Finnland genehmigt weltweit erstes Endlager

Luftbild der finnischen Halbinsel Olkiluoto, siehe auch Text links

von Dr. Willy Marth
Die klugen und bedächtigen Finnen haben etwas geschafft, wovon wir Deutsche, in unserer aufgeregten Art, noch meilenweit entfernt sind: sie besitzen ein genehmigtes Endlager für hochradioaktiven Atommüll.


Vor ca. 40 Jahren begannen sie – ähnlich wie die Deutschen – mit Grundlagenversuchen zu diesem Thema. Drei geologische Formationen wurden genauer ins Visier genommen: Salz, Ton und Granit. Alle drei sind geeignet zur Aufnahme des hochradioaktiven Abfalls aus Kernkraftwerken, besitzen aber spezifische Vor- und Nachteile. Salz ist gut wärmeleitend und Hohlräume verschließen sich leicht. Es ist die Formation in Gorleben. Ton ist nicht wasserlöslich, deshalb setzen Frankreich und die Schweiz auf dieses Wirtsgestein. Das Kristallgestein Granit ist sehr stabil und wurde in Finnland ausgewählt. Ähnliche geologische Granitformationen befinden sich in Deutschland in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern, sie sind aber oft mit Rissen behaftet.

Optimaler Standort

Die heimische Firma Posiva erhielt von der finnischen Regierung die Lizenz zur Auswahl des Standorts und zum Bau des Endlagers. Nachdem man sich auf Granit als Wirtsgestein geeinigt hatte, gab es Dutzende von Gemeinden, die sich als Standort für das Endlager anboten. Den Zuschlag erhielt die 6.000-Einwohner-Gemeinde Eurajoki . Der Ort für das geplante Endlager heißt Onkalo. Er befindet sich 230 Kilometer nordwestlich von Helsinki auf einer Halbinsel, wo bereits zwei Siedewasserreaktoren in Betrieb sind und ein dritter (EPR-Art) geplant ist. Die Transportwege zum künftigen  Endlager sind deshalb optimal kurz. Im Rahmen eines Erkundungsprojekts wird hier seit 2004 gebohrt und gesprengt. Die Grubengänge sind mittlerweile fast fünf Kilometer lang und reichen bis in eine Tiefe von 450 Meter Tiefe. Man kennt also die Ausdehnung und die Eigenschaften der Granitformation recht genau. 

Bild rechts: Luftbild der finnischen Halbinsel Olkiluoto: Im Hintergrund sind zwei Kernkraftwerke zu sehen; das bebaute Areal im Vordergrund gehört zum Endlager Onkalo.

Politische Unterstützung, Langfristüberlegungen

Bevölkerung und Politik waren in allen Projektphasen fest eingebunden. Die finnische Regierung hatte schon frühzeitig ihre Zustimmung zum Endlagerprojekt signalisiert. Im Jahr 2001 ratifizierte auch das finnische Parlament dieses Vorhaben mit 159 zu 3 Stimmen. Im Februar 2015 bestätigte die finnische SicherheitsbehördeSTUK die atomrechtliche Sicherheit des beantragten technischen Konzepts. Um das Jahr 2020 herum soll mit den ersten Einlagerungen begonnen werden.  Das Endlager bietet Platz für 6.000 Tonnen hochaktive Abfälle. Die abgebrannten Brennelemente werden in Spezialcontainern verstaut, welche mit Kupfer ummantelt sind. In 450 Meter Tiefe werden sie in entsprechend gebohrte Tunnellöcher geschoben. Diese sollen anschließend mit der Vulkanasche Betonitversiegelt werden, die sofort aufquillt, falls sie in Kontakt mit Wasser kommt.  Zum oft diskutierten Problem der Langzeitrisiken haben die finnischen Endlagerforscher folgende Position: Ihrer Meinung nach lassen sich die vergangenen geologischen Veränderungen in und auf der Erde über Jahrmillionen nachvollziehen. Die Geologen analysieren diese Veränderungen der Vergangenheit und ziehen daraus Rückschlüsse über mögliche Entwicklungen in der Zukunft. So können Prognosen für unterschiedliche Gesteine und Erdschichten bis zu einer Million Jahre im Voraus erstellt werden. Diese Forscher weisen nach, dass die geologischen Veränderungen an der Erdoberfläche wesentlich rasanter vonstatten gehen als die Vorgänge im tiefen Untergrund. Je tiefer man gräbt, desto besser lassen sich also verschiedene Gefahren wie Erosion durch Flussläufe Erdrutsche oder Eiszeiten umgehen. Beispielsweise kann man in den kommenden eine Million Jahren mit etwa zehn Eiszeiten rechnen. Eine Million Jahre ist recht kurz im Vergleich zur Entstehungsgeschichte der Erde, die sich über 4.500 Millionen Jahre erstreckt. Damit die Eiszeiten und die mit ihnen einhergehenden geologischen Veränderungen keine Gefahr für ein atomares Endlager darstellen, müssen die Abfälle tief genug unter Tage eingelagert werden. Aus den Analysen der Vergangenheit weiß man, dass Gletscher schon 250 Meter tiefe Rinnen in die Erde gefräst haben. Geht man davon aus, dass sich zukünftige Eiszeiten nicht sehr viel anders abspielen werden als vergangene, so sollte man mit einer Erosion bis zu 300 Meter Tiefe rechnen. Die Einlagerungssohle muss also tiefer liegen, was in Olkiluoto mit 450 Meter der Fall ist. Bergwerke in dieser Tiefe sind nicht problematisch; in Deutschland hat man die maximale Tiefe von Endlagerstollen auf 1.500 Meter festgelegt.  Inzwischen denkt auch das Nachbarland Schweden über ein ähnliches Endlager in Granit nach. Man darf gespannt sein, wie diese Entwicklungen in Skandinavien die öffentliche Diskussion in Deutschland beeinflussen. 

