Warum die Rhetorik des Klimawandels gleichzeitig erfolgreich ist und fehl schlägt

Demmig, freie Clpip-art: Irgendwo ist es immer fünf-vor-Zwölf

Adam Seth Levine, Reuben Kline
Trotz zahlreicher Verkündung von Anzeichen über die Bedrohungen durch den Klimawandel, halten die meisten Amerikaner es nicht für ein sehr wichtiges Problem, vor denen ihr Land steht. Auch sind sie nicht in weitläufiger Lobbyarbeit engagiert, es anzugehen.


Was könnte getan werden? Eine zunehmend verbreitetes Argument, unterstützt sowohl durch Intuition und sozialwissenschaftliche Forschung, ist, dass die Rhetorik hervorheben sollte, wie der Klimawandel das Leben der Amerikaner persönlich betreffen wird. Zu den häufigsten der "persönlichen Relevanz" gehören diejenigen, die sich auf die persönliche Gesundheit auswirken könnten oder es für die Menschen schwieriger machen, die Lebensmittel die sie wollen, zu bekommen.

Es stellt sich heraus, dass diese persönlichen Nachrichten den gegenteiligen Effekt von dem haben, was wir erwarten: Obwohl sie die Besorgnisse der Menschen über den Klimawandel erhöhen, reduzieren sie tatsächlich ihre Bereitschaft, sich in dieser Frage zu engagieren.

Den Klimawandel im Hinblick auf seine Wirkung entweder auf die persönliche Gesundheit oder die Lebensmittelsicherheit zu konzentrieren, erinnert die Menschen, dass sehr wichtige, persönliche Ziele (gesund bleiben und gesund essen) schwer zu erreichen sein werden. Sie bekommen schlechte Laune und wenn die Menschen in schlechter Laune sind, sind sie weniger bereit, sich in kollektiver Lobbyarbeit zu engagieren.

Vor kurzem haben wir eine Reihe von Experimenten durchgeführt, in denen die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip verschiedene Mitteilungen erhalten. In einigen Fällen erhielten sie diese Nachrichten über E-Mail und wurden aufgefordert, eine Petition zu unterschreiben und einer Organisation in Washington DC beizutreten, die sich für eine Abkehr von fossilen Brennstoffen und hin zu sauberer Energie einsetzt. In anderen Fällen erhielten sie diese Nachrichten während einer Untersuchung und wurden dann um eine Reihe von Fragen gebeten: Sollte die Bewältigung des Klimawandels eine nationale Priorität sein, welche Auswirkungen glauben Sie, wird der Klimawandel auf sie und Ihre Familie haben und ob die Nachrichten Sie traurig oder weniger hoffnungsvoll machen.

Einige Nachrichten enthielten nur grundlegende Informationen über den Klimawandel, insbesondere die Feststellung, dass wir die schlimmsten Folgen noch vermeiden könnten, wenn wir jetzt handeln. Andere erhielten diese Informationen zusammen mit Erwähnung einer von drei verschiedenen Möglichkeiten, wie der Klimawandel sie persönlich betreffen könnte, einschließlich der Auswirkungen auf ihre persönliche Gesundheit, seine Auswirkungen auf ihre Fähigkeit, die Nahrung, die sie wollen zu bekommen, oder seine Auswirkungen auf die Gesundheit und das Befinden der Kinder und älterer Menschen in ihrer Gemeinde.

[Anmerkung des Übersetzers: Der einfacheren Lesbarkeit wegen, habe ich den folgenden Originalabsatz in eine tabellenartige Aufzählung verwandelt:]

Ergebnisse:

Maßstab war (gezählt wurde) die Bereitschaft eine Petition zu unterschreiben und der Organisation gegen fossile Brennstoffe und für saubere Energie beizutreten

1.      Basisgruppe waren die Menschen, die nur die grundlegenden Informationen erhalten haben
– Deren Anzahl Bereitwilliger wurde 100% gesetzt

2.      die Gruppe, die rhetorisch hervor gehoben bekamen, wie der Klimawandel ihre persönliche Gesundheit beeinflussen könnte:
– Deren Anteil bereitwilliger waren minus 17% (ggü. 1.)

3.      die Gruppe, denen zusätzlich die Unsicherheit über die Verfügbarkeit gewünschter Nahrung erzählt wurde
– Deren Anteil bereitwilliger waren minus 15% (ggü. 1.)

