Tschernobyl – 30 Jahre danach

Havariertes Kraftwerk Tschernobyl; Bild Kidshilfe

von Dr. Klaus-Dieter Humpich
Es ist schon so eine Sache, mit den runden Jubiläen. Zu solchen Anlässen schwappen Wellen der Erinnerung durchs Land. Eigentlich wollte der Autor dieses “Pflichtereignis” einfach übergehen, aber schon im Vorfeld wurde auch er von der Welle erfaßt.


Was macht Tschernobyl so besonders?

Diese Katastrophe – Unfall wäre diesem Ereignis nicht angemessen – brach auch über die Fachwelt wie ein Tsunami herein. Man kann es nur verstehen, wenn man sich die Begriffe “Sowjetunion” (damals offiziell als das “Reich des Bösen” betitelt) – und “eiserner Vorhang” wieder vor Augen führt. Es gab kaum Informationen über Kernkraftwerke im “Ostblock”. Wenn überhaupt, wurden sie privat mit äußerster Zurückhaltung auf internationalen Kongressen etc. ausgetauscht. Für mich gibt es bis heute zwei Schlüsselerlebnisse für den damaligen Zustand: Das – auch im Westen sehr beliebte – Standardlehrbuch der DDR über Kernenergie (Tereza Khristoforovna Margulova, zahlreiche Bücher und über 300 Fachaufsätze), enthielt nur Zeichnungen und Bilder von westlichen Reaktoren. Es war also mehr ein “Wunschbuch” als ein Lehrbuch. Noch viel bewegender war für mich der offene Streit zwischen Edward Teller und der Reagan-Administration über die Geheimhaltungspolitik der USA: Edward Teller trat vehement für die Freigabe aller vorhandenen Informationen über die Sowjetunion ein, weil er der Meinung war, dies würde den Menschen die Augen öffnen über dieses System und zum unmittelbaren Zusammenbruch dieser “Weltmacht” führen.

In diese Stimmungslage platzte die Nachricht von Tschernobyl. Nicht etwa aus der Sowjetunion selbst, sondern aus Skandinavien und Frankreich. Man hat in beiden Ländern die radioaktiven Wolken mit den Überwachungssystemen der Kernkraftwerke erfaßt. Die Nachricht war nicht mehr geheim zu halten. Jedem Fachmann war klar, da mußte etwas unvorstellbares in der Ukraine passiert sein. Besonders kafkaesk mutete die Lage in der DDR an. Das “Westfernsehen” berichtete stündlich, die “Aktuelle Kamera ” machte noch tagelang weiter, als sei nichts geschehen. Ähnlichkeiten zu heutigem Regierungsverhalten sind keinesfalls zufällig, sondern eher von Kindheit an anerzogen. Was nicht in das eigene Weltbild zu passen scheint, wird lieber ignoriert und das eigene Nichthandeln läßt man regierungsamtlich als Besonnenheit verklären.

Die Reaktion in “West-Deutschland”

Die Wahrheit ist, das Land war überhaupt nicht vorbereitet. Kernkraftwerke sind sicher. Punkt. Nach dem Störfall von Harrisburg (TMI) galt das um so mehr: Reaktor Totalschaden, aber keine Verletzten und (praktisch) keine Freisetzung von Radioaktivität in die Umgebung – also alles richtig gemacht. Wer sich mit “schweren Unglücken” und Gegenmaßnahmen beschäftigte, arbeitete angeblich nur den “AKW-Gegnern” in die Hände. Ein schwerer Irrtum. Schon damals war Deutschland keine Insel der Glückseligen, umgeben von einem Meer ohne Kernenergie. Noch heute hält man eisern an dieser Ideologie fest. Man verklagt lieber Länder auf die Stilllegung ihrer Kraftwerke, als das man sich mit der Realität auseinandersetzt.

Durch die mangelnde Vorbereitung haben auch die Kernenergiebefürworter eine Chance verpasst. Man hätte die Ausbreitung, Kontaminierung von Boden und Lebensmitteln viel genauer dokumentieren können. Ein unschätzbarer Schatz gegen Kollektivdosen, LNT etc. Stattdessen waren die Messkampagnen höchst selten und unvollständig. Meist unorganisiertes Ergebnis privater Initiative.

