Energiewende: Plan- und orientierungslos im Nebel

Auf dem Papier sehen die Zahlen zunächst beeindruckend aus: auf rund 30 % ist der Anteil „erneuerbarer“ Energien an der deutschen Stromproduktion im Jahre 2015 gestiegen, und der Zubau geht immer noch scheinbar kaum gebremst weiter [EIKE]. Allerdings haben sich in diesem Bereich die Prioritäten verschoben, der Zubau hat sich insbesondere bei der Fotovoltaik (und auch bei Faulgas bzw.“Bio“-masse) erheblich verlangsamt, während er sich bei der Windenergie beschleunigt hat, Bild 1.

Bild 1. In den letzten Jahren wurden die Prioritäten durch Anpassung des EEG vor allem auf die Förderung der Windenergie hin neu ausgerichtet (Grafik: Autor, Zahlen: Statista, EEX).

Grund hierfür waren die immer mehr aus dem Ruder laufenden Kosten des EEG, das vor allem den Betreibern von Fotovoltaikanlagen hohe Förderbeiträge zuschanzte, obwohl diese von allen Technologien zur Gewinnung „erneuerbarer“ Energie die mit Abstand unwirtschaftlichste und ineffizienteste ist. Als Folge hiervon war die EEG-Umlage auf den Strompreis zwischen 2009 und 2014 – also innerhalb von nur 5 Jahren – von 1,13 auf 6,24 ct./kWh nach oben geschossen, was einer Steigerung von rund 550 % entspricht. Die Zeche bezahlten vor allem die Haushalte (Bild 2), denn auf die ohnehin enorm gestiegenen Stromkosten schlug der Staat noch zusätzliche Belastungen durch Verdopplung des Anteils der Steuern und Abgaben von früher 25 % auf inzwischen rund 50 % obendrauf.

Bild 2. Das EEG sowie zusätzliche staatliche Belastungen haben eine Verdoppelung der Haushaltsstrompreise bewirkt (Grafik: Autor, Daten: [WIST]) 

Allerdings legt der Blick auf die Strompreisentwicklung der letzten drei Jahre nahe zu glauben, dass es der Politik mit der Neufassung des EEG und der damit einhergehenden Umschichtung der Förderung immerhin gelungen zu sein scheint, die gewünschte „Strompreisbremse“ zu finden und einen weiteren exorbitanten Preisanstieg zu verhindern. Dies ist jedoch lediglich eine Folge von gleich zwei Täuschungsmanövern, mit denen dem sich abzeichnende Unmut der Bevölkerung (und wachsender Kreise der Industrie) bei den damals bevorstehenden Wahlen Rechnung getragen werden sollte. Die dabei eingesetzten Tricks werfen ein Schlaglicht auf die Qualifikation und die Mentalität der Akteure, die mit dem Anspruch antreten, eine moderne Industrienation in die Zukunft führen zu können.

Die Vernichtung der Strombranche

Der erste Trick besteht darin, eine ohnehin schon ins Abseits gestellte Randgruppe der Gesellschaft für angebliche Missstände verantwortlich zu machen und sie dann „zur Strafe“ auch noch finanziell auszubluten. Als Opfer wählte man selbstverständlich die bereits seit Jahrzehnten durch den ideologischen Dauerbeschuss grünlinker Kräfte und ihrer Hilfstruppen in Ämtern und Medien ins Abseits gedrängten Stromerzeuger, insbesondere deren Hauptakteure E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall. Nachdem man diesen bereits mit der willkürlich vorgezogenen Stilllegung ihrer Kernkraftwerke einen schweren finanziellen Verlust zugefügt hatte, werden sie jetzt durch den immer dramatischeren Verfall der Preise an den Strombörsen noch weiter in den Ruin getrieben, Bild 3.