Übernommen vom Rentnerblog hier 

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21 Kommentar(e)

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1

#18: Lutz Niemann sagt: „Was EIKE gegen die Klimahysterie schon erreicht hat, sollte auch gegen die Strahlenhysterie erreicht werden.“

Die Nuklearia e.V. und Ähnliche machen dies bereits. Das Problem ist jedoch, dass sie ihre Kampagnen, auf Basis der Klimakrise durchführen – zum Glück auch mit Fakten über die Erneuerbaren Energien.

http://nuklearia.de
http://facebook.com/nuklearia

https://kernenergie.ch

[…]

2

Tja, Frau Meinhardt,

die Menschen werden verführt. Und ganz bewusst die Deutschen, Deutschland soll klein gehalten werden. Das geht schon, es braucht viel Zeit, und es geschieht im verborgenen. Und auch mit Tricks, zum Beispiel wird dafür bezahlt, z.B. mit Einspeisevergütung. So schafft man sich ein riesiges Potential wohlwollender Bürger, die bei Gelegenheit ihr Kreuzlein an der richtigen Stelle machen. Man nannte das schon auch mal Markteinführung, vollkommen unpassendes Wort an dieser Stelle. Preisfrage: Wie würde man derartiges Vorgehen an anderer Stelle nennen? Z.B. bei der FIFA???

3
Katrin Meinhardt

#17: #18: Sehr geehrter und verehrter Herr Dr. Lutz Niemann,

es ist entsetzlich Ihnen "zuhören" zu müssen. Sie haben vollkommen Recht. Wie leicht wäre es immer gewesen, Deutschland an der Speerspitze der Spiztentechnologie zu belassen. Man hätte die fähigen Menschen (Doktoren, Professoren, et cetera) einfach deren Arbeit tun lassen sollen. Einfach nichts tun. Manchmal ist kluges Management so einfach. Sehr viel einfacher als jede Amöbe. Das ist ein Verbrechen.

Mit sehr freundlichen Grüßen

4

Und noch etwas bitte ich zu beachten, was Herr Langeheine hier bei EIKE berichtet hatte:
http://tinyurl.com/m42rog7
„Die Dosis macht das Gift – auch bei Strahlung“

Ich sehe ja ein, alle Kollegen in der Diskussionsrunde, die ihr Leben lang für immer weniger Strah-len“BELASTUNG“ (es ist keine Belastung!!!!) kämpfen mussten und dafür bezahlt wurden, haben heute Schwierigkeiten, genau das Gegenteil als richtig zu akzeptieren. Aber es nützt nichts, das Co-60-Ereignis von Taiwan sollte von den hauptamtlichen Strahlenschützern als Gelegenheit begriffen werden, ohne Gesichtsverlust von den Strahlenschutzgrundsätzen wie LNT und ALARA Abschied zu nehmen. Wie man diesbezüglich auf die Politik einwirken kann, um die Gesetzgebung entsprechend neu zu machen, weiß ich auch nicht.