Gleichwohl packte die “Angstindustrie” die Gelegenheit beim Schopfe. Tschernobyl sollte Greenpeace und Co. Millionen an Spendengelder einbringen. Allerdings kann man auch das nur im geschichtlichen Zusammenhang sehen. In der zweiten Hälfte der Siebzigerjahre begann der rapide Niedergang der sog. K-Gruppen an deutschen Universitäten. Die Genossen Trittin, Kretschmann etc. mußten sich umorientieren, wenn sie ihre Vorstellungen von Gesellschaftsveränderung und Sozialismus noch umsetzen wollten. Die Hunderttausende gegen Nato-Doppelbeschluss, Kernkraftwerk Brokdorf, Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf und Endlager Gorleben waren einfach zu verlockend. Erst 1980 gegründet, stellten die Grünen 1985 in Hessen die erste Koalition mit dem Umweltminister Joschka Fischer. Dies war noch keiner Partei “links von der SPD” gelungen.

Interessant, aber bis heute nicht aufgearbeitet, ist die selektive Wahrnehmung unter den Linken gewesen. Irgendwie waren ja russische “AKW” eigentlich gute “AKW”, weil sozialistische “AKW”. Bitte keine Fragen zum Sinn und Konstruktionsprinzip der RBMK stellen, denn für jeden gläubigen Linken gehört(e) es zu den Glaubensgrundsätzen, daß Ronald Reagan der Kriegstreiber gegen den friedliebenden Kreml war. Wenn man auch sonst keine Gelegenheit ausließ, auf die Verknüpfung von “AKW” und “Atombombe” hinzuweisen, war das im Zusammenhang mit Tschernobyl tabu. In dieser Zeit wurde der Mythos von der “Unbeherrschbarkeit” erschaffen, der bis heute in der “ungelösten Endlagerfrage” religiöses Dogma ist. Wenn es nicht einmal in der friedliebenden und nicht profitorientierten Sowjetunion möglich war, Kernkraftwerke “sicher” zu betreiben, dann mußte die Kerntechnik prinzipiell nicht beherrschbar sein. Heute mag das fast lächerlich anmuten, aber 1986 konnte sich kein westdeutscher Linker vorstellen, was real existierender Sozialismus darstellte oder gar, daß dieses System in wenigen Jahren kollabieren würde. In Deutschland geht halt Ideologie vor Fakten: War doch die Begründung der Bundeskanzlerin für ihre 180°-Wende nach Fukushima, ihr angeblich enttäuschter Glaube an die Unfehlbarkeit der japanischen Technik.

Besonders zynisch ist es, wenn in deutschen Qualitätsmedien die Aufräumarbeiten von Fukushima immer in einem Atemzug mit Tschernobyl genannt werden. Kein Wort über die ahnungslosen und schlecht ausgerüsteten Feuerwehrleute, die brutal in den Tod geschickt worden sind. Kein Wort über die (fast unmittelbar) neben der Ruine spielenden Kinder, die aus ideologischen Gründen nicht unverzüglich in Sicherheit gebracht wurden. Kein Wort über die “heldenhaften” Bauarbeiter, die direkt von den Gerüsten im Baltikum verhaftet wurden, um unter höchster Strahlenbelastung Dienst zu tun. Ganz ohne Meßgeräte, aber dafür mit jeder Menge Falschinformationen. Manch ein “Putinversteher”, der immer noch nicht begreift, warum man im Baltikum so gerne Nato-Panzer sieht, könnte hier eine Antwort (von vielen) finden. Tschernobyl war der letzte Sargnagel, den sich das Sowjetsystem höchstselbst eingeschlagen hat. Dies könnte auch eine Erklärung für “Grüne” sein, warum Tschernobyl nicht zu einer “Anti-AKW-Bewegung” in der Ukraine, Polen und dem Baltikum geführt hat. Anders als in Deutschland, vermag man dort zwischen Physik und Politik zu differenzieren.

Die Lehren aus Tschernobyl

Es gibt zahlreiche Lehren und Konsequenzen, die international aus dieser Katastrophe gezogen worden sind. Allein die technischen Berichte und Auswertungen füllen ganze Regale. Die Kerntechniker – aber leider nur die Techniker – haben ihre Lektion gelernt. Insofern ist Tschernobyl für die Kerntechnik, was die Titanic für den Schiffbau war. Ein unüberhörbarer Weckruf, der sicherheitstechnische Grundsätze erschaffen hat, die weltweit anerkannt und praktiziert werden: Baue keinen Reaktor mit positivem Reaktivitätskoeffizienten, baue immer ein Containment usw. usw.

