit dem Verkauf von Autos einfach nicht genug Geld verdient. Vieles trägt zu den geringen Verkaufszahlen bei, von denen eines das lächerlich hohe Preisschild [price-tag] ist, das mit dem Kauf eines Tesla einhergeht. Aber keine Angst! Elon Musk und sein unter 30.000 Dollar teures Modell 3 kommen zur Rettung!

Außer dass es wirklich nicht so einfach ist, und das Modell 3 ist selbst ein wunderbares Beispiel dafür, wie mächtig Musks Worte sein können. Investoren sind über das Modell 3 regelrecht in Verzückung geraten, glaubten sie doch, dass Tesla endlich das bezahlbare Fahrzeug entwickelt hatte, das für einen normalen Menschen attraktiv ist und das die Verbrauchszahlen ankurbeln könnte. In Wirklichkeit würde Tesla mit der Produktion des Modells 3 nicht vor Ende 2017 anfangen. Bis dahin dürfte der von der öffentlichen Hand gewährte Steuervorteil, welcher den Preis des Autos unter 30.000 Dollar drückt, längst abgeschafft sein (hier).

Überbewertung von SolarCity

Was Investoren jetzt unbedingt erkennen sollten ist, dass es kein Bonus mehr sein sollte, in SolarCity zu investieren, nur aufgrund der Verbindung mit Musk. Während der jüngste Bericht des Unternehmens diesen Punkt unterstreicht, gab es schon den ersten Hinweis hierauf, als Tesla verkündet hatte, dass seine neue Solar-Batterie mit Solarpaneelen auf dem Dach einfach nicht zusammenpasste (hier).

Obwohl Musk den Vorsitz führt, hat sich SolarCity offiziell entschieden, die neuen Tesla-Batterien nicht zu verwenden. An diesem Punkt scheint die mögliche Verbindung zwischen SolarCity und Tesla, einst als der beste Trieb für SCTY-Anteile gepriesen, lockerer zu sein als je zuvor.

Wie viel für eine Idee?

Eindeutig unbestreitbar ist, dass Musk eine unglaubliche „Ideen-Fabrik“ ist. Sein noch nicht öffentliches Weltraumerkundungs-Venture, SpaceX, revolutioniert gerade den bemannten Raumflug, entwickelt er doch Raketen, die sicher wieder zur Erde zurückkehren und dann erneut verwendet werden können.

Natürlich wirft SpaceX nicht notwendigerweise sofort irgendwelche Profite ab. Allerdings glaubt Musk, dass das Unternehmen innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre einen Mann zum Mars bringen wird, und falls es SpaceX gelingt, seine Rakete wieder zu verwenden, wird dies die Welt der Weltraumerkundung für immer verändern, und das Unternehmen wird zum Steuermann kommerzieller Raumfahrt.

Eine weitere grandiose Idee von Musk kam daher in Gestalt einer Herausforderung an Ingenieure im Jahre 2013, als er es wagte, jemanden von seinem Traum eines Hochgeschwindigkeits-Transportsystems zu überzeugen, das auf der Basis von unter Druck stehenden Röhren funktioniert. Ein Unternehmen, nämlich Hyperloop Technologies, sagt, dass es kurz davor stehe zu demonstrieren, dass diese Technologie funktioniert, und demnächst werde man in einem Live-Ereignis den Fortschritt belegen, gesponsert von SpaceX.

Unter dem Strich

SolarCity strampelt, Tesla strampelt. Elon Musk ist nicht der König Midas, der Unternehmen perfekt macht. Stattdessen werden diese Musk-Marken wie alle anderen Geschäftsbereiche, in denen öffentlich gehandelt wird, sich auf einen Weg konzentrieren müssen, die Profite steigen zu lassen und den Anteilseignern Werte zukommen zu lassen. Musks Zauberei kann nicht mehr alles richten.