Bild 3. Die Verlierer: In den letzten Jahren hat sich der Verfall der Preise an den Strombörsen aufgrund des immer größeren Anteils subventionierten „EE“-Stroms dramatisch beschleunigt. Hier die Kurse der einjährigen Phelix-Futures für Grundlaststrom in €/MWh (Grafik: [VAFI])

Zur Verdeutlichung der Auswirkungen sind in Bild 3 die Vollkosten der Stromerzeugung mit abgeschriebenen (grün) bzw. neu errichteten Steinkohlekraftwerken kenntlich gemacht. Mit Steinkohlekraftwerken, die aufgrund ihrer höheren Flexibilität vorrangig in der Mittellast eingesetzt werden, lassen sich in Deutschland angesichts des offensichtlich langfristig abgesenkten Preisniveaus keine kostendeckenden Einnahmen mehr erzielen. Die Folgen sind ein weitgehender Investitionsstopp für neue, energieeffizientere Kraftwerke sowie eine Verstärkung des Trends zur Stilllegung noch vorhandener Kapazitäten [EIKE]. Die Nutznießer mit ihren Anlagen zur Erzeugung „erneuerbarer“ Energie können dagegen auch nach den laufenden Planungen weiterhin auf stetig wachsende Zuwendungen auf Kosten des Stromverbrauchers zählen. Dies belegen die Zukunftsprognosen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bis zum Jahr 2019, Bild 4.

Bild 4. Die Gewinnler: Bis 2019 sollen die Vergütungen an die Betreiber von EEG-geförderten Anlagen kontinuierlich auf 28,5 Mrd. € ansteigen (Grafik: [BDEW]) 

Das Resultat ist ein beispielloser Niedergang der konventionellen Stromerzeuger. Die Börsenwerte der betroffenen Unternehmen sind in den letzten Jahren um mehr als 100 Mrd. € gefallen. Da ihre Anteile oft in erheblichem Umfang von der öffentlichen Hand – Ländern und Kommunen – gehalten werden, läuft dies auf eine massive Vernichtung von Volksvermögen hinaus. Darüber hinaus sind aber auch noch zahlreiche kleinere Einheiten in öffentlichem Besitz betroffen, darunter auch die oft von Stadtwerken betriebenen Fernheizkraftwerke und Müllheizkraftwerke.

Das scheint jedoch die politischen Akteure nicht im geringsten zu stören. Man ist dort offensichtlich der Meinung, dass die bisherige Stromerzeugung nicht mehr zeitgemäß ist und getrost wirtschaftlich vernichtet werden kann. Dass der Ersatz der jetzt reihenweise stillgesetzten und abgerissenen Kapazitäten vermutlich weit mehr als 100 Mrd. € erfordern wird, zählt für diese Leute offensichtlich weniger als die Aussicht, bei der nächsten Wahl wieder die Vertreter der politischen Gegenseite aus dem Feld schlagen zu können. Eine Verpflichtung, Schaden vom Land abzuwenden, fühlen diese Leute offensichtlich nicht im geringsten. Sie gehen mit unserer Stromwirtschaft um, als hätten sie noch eine zweite im Kofferraum.

Schieben und Tricksen

Der zweite Trick der Politik besteht darin, sich heimlich aus der Langfristplanung der „Energiewende“ herauszustehlen, indem man den eigentlich notwendigen Ausbau angesichts unpopulär hoher Strompreise verzögert. Das hat den Vorteil, dass man optisch die Kostenbelastung erstmal verringert, dafür aber das Aufholen des sich auftürmenden Defizits nachfolgenden Generationen überlässt. Dies ist ein bei unseren Politikern beliebtes und immer häufiger eingesetztes Mittel, sich zumindest die nächste Wiederwahl und den Pensionsanspruch zu sichern. Weniger vornehm ausgedrückt kann man dies auch als „nach mir die Sintflut“-Mentalität bezeichnen.

Um zu erkennen, welches Spiel da gespielt wird, muss man sich zunächst mit der zu erwartenden Stromerzeugung der nächsten Jahre bis 2050 beschäftigen. Der BDEW hat hierzu aktuell vorhandene Prognosen zusammengestellt [BDPR]. Diese liefern erwartungsgemäß je nach ideologischer Färbung stark unterschiedliche Angaben, wobei die Spanne von 458 bis 765 TWh/a reicht. Ein Absinken oder eine Stagnation erscheinen allerdings eher ideologisch gewünscht als rational begründet zu sein. Die bisherige Entwicklung der Stromerzeugung von 1990 bis 2015 (Bild 5) zeigt, dass diese bis auf zwei „Dellen“ Anfang der 90er Jahre sowie 2009 eigentlich selbst bei starken wirtschaftlichen Turbulenzen weitgehend kontinuierlich zugenommen hat.