Seefahrt tut not, wußte man schon im Altertum, obwohl sie bis zum heutigen Tage immer wieder Opfer fordert. Energieversorgung ist für eine Gesellschaft ohne Sklaverei mindestens genauso lebensnotwendig. Aus diesem Grunde hat man in rationaleren Gesellschaften die Kernenergie auch nicht als Teufelswerk verdammt. Es gilt Risiko und Nutzen abzuwägen und die Technik beständig zu verbessern. Ganz genauso, wie es die Menschheit in ihrer Entwicklungsgeschichte immer getan hat. Ohne diese Verfahrensweise, wäre ein Fortschritt im Seetransport, der Luftfahrt usw. nicht vorstellbar gewesen. Ganz nebenbei gesagt, hat die Kerntechnik in diesem Sinne vorbildliches geleistet. Nicht ohne Grund, ist sie zu der Energieform mit der geringsten Opferzahl geworden. Gleichwohl gibt es eine “opferfreie” Energieerzeugung nur im Märchen. Schon im Kindergarten weiß man, daß man mit einem Fahrrad schnell von A nach B gelangen kann, aber auch übel stürzen kann. Kaum ein Kind verzichtet deshalb aufs Fahrradfahren. Wer “voran gehen will”, kann das gerne tun, muß sich nur nicht wundern, wenn er irgendwann feststellt, daß die anderen viel schneller waren und schon längst beim Essen sind.

Tschernobyl hat die Angst-vorm-schwarzen-Mann genommen

Von Anfang an, hat die Angstindustrie daran gefeilt, ein Alleinstellungsmerkmal für die Kerntechnik zu konstruieren: Wenn ein “AKW explodiert”, gibt es Millionen Tote und die betroffene Gegend ist für zehntausende von Jahren unbewohnbar. Aus moralischen Gründen sei es deshalb nicht zulässig eine solche Technik zu erlauben. Das war das Totschlagargument in jeder deutschen Talkshow. Sofort standen sich der idealistische und hoch moralische Gutmensch und der profitgierige, unterbelichtete Vasall der “Atomindustrie” gegenüber. In diesen Momenten, konnte sich selbst eine Theaterwissenschaftlerin wie eine Greenpeace-Amazone im Schlauchboot vor einem Walfänger fühlen – selbstverständlich ohne Risiko auch nur die Frisur zu gefährden.

Nun hat in Tschernobyl tatsächlich der Super-Gau stattgefunden und das Kraftwerk ist explodiert, abgebrannt und hat den größten Teil seiner radioaktiven Stoffe wie ein Vulkan ausgeworfen. Schlimmer geht nicht. Nur, wo blieb der Weltuntergang? Eine Zeit lang, konnte man die Sache noch am köcheln halten, in dem man irgendwelche Geschichten über irgendwelche Mutanten in der Zone erfand. Heute ist die “Sperrzone” längst zu einer Touristenattraktion mutiert. In den Tagen nach der Katastrophe, schwelgte noch die gesamte Presse in apokalyptischen “Krebs-Epidemien”, die in einigen Jahren folgen würden. Nun, 30-Jahre später ist davon nichts eingetreten. Lediglich die staatstragenden Medien, wie z. B. der Deutschlandfunk, machen unbeirrbar weiter: “Kinder, die erst nach dem Reaktorunglück geboren wurden, leiden unter Erbgutschäden und Missbildungen” (Deutschlandfunk, 30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl). Solch einen Schwachsinn trauen sich nur noch Medienbeamte mit garantierter Vollversorgung aus Zwangsbeiträgen. Das ist nicht mal mehr “Lügenpresse”, sondern einfach nur ganz schlechte Propaganda.

Es soll sogar Abtreibungen in Deutschland gegeben haben, weil Frauen fürchteten, irgendwelche Mutanten zur Welt zu bringen. In welcher Statistik werden eigentlich diese Opfer verbucht?