Link: http://www.nasdaq.com/article/as-solarcity-scty-crashes-is-elon-musk-overrated-cm619241

Das Thema ist in den USA ziemlich verbreitet. Unter Anderem findet sich folgender Beitrag, der so zusammengefasst wird:

Das wirkliche Problem mit Tesla-Autos ist, dass eigentlich niemand sie kauft. Nun, nicht direkt. Deren Herstellung ist schwer subventioniert – und deren Verkauf ist schwer subventioniert. Tesla verdient auch kein Geld mit dem Verkauf von Autos. Es verdient Geld mit dem Verkauf von „Kohlenstoff-Zertifikaten“ [carbon credits] an reale Autofirmen, die funktional und ökonomisch zuverlässige Autos bauen, die sich den Erwartungen zufolge verkaufen – welche aber keine „Null-Emissionen-Fahrzeuge“ sind. Es wird geschätzt, dass Musks verschiedene Unternehmungen – einschließlich seines neuen Werkes SolarCity für Solarpaneele und SpaceX – den Steuerzahler bereits mindestens 4,9 Milliarden Dollar gekostet haben, wobei etwa die Hälfte davon an Tesla geflossen ist. – Eric Peters, The Detroit News, 9. Mai 2016

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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7 Kommentare

  1. In Ergänzung zu #4: Frank Abels

    Die notwendige Genauigkeit der Fahrbahn bzw. Röhre „im Bau“ und „im Unterhalt dieser Genauigkeit“ ist bislang noch nicht verwirklicht worden.

    Die H-Bahn am Düsseldorfer Flughafen hat ihre Antriebseinheit in einer unten geschlitzten Röhre (guter Wetterschutz), max. Geschwindigkeit rd. 60 km/h – die Genauigkeit dieser Röhre ist auf max. 1cm Verwerfung u. ä. auf ca. 10 m einzuhalten. War ein Problem mit der Schweißerei.
    Der Transrapid in Shanghai soll max. 500 km/h schweben (magnetisch hängend) können. Toleranz der Weichenkonstruktion soll auf 1/10 mm genau sein. In der Praxis sind sie froh, wenn dann 1mm herauskommen – was auch schon sehr beachtlich ist, auf 26m Länge.

    Daher glaube ich nicht, dass sich so eine Röhrenbahn, auf/in der das Fahrzeug sich bewegen soll, mit genügender Genauigkeit für 1200 km/h hergestellt und so gehalten werden kann. Auch wenn das Teil magnetisch schweben soll (magnetisches Puffer, wie bei der anderen Transrapid Teststrecke in Erlangen).
    Und dann auch noch „ohne Energie“, nur mit Dauermagneten schweben.
    Der Versuch von Hyperloop war nur der Test eines Linearmotors mit einer davon angetriebenen Kapsel.
    Wurde als Straßenbahnantrieb auch schon probiert – und als zu teuer verworfen.

    Die nötigen Steuer- und Sicherungseinrichtungen sind ein anderer Alptraum.

  2. Musk ist vor allem ein genialer Verkäufer, der die Dummheit der (westlichen) Welt ausnutzt. ob er selber daran glaubt war er erzählt, oder die Aktien hochtreibt um zu verkaufen, wissen wir nicht.

    daran muss ich zweifeln:

    „… wird dies die Welt der Weltraumerkundung für immer verändern, und das Unternehmen wird zum Steuermann kommerzieller Raumfahrt.“

    Sowohl die NASA wie auch Roskosmos haben auf wiederverwertbare verzichtet, weil es teurer ist. Die Bemühung, Raketen zu zwingen, aufrecht zu landen ist doch reine Show. Nicht zu vergessen, die Energie zum abbremsen, incl. den zu verbrennung notwendige Sauerstoff muss erstmal mit viel Energie nach oben gebracht werden. Was für eine Verschwendung! Da waren die Gleiteigenschaften von Buran und Shuttle, sowei die Bremsfallschirme für die Booster effektiver. Trotzdem haben Beide die Wiederverwertbarkeit aus Preisgründen verworfen. Die Beanspruchung und die Ansprüche an die Zuverlässigkeit sind so groß, dass es effektiver ist neu zu bauen, anstatt alles in die Einzelteile zu zerlegen, überprüfen und ggf. ersetzen.

