Nachgefragt: Ein lokaler Versorger bricht die Macht der Stromgiganten

Cover des Films "Die Maus die brüllte"; Bild Sony Pictures

von Helmut Kuntz
Am 23. Januar las der Autor zum Frühstück in „seiner“ Lokalzeitung einen groß aufgemachten Artikel: „N-Ergie will Macht der Stromgiganten brechen“. In einer Präsentation erklärte darin der Vorsitzende des Vorstands des lokalen Versorgers wie er sich die EEG-Zukunft unter seiner Führung vorstellt und dass das „Zerschlagen“ der bisher bewährten Energiestruktur und Firmen vorteilhaft wäre, weil im Gegenzug die lokalen Versorger „ .. an Einfluss gewinnen“.
In der Einleitung des Artikels hieß es dazu: „Die Energiewende ist nicht nur ein Riesenprojekt, sie ist auch ein Riesengeschäft – und davon hätte die Nürnberger N-Ergie gerne ein großes Stück.“

Der Autor konnte die im Artikel erkennbare Euphorie des Lokalredakteurs zur Vorstellungen dieses Vorstands der NERGIE (der höchst-bezahlte Versorger-Vorstand in Bayern: „stadtwerke-manager-verdienst“) und sein Riesengeschäft nicht teilen. Er meint sogar, dass die parallele Geschäftsführung in einer Firma, welche ausschließlich von der „Energiewende“ profitiert die Unabhängigkeit kommerzieller wie auch fachlicher Entscheidungen eklatant in Frage stellt, was sich z.B. anhand der Propagierung von Akkuspeichern – den teuersten Energiespeichern überhaupt und zur Lösung des EEG-Speicherproblems vollkommen untauglich – vermuten lässt.  Auch die Art der Präsentation mit Unterstützung durch den wohl grünsten CSU-Abgeordneten  – von welchem dem Autor bisher ausschließlich ideologisch begründete (und  haarsträubende) Statements zum Thema bekannt sind und der immer noch davon überzeugt ist, dass die Erhöhung der Stromkosten niemals vom EEG verschuldet ist: „wird-die-energiewende-zurueckgedreht“ – als „Beleg“ lässt auf fehlende Unabhängigkeit und im Wesentlichen politisch motivierte Entscheidungs-Orientierung schließen.

Deshalb mailte er eine Nachfrage an die Pressestelle. Dieses Mail und die Antwort der N-Ergie ohne Kommentar anbei.

An die Pressestelle der N-Ergie

Sehr geehrte Ansprechpartner(-innen) der Pressestelle,

mit Verwunderung habe ich in der Zeitung den Artikel „N-Ergie will Macht der Stromgiganten brechen“ gelesen. Ich beschäftige mich als Privatmann ebenfalls etwas mit dem EEG und dem Strommarkt – mit dem Ergebnis, dass ich leider einige der im Artikel vom  N-Ergie Chef J. Hasler gemachten Aussagen nicht nachvollziehen kann.

Nachdem kein Vorstand eine solche Präsentation  durchführt, ohne ein sorgfältig ausgeführtes Konzept vorliegen zu haben, sollte die Beantwortung meiner Fragen – bzw. eine Übersendung des zugrunde liegenden Strategiekonzeptes – problemlos möglich sein.

Hinweis: Diese Anfrage und Ihre Beantwortung erlaube ich mir im Blog EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie e.V.) zu publizieren, da es von allgemeinem Interesse ist, wie moderne Versorger sich die Energiezukunft vorstellen, umsetzen und lösen. Für N-Ergie auch eine gute Gelegenheit, ihre innovativen Ideen einer kritischen Leserschaft vorzustellen und im Kommentarteil bewerten zu lassen.

Meine Nachfragen

Artikel

Der Vorstand der N-Ergie sieht es als großen Nutzen, 45.000 EEG-Anlagen in den vergangenen Jahren angeschlossen zu haben.

Frage

Meines Wissens bekommt jede EEG-Anlage bisher eine höhere Einspeisevergütung als die Energie auf dem Strommarkt Wert ist (z.B. die Großanlagen auf der Nürnberger Kongresshalle über 45 ct/kWh). Wo sehen Sie da den  Vorteil für den Endkunden?

Artikel

Ein Versorger, der „die Macht der Stromgiganten brechen will“ hat damit das Ziel für seine Kunden einen bisher nicht vorhandenen Nutzen zu generieren. Bisher war der Nutzen der „Stromgiganten“ eine extrem stabile Stromversorgung und ein  billiger Strompreis. Dies klingt im Artikel auch an „ … So war es schließlich all die Jahrzehnte, so hat es sich bewährt, so soll es bleiben“.