Die DPA teilt noch Anfang des Monats in ein und derselben Verlautbarung mit, daß 2015 bereits 15.000 Menschen die 30 km Todeszone (dieses Wort wird tatsächlich verwendet) als Touristen besucht hätten. Experten würden von Zehntausend Todesfällen infolge des Unglücks ausgehen. Sind solche Texte nun “Lügenpresse” oder schlichte Blödheit oder beides?

Interessant ist auch, welche Hektik bei jeder Diskussion zur Endlagerung, die Erwähnung von Tschernobyl auslöst. Es fällt sogar den Kirchenvertretern sichtlich schwer zu glauben, warum das, was in Tschernobyl ziemlich offen rumliegt, nach aufwendiger Verpackung und Lagerung in hunderten Metern Tiefe, sich in eine die Menschheit gefährdende Angelegenheit verwandeln soll. Dafür ist mindestens so viel Glauben notwenig, wie für die Verwandlung von Wasser in Wein. In diesem Sinne, setzt die Feststellung von Greenpeace (Bergungskonzept für Tschernobyl-Ruine fehlt; vom 14.4.16) allem die Krönung auf: 440.000 Kubikmeter langlebiger Atomabfälle lägen unter dem alten “Sarkophag”. Das entspräche dem fünfzehnfachen Volumen aller hochradioaktiven Abfälle deutscher Atomkraftwerke. Danke Greenpeace, manchmal hab ich euch richtig lieb. So lieb, wie nach eurer Kampagne gegen die Versenkung einer alten Bohrinsel in der Nordsee.

Nun sind aber die PR-Abteilungen der Angstindustrie flexibel. Man rückte deshalb – bis Fukushima – immer weiter von der Angstmache ab. Es wurde eine angebliche Unwirtschaftlichkeit von Kernkraftwerken und die “ungelöste Endlagerfrage” in den Vordergrund gestellt. Das erste Argument ist trefflich geeignet für Menschen, die immer noch Planwirtschaft für eine überlegene Wirtschaftsordnung halten. Wer nicht rechnen kann, glaubt halt jeden Zahlensalat. Das zweite Argument trieft vor moralischer Überlegenheit. Wer will schon seinen Nachfahren ein Problem vererben? Jedenfalls wenn es um “Atommüll” geht. Durch Windparks zerstörte Landschaften und Vogelpopulationen, Berge von Sondermüll-Sonnenkollektoren oder mit Rückständen aus der Biogas-Produktion verseuchte Bäche und Seen sind natürlich etwas ganz anderes. Der Glaube versetzt Berge, sagt man. Um es klar zu sagen, es gibt keine Energieversorgung ohne Abfälle und Schadstoffe. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Schlangenölverkäufer, der sein Gegenüber für ziemlich dämlich hält.

Was uns Tschernobyl wirklich lehrt

Große Katastrophen sind immer Eckpunkte in der Technikgeschichte. Man kann meist klare Lehrsätze aus ihnen ableiten. So auch aus der Katastrophe von Tschernobyl. Dies macht die Opfer zwar nicht wieder lebendig, aber spendet vielleicht ein wenig Trost, daß ihr Tod nicht so sinnlos war, wie es manchem erscheint.

•   Die militärische und die zivile Nutzung der Kerntechnik sind strikt auseinander zu halten. Dringt das Militär mit seiner Geheimhaltung in die “doppelt genutzten” Bereiche ein, sind die “Missverständnisse” vorprogrammiert.

•   Fukushima und Tschernobyl haben eines gemeinsam: Die Ignoranz gegenüber ausgewiesenen Fachleuten (Fachleute sind nicht zu verwechseln mit “Atomexperten”, die von Interessengruppen ernannt werden). In Tschernobyl war es das Reaktivitätsverhalten, in Fukushima die bekannte Fluthöhe von Tsunamis. Probleme müssen offen diskutiert und erforderlichenfalls gelöst werden. Ein wird-schon-gut-gehen darf es in der Kerntechnik nicht geben.

•   Kerntechnik kann man nur richtig betreiben oder man läßt es besser bleiben. Unabdingbare Voraussetzung ist Transparenz, Verantwortung und Qualifikation aller Beteiligten. Wenn Halbwissende anfangen mit einem Reaktor zu spielen, ist alles verloren. Dies sei allen gesagt, die den Zubau von Kernkraftwerken in Diktaturen vorbehaltlos bejubeln.