Was EIKE gegen die Klimahysterie schon erreicht hat, sollte auch gegen die Strahlenhysterie erreicht werden.

5

Eine kluge Handlungsweise ist es nicht, was die Finnen da machen. Was sie ins Endlager stecken, ist nur zu 5% Abfall (Spaltprodukte), alles andere sind wichtige Ressourcen (U235, U238, Transurane), die irgendwann wieder benutzt werden und ganz sicherlich auch benutzt werden müssen, weil Energie zum Leben der Menschen unerlässlich ist (auf jeden Fall von Rußland, siehe BN-800). Herr Münch sagte es richtig. Daher braucht man auch keine Rückholbarkeit, man sollte die abgebrannten Brennelemente gleich oberirdisch lagern, nicht unter die Erde vergraben.

Und bei der Diskussion mit der Radiotoxizität bitte ich zu beachten, daß Toxizität nur beim Ver-speisen zum tragen kommt. Wenn die eingeglasten Spaltprodukte nicht verspeist werden, stellen sie niemals eine Gefahr dar. Ich denke, mit dem Argument der Radiotoxizität wurde die Diskussion in eine falsche Richtung gelenkt. Wenn jemand von einer Glaskokille heute ein erbsengroßes Stück verspeist (also etwa 1E09 bis 1E10 Bq), dann wandert das durch ihren Körper und kommt nach 1 bis 2 Tagen wieder unten zum Vorschein, unverändert, denn Glas ist in Körperflüssigkeiten unlöslich. Die Dosis, die diese Person in dieser Zeit erhält, ist belanglos. Allerdings kann man dieses Experiment nicht machen, denn es ist verboten. Und man hat auch keinen Zugang zu den Kokillen. Und wenn man Zugang hätten, dann könnte nicht davon abgebissen werden, weil zu hart. Und erst recht hat eine Person niemals einen Zugang zu den Kokillen, wenn sie einmal 1000 Meter unter der Erdoberfläche lagern. ALSO: ES GIBT KEIN ENDLAGERPROBLEM, es gibt aber sehr wohl ein Problem mit unsinniger Gesetzgebung.

6

Sehr geehrter Herr Mueller,
natürlich muß jedes Land nach seinen geologischen Gegebenheiten handeln. In meinen Augen ist es absolut unsinnig die BE nicht wiederaufzuarbeiten oder eine rückholbare Endlagerun anzusteben. Besonders schlimm ist es, daß in Deutschland die Fortentwicklung der Wiederaufarbeitung abgebrochen wurde durch unsere grün-linken Ideologen. Das KfK hatte gerade in der Wiederaufarbeitung große Fortschritte erzielt, so daß bei der Trennung der Spaltprodukte von U , Pu und den anderen Transuranen nur noch Promille in die jeweilige andere Fraktion verschleppt wurden. Hier sollten eigentlich alle die Kernenergie nutzenden Staaten zur weiteren Verbessung des Verfahrens zusammenarbeiten. Für die Endlagerung sollte auch viel stärker auf die Erfahrungen von Oklo zurückgegriffen werden. Hier ist noch viel zu lernen.
Sehr geehrter Herr Narrog,
die Wertstoffe aus den Spaltprodukten herauszuholen ist sicher einmal eine Frage der zur verfügingstehenden Verfahrenstechnik und des Preises für diese Stoffe. Was sich bei der Wiederaufarbeitung immer gewinnen ließe, ist das Xenon. Xenon eignet sich sehr gut als Narkosemittel.
MfG