Man kann beim Lesen des Artikels den Eindruck gewinnen, dass seitens der N-Ergie eher die EEG-Erzeuger als das ursprüngliche Klientel, die Stromkunden unterstützt werden. Zu den Zeiten die im Artikel so negativ dargestellt werden kam überhaupt niemand auf die Idee, seinen Strom selbst zu erzeugen. Der wesentliche Grund war, dass es sich nie gelohnt hätte.

Frage

Welches Basis-Konzept hat die N-Ergie um mit dem Brechen „der Macht der Stromgiganten“ einen Nutzen für seine Stromkunden zu generieren. Ab wann rechnet die N-Ergie damit, dass grüner Strom dann Marktpreis-fähig sein wird?

Warum ist es in den Augen der N-Ergie ein Vorteil, privat Strom selbst erzeugen zu müssen, nur weil der vom Versorger gelieferte so hochpreisig geworden ist (mit steigender Tendenz), dass sich sogar teurer Selbstversorger-Strom zum Eigenverbrauch inzwischen lohnt.

Artikel

Herr Hasler sagt: „… die Zukunft sei denzentral“ und „… es ist volkswirtschaftlich am Günstigsten, wenn jede Region ihr erneuerbares Potential selbst nutzt und nur Überschüsse ausgetauscht werden“.

Frage

Wieso gibt es im dezentralen EEG-Zukunftsnetz nur Überschüsse? Wenn man sich die Leistungs-Ganglinien der Ökostromerzeugung Wind und Solar ansieht (Solar ist dafür extrem typisch) dann gibt es über sehr lange Zeiten auch massivste Unterdeckungen. Wo kommt dann die Energie im lokalen Versorgungssystem her?

Dazu die Präzisierung: Mit welchem Ausbaufaktor rechnet die N-Ergie, um den Bedarf autark decken zu können (z.B. bezogen auf den Ausbau von 2015).

Artikel

Wie im Artikel zwischen den Zeilen angemerkt ist neben vielen anderen ein ganz großes Problem die Speicherung  „ … die mehr Energie erzeugen könnten. Als im Netz überhaupt verbraucht wird. Zwar nur auf dem Papier ….“,

Dazu wird in den folgenden Ausführen verkündet, dass N-Ergie selbst „… und sie arbeiten daran“ Lösungen zur Speicherung von Elektroenergie durchführt, wozu mit einer Firma von Akkuspeichern zusammen gearbeitet wird.

Ergänzende Information

In der N-Ergie „Studie“: Innovative Stromspeicher wissenschaftlich beleuchtet, wird mit keinem Wort auf Kosten eingegangen. Gleichzeitig wird seitens N-Ergie für Stromspeicher zur Steigerung des Selbstverbrauchs geworden.

Meiner Information nach (Bezug z.B. die umfassende Speicherstudie: Innovationszentrum Niedersachsen GmbH, Juli 2014. Studie 7983P01/FICHT-12919463-v19:“Erstellung eines Entwicklungskonzeptes Energiespeicher in Niedersachsen“) sind Akkuspeicher die teuersten Speicher überhaupt und (aus Kostengründen) zudem ausschließlich als Kuzzeitspeicher geeignet (weshalb sie in seriösen Studien oft gar nicht erwähnt werden). Bei einem weiteren Ausbau der grünen Energie benötigt man jedoch in erheblichem Umfang auch Langzeitspeicher. Die dafür bisher einzig verfügbaren sind Powert to Gas mit Rückverstromung. Diese haben einen Wirkungsgrad von max. 40 % und erhöhen den Strompreis bei einer Einspeisung mit 11 c/kWh (aktuelle EEG-Vergütung Windstrom) auf weit über 30 ct/kWh.

Fragen

Darf man von der N-Ergie erfahren, wie sie generell das Speicherproblem lösen will und wie sie die Kostensituation einschätzt.

Stromspeicher zum Selbstverbrauch konterkarieren das Geschäftsfeld als Versorger. Welche strategische Zielsetzung verfolgt die N-Ergie damit?

Artikel

Darin steht (wohl als Aussage von Herrn Hasler): „ … Umgekehrt stützt jede neue Solaranlage, jedes neue Windrad die dezentrale Idee“.

Frage (wiederholend zur Frage nach dem grundlegenden Strategiekonzept)

Diese möchte ich allgemein stellen: Welches Zukunftskonzept mit detaillierter Betrachtung der erforderlichen Ausbaumaßnahmen Wind und Solar, der Netzstruktur zur Spannungshaltung, erforderlichen Speichervolumens mit Aufteilung für Kurzzeit / Langzeit und vor allem der Kosten inclusive der gewaltigen Investitionsmaßnahmen liegt bei der N-Ergie vor.

