Atlantik zeigt Anzeichen eines bedeutenden Übergangs in eine Kaltphase

Paul Dorian
[Vorbemerkung des Übersetzers: Auf diesen Beitrag ist mein Freund Hans-Dieter Schmidt gestoßen, der schon im vorigen Jahr auf die gigantische Kaltwasserinsel im Atlantik hingewiesen hatte.]
Der Atlantische Ozean war Schauplatz einer Kaltphase, die von Anfang der sechziger Jahre bis Mitte der neunziger Jahre dauerte und dann in eine Warmphase wechselte. Diese hat sich seitdem gehalten. Die gegenwärtige Warmphase jedoch zeigt derzeit Anzeichen eines möglichen Übergangs zu einer langfristigen Phase mit unternormalen Wassertemperaturen.


Übersicht

Zusätzlich zu solaren Zyklen spielen Temperaturzyklen in den planetarischen Ozeanen kritische Rollen in unserem sich fortwährend änderndem Klima und auch für die Ausdehnung des globalen Meereises. Ozeanische Temperaturzyklen dauern oftmals ziemlich lange, und eine Warm- bzw. Kaltphase kann durchaus zwei oder drei Jahrzehnte andauern. Allgemein gab es im Atlantik von Anfang der sechziger bis Mitte der neunziger Jahre eine Kaltphase, die seitdem in eine bis heute andauernde Warmphase übergegangen war. Die gegenwärtige Warmphase zeigt aber jetzt Anzeichen für den Übergang in eine weitere langzeitliche Kaltphase, und dies könnte ernste Auswirkungen auf das Klima in den USA [und sicher auch in Europa, Anm. d. Übers.] sowie die globale Eisausdehnung auf der Nordhemisphäre haben.

Jüngste Temperaturtrends im Atlantischen Ozean

Der Vergleich der Anomaliekarten der Wassertemperatur von August 2014 (oben) und heute (unten) zeigt einen beachtlichen Temperaturrückgang in weiten Gebieten des Nordatlantiks. Die ziemlich kleinräumigen Gebiete mit unternormalen Wassertemperaturen (blau) vom August 2014 haben sich jüngsten Messungen zufolge erheblich ausgedehnt. Außerdem haben sich die Bereiche mit übernormaler Wassertemperatur (orange) vom August 2014 östlich und südlich von Grünland dramatisch abgekühlt.

Langfristige Temperaturtrends im Atlantischen Ozean

In größeren Zeitrahmen gibt es unterstützende Beweise vom National Oceanographic Data Center, denen zufolge tatsächlich irgendetwas Bedeutendes im Nordatlantik vor sich geht. Seit etwa Anfang 2007 gab es einen definitiven Abwärtstrend der „monatlichen Wärmegehalts-Anomalie“ in den oberen 700 m des Nordatlantik (Bereich mit Pfeil). Der Wärmegehalt in diesem Bereich des Atlantiks scheint ziemlich scharf gestiegen zu sein ab etwa Mitte der neunziger Jahre mit einem Höhepunkt Anfang 2007.

Globale monatliche Wärmegehalts-Anomalie (GJ/m²) in den oberen 700 m des Nordatlantiks seit Januar 1955. Die dünne Linie zeigt monatliche Werte und die dicke Linie das einfache gleitende Mittel über 37 Monate (ca. 3 Jahre). Datenquelle: National Oceanographic Data Center (NODC), www.climate4you.com. Letzter gezeigter Zeitraum: Oktober bis Dezember 2015.

Atlantische Multidekadische Oszillation (AMO)

Eine Art und Weise, wie Meteorologen die Verteilung der Wassertemperatur im Nordatlantik überwachen können, ist mittels eines Indexwertes, der als die Atlantische Multidekadische Oszillation AMO bekannt ist. Positive (negative) Phasen der AMO fallen zusammen mit wärmeren (kälteren) Wassertemperaturen im Nordatlantik. Die AMO steht in Beziehung zu dekadischen Klima-Fluktuationen wie etwa die sommerliche Niederschlagsmenge in Europa, die Hurrikane im Atlantik und Variationen der globalen Temperaturen. Die monatlichen Werte des AMO-Index‘ zeigt die folgende Abbildung für den Zeitraum 1870 bis 2015, wo positive Werte (rot) Perioden mit übernormalen und negative Werte (blau) Perioden mit unternormalen Temperaturen repräsentieren. Die Zyklen der Wassertemperatur haben dazu tendiert, etwa zwei oder drei Jahrzehnte anzuhalten, bevor es zu einer Phasenänderung kommt. Die letzte große Phasenänderung (von kalt zu warm) ereignete sich in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrzehnts und hat seitdem allgemein abgenommen, was die These stützt, dass gegenwärtig tatsächlich eine Abkühlung im Nordatlantik im Gange ist.