•   Es gibt keine absolut sichere Technik. Deshalb sollte man auch gar nicht den Anschein erwecken. Es werden immer Schiffe untergehen, Flugzeuge abstürzen, Windmühlen umfallen, Dächer durch Sonnenkollektoren abbrennen. Nach Tschernobyl – völlige Zerstörung und Freisetzung – ist aber die Obergrenze durch ein trauriges Experiment vorgeführt worden. Lassen wir nun auch bitte den Blödsinn, von Millionen “virtuellen Toten” zu schwafeln. 30 Jahre sind eine verdammt lange Latenzzeit. An welchem Tag soll denn das Massensterben einsetzen?

•   Wir kannten und kennen das Risiko (Schaden mal Eintrittswahrscheinlichkeit) sehr gut. Noch wichtiger: Es hat sich weder in Harrisburg, Tschernobyl oder Fukushima unvorhersehbares oder unbekanntes ereignet. Eher im Gegenteil! Es liegt nicht an der Technik als solches – wie immer gern von Grünen behauptet – sondern viel mehr an Handhabung und Aufsicht. Den Umgang gerade mit dieser Technik, kann man aber sehr wohl in den Griff bekommen, wie z. B. die US-Navy eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Man muß nur den festen Willen dazu haben.

•   Man muß offensiv mit dem vorhandenen Risiko umgehen. Es darf kein Tabu geben. Schon bei der laufenden Ausbildung sollten Ereignisse durchgespielt werden, die über die “Auslegungsstörfälle” hinausgehen. Die Einrichtung von überregionalen “Katastrophenzentren” geht in die richtige Richtung. Schließlich ist die Antwort auf (unvermeidbare) Brände – trotz vorbeugendem Brandschutz – auch die Einrichtung von Feuerwachen.

•   Die Bevölkerung in der Nähe von Kernkraftwerken muß aufgeklärt werden und aktiv in den Katastrophenschutz einbezogen werden. Nur wer die Gefahren versteht und Schutzmaßnahmen kennt, kann im Ernstfall auch vernünftig handeln. Ganz besonders Fukushima hat gezeigt, daß (irrationale) Angst tötet.

•   Nur Übung macht den Meister. Dies gilt auch beim Katastrophenschutz. Die guten, alten ABC-Schutzübungen sind aktueller denn je. Deutschland kann sich nicht durch ein paar Windmühlen und Sonnenkollektoren aus der realen Welt wegzaubern. Wir sind von Kernkraftwerken und bald auch von Endlagern umgeben. Entweder sind die Gefahren durch Fessenheim, Bure etc. real, dann helfen keine Klagen dagegen, sondern nur Schutzmaßnahmen oder es geht einfach nur um politisches Theater. Terrorismus findet bereits vor der Tür statt. Deutschland zieht mit seiner anerzogenen “Atomangst” und seiner Weltabgewandtheit “Nuklearterroristen” geradezu magisch an.

Übernommen von Nukeklaus hier 

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15 Kommentare

  1. # 11 Rolf Pietsch

    Gut, daß Sie das korrigieren, Herr Pietsch.
    Tschernobyl wurde nämlich nicht zum Sargnagel der Sowjetunion, sondern zum Sargnagel der Kernenergie in Deutschland, was die Freunde der Kernenergie bis heute nicht gern hören.
    Ich wies schon im Kommentar 4 darauf hin, daß eine aufklärende Information vom Deutschen Atomforum, der Firma Siemens bzw. der Gesellschaft für Energietechnik im VDI genügt hätte, den Ansehensverlust der Kernenergie in Deutschland abzuwenden.

    Die deutsche Wirtschaft zog es vor, gewinngarantierte EE-Geschäfte mit CO2-Tand zu machen. Nun bekommt sie die Quittung, das zeigt sich bis hin zum U-Boot-Auftrag Australiens für Frankreich, das die Option „Nuklearantrieb“ eben nicht leichtsinnig verschenkt hat.