    Über das Konzept „lange tanken und kurz fahren“ gegenüber „kurz tanken und lange fahren“ möchte ich gar nicht anfangen.

    Die Welt mag aber Spinner.

  3. Es ist immer wieder erstaunlich wie unwissend das Publikum über die Geschichte der Technik ist und wie inflationär heute mit dem Begriff „genial“ umgegangen wird.

    Die nun hochgelobte Musk Idee eines Transportsystems mit unter Druck stehenden Röhren stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert. 1865 begann die Firma Siemens&Halske in Berlin mit dem Bau des ersten Rohrpostsystems in Deutschland, das 1861 erstmalig in London gezeigt wurde. Das System vernetzte ganz Berlin und hatte ein Länge von über 400 km. Es wurden damals 8 Mio Sendungen im Jahr verschickt und war bis 1976 im Betrieb.

    Und nun kommt der „geniale“ Musk und hat die Idee den Durchmesser der Rohre so zu vergrößern, das auch größere Objekte wie Pakete nach dem Prinzip der Rohrpost transportiert werden können. Toll!

    Ab 1851 wurde in England mit einer durch Unterdruck betriebene Röhrenbahn für den
    Personenverkehr experimentiert. 1870 wurde in New York am Broadway vom Unternehmer Alfred Beach die erste U-Bahnstrecke mit Unterdruckantrieb gebaut. Sie konnte sich aber nicht durchsetzen weil es Streit mit den Grundstückeigentümern gab.

    Also, hallo Herr Musk, ihre Ideen sind nicht genial sondern massiv abgekupfert, dass trift auch auch auf das E-Auto zu. Das erste wirklich geniale E-Auto steht im Porschemuseum in Stuttgart. Es ist der von Porsche gebaute Lohner-Porsche. Der erste Wagen der Welt mit gelenktem Vorderantrieb (Nabenmototen).

    Das wirklich geniale und einmalige an dem Auto war die verlustfreien Regelung der
    Geschwindigkeit.

    Alle anderen E-Autos der Zeit regelten die Geschwindigkeit durch Schiebewiderstände und hatten natürlich große Wärmeverluste. Porsche regelte verlustfrei, indem er die Anoden durch ein Hebelwerk in die Säure der Bleibatterie unterschiedlich hoch eintauchte und damit regelte.

    Das Herr Musk ist eine geniale Lösung. Was Sie da betreiben sind epigonale Reproduktionen, mit dem einzigen Ziel Anleger und Steuerzahlern über den Tisch zu ziehen.

  4. „…Dabei ging er sogar so weit zu sagen, dass das Unternehmen im Jahre 2025 genauso viel wert sein wird wie Apple heute“

    Könnte aber auch sein, dass Tesla dann nur noch soviel wert ist, wie ein Apfel (und ein Ei).

  5. Elon Musk ist vor allem eines – ein Show-Mensch, der sich selber verkauft, um dann seine Produkte an den Käufer zu bringen. Eine ähnliche Mentalität hatte schon Steve Jobs in den 1970er+1980er Jahren. Es ist schon sensationnell, was Musk auf die Beine stellt, doch auch ist nur ein Mensch, und gegen die Physik angehen gelingt nicht. Auch ein Elon Musk wird keine Energiewende vollbringen.

  6. Ich widerspreche, dass Elon Musk ein Genie oder Visionär ist. Er tut nicht mehr, als vorhandene Komponenten zu kombinieren und weiterzuentwickeln. Ich sehe ihn eher als einen durchaus geschickten „Macher“.

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