Gemessener AMO-Index, definiert als trendbereinigtes 10-year low-pass filtered annual mean area-averaged SST anomalies over the North Atlantic basin (0N-65N, 80W-0E), using HadISST dataset (Rayner, et al., 2003) for the period 1870-2015.;  courtesy NCAR: https://climatedataguide.ucar.edu/climate-data/atlantic-multi-decadal-oscillation-amo

Computermodell-Vorhersage der Wassertemperatur im Nordatlantik

Ein Hinweis darauf, dass dieser offensichtliche Abwärtstrend der Wassertemperaturen im Nordatlantik länger anhalten wird, stammt von der Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (JAMSTEC). Die globalen saisonalen Vorhersagen von Anomalien der Wassertemperatur erwiesen sich in der Vergangenheit als ziemlich gut, und deren jüngste langfristige Vorhersage (unten) zeigt, dass es ein ziemlich großes Gebiet mit unternormaler Wassertemperatur im Nordatlantik geben wird, und zwar im Winter 2016/2017 (eingekreiste blaue Region).

Modellvorhersage der JAMSTEC der Wassertemperatur-Anomalien für den Winter 2016/17.

Konsequenzen für die Ausdehnung von Meereis auf der Nordhemisphäre

Falls der Atlantik wirklich in eine Kaltphase wechselt (d. h. negative AMO), würde dies sehr wahrscheinlich bedeutende Auswirkungen auf das Meereis der Nordhemisphäre haben. Die Meereis-Ausdehnung auf der Nordhemisphäre war vor Mitte der neunziger Jahre allgemein größer als normal (Pfeil in der Graphik unten), bis die Temperaturphase des Nordatlantiks von kalt nach warm schwang. Nachdem sich die Warmphase des Nordatlantiks bis Ende der neunziger Jahre etabliert hatte, zeigte die Eisausdehnung der Nordhemisphäre einen scharfen Abwärtstrend von positiven Niveaus in den deutlich negativen Bereich. Während der letzten Jahre zeigte die Eisausdehnung einen gezackten Trend auf diesem unternormalen Niveau. Falls sich jedoch die Anzeichen einer möglichen Temperatur-Phasenänderung im Nordatlantik bestätigen (manchmal gibt es irreführende Anzeichen), dürfte sich das Meereis auf der Nordhemisphäre sehr wahrscheinlich wieder in nicht allzu ferner Zukunft übernormal ausdehnen – genauso wie es während der letzten Kaltphase vor Mitte der neunziger Jahre der Fall gewesen war.

Northern Hemisphere sea ice areal extent from 1979-2015; courtesy University of Illinois “cryosphere”, NOAA

Link: http://www.thegwpf.com/atlantic-ocean-showing-signs-of-a-significant-shift-to-cold-phase/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

Bemerkung: Wer die Wassertemperatur-Anomalien täglich verfolgen will, der klicke auf diesen Link: http://weather.unisys.com/surface/sst_anom.gif. Da zeigt sich, dass offenbar auch im Nordpazifik eine massive Abkühlung des Wassers im Gange ist.

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10 Kommentar(e)

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1
Stephan Becker

Anderer Punkt:
Zu der erwähnten ziemlich guten globalen saisonalen Vorhersagen von Anomalien der Wassertemperatur durch JAMSTEC (Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology) fallen mir auch ein paar Fragen ein:

Da diese Forschungseinrichtung sich intensiv mit Meerestemperaturen beschäftigt, würde mich interessieren, ob die einen El Nino für den Winter 2014/15 vorhergesagt haben?
Es gab nämlich vor etwa zwei Jahren, anlässlich der Dürre in Kalifornien schon mal eine Vorhersage [von wem?], dass Ende des Jahres 2014 ein El Nino zuschlagen würde. Dieser Vorhersage war allerdings komplett falsch. Es war weit und breit kein El Nino zu sehen und zu bemerken, von Ende 2014 bis Frühjahr 2015 nicht.
Und die letztjährige Vorhersage [von wem?] sprach ebenfalls von einem El Nino-Ereignis, einem sehr starken sogar. Aber es gab dennoch nur im Norden Kaliforniens eine etwas über der Norm liegende Niederschlagsmenge.