    Die heutige Werbung der Stahlwirtschaft (gezielt zur Hannover-Messe als FAZ-Beilage), nur Stahl könne es schaffen, die 400 Tonnen schwere Gondel eines Offshore-Windrades zu tragen, offenbart in aller Deutlichkeit, daß die Wirtschaft nicht einmal merkt, daß sie sich im Puppenheim eingeigelt hat und lächerlich macht.
    Wie soll ein derartig-unverhältnismäßiger Materialeinsatz „nachhaltig“ sein???

  2. Der Absatz über die „Putinversteher“ hat mich auch überrascht. Ich denke nicht, dass die Menschen in der Ukraine heute im Jahr 2016 NATO-Panzer sehen wollen, weil vor 30 Jahren in einem völlig anderen Staatswesen ein Kernkraftwerk in die Luft gejagt wurde.

    Ansonsten Danke für den lesenswerten und informativen Beitrag!

  3. #11: Sehr geehrter Herr rolf pietzsch, danke für die notwendige Richtigstellung.
    Ich weis auch nicht, was an den „Aufräumarbeiten“ gerade durch russisches Militär zu kritisieren sein könnte, ganz sicher waren viele Freiwillige dabei. Wer hätte das denn sonst und besser machen können,
    unsere Grünen Angshasen?
    Putin hat damit nichts zu tun. Ihn muss man auch nicht „verstehen“, was für ein Hochmut. Aber man darf ihn bewundern nicht nur aus Sicht eines Russen. Bisher hat er überall, wo er „eingegriffen“ hat Krieg beendet und nicht begonnen wie unsere US-Freunde. Triff übrigens AUCH für die Krim zu, die historisch nicht zur Ukraine gehört.
    Denken Sie mal drüber nach, Herr Humpich.

  4. Quote: Manch ein “Putinversteher”, der immer noch nicht begreift, warum man im Baltikum so gerne Nato-Panzer sieht, könnte hier eine Antwort (von vielen) finden. Tschernobyl war der letzte Sargnagel, den sich das Sowjetsystem höchstselbst eingeschlagen hat. Dies könnte auch eine Erklärung für “Grüne” sein, warum Tschernobyl nicht zu einer “Anti-AKW-Bewegung” in der Ukraine, Polen und dem Baltikum geführt hat. Anders als in Deutschland, vermag man dort zwischen Physik und Politik zu differenzieren.Unquote
    Ich schätze Ihre fachlich fundierten Artikel zur Kernenergie, Herr Humpich. Der o.a. Absatz erschließt sich mir nicht. Ich habe sechs Jahre in Russland (KKW Novovoronezh) gearbeitet und oute mich hier ohne Scheu als Putinversteher. Ich war aber auch sehr oft im Baltikum, besonders in Estland und darf behaupten, dass NATO Panzer im Baltikum höchstens bei einigen Russenhassern wie Frau Grybauskaite gern gesehen sind. Bei der Mehrheit der Bevölkerung eher nicht. Bleiben Sie lieber bei den technischen Themen, von den politischen Zusammenhängen, besonders den östlichen wissen Sie offenbar zu wenig.

  5. # 5 Frank Oesterle,
    die Ursache wird noch heute nicht korrekt kolportiert:
    Das Kraftwerk war bekanntlich konstruiert zur Herstellung von Plutonium für Kernwaffen gekoppelt mit einer Nutzung der Wärme zur Erzeugung von Strom, um die Herstellungskosten der Waffen zu senken. – Der Grundsatz: „Baue keinen Reaktor mit positivem Reaktivitätskoeffizienten…..“ wurde damals selbstverständlich auch von den Konstrukteuren korrekt beachtet. – Eine Explosion des Brennstoffes (als Folge menschlichen oder technischen Versagens) war unmöglich!!! – Das änderte sich erst als der Bedarf an Plutoium gedeckt war. – Grob fahrlässig wurden dann aus wirtschaftlichen Gründen (offenbar von Dilettanten) allein die Spaltstoffmenge und der Abbrand erhöht, ohne zu beachten, dass dabei die ursprünglich auch in dieser
    Konstruktion wirkende „inhärente Rückwirkung“ verloren. (Mit Hilfe einiger kleiner technischer Änderungen hätte das vermieden werden können.) Nun galt Murphy`s Law: „Was geschehen kann, geschieht auch (irgendwann)!“ – NTV nennt heute als Folge des Unfalls 1 Million Tote und lässt gleichzeitig nach 30 Jahren einen der sog. „Liquidatoren“ zu Wort kommen.