Bild 5. Projektion der bis 2050 zu erwartenden Stromerzeugung (Grafik: Autor, Daten: [AGEB])

Der Einbruch Anfang der 90er Jahre ist wahrscheinlich auf die Stilllegung ineffizienter Industrien und Infrastrukturen in der damals gerade übernommenen DDR sowie auf die Wirtschaftskrise der Jahre 1992/ 1993 zurückzuführen, während 2009 der Finanz- und Wirtschaftskrise zuzuordnen ist. In den letzten fünf Jahren lag die durchschnittliche Stromerzeugung in Deutschland bei 631,7 TWh/ a. Selbst bei extremen Bemühungen um Energieeffizienz und -einsparung ist nicht mit einer merklichen Verringerung zu rechnen, weil man im Zuge der „Dekarbonisierung“ sowohl Haushalte als auch Industriebetriebe sozusagen mit der Pistole auf der Brust dazu zwingen wird, von Gas oder Öl auf strombetriebene Heizungen, Warmwassererzeugung etc. umzustellen. Dass sich in dieser Situation noch eine Verringerung des Strombedarfs ergeben könnte, ist schwer vorstellbar. Selbst bei äußerstem Wohlwollen wäre am ehesten noch von einem gleichbleibenden Niveau auszugehen. Offensichtlich „übersehen“ hat man jedoch bei den meisten Planungen den Verkehrssektor, für den die Regierung ja ebenfalls eine völlige Umstellung auf E-Mobilität vorsieht. Bei rund 20 kWh/ 100 km würde diese Umstellung allein im Bereich des Individualverkehrs einen zusätzlichen Strombedarf von 130 TWh/ a bedingen. Bei korrekter Berücksichtigung all dieser Faktoren kann für die Stromerzeugung des Jahres 2050 ein Wert von 762 TWh/a als untere Grenze des realistischen Bereichs angesehen werden. Hieran sollte man die Planungen für die kommenden Jahre messen.

Die aktuellen Zahlen sind weit unter Soll

Bei der Projektion der künftigen Stromerzeugung müssten für regierungsamtliche Planungen daher folgende Rahmenbedingungen gelten: Gesamterzeugung 762 TWh und hiervon 80 % „erneuerbare“ Energien, macht 610 TWh. Die nächste zu klärende Frage wäre dann die nach der künftigen Aufteilung der „erneuerbaren“ untereinander. Hier ist davon auszugehen, dass sich im Endeffekt nur drei der heute bestehenden Erzeugungsformen halten bzw. durchsetzen werden: Sonne, Wasser und Wind. Die ineffiziente Fotovoltaik wird vermutlich irgendwo bei den bereits seit langem diskutierten 52 GW gedeckelt werden. Faulgas, Kraft-Wärme-Kopplung sowie Müll dürften in Zukunft als Auslaufmodelle keine wesentliche Rolle mehr spielen, während Wasserkraft mangels Ausbaumöglichkeiten auf etwa 20 TWh jährlicher Produktion begrenzt bleiben dürfte. Demnach würde die Windenergie im Jahre 2050 eine Gesamt-Stromproduktion von rund 540 TWh abzuliefern haben. Geht man hier von einem durchschnittlichen Nutzungsgrad von 18,5 % aus (Mittelwert der vergangenen 5 Jahre), dann würde Deutschland bei Windenergie im Jahre 2050 eine installierte Gesamtkapazität von 333 GW benötigen. Aktuell sind knapp 45 GW installiert (Bild 6). Dabei hat die „Energiewende“ bereits Kosten von rund 0,5 Billionen € [LIMU] verursacht, für die letztlich der deutsche Verbraucher geradestehen muss. Diese Zahlen werden auch nicht davon berührt, dass sich jetzt die Zieltechnologien verschieben, denn was künftig eventuell im Bereich der sehr teuren Fotovoltaik eingespart wird, muss zunehmend in die bisher noch weitgehend ausgeklammerten Positionen „Netze“ und „Speichertechnologien“ gesteckt werden. Insgesamt bleibt die Energiewende von der Größenordnung her ein 5-Billionen-€-Unterfangen.

Bild 6. Die bisher errichteten Windenergie-Kapazitäten erscheinen auf den ersten Blick durchaus beeindruckend (Grafik: Autor, Daten: [QUAS])

Vergleicht man das bisher erreichte jedoch mit den tatsächlichen nötigen Kapazitäten zur Sicherstellung des angestrebten 80-%-EE-Anteils, dann erkennt man schnell, dass der Löwenanteil der Aufgabe (und der Kosten) erst noch vor uns liegt, denn bis 2050 wäre demnach ein Zubau von 288 GW erforderlich. Anders ausgedrückt: In jedem der kommenden 35 Jahre müsste die jeweils vorhandene Windenergiekapazität um netto weitere 8,2 GW aufgestockt werden, Bild7.