2
Stephan Becker

@#7: Neulen, Holger
Vielen Dank für Ihren Kommentar.

Ich frage mich einfach wie soll man durch die Darstellung der Temperaturanomalie der Wasseroberflächentemperatur des Nordatlantik für einen Monat einen Trend herauslesen? Das kann auch einfach nur ein "Ausrutscher" im April sein. Erst ab einem Durchschnittswert, der mindestens eineinhalb Jahre umfasst, würde ich nicht mehr von Wetter reden. Dass es im diesjährigen April kälteres Wasser als normal gab und im August 2014 wärmeres Wasser als normal, was soll das für einen Trend darstellen?
Man kann ja auch schlecht etwas über den Gesundheitszustand eines Patienten sagen, wenn man nur die Körpertemperatur von vor zehn Tagen und von gestern hat, oder?
Wenn da jetzt die Grafiken jedes Monats von August 2014 bis zu diesem April angezeigt würden, wäre das etwas anderes, oder eben die Anomalien von April '14 und April '16 im Vergleich.

Zu der Grafik des "Observed AMO Index" in Verbindung mit der Grafik "Globale monatliche Wärmegehalts-Anomalie seit 1955 in den oberen 700 m des Nordatlantik":

Die letzten Seegfrörnen des Bodensees gab es 1963 und 1880. Zumindestens für 1963 kann man da eine Übereinstimmung mit einem lokalen Minimum bei der "Globalen monatlichen Wärmegehalts-Anomalie" feststellen und etwa in dem Jahr gab es auch einen Übergang vom positiven zum negativen AMO-Index. Allerdings hätte es nach der gleichen Grafik der Wärmegehalts-Anomalie etwa Anfang des Jahres 1974 auch eine Seegfrörne geben müssen.
Wenn man sich aber hier:

Winter-Chronik für Deutschland
http://tinyurl.com/Eistage-Deutschland
http://www.winterchronik.de/winter-chronik.jsf

die Eistage im Winter 1972/73 anschaut, dann gab es damals zwar auch ziemlich viele Eistage, vor allem im Süden aber insgesamt längst nicht so viele wie 1962/63.

3

Im gezeigten Bereich des NA ist sogar der 100a Trend der SST negativ. Das ist alles nichts Neues und längst bekannt.

4
Neulen, Holger

Gute Frage Herr Becker#6!
Jedenfalls also ist ja zu erkennen, dass das Wasser sich wohl aufgeheizt hat.
Vom April – halt kälter
in den August zu wärmer.
So tut das wohl aus der Sonne Strahlung sein, oder meinens nicht?

5
Stephan Becker

Ich habe eine Verständnisfrage:
Wieso kann man die Wassertemperaturen eines Augusts mit denen eines Aprils vergleichen?

Müsste man nicht die April-Temperaturen von 2014 mit denen vom diesjährigen April vergleichen?

6
Werner Kohl

Auf earth.nullschool.net kann man u.a. diese Kaltzone incl. der Wasserströmungen visualisieren:

http://tinyurl.com/zo99ywx

7
Juergen Uhlemann

Ich beobachte die Meeresoberflächentemperatur westlich von Irland seit einige Zeit da ich davon betroffen bin.
Ich benutze http://earth.nullschool.net/ dazu, wo ich die Meeresoberflächentemperatur und die Meeresoberflächentemperatur Anomalie betrachten kann.
Meeresoberflächentemperatur: http://tinyurl.com/hnr7po2
Meeresoberflächentemperatur Anomalie: http://tinyurl.com/gkqenvr

Da der Golfstrom in der Anomalie abgeblockt wird kann nicht als gut betrachtet werden.

Irland hat eigentlich ein mildes Klima aber in den letzten Jahren hat sich etwas geaendert.

In der Gegend wo ich wohne habe ich keine Palmflanzen seit 2010 wachsen sehen. Die sind eingegangen.