  6. @#6: T.Heinzow sagt:

    „Insofern ist Tschernobyl für die Kerntechnik, was die Titanic für den Schiffbau war.“

    Die Katastrophe der Titanic hast aber nicht mal in Deutschland dazu geführt, dass die Schifffahrt eingestellt wurde.

  7. #3 Werner Furrer,

    „Statt eine «Bewertung» des Vorfalls wäre eine Beschreibung, was genau passiert ist, interessanter gewesen, sowie eine Angabe zum nach wie vor unter dem Sarkophag lauernden Gefahren-Potential.“

    Was „genau“ passiert ist, könnten Sie dem vorhergehenden Beitrag in der Energiespalte entnehmen.

    Ein „Gefahren-Potential“ kann nicht lauern – höchstens die Gefahr selbst.

    Welche Gefahr(en) könnte(n) dies Ihrer Meinung nach sein?

    Kann es sein, dass von dem verglasten Corium überhaupt keine Gefahr für die Umgebung des Havariereaktors ausgeht, da keine stofflichen Freisetzungen mehr stattfinden?

    Zudem muss berücksichtigt werden, dass ein sehr großer Anteil des Reaktorinhaltes bei der Explosion in die Atmosphäre geschleudert wurde und sich gar nicht mehr unter dem Sarkophag befindet?

    Mit dem Begriff „nach wie vor“ suggerieren Sie, dass es in den vergangenen 30 Jahren keine Veränderung im stofflichen Bestand des Reaktors und seiner „Überreste“ gegeben hat. Das ist Unfug.

    Wozu haben wir das Zerfallsgesetz?

  8. Über den ersten Sarkophag wird nun ein zweiter Sarkophag gebaut, Kosten mehr als 2 Mrd. EURO. So wie beim EPR die erste etwa 1 Meter dicke Betonkuppel durch eine zweite etwa 1 Meter dicke Betonkuppel geschützt wird, und wie an manchen Zwischenlagern an unseren KKW’s die lange etwa 1 Meter dicke Außenwand durch eine zweite ca. 1 Meter dicke Wand geschützt werden soll. Alles dafür, daß nur kein Becquerel nach außen dringt, denn jedes Bq ist ein Bq zu viel???? Die Reichen zahlen dafür, und für denm Erhalt ihrer Strahlenangst. Das ist falsch, manch einer weiß das, aber fast niemand traut sich dazu den Schnabel auf zu machen!!! Die Behörden verlangen, und die Fachleute gehorchen. Können diese wirklich nicht anders???

  9. „Insofern ist Tschernobyl für die Kerntechnik, was die Titanic für den Schiffbau war.“

    Ja, der Vergleich stimmt, denn in beiden Fällen wurde alles über Bord geworfen, was Sicherheit bringt.

    Tschernobyl war ein Versuch der Roten Armee, der gründlich schief ging und kein „Unfall“.

    Die Titanic ein Versagen des Kapitäns, der nächtens in ein Seegebiet einfuhr, in dem es Eisberge gab. In Italien gab es ebenfalls erst kürzlich so einen Verrückten … .

    Der Unterschied ist nur, daß in Tschernobyl Zwang zum Versuch angewendet wurde … der Kapitän der Titanic in vorauseilendem Gehorsam handelte … .

  10. Ich neige seit ungefähr drei Tagen nach Tschernobyl zu einer Ursachenvermutung, die viel, viel wahrscheinlicher ist als die bisher vorgebrachten: Jemandem, der in einem KKW arbeitet, unterläuft niemals der unterstellte Fehler, der zu der Katastrophe führte, auch nicht im größten Suff oder in einer noch so großen Ausnahmesituation. Rein realistisch kann man die bisher vorgebrachten Vermutungen zur Ursache des GAUs getrost für nichtig erachten.
    Danach stellt sich der Jurist die Frage: „Cui bono?“, also „Wem zum Vorteil?“ Und jetzt kommen wir der Sache näher. Wer hat von Tschernobyl einen Vorteil? Mir fällt zur Antwort nur eine einzige Bevölkerungsgruppe ein: Die Grünen. Fast alle peripheren Gegebenheiten sprechen für diese Vermutung, jedes Puzzlestück passt plötzlich zum anderen. Diskutiert es selbst aus.