4.      die Gruppe, denen das Wohlbefinden von Kindern und älteren Menschen hervorgehoben wurde
– Deren Anteil bereitwilliger waren minus 9% (ggü. 1.)

Es war nicht so, dass die Informationen, die wir lieferten, völlig überzeugend waren. Aber, die gleichen Arten von Menschen, die durch diese persönlichen E-Mails demobilisiert wurden, waren eher bereit unserer Umfrage zuzustimmen, dass die Bewältigung des Klimawandels eine wichtige politische Priorität sein sollte. Darüber hinaus wird in allen drei Fällen größere Sicherheit ausgedrückt, dass der Klimawandel passiert, und in zwei der drei Fällen waren die Befragten eher bereit zu glauben, dass der Klimawandel sie persönlich und ihre Familie beeinflusst.

Um den zugrundeliegenden Mechanismus zu untersuchen, fragten wir die Befragten, welche Informationen sie in eine schlechte Stimmung setzen. Wir messen dies mit zwei Fragen, eine, ob es ihnen ein trauriges Gefühl vermittelt und eine andere, ob es ihnen ein hoffnungsvolles Gefühl vermittelt. Es stellt sich heraus, dass jede unserer persönlichen Hervorhebung Traurigkeit erhöht und Hoffnung verringert.

Kurz gesagt, politische Nachrichten, die hervorheben, wie der Klimawandel die persönliche Gesundheit und Ernährungssicherheit einzelner Amerikaner beeinflussen könnte – Schlüssel Wege, mit denen das Problem mit ihren Alltag verbunden werden kann – verringerte ihre Bereitschaft, sich in klimabezogenen Interessenvertretungen zu engagieren, auch wenn sie die Salienz [Bedeutung, Wichtigkeit] und Besorgnis über das Thema erhöhen. Dies ist ein Beispiel der sich selbst untergrabenen Rhetorik, die, auch wenn sie die Meinung der Menschen ändert, andere Ziele aufweicht, für die sie entwickelt wurde.

Wenn diese Art von persönlicher Relevanz die Menschen nicht motiviert, sich zu engagieren, was wirkt? Die Konzentration auf die moralische Verpflichtung des Klimawandels oder die Verknüpfung der Befürwortung des Klimas mit wichtigen Identitäten (wie es Gruppen wie Mothers Out Front* tun) sind zwei Alternativen.

Aber, obwohl die Intuition etwas anderes suggestiert, Argumente, die die persönliche Bedeutung erhöhen, ermutigen die Menschen sich nach innen zu wenden und sich auf sich auf ihre eigenen, persönlichen Probleme zu konzentrieren, anstatt zusammen kommen um gemeinsame Probleme zu lösen.

 Adam Seth Levine ist Privatdozent in der Abteilung: Department of Government at Cornell University. [Dem Studium der politischen Macht und der Interaktion von Bürgern und Regierungen gewidmet.] Reuben Kline ist Privatdozent in der Abteilung für Politikwissenschaft an der Stony Brook University.

Erschienen auf Huffington Post am 04. Jan. 2016

Übersetzt durch Andreas Demmig

http://www.huffingtonpost.com/adam-seth-levine/why-climate-change-rhetor_b_8913694.html

Nur zur Info, weil ich von diesen Aktivisten auch noch nichts wusste

*http://www.mothersoutfront.org/who_we_are

We are mothers, grandmothers, and other caregivers who can no longer be silent and still about the very real danger that climate change poses to our children’s and grandchildren’s future

Wir sind Mütter, Großmütter und andere Betreuungspersonen, die nicht länger schweigen, über die weiterhin sehr reale Gefahr des Klimawandels für unsere Kinder und zukünftigen Enkel.

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4 Kommentar(e)

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1
Johannes S. Herbst

Herr Landvoigt,

ich bin auch ein rational-nüchterner Mensch. Doch das allein hilft nicht immer. Das muss ich auch im privaten Bereich immer wieder erleben. Reine, wenn auch wahre Information hilft nicht immer.

In der Klimadiskussion sind soviele negative Emotionen erzeugt und ins Gedächtnis eingelagert worden, dass, egal um was es sich handelt, der volle Informationsfluss gebremst oder verändert wird.

Hier braucht es zuerstmal eine überzeugende Botschaft, dass die Informationen gut gemeint sind. Der Abwehrpanzer muss zuerst durchbrochen werden.

Wenn sie Interesse an weiteren Diskussionen darüber haben, auf klimawandler.blogspot.de finden sie meinen Kontakt.

