Aktuell zu Überschwemmungen in England: Was die Behörden der Bevölkerung nicht sagen

Bis dahin war es in der gesamten bekannten Historie kein Thema – Wasserwege müssen groß genug sein, um jedwedes einfließende Wasser aufnehmen zu können. Anderenfalls würde der Fluss überlaufen und die angrenzenden Häuser und Landschaften überschwemmen.

Jede Zivilisation hat das immer gewusst, außer offensichtlich der Unseren. Es ist einfach gesunder Menschenverstand. Städtische Behörden und vor ihnen Landgüter, Städte und Dörfer haben sich organisiert um sicherzustellen, dass ihre Wasserläufe auf Vordermann gehalten werden, indem sie gereinigt, vertieft und manchmal eingedeicht wurden, um alles durchlaufen lassen zu können, was da durchschwamm.

Im 19. Jahrhundert wurde in Cockermouth eine geniale Art und Weise gefunden, dies zu bewerkstelligen. Jeder gesunde Mann, der im Armenhaus nach Unterkunft fragte, wurde angewiesen, eine Schaufel und eine Schubkarre in die Hand zu nehmen, hinab zum Derwent-Fluss zu gehen und zwei Ladungen Ablagerungen aus dem Fluss zu holen, der dann zum Straßenbau verwendet wurde. Dies hatte den dreifachen Vorteil, dass der Fluss ausreichend vertieft wurde, Straßen gebaut werden und sich mittellose Menschen nützlich machen konnten.

In Cumbria wusste man, dass man den Fluss regelmäßig von den gewaltigen Sedimentmassen befreien musste, die aus den Gebieten flussaufwärts angeschwemmt wurden, vor allem in Zeiten von Überflutungen. Alle Flüsse in Cumbria sind dafür bekannt, in Zeiten starker Regenfälle sehr rasch anzuschwellen, fällt doch der Regen wiederholt auf das Hochland, das sich durch große Flächen mit geringer Vegetation auszeichnet, so dass das Regenwasser rasch abläuft. Die Bewohner in Cumbria haben immer gewusst, dass ihre Flüsse immer wieder anfällig waren für solche plötzlichen und gewaltigen Überflutungen, worauf sie sich durch Vertiefung und Eindeichung ihrer Flussläufe vorbereitet haben. Diese Arbeiten wurden sehr ernst genommen.

Es gibt zahlreiche Aufzeichnungen über viele Jahrhunderte aus dem Amtsgericht von Cockermouth, denen zufolge die Besitzer zu Strafen verurteilt worden waren, weil sie es ablehnten, die durch ihr Land laufenden Flüsse zu reinigen. Die Verhinderung von Überschwemmungen war so wichtig, dass das Gericht oftmals detaillierte und explizite Instruktionen erlassen hatte, wie die verschiedenen Flussläufe zu reinigen seien. Zum Beispiel sind im Jahre 1718 (und dann wieder 1772) gewisse Landbesitzer mit an den Fluss angrenzenden Ländereien bestraft worden, weil sie zugelassen hatten, dass ,der Fluss durch Sand und Schutt aus seinem Bett gedrängt wurde‘, und man gab ihnen zwei Monate Zeit, den Fluss auszubaggern.

Für Menschen, die von ihrem Land abhängig sind, war es offensichtlich, dass das Versäumen der Reinigung der Flüsse von Sand und Schutt dazu führen würde, dass diese Flüsse über ihre Ufer treten und innerhalb weniger Stunden die Fruchtbarkeit des Landes zerstörten würden, die zuvor über mehrere Generationen hinweg geschaffen worden war; die ihre Häuser fortspülten und ihre Vorräte ertränkten.

Im vorigen Jahrhundert wurde die Verpflichtung zur Vertiefung der Flüsse an lokale Flussbehörden übertragen. Diese setzten sich überwiegend zusammen aus Landwirten und Landbesitzern, die das Gebiet und dessen Charakteristiken genau kannten. Man übertrug ihnen die Verantwortung dafür, Überschwemmungen zu verhindern oder zu minimieren.

Aber all dies änderte sich mit der Gründung der Environment Agency im Jahre 1997 und als wir die European Water Framework Directive im Jahre 2000 übernommen haben. Die Behörden waren nicht länger in der Pflicht, Überflutungen zu verhindern. Stattdessen verschob sich der Tenor in einer erstaunlichen politischen Wendung zu der primären Verpflichtung, einen „guten ökologischen Zustand“ für unsere nationalen Flüsse zu erreichen. Dies ist definiert als „so nahe wie möglich an ungestörten natürlichen Bedingungen“. „Stark modifizierte Gewässer“, worunter auch ausgebaggerte oder eingedeichte Flüsse fallen, können per definitionem niemals die Vorgaben der Direktive erfüllen. Um also den uns von der EU auferlegten Verpflichtungen zu genügen, mussten wir Vertiefung und Eindeichung aufgeben, um sie in ihren „ursprünglichen Zustand mit Überflutungsflächen“ zurückzuführen.