  11. Leider kein Wort davon, daß sich die KE-Lobby mit CO2 rausmogeln wollte.
    Die Firma Siemens und das Deutsche Atomforum haben das menschenverachtende Verhalten der Sowjetunion gedeckt, die sich nicht an die 1955 getroffene Vereinbarung gehalten hat, diesen Reaktortyp nicht mehr zu bauen.

    Als ich den Verfasser dieses Artikels darauf hinwies, fragte er, auf welcher Gehaltsliste ich stünde.
    Peinlich, solche Methoden.

  12. Statt eine «Bewertung» des Vorfalls wäre eine Beschreibung, was genau passiert ist, interessanter gewesen, sowie eine Angabe zum nach wie vor unter dem Sarkophag lauernden Gefahren-Potential.

  13. „Ganz besonders Fukushima hat gezeigt, daß (irrationale) Angst tötet.“ — Das sollten wir in der Tat immer sehr deutlich sagen, denn es gab dort ca. 150 StahlenSCHUTZopfer, siehe:
    http://tinyurl.com/jahf8ss
    Es wurden nämlich die Krankenhäuser evakuiert und die Intensivpatienten einfach von ihren lebens-erhaltenden Geräten getrennt — ca. 150 Menschen starben, aber (fast) nirgendwo in den Medien wird darüber berichtet.

    Und es ist noch dazu zu sagen, daß bei NICHTEVAKUIERUNG viele Menschen eine Strahlendosis erhalten hätten, die ihrer Gesundheit gut getan hätte. Prof. Jaworowski (einer der ganz großen in Sachen Strahlen) schrieb „…a 15% to 30% deficit of solid cancer mortality was found among the Russian emergency workers, and a 5% deficit solid cancer incidence among the population of most contaminated areas.“
    Es geht hier jetzt nicht um die Zahlen, denn diese kann niemand in dieser Welt wissen, solange die Forschung dazu laut Gesetz verboten ist. Es geht darum zu erkennen, daß gamma-Strahlung im MeV-Bereich im niedrigen Dosisbereich und niedrigen Dosisleistungsbereich nicht schädlich ist, sondern nützlich für Lebewesen ist.

  14. Dieser Artikel freut mich sehr. Leider mal wieder nur im Internet so sachlich und neutral aufzufinden. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen nimmt diese Woche, wieder im Rahmen des Tschernobyl-GAU’S, gleich mit Verweis auf Fukuschima, seine Funktion als Horror-Hysterie-Erzeugungsmotor wahr. Indem es viele Sendungen zum Themenkreis ungeahnte unkontrollierbare permanente Gefahren durch Kernenergie bringt. Wie immer wird in Deutschland, ich will es mal indianisch formulieren, mit gespaltener Zunge, geredet. Bzw. geschwiegen. Es werden durch deutsche Firmen im Ausland Kernkraftwerke ausgerüstet, Bauteile unter falschen Firmennamen an Schurkenstaaten geliefert, die atomar aufrüsten …. Und wir sind trotzdem mal wieder die Friedensengel, die als einzige den Durchblick haben, da wir ja wissen, wie gefährlich Atomkraftwerke sind um diese unbedingt sofort vom Netz nehmen zu müssen.
    Für eine statistisch geringe Wahrscheinlichkeit der gesundheitlichen Schädigung durch Kernenergie wird eine reale flächendeckende Gefährdung durch Windkraftanlagen und Biogasanlagen ( mit Maismonokulturen, der Überdüngung und dem Verteilen nicht analysierter Biogasanlagen-Abfälle auf den Feldern ) in Kauf genommen. Über 50 internationale Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen von AKW’s stehen dem einzigen negativen Ergebnis der deutschen Forscher geradezu diametral gegenüber !

    Wenn z.B.Claudia Roth über zig Tausende von Opfern und Toten der Fukuschima-Katastrophe spricht, sagt das alles. Diese wurden Opfer des Tsunami, nicht des AKW’s. Unwichtiges Detail.

    Langsam muss man anfangen sich zu schämen ein Deutscher zu sein, der dem Rest der Welt mal wieder seinen Irrglauben aufdrängen will.

    Der Verstand setzt mittlerweile kollektiv aus und folgt, wie gewohnt, einer radikalen Ideologie.

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