7

Als ehemaliger Deutscher der mehr als 40 Jahre in Finnland lebt weiss ich das die Finnen immer gerne Klassenerster sein wollen. Deswegen hat man hier schon vor langer Zeit die Endlagerung geplant. Die Kernkraftwerke die es hier gibt, in Olkiluoto und in Lovisa hatten noch nie eine Panne gehabt. Im Durchschnitt waren die Kraftwerke ca 90 %/per Jahr seit Ende der 70-ger Jahre im Einsatz um den Finnen den täglichen Strom zu liefern. Nie gab es auch den Hauch einer irgendwelchen Gefahrensituation. Allerdings hatten wir hier auch keine finnischen Spiegelredakteure die sich unter der Toilette auf die Lauer legen.
Die Endlagerung wird wahrscheinlich ein Zwischenlager sein. Denn der nächste Mailer könnte ein BN-1200 sein(?).
Die Genehmigung eines neuen Kraftwerkes in Lappland ist so gut wie durch. Trotz heftiger Proteste der inzwischen zur Opposition gehörenden (Lügen ?) Presse, den Proteste von den Grünpopulisten und von den kommunistischen Populisten. Russland wird den nächsten Reaktor in Pyhäjoki (=heiliger Fluss!!!) bauen. Wahrscheinlich werden weitere Reaktoren in Pyhäjoki folgen. In Lovisa im Südosten Finnlands befinden sich die ältesten finnischen Kraftwerke, die gegen Ende 2020 erneuert werden müssen. Vielleicht auch schon früher? Die finnische Wirtschaft leidet schwer unter den russischen gegen-Sanktionen der Ukraine- Krise. Man müsste etwas dagegen tun?
Ûbrigens: Die Kernkraftwerke düften dank der Klimaerwärmung gebaut werden. Dadurch will man dieKlimavorgaben erfüllen… Mit anderen Worten: Paris hat seine Schuldigkeit getan...

8

Fred Müller und Herr Urbahn,

Die Weltmeere enthalten ca. 66 Mrd. to 40K, 4,5 Mrd. to Uran und Zerfallsprodukte!! des Uran, sicherlich keine Spaltprodukte. Naturwissenschaft ist eine exakte Wissenschaft. Insgesamt > 70 Mrd. to radioaktiver Nuklide. 1982 wurde seitens der UN beschlossen keine hochradioaktiven Abfälle mehr im Meer endzulagern. Grund war sicherlich auch die ökoreligiöser Propaganda solcher Firmen wie Grün & Frieden. Seitdem ist nur mehr die Endlagerung flüssiger, radioaktiver Stoffe im Meer zulässig.

Auch in Deutschland gibt es Granitformationen. Diese wurden jedoch von den beteiligten Geologen aufgrund des mangelnden Abschlusses zur Biosphäre und der schlechteren Wärmeleitfähigkeit als 3. Wahl gegenüber Salzstöcken und Tonlagern bewertet.

Die Rückholbarkeit radioaktiver Abfälle ist ein ökoreligiöser Unsinn. Ein solches Lager muss dauerhaft betrieben werden und verursacht, sofern man den Blödsinn tatsächlich durchhält, Betriebskosten über Jahrhunderte hinweg. Bitte bedenken Sie, dass es in ca. 30 Jahren z.B. in D rein rechnerisch gesehen eine andere, muslimische Gesellschaft gibt. Es bestehen Risiken für MA und durch Terroristen (hochradioaktive Spaltprodukte sind ideal für eine schmutzige Bombe). Die Erträge werden kaufmännisch in die Zukunft abgezinst. Wirtschaftlich ist das allenfalls erfrischend. Vorstellen kann man sich, dass ein grosses Endlager erhebliche Mengen interessanter Spaltprodukte, Rhodium, Thutenium, Palladium, Seltene Erden, Silber enthält, bzw. bei direkter Enlagerung (ohne Wiederaufbereitung) signifikante Mengen Pu und U enthält. Bei entsprechenden attraktiven Rohstoffpreisen kann man einen neuen Schacht abteufen und ein Bergwerk einrichten. Das ist weitaus wirtschaftlicher.

9
Fred F. Mueller

@ # 10 H. Urbahn

Lieber Hr. Urbahn,

ich will mich mit Ihnen nicht über den Unterschied zwischen Spontanspaltung, Spaltung durch thermische Neutronen sowie Zerfall streiten. Sie haben insofern Recht, als hierbei unterschiedliche Produktketten entstehen. (Mir liegen übrigens aus irgendwelchen Gründen andere Zahlenangaben bezüglich Halbwertszeiten von Spontanspaltung vor als Ihnen, nachzulesen in Praktikumsunterlagen der ETH Zürich zum Thema Radiochemie http://tinyurl.com/hm8vrtv)