Bild 7. Die Grafik zeigt, dass zur Erreichung der von der Regierung proklamierten „EE“-Ziele die Windenergie-Kapazitäten deutlich schneller ausgebaut werden müssten (rot) als bisher (blau) (Grafik: Autor, Daten: [QUAS], eigene Berechnungen) 

Mit anderen Worten: Die Politik hat offensichtlich erkannt, in welchem Umfang die Kosten der großspurig verkündeten „Energiewende“ inzwischen bereits aus dem Ruder gelaufen sind. Um den eigentlich fälligen Verlust an politischer Macht zu verhindern, wurde das nach ihren eigenen Planungen erforderliche Ausbautempo zurückgefahren. Inzwischen werden die Stimmen lauter, die von genereller Planlosigkeit, Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Bürger sprechen.

Ein richtig „dickes Ende“ ist erst im Anmarsch

Hinzu kommt ein weiterer Kostenfaktor, den die an Welt- und Klimarettung orientierte Regierungsplanung vermutlich überhaupt nicht ins Kalkül gezogen hat: Die begrenzte Lebensdauer von Windenergieanlagen. Diese haben nach spätestens 20 Betriebsjahren das Ende ihrer Auslegungs-Betriebszeit erreicht und müssen aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden. Zudem fällt nach 20 Jahren die Förderung weg, so dass sich Reparaturen in keinem Fall mehr lohnen würden. Konkret bedeutet dies, dass in jedem Jahr zusätzlich zu den erforderlichen 8,2 GW an neu zu errichtenden Anlagen noch der Ersatz für die jeweils wegfallenden Kapazitäten solcher Anlagen installiert werden muss, welche die Altersgrenze erreicht haben. Während es aktuell noch um vergleichsweise geringe Kapazitäten geht – 0,6 GW im Jahre 2014, 0,5 GW im Jahre 2015 und 0,45 GW im Jahr 2016 –, werden sich diese Ersatzinvestitionen bei der erforderlichen Erhöhung des Netto-Ausbautempos auf 8,2 GW/ a relativ schnell erhöhen und nach und nach bei 8,2 GW einpegeln, Bild 8.

Bild 8. Zusätzlich zur Netto-Steigerung der installierten Windenergie-Leistung werden in den nächsten Jahren rapide steigende Ersatzinvestitionen erforderlich (Grafik: Autor)

Die tatsächlichen jährlichen Investitionen in den Ausbau der Windenergie werden sich demnach nach und nach immer weiter erhöhen, bis es schließlich zu einer Verdopplung kommt: Pro GW Erweiterungsinvestition wird man zusätzlich ein GW an Ersatzinvestition tätigen müssen. Selbstverständlich mit den entsprechenden Kosten.

Ohne Kopf und ohne Plan

Wie kopflos und teilweise schon hart an der Grenze zum Betrug am Wähler die Politik heute agiert, kann man auch an dem markanten Unterschied zwischen den Worten und Taten verschiedener staatlicher Institutionen erkennen. Da gibt es einerseits zuständige Ministerien, die von gewählten Politikern geführt werden: Das Wirtschaftsministerium unter S. Gabriel und die Umwelttruppe unter ihrer „Lady aus der Margarinerepublik“. Hier werden tagein, tagaus fröhlich und ohne sich groß um langfristige Folgen kümmern zu müssen (oder zu wollen) Entscheidungen gefällt, deren Folgen noch unsere Enkel und Urenkel ausbaden müssen.

