Der Irrsinn mit Irsching

Der Erdgasblock mit einer Leistung von 850 Megawatt (entspricht ungefähr 2.000 modernen Windrädern) wurde von Siemens errichtet und hat die Eigentümer Uniper Kraftwerke, N-ERGIE, Mainova und HEAG Südhessische Energie (HSE) schlappe 400 Millionen Euro gekostet.

Die Anlage ist fünf Jahre alt und kaum gelaufen – ein Schnäppchen für einen Käufer, sollte man meinen. So eine Art Mercedes S-Klasse mit 5000 km auf dem Tacho, und jedes Jahr in der Werkstatt gepflegt. Schon 2012 verkündeten die Eigentümer in einem Brief an die Politik, den Block 5 für stilllegen zu wollen, da ein rentabler Betrieb nicht möglich sei. Eon-Chef Johannes Teyssen forderte vom Staat 100 Millionen Euro pro Jahr, um das Kraftwerk dauerhaft in Betriebsbereitschaft zu halten. 

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP, Kabinett Seehofer I) erklärte, Irsching 5 werde aus Gründen der Netzstabilität auf jeden Fall in Betrieb bleiben – notfalls auch gegen den Willen der Betreiber – oha! Das ist so, als würde die Politik verlangen, dass der Eigentümer eines Mercedes ihn weiterfährt, auch wenn es nur noch eine Straße gibt, auf der alle anderen Autos per Gesetz immer Vorfahrt haben.

Wieso kann es sein, dass ein derartig supermodernes und umweltfreundliches Gaskraftwerk in Deutschland nicht länger betrieben werden kann? Wie der geneigte Leser schon dunkel ahnt, ist der Grund dafür die vergurkte Energiewende. Im Jahr 2011 produzierte das Irsching 5 Strom in mehr als 4.000 Betriebsstunden – das sind 170 Tage Produktion. 2012 waren es nur rund 1.600 Betriebsstunden – das sind noch 66 Tage. 2014 waren es dann noch 191 Stunden, ganze acht Vollasttage. Den Rest der Zeit stand die Anlage rum. Und es ging weiter abwärts.

Der Grund ist, dass die erneuerbaren Energien Wind, Sonne und Biogas im Netz per Gesetz stets „Vorfahrt“ haben – egal was sie kosten und ob der Strom überhaupt gebraucht wird. Die Ökoenergie muss vom Netz abgenommen und öfters an Österreich und die Schweiz zu „negativen Preisen“ verkauft werden. Das heißt, der Verkäufer bezahlt den Kunden für die Stromabnahme. Finanziert wird das vom Stromkunden und Steuerzahler – pfiffigen Lesern fällt jetzt auf, dass dies in der Regel dieselben kleinen Leute sind. Eine Durchschnittsfamilie zahlt derzeit fast 300 € pro Jahr in diesen ökonomisch unsinnigen EEG-Topf.

Die konventionellen Kraftwerke stehen Generator bei Fuß und müssen warten, bis es dunkel ist und kein Wind weht. Erschwerend für Gaskraftwerke kommt hinzu, dass schmutzige Kohle noch einen Tick billiger ist, als sauberes Erdgas. Um in diesem Subventionsgestrüpp zu überleben, müssen die Kraftwerksbetreiber auf den Cent sehen. Also werden bei Bedarf zuerst die Kohlebuden angefahren. Deshalb reißt Deutschland seit die Energiewende zunehmend „erfolgreich“ ist, alle selbstgestellten Ziele der CO² Reduktion des Kyoto-Protkolls. Klimaschutz im Lande Absurdistan. Frau Merkel hat inzwischen andere Baustellen, sie mutierte von der „Klimakanzlerin“ zur „Flüchtlingskanzlerin“.

Für die Kraftwerksbetreiber wird so eine Anlage extrem teuer, weil ja das Personal in voller Stärke vorgehalten und bezahlt werden muss, auch wenn die Produktion nur 10 Tage im Jahr läuft. Sogar die Instandhaltung muss in voller Schönheit weitergehen, egal ob Betrieb oder erzwungener Stillstand. Ich schätze die Kosten für die Betreiber auf 300 Tausend Euro pro Tag ein. Jeder Laie kann sich ausrechnen, was das bei 350 Stillstandstagen im Jahr kostet.

Ende März 2015 kündigten die Eigentümer an, die Irschinger Blöcke 4 und 5 aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit zum 1. April 2016 stilllegen zu wollen. Nach Angaben der Eigentümer kamen die Blöcke 4 und 5 im Jahr 2014 nicht am konventionellen Strommarkt zum Einsatz, sondern ausschließlich dann, „wenn ihre Leistung zur Stabilisierung des Stromsystems gebraucht wurde“.

Der Netzbetreiber aber sagt: nee, das Kraftwerk wird gebraucht, als Reserve, falls mal Windstille herrscht. Die Betreiber klagten nun gegen den erzwungenen Weiterbetrieb ihrer unrentablen Anlagen.  Die tatsächliche Zukunft des Kraftwerks gilt hingegen als noch nicht entschieden, die vorläufige Stilllegung wird als „Druckmittel auf die Politik seitens der Betreiber“ interpretiert.

Die Politik ist in der Zwickmühle und der Steuerzahler wird wohl zahlen müssen. Weil die Kraftwerke sogar dann noch bereitgehalten werden müssten, wenn es nur einen einzigen Tag im Jahr gibt, an dem sie gebraucht werden. Denn sind sie dann nicht da, bricht das Netz zusammen und es kommt zu einer unvorstellbaren Katastrophe. Wer wissen möchte, was ich meine, sollte den Roman "Blackout" lesen.

Die Energiewende ist gescheitert, auch wenn dies durch Propaganda noch verschleiert werden kann. Deutschland leistet sich zwei komplette Kraftwerksparks von derselben Kapazität. Absurdistan hat einen "ökologischen“ und zusätzlich einen konventionellen Kraftwerkspark, beide mit hundert Prozent Kapazität. Das verdoppelt die Stromkosten für den Endkunden. Es ist eigentlich eine verkappte Steuer. Nicht umsonst folgt uns nicht ein einziges Land der Welt bei unserer gepriesenen „Vorreiter-Rolle“ in der Energiepolitik.

Eine Rolle ist die Energiewende schon, aber eine Rolle rückwärts in mittelalterliche Technologien wie Windmühlen, Brenngläser und Furzgas. Damit lässt sich ohne großtechnische Speichertechnologie keine Industrie und kein Staat machen. Die einst grundsoliden deutschen Energieversorger wurden von der Regierung bekämpft, enteignet und zerschlagen sich in ihrer Not selbst. Helldeutschland steckt sein Geld lieber in ökologisch korrekte Unternehmen wie Prokon und German Pellets. Dann folgt das große Augenreiben. Keine Sorge, liebe geprellte Anleger, Euer Geld ist nicht weg. Das haben nur Andere. Vielleicht hat ja der Bundespräsident den immer noch möglichen Blackout gemeint, als er von „Dunkeldeutschland“ sprach.

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