Das ist jedoch nicht mein Kernthema. Mir geht es um die freigesetzte Radioaktivität. Wenn Sie 4,5 Mrd. Tonnen 238U im Meer haben, dann zerfallen hiervon 50 % in 4,47 Mrd. Jahren, soll heißen etwa 0,5 t/a. Das sind radioaktive Prozesse, die Strahlung freisetzen. Einige der dabei entstehenden radioaktiven Zerfallsprodukte haben wiederum Halbwertszeiten von z.B. 75.000 Jahren. Soll heissen, sie bleiben ziemlich lange im Wasser erhalten. Da kommen etliche zig 1.000 Tonnen radioaktiver Substanzen zusammen, die kontinuierlich im Meerwasser bzw. in den Sedimenten herumschwimmen und immer weiter radioaktive Folgeprodukte erzeugen (Vergessen Sie nicht, wir befinden uns immer noch am oberen Ende der Zerfallsreihe). Der Mensch könnte dagegen beim derzeitigen Ausbaustand der Kerntechnik jährlich maximal etwa 600 t Spaltprodukte ins Meer werfen – und das würde voraussetzen, dass man alles, was aus den Reaktoren kommt, im Ozean entsorgt. Ich sehe keine Chance, wie wir da mit der Natur auch nur annähernd mithalten könnten.

Ich bleibe daher bei meiner Aussage, dass die Entsorgung radioaktiver Abfälle im Meer bei sachgerechter Durchführung keinen nennenswerten Beitrag zur bzw. keine erwähnenswerte Erhöhung der radioaktiven Belastung der Meere bewirken würde. Womit ich nicht für diese Art der Entsorgung plädiere, aber nicht wegen der von den Grünen verbreiteten Panikmache, sondern weil hier Wertstoffe verschwendet würden.

Also, mein Gegner sind die panikmachenden Grünen, die alles versuchen, um Angst vor der Kernenergie zu erzeugen. Wir beide sind uns sicher darin, einig, dass eine sachgerechte Entsorgung an Land die bessere Lösung ist, wobei ich jedem Land zugestehe, das für seine Geologie am besten passende Verfahren zu wählen.

Mfg

10

Sehr geehrter Herr Mueller,
ich schätze Ihre Beiträge hier sehr. Ich muß Ihnen aber nochmals widersprechen. Sie werfen Zerfallsprodukte mit Spaltprodukten in einen Topf, ist aber nicht dasselbe. Die Halbwertszeiten für die Spontanspaltung der Uranisotope ist etwa 10E-6 bis 10E-10 mal kleiner als die jeweilige Halbwertszeit für den radioaktiven Zerfall und nur die Spontanspaltung kann zu Spaltnukliden führen. Der Neutonenfluß an der Erdoberfläche beträgt etwa 80 Neutronen pro m² und sec. Unter einer entsprechenden Wasserschicht wird er dann sehr schnell noch viel kleiner. Deshalb ist auch der Beitrag hierdurch zur Spaltproduktproduktion sehr sehr gering. Also auf garkeinen Fall in der gleichen Größenordnung wie die Uranmenge im Meerwasser.
Ich habe aus beruflichen Gründen mich mit allen Endlagervarianten beschäftigen müssen. Aus dieser Kenntnis der Dingen bin ich allerdings zu dem Ergebnis gekommen, daß Salz die beste Option ist für ein Land, das Salzstöcke zur Verfügung hat.
MfG

11
Fred F. Mueller

@ # 10 H. Urbahn

Lieber Hr. Urbahn,

ich schätze Sie und Ihre sachkundigen Beiträge hier im Forum. Deshalb hätte ich es bevorzugt, wenn Sie etwas weniger forsch formuliert hätten. Lassen sie mich dazu wie folgt Stellung nehmen:

Zunächst habe ich darauf aufmerksam gemacht, welch ungeheures Volumen die Ozeane haben und welche Massen dort selbst bei sehr dünn verteilten Spurenelementen in der Summe zusammenkommen.

Darauf bezog sich auch meine Aussage, dass „logischerweise auch der Gehalt an Spaltprodukten entsprechend hoch“ sei. Ich habe auf keinen Fall behauptet, dass „es genauso viel Spaltprodukte im Meeerwasser gäbe wie Uran“. Das weise ich entschieden zurück.

Ansonsten im Einzelnen:

1] In der Natur gibt es vier radioaktive Uran-Isotope, die entsprechend ihrer Halbwertszeiten zerfallen (beim 236U kommt noch der Sonderfall des Neutroneneinfangs vor, wenn auch selten). Dabei entstehen Spaltprodukte. Ihre Aussage „die spontane Spaltung von Uran ist einfach zu selten, um dadurch Spaltprodukte zu erzeugen“ gibt die physikalischen Gesetzmäßigkeiten nicht korrekt wider.