Auf der anderen Seite gibt es eine Bundesbehörde, die nicht direkt von Politikern geführt wird. Diese Leute sind immer noch in der Pflicht, wenn für die anderen die Party längst vorbei ist und sie in der Toskana oder auf Malle die üppige Pension genießen können. Dies ist die Bundesnetzagentur, die nicht nur für die Stromnetze, sondern darüber hinaus auch für die konkrete Aufrechterhaltung der Voraussetzungen für eine störungsarme Stromversorgung im Lande zuständig ist. Zwar gibt diese Behörde selbstverständlich nur Verlautbarungen heraus, die ihren obersten Dienstherren nicht widersprechen. Doch an ihren Taten kann jeder, der will, den tatsächlichen Ernst der Lage und die rapide Verschlechterung der Situation erkennen. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Genehmigung von Kraftwerksstilllegungen: Einem Betreiber kann diese Genehmigung verweigert werden, wenn die Behörde dieses Kraftwerk als systemrelevant einstuft. Darunter ist zu verstehen, dass der Wegfall dieses Kraftwerks die Sicherheit der Stromversorgung gefährden könnte. Schon die Tatsache, dass die Politik ein solches Gesetz vor wenigen Jahren im Eilverfahren verabschieden musste, ist ja schon an sich ein Alarmsignal: Nachdem man ein jahrzehntelang bestens funktionierendes System durch eine rein ideologisch motivierte Energiepolitik komplett aus dem Gleichgewicht geworfen hat, werden die jetzt moribund gewordenen Stromerzeuger sozusagen im Wege von Notverordnungen gezwungen, unrentable Kraftwerke trotz Verlusten weiter zu betreiben. Und das Tempo, mit dem zu diesem Mittel gegriffen wird, nimmt beunruhigend schnell zu: So waren im August 2014 Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 8,7 GW zur Stilllegung angemeldet, von denen 2,65 GW als systemrelevant eingestuft wurden. Laut den aktuellsten derzeit verfügbaren Zahlen vom November 2015 sind mittlerweile Kapazitäten von 14,36 GW zur Stillsetzung angemeldet, Bild 9. Hiervon wurden Kraftwerken mit insgesamt 4,23 GW die Genehmigung wegen Systemrelevanz verweigert. Das ist binnen etwas mehr als Jahresfrist eine Steigerung um gut 60 %! Und das, während die Politik lauthals „Dekarbonisierung“ schreit und alles tut, um die gleichen angeblichen „Dreckschleudern“ kaputtzumachen, welchen von der Bundesnetzagentur dann die Stillsetzung untersagt wird.

Bild 9. Von den Stromerzeugern mit Stand vom 16.11.2015 zur Stilllegung angemeldete Kraftwerkseinheiten (Grafik: [STILL])

Fazit:

Die „Energiewende“ wurde schon verantwortungslos ohne tragfähiges Konzept begonnen. Inzwischen hat man die Prioritäten je nach politischer Opportunität mehrfach neu definiert, was die bereits aufgelaufenen Probleme verschärfte. Unterschiedliche Akteure wie Ministerien und Behörden agieren teils gegen- statt miteinander. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die Politiker der „Energiewende“ plan- und orientierungslos im Nebel bewegen und nur noch versuchen, irgendwie auf Sicht zu fahren. Wo dem Bürger früher versprochen wurde, das Ganze würde nicht mehr als eine Kugel Eis im Monat kosten, läuft es mittlerweile immer mehr darauf hinaus, dass er zwar nur eine Kugel Eis bekommt, dafür aber gleich den ganzen Eisstand bezahlen soll. Manche sprechen bereits von einem Stück aus dem Tollhaus.

Fred F. Mueller

Quellen

[AGEB] http://www.ag-energiebilanzen.de/viewpage.php?idpage=139

[BDEW] https://www.bdew.de/internet.nsf/id/20150511-o-energie-info-erneuerbare-energien-und-das-eeg-zahlen-fakten-grafiken-2015-de/$file/Energie-Info_Erneuerbare_Energien_und_das_EEG_2015_11.05.2015_final.pdf

[BDPR] https://www.bdew.de/internet.nsf/id/DE_20100908_Studiensynopse_Energieprognosen_Prognosen_zur_Entwicklung_der_Stromversorgung_und_Einord/$file/352_Energie-Info_Studiensynopse%20Energieprognosen.pdf

[EIKE] http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/strom-und-co2-deutschland-im-treibsand-der-illusionen/

[LIMU] Limburg, M.; Mueller, F.F.: Strom ist nicht gleich Strom. Kap. 23, „Strompreise – dank EEG hinauf zu den Sternen“. ISBN 978-3-940431-54-7.

[QUAS] http://www.volker-quaschning.de/datserv/windinst/index.php

[STILL] http://tinyurl.com/nddurkc     Abgerufen am 30.12.2015

[VAFI] http://www.vafinans.se/ravaror/diagram/eex-strom-phelix-baseload-year-future/EURO

[WIST] https://de.wikipedia.org/wiki/Strompreis