Artikel

Im Artíkel steht, dass CSU-MdB Herr Göppel von N-Ergie Chef J. Hasler  extra eingeladen wurde mit der Begründung: „ … ein Mitglied einer Regierungspartei, das den eigenen Leuten einheizt, genau dafür hat er Göppel als CSUler mit bekannt grünem Herzen eingeladen“.

Mir als Kunde ist bekannt, dass die Stadtwerke München durch ihre Ökostrom-Investitionen das erste Mal in ihrer Geschichte Verlust ausweisen.

Frage

Sind die Energieentscheidungen der N-Ergie inzwischen rein politisch begründet? Welchen Beitrag liefert Herr Göppel (Ausbildung Forstwirt)  bei der Beurteilung der wichtigen technischen und ökonomischen Fragestellungen zukünftiger Energieformen. Kann N-Ergie dazu welche benennen (z.B. fundiert ausgearbeitete Publizierungen zum Thema).

Wie verhindert die N-Ergie, nicht das gleiche Problem wie die Stadtwerke München zu bekommen. Die Mit-Investition am Kraftwerk Irsching hat bereits gezeigt, dass N-Ergie Vorstände sogar bei überschaubaren mittelfristigen Zukunfts-Planungen vollkommen daneben liegen können.

Artikel

Herr Göppel erklärt lt. Artikel auf die Forderung von Bayerns Energieministerin Frau Aigner, den Ausbau der Windkraft zu bremsen „ … Da spricht die völlige Unkenntnis der der realen Situation …“. Über die Ideen zu einer Reform des EEG erklärt er „… Widersprechen in ihrem Geiste der Vernunft“. Beide wurden (lt. Artikel) von Hrn. Hasler mit einem zustimmenden Lächeln quittiert.

Frage

Mich würde sowohl die Argumentation der N-Ergie Leitung bezüglich der  Forderung von Fr. Aigner zur Reduzierung des Windausbaus (Grund war meines Wissens das Begrenzen des Energiepreises für die Stromkunden – also das Haupt-Klientel der N-Ergie) sowie zur angedachten EEG-Novellierung interessieren.

Ein Versorger (-Geschäftsführer) welcher öffentlich diesen Ausführungen von Herrn Göppel zustimmt, hat ganz bestimmt sehr schlüssige Argumente, weshalb die Bayerische Ministerin eine völlige Unkenntnis der realen Situation hat und die Bundesregierung dem Geist der Vernunft widerspricht.

Zusatz

Herr Hasler ist gleichzeitig Geschäftsführer der N-Ergie und der N-ERGIE Regenerativ GmbH.

Lt. Homepage plant, entwickelt, realisiert und betreibt diese Schwesterfirma Photovoltaikkraftwerke und Windparks und bietet interessierten Bürgern die Möglichkeit zur finanziellen Beteiligung an diesen Anlagen.

Der genannte Artikel liest sich auch eher wie eine Präsentationsveranstaltung dieser „Nebenfirma“ und weniger der N-Ergie als Versorger.

Frage

Welche Kundenstrategie verfolgt die N-Ergie als Versorger. Wie wird Konflikt zwischen den zwei Geschäftsbereichen verhindert?

Die Antwort der N-Ergie

Sehr geehrter Herr Kuntz,

hier nun unsere Stellungnahme zu Ihren Fragen.

Die N-ERGIE betrachtet es als ihre Aufgabe, die politischen Vorgaben entsprechend des geltenden gesetzlichen Handlungsrahmens möglichst effizient umzusetzen. Dies ist die Vorgabe des EnWG. 

Gesellschaftliches und politisches Ziel in Deutschland ist die Entwicklung einer vieldimensional nachhaltigen Energiewirtschaft auf der Grundlage der Zieltrias aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. Der notwendige Beitrag regenerativer Energiequellen zur Stromerzeugung steigt nach dem deutschen Energiekonzept sukzessive auf bis zu 80 % im Jahr 2050; fossile Energieträger werden nur mehr ergänzende Funktion im zukünftigen Energiesystem einnehmen. Dies ist die aktuelle Vorgabe der Politik.

Die Einbindung von 45.000 EEG-Anlagen in unserem Netzgebiet ist z.B. eine solche politische Vorgabe. Die N-ERGIE sucht nun Lösungen, um diese Anlagen auch nach dem Auslaufen ihrer gesetzlich zugesicherten Einspeisevergütung effizient in das Energiesystem zu integrieren. Denn unsere Aufgabe als Energieversorgungsunternehmen ist es, bei der Herausforderung zur Transformation der Infrastruktur angemessene Gestaltungsoptionen zu finden.