2] Den Begriff Spaltprodukte bezog ich nicht nur auf Uran, und nicht nur auf radioaktive Spaltprodukte, sondern auch auf die stabilen Endprodukte. Wissen Sie, wieviel Blei im Meerwasser ist?

3] Was die natürliche radioaktive Belastung angeht, so sind neben Uran auch noch weitere radioaktive Elemente wie z.B. Radon, Thorium, Kalium und sogar Kohlenstoff auf natürliche Weise im Meer vorhanden. Diese bedingen sicherlich eine wesentlich höhere Strahlenbelastung als alles, was der Mensch ins Meer kippen kann, vorausgesetzt, man sorgt dafür, dass bei der Freisetzung dafür Sorge getragen wird, dass es zu einer ausreichenden Verdünnung kommt. Das macht man beispielsweise in Sellafield. (Zurzeit kommen aus den weltweit vorhandenen Kraftwerken nach meinem Kenntnisstand jährlich so um die 10.000 t. „abgebrannte“ Brennelemente zusammen. Das meiste davon ist immer noch Uran. Wieviel davon tatsächlich radioaktive Spaltprodukte sind, entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht können Sie dazu etwas sagen. Was dabei herauskäme, wenn man diese Menge in 1,7 Mrd. Kubikkilometer Ozean gleichmässig verteilen würde, kann ich daher nicht sagen, ich bezweifle jedoch, dass es sich für Mensch und Natur negativ auswirken würde, vor allem dann nicht, wenn man dafür sorgt, dass sich die Freisetzung über lange Zeiträume erstreckt, weil dann die kurzlebigeren Komponenten bereits weitgehend zerfallen wären).
Bezüglich des Kupfermantels habe ich beim Besuch der schwedischen Anlage vor einigen Jahren ein Konzept gesehen, das auf 50 mm Wanddicke basiert. Da bereits riesige Anlagen z.B. zur dichten Verschweißung der Deckel beschafft worden waren, gehe ich davon aus, dass dies den End-Planungsstand wiedergibt.
Ich stimme Ihnen zu, dass es sinnvoller wäre, Kernbrennelemente vor einer Endlagerung aufzubereiten. Dem stehen jedoch z.B. in Deutschland politisch gewollte gesetzliche Hindernisse entgegen. Daher ist eine Kompletteinlagerung mit der Option auf künftige Rückholung sicherlich nicht eine ideale, aber eine vertretbare Lösung.

Ansonsten habe ich nicht die Absicht, die verschiedenen Endlagerkonzepte (Salz/ Granit) gegeneinander auszuspielen. Vielleicht rührt die Schärfe Ihrer Stellungnahme daher, dass Sie die Salzoption favorisieren. Ich persönlich bin diesbezüglich neutral eingestellt, schließlich sind ja auch die geologischen Gegebenheiten von Land zu Land unterschiedlich.

Mfg

12

#9 Sehr geehrter Herr Mueller,
Ihrem Kommentar muß ich entschieden widersprechen und Herrn Narrog unterstützen. Eine Endlagerung von Wärme produzierendem Abfall im tiefen Ozean war nur in der folgenden Form in der Überlegung: Mit radioaktivem Material beladene Behälter sollten in das Sediment der Tiefsee verbracht werden in der Form, daß diese durch die Schwerkraft sich in das Sediment bohrten. Ihre Aussage, daß es genauso viel Spaltprodukte im Meeerwasser gäbe wie Uran ist einfach falsch. Spaltprodukte entstehen wie der Name schon sagt, durch Spaltung eine U-Kerns. Diese Spaltung kann entweder durch Neutronen verursacht oder durch spontane Spaltung geschehen. Der Neutronenfluß im Wasser ist viel zu gering um eine nenneswerte Spaltung von Uran zu bewirken und die spontane Spaltung von Uran ist einfach zu selten, um dadurch Spaltprodukte zu erzeugen.
Granit ist wie Herr Narrog richtig geschrieben hat, immer von Wasser durchflossen, deshalb auch die Verwendung eines Kupfermantel. nacch meiner Erinnerung hatten die Schweden sogar einen Mantel vo 10 cm Cu vorgesehen.
Das Argument der Rückholbarkeit nach 50 jahren verstehe ich. dann kann man genauso gut die BE direkt wiederaufarbeiten und nur die Spaltprodukt entlagern. nach der heutigen Verfahrenstechnik haben Sie aber zwangsläufig einen Anteil von Uran und den Transuranen in den Abfällen (liegt so im Prozentbereich).
von den Endlagergesteinen ist Salz die beste Lösung wobei natürlich die abgebrannten BE am besten wiederaufgearbeitet werden. Herr Narrog hat die hervorragenden Eigenschaften von Salz schon genannt. Es ist natürlich wichtig, daß ein unverritzter Salzstock genommen wird. Dadurch gibt es keinen Wasserzutritt Die war bei der Asse nicht der Fall. Das war auch bekannt als dieses Salzbergwerk von der damaligen Bundesregierung gekauft wurde. Mit diesem sollten ja nur die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet werden. Das hat ja auch hervorragend funktioniert. Im Übrigen sind die Wässer bei der Asse von der Menge her kein Problem. Die sinnvollste Lösung bei der Asse ist, wenn sie nicht mehr genutzt wird, sie mit Salzabfällen zu verfüllen und den Rst mit eine gesättigen Lösung.
Ich habe einige Jahre in der Begutachtung von Endlagern verbracht.
MfG