Und um diese Verhalten sicherzustellen, wurde die Verpflichtung zur Ausbaggerung von der zuständigen Behörde (heute also der Environment Agency) auf jeden individuellen Landbesitzer abgewälzt. Auch wurde sichergestellt, dass es für die Vertiefung keinerlei Förderung gab. Und jedweder Sand oder Schutt, der vielleicht entfernt würde, ist jetzt als ,gefährlicher Müll‘ klassifiziert. Damit kann er nicht mehr zur Erhöhung der Flussufer verwendet werden, wie es bisher üblich war, sondern muss weggeschafft und entsorgt werden.

Andererseits gibt es eine offensichtlich unerschöpfliche Förderung mit öffentlichen Geldern für jede Art der Konservierung und Fluss-,Renaturierung‘, die von zahlreichen Institutionen ausgeführt werden, die allesamt die utopischen Anforderungen der EWF-Direktive erfüllen müssen, die Flüsse „so natürlich wie möglich“ zu gestalten.

Beispiel: 47 Treuhandgesellschaften [river trusts] sind während des vorigen Jahrzehnts entstanden, die stark ermutigt und gefördert wurden von der EU, von Natural England, der Environment Agency und auch speziellen Zuwendungen von es gut meinenden Institutionen wie der National Lottery, Wasserwerken und Gemeindeverwaltungen. Der West Cumbria Rivers Trust, welcher im Einzugsgebiet des Derwent-Flusses involviert ist und in dessen Bereich viele Flüsse über die Ufer getreten waren, ist ein gutes Beispiel. Aber sie haben alle das gleiche, voll mit der EU-Politik übereinstimmende Ziel, die Flüsse in ihren „natürlich gesunden“ Zustand zurückzuführen und jedwedes „Begradigen und Modifizieren“ umzukehren, was man früher gemacht hatte „in einem fehlgeleiteten Versuch, das Wasser schneller abfließen zu lassen“. Der einzige Grund für „fehlgeleitet“ war für sie, dass schnell fließendes Wasser, dass innerhalb seines Flussbettes gehalten wird, sein Bett ausspülen und eventuell seltene Krebse und Süßwasser-Muscheln davon schwemmen könnte. Dies steht natürlich im Widerspruch zu ihrem Ideal (und dem der EU) eines „natürlichen“ Flusses.

Die Environment Agency hat Millionen Pfund ausgegeben für ,Überschwemmungs-Abwehr‘ [flood defences] und besitzt noch die Frechheit, uns mit frommem Augenaufschlag davor zu warnen, dass man nicht zum Schutz verpflichtet sei und dass – falls unsere Häuser überschwemmt und unsere Vorräte hinweg geschwemmt werden – wir das einfach zu akzeptieren hätten. Das Klima ändert sich, sagen sie, und das Leben damit auch. Aber der wirkliche Grund dafür, dass sie teure und weitgehend ineffektive Barrieren gegen Überschwemmungen aufbauen ist – zumindest in Carlisle und Keswick – dass derartige Arbeiten nicht mit dem Fließen des Flusses in seinem Bett in Konflikt stehen, womit auch die EU-Direktive nicht verletzt wird.

EU-Geld ist auch verfügbar für Überschwemmungs-,Verteidigung‘, jedoch keines für genau die Maßnahme, die sehr helfen würde, nämlich das Entfernen der gewaltigen Ansammlungen von Sand und Schutt aus dem Flussbett. Dies wird fast nie angesprochen, und selbst wenn doch einmal, versucht man sofort uns weiszumachen, dass eine solche Maßnahme mehr schaden als nutzen würde. Vielleicht für Mollusken und Muscheln, aber sicher nicht für die betroffenen Menschen, deren Häuser wieder und immer wieder zerstört werden.

Nein. Die Wahrheit, warum sie Ihnen das nicht sagen, selbst wenn sie wollten, ist, dass weder die Regierung von UK noch die Environment Agency die Macht dazu haben – oder das Geld. Wenn Sie also David Cameron und seine Parlaments-Jünger sehen, wie sie in Cumbria herumfahren, mit Gummistiefeln, Regenjacken und wetterfesten Hüten; wie sie ihre Hände wringen und versprechen, alles zu tun, um uns vor Überflutungen zu schützen – dann fragen Sie ihn, wie genau er die European Water Framework Direktive umgehen will. Und sie werden Ihnen sagen müssen, dass sie das nicht können. Nicht, solange UK Mitglied der EU ist. Ergo: jedwede Sympathie, die Politiker für die Nöte ihrer Untergebenen zum Ausdruck bringen, basiert entweder auf Ignoranz oder Täuschung. Es ist an der Zeit für uns zu fragen, welches von beiden hier vorliegt.

Philip Walling is the author of the best-selling Counting Sheep published in 2014 by Profile Books and is currently writing a book on man’s relationship with water.

Link: http://www.thegwpf.com/philip-walling-what-the-authorities-wont-tell-you-about-the-floods/

Übersetzt von Chris Frey EIKE