Eine der wesentlichen neuen Aufgaben wird der Ausgleich zwischen der natürlicherweise fluktuierenden Einspeisung elektrischer Energie aus regenerativen Quellen und der ebenfalls schwankenden Entnahme des Stroms aus dem Netz sein. Zur Erreichung des physikalisch-technisch stets notwendigen Gleichgewichts von ein- und ausgespeister Leistung sowie Arbeit in elektrischen Netzen ergeben sich durch die kleinteilige und großtechnische Flexibilisierung von Bedarf und Erzeugung zukunftsweisende Lösungsmöglichkeiten.

Hier verfolgen wir mit dem Projekt SWARM eine Optimierung zwischen Kundeninteresse (Eigenverbrauch) und Systemdienstleistung (Poolen der Speicherkapazität für Systemdienstleistungen).

Als Regionalversorger unterstützt die N-ERGIE gerade auch dezentrale Lösungen, da diese nach unserer Überzeugung ein größeres Potenzial für die Entwicklung innovativer Lösungen beinhalten als beispielsweise der Ausbau der Höchstspannungsinfrastruktur. Dezentrale Lösungen bedeuten Wertschöpfung und damit Stärkung der Wirtschaftskraft auch in der Region.

Der gesellschaftliche Grundkonsens der deutschen Energiewende mit ihren neuen Strukturen, Rollen, Vorgehensweisen, Geschäftsmodellen und Märkten gründet in der Erkenntnis, dass die Energieversorgung im Strom nahezu vollständig dekarbonisiert werden muss und hierzu die Kernenergie keine akzeptable Option für Deutschland darstellt . Dazu bekennt sich die N-ERGIE.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Heidi Willer
Pressesprecherin

Unternehmens- und Marketingkommunikation

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N-ERGIE Aktiengesellschaft Nürnberg

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4 Kommentare

  1. „N-Ergie will Macht der Stromgiganten brechen“.
    Viel kaputter geht doch kaum noch. Vielen Stadtkämmerern fehlen jetzt schon viele Mill. € weil so manchem „Stromgiganten“ das Wasser bis zum Hals steht.

  2. Es geht offensichtlich in erster Linie um „Kommunikation“, also der wortreichen Präsentation einer Entwicklung, bei der die beteiligten Befürworter sich, als die „Guten“ verkaufen.
    Sie sind bemüht den Eindruck zu vermitteln, sie hätten noch andere Kompetenzen, außer einzig ihrem gewandten Kommunikations-Format ihren Job zu verdanken.
    Die gelungene Selbstdarstellung, in der häufig „sprachlich geschickt geschnattert“ wird ist der Trumpf dieser Damen und Herren.

    Die Diskrepanz zur Sichtweise der Ingenieure, die sogar neben der normalen Sprache auch noch mit Hilfe technischer Kommunikation, in ganz wesentlichen Verständnisbereichen abstrakt und logisch denken können, wird in dem geschilderten Vorgang deutlich.
    Die emotionale Ebene die mit so vielen Personen besetzt ist, die die Ingenieure, als störende Kritiker mundtot machen wollen, wenn sie vor ungeheurem Unfug warnen, spiegelt auch eine romantische, gesellschaftliche Realität.
    Es gibt kaum Ingenieurinnen aber enorm viele Frauen trauen sich trotzdem zu, politische Entscheidungen, quasi als ihr „Bauchgefühl“ der Gesellschaft aufzuzwingen, siehe Krautzberger, Hendricks, Merkel usw.
    Ich habe Respekt vor klugen Damen und Herren, aber die sind offensichtlich sehr selten.

  3. #1
    Die grünen Schlümpfe merken gar nichts mehr, sind in ihrem Stockholm-Syndrom von AGW/Klimarettung, EUro-Faschismus, Gender Mainstreaming, Willkommensdiktatur, …, halt in sozialistischer Planwirtschaft & Gesinnungsdiktatur auf ewig gefangen.
    Ausser es geht ihnen massiv an den eigenen Geldbeutel/ans Leder bzw Frau oder Tochter werden ordentlich durch bereichert, obwohl sich das die meisten der unheilbar verwirrten wohl auch noch als lohnende Investition schön reden werden…

  4. Eine der wesentlichen neuen Aufgaben wird der Ausgleich zwischen der natürlicherweise fluktuierenden Einspeisung elektrischer Energie aus regenerativen Quellen und der ebenfalls schwankenden Entnahme des Stroms aus dem Netz sein. Zur Erreichung des physikalisch-technisch stets notwendigen Gleichgewichts von ein- und ausgespeister Leistung sowie Arbeit in elektrischen Netzen ergeben sich durch die kleinteilige und großtechnische Flexibilisierung von Bedarf und Erzeugung zukunftsweisende Lösungsmöglichkeiten.
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    Kurz und knapp: Stromrationierung! Mal sehen wann die grünen Schlümpfe das bemerken…..

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