2
Martin Landvoigt

#2: Johannes S. Herbst sagt:

An Martin Landvoigt #1: Soviel ich aus der Gehirnforschung weiß, werden bei bedrohlichen Informationen Hormone ausgeschüttet die uns entweder auf Kamf/Verteidigng oder auf Flucht/Vermeidung vorbereiten.

Kommt nun ein Dauerbombardement an negativen Aspekten zu einem Thema,an denen man aktuell nichts ändern kann, dann schaltet man auf Vermeidung.
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Sehr geehrter Herr Herbst

Danke für diesen Beitrag. Es ist ernüchternd un überzeugend, wenn die Beschäftigung mit politischen Fragen auch mithilfe der Psychologie verstanden werden muss. Aber es erklärt, warum irrationales Verhalten immer stärker um sich greift.

Im Sinne der Aufklärung und des allgemeinen Demokratieverständnisses setzt man dagegen den mündigen und rationalen Bürger voraus, der vernünftige Entscheidungen trifft.

Ihre Bemerkungen begründen allerdings Zweifel, ob man diese Vorraussetzungen überhaupt vertreten kann. Doch was folgt daraus?

Unabhängig davon, ob ihre Beobachtungen vollständig oder nur teilweise zutreffend sind, bleibt die Frage der Kommunikation und Methodik bestehen. Ich denke da an 2 unterschiedliche Kommunikationsmodi, die sich hinsichtlich der Zielgruppe überlagern kann.

1. Der rationale Mensch, der sich hinreichend sachkundig macht, um eine verantwortliche Meinung vertreten zu können. Diese gibt es auch nicht, und es wäre ein Armutszeugnis, wenn wir die rationale, sachliche Diskussion mit verweis auf psychologische Aspekte aushebeln wollten.

2. Die psycho-bewusste Kommunikation. Hier will man politisch überzeugen, und sich der Wirkmechanismen bewusst machen. Manche würden hier von Manipulation oder moralisch bedenklichen Methoden sprechen. Tatsächlich werden diese Methoden auch mehr oder minder bewusst auch ständig in der politischen Diskussion eingesetzt.

Die frage bleibt: Wie weit sind die Methoden in der Kommunikation letztlich entscheidend für die politische Meinungsbildung? Wie weit sind diese Erkenntnisse in eine eigene Programmatik zu nutzen?

3
Johannes S. Herbst

An Martin Landvoigt #1: Soviel ich aus der Gehirnforschung weiß, werden bei bedrohlichen Informationen Hormone ausgeschüttet die uns entweder auf Kamf/Verteidigng oder auf Flucht/Vermeidung vorbereiten.

Kommt nun ein Dauerbombardement an negativen Aspekten zu einem Thema,an denen man aktuell nichts ändern kann, dann schaltet man auf Vermeidung.

Nur diejenigen, die bei solchen nachrichten etwas tun können, das (wenn auch nur theoretisch) schnellen Erfolg verspricht, nehmen die Auseinadersetzung mit dem Thema an. Das kann Fleichverzicht oder Bäumepflanzen oder auch eine Klimakonferenz sein. Und weil wir Menschen etwas zum Freuen brauchen, haben Klimakonferenzen immer postive Ergebnisse. Denn dann werden Wohlfühlhormone ausgestoßen.

Vielleicht sollte die Skeptiker-Gemeinde mal den Grantelhuber-Modus verlassen und positive Botschaften weitergeben wie: Nochmal Glück gehabt! Oder: Den Eisbären geht es gut! Wer immer auf den Gegner eindrischt, der erzeugt bei ihm und den Zuhörern negative Reaktionen. Und die erzeugen beim Gegner Kampfesbereitschft und beim Zuhörer Vermeidung.

4
Martin Landvoigt

Also: Wenn sich die Leute nicht nur mit Schlagworten beschäftigen, sondern mehr (Falsch-)Informationen erhalten, werden sie weniger aktiv. Das hört sich doch eher paradox an.

Ist es nun so, dass die Leute nur ihre Vorurteile, die sich durch stete Gehirnwäsche ausgeprägt hat, nur mittels schlagworten aktiviert werden, und alles andere die schnöde Weltbild irritiert?

Interessant wäre, wenn es eine Kontrollgruppe gegeben hätte, die klimaskeptische Informationen erhalten hätte. Wären die dann erst recht zu Klimaaktivisten geworden?