Das Gras waechst anscheinend auchg nicht immer gut und das merke ich daas der Rasenmäher seltener gebraucht werden. Gut, das ist meine Einschätzung. Die wird aber dadurch unterstützt, dass ich letztes oder vorletztes Jahr gelesen hatte das die Bauern Viehfutter importieren mussten wegen zu geringen Graswuchs.

Diese Nachricht vom letzten Jahr zeigt meines Erachtens dieses Umstand auch: Seltene Sichtung von Beluga-Wal vor der irischen Küste
http://tinyurl.com/nb4k5fr
Beluga-Wale findet man Arktischen und subarktischen Gewässern.

Den Daten vom Irischen Wetteramt glaube ich nicht wirklich. Eine Station zeigt mit sicherheit eine zu warme Temperatur. da sie im Phoenix in Dublin steht. Trotztdem zeigt letztes Jahr dass die Durchschnittstemperatur unter den Durchschnit der Vergleichzeit von 20 Jahren war. Nicht so wichtig da mir die Natur ein besseres Bild zeigt.

Wenn ich die Heizung noch im Mai anmachen muss ist etwas nicht richtig. Wenn es noch im Juni passiert dann gefällt mir das garnicht.
Heute soll es bis zu 13 Grad warm werden.

Leider macht Irland auch auf Wind und es wird oft davon gesprochen dass wir hier viel Wind haben. Manchmal! Auf http://windenergy.ie/live/ kann man es genauer sehen. Heute ist es mit 46% sehr gut. Mir gefällt die Ausage dazu "Powering 1,357,850 Irish homes Or driving 8,847,157 kilometers in a Tesla Model S". Ich frage mich nur wieviele Tesla Auto's in Irland herumfahren. Die Ladestatione die ich kenne sind immer unbenutzt. Vielleicht liegt es daran das Irland klein ist und man nur zu Hause aufladet.

8
Martin Landvoigt

An sich sind warme Temperaturen für den Menschen nützlicher als kalte: Mehr Vegetation und Nahrungsproduktion, weniger Heizkosten ... darum sollten wir uns über eine Abkühlung auch nicht so sehr freuen. Der Punkt scheint da eher zu sein, dass wir die AGW-Hysterie für falsch halten und darum kühlere Verläufe als Bestätigung unserer Einschätzung begrüßen. Wir haben also die Wahl zwischen zwei Optionen, die beide als Vorteilhaft eingeschätzt werden können. Also win-win.

Dagegen haben die Prophets of Doom nur die wahl zwischen einer Erwärmung, die sie für katastrophal halten und einer Stagnation, bzw. Abkühlung, die sie auch nicht wollen, denn sie zeigt ihre falsche Einschätzung. Also loose-loose.

9
Manfred oellien

Für mich ist das eine gute Nachricht, ich hoffe das es wenn es spürbar kälter wird die Leute endlich aufwachen und kritischer werden.

10
Stefan Kämpfe

Ob vielleicht die rauen Frühjahre 2015 und 2016 in Deutschland schon ein erster Hinweis auf die in Richtung "kalt" kippende AMO sind? Während der AMO- Warmphase waren die Frühjahre in Deutschland meist auffallend mild; in den Frühjahren 2000, 2007, 2011 und 2014 wurden- was vorher seit 1761 nie vorkam- 10 Grad oder mehr im Deutschland- Mittel erreicht. Und die Arktiseis- Ausdehnung, welche die Temperaturverhältnisse in Deutschland ebenfalls mitbestimmt, vor allem in Monaten mit viel Nordwetter (April, Juni, doch auch im Jahresmittel herrscht negative Korrelation; eine höhere Eisausdehnung in der Arktis bedeutet tendenziell niedrigere Lufttemperaturen in Deutschland), nahm im März 2016 gegenüber 2015 leicht zu (noch ist sie relativ gering). In AMO- Kaltphasen gibt es tendenziell auch mehr Großwetterlagen mit nördlichem Strömungsanteil, und so nach und nach wirkt nun auch die nachlassende Sonnenaktivität in Richtung einer Abkühlung. Sichere Zukunftsprognosen sind schwierig, aber wäre ich gezwungen, zu wetten, ich würde auf Abkühlung in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten setzen.