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Fred F. Mueller

@ # 5 Holger Narrog

Lieber Hr. Narrog,

die Endlagerung in Ozeanen wurde nicht aufgrund technisch-wissenschaftlicher, sondern politisch-ideologischer Argumentationen aufgegeben.

Die Weltmeere enthalten schon von Natur aus sehr viel Uran: „Many people do not realize that seawater has a natural concentration of uranium. The percentage of uranium in seawater is quite low, as one may expect. It has been shown that the uranium concentration of seawater is only about 3 parts per billion, which is about 3 milligrams of uranium per cubic meter. [1] The total volume of the oceans is about 1.37 billion cubic kilometers, so there is a total of about 4.5 billion tons of uranium in seawater. Assuming we could recover half of this resource, this much uranium could support 6,500 years of nuclear capacity. [2] http://tinyurl.com/lyumzux

Logischerweise ist auch der Gehalt an Spaltprodukten entsprechend hoch. Die bisher in die Ozeane verbrachten Mengen an Spaltprodukten aus Kernkraftanlagen sind im Vergleich dazu absolut vernachlässigbar. Aber wie gesagt, die „Helden von Greenpeace“ haben politische Entscheidungen erzwungen. Man erinnere sich auch an Brent Spar, wo mit Horrorzahlen über Giftfrachten argumentiert wurde, die sich später als völlig aus der Luft gegriffen herausstellten.

Salzstöcke sind als Endlager sicher eine vertretbare Option. Die Rückholbarkeit ist da wohl eher das Problem, siehe das derzeitige Asse-Dilemma.

Das skandinavische Konzept mit der Einlagerung in Granit ermöglicht diese Rückholbarkeit. Ihr Hinweis auf die begrenzte Lebensdauer der Kupferbehälter ist jedoch nicht korrekt und beruht auf unzureichenden Informationen. Die gewählten Granitformationen sind übrigens mehr als 1 Milliarde Jahre alt und tektonisch völlig stabil.

Erstens ist Kupfer ein Edelmetall, das aufgrund seiner Korrosionsbeständigkeit in der Natur sogar gediegen vorkommt (über Millionen Jahre hinweg). Die Behälter sind 50 mm dick und würden in dem chemischen Milieu in den geplanten Lagern selbst ohne besondere Maßnahmen über den in Skandinavien geforderten Zeitraum von 100.000 Jahren intakt bleiben.
Zweitens werden die Behälter nicht einfach so in Nischen geschoben, sondern werden dort in eine dicke Schicht Bentonitlehm eingepackt. Dieser Lehm ist chemisch inert und quillt bei Wasserzutritt auf, so dass die Behälter in ihren Nischen rundum dicht eingeschlossen werden. Der Zutritt von fließendem Wasser ist somit ausgeschlossen. Die

Weiterer Vorteil des schwedisch-finnischen Konzepts ist die Rückholbarkeit. In 50 Jahren oder so, wenn die damit verbundenen Fragen vermutlich ganz anders und viel pragmatischer angegangen werden, wird man die darin liegende Weitsicht erst richtig zu würdigen wissen.

Mfg

14
Dr. Peter Steinbock

Die Finnen zeigen, daß und wie es gehen kann. Das ist etwas, was bei der sogenannten Energiewende grundhaft fehlt und sachkundigen Stromkunden den Schlaf rauben kann. Trotz Milliarden und Abermilliarden Umlagen für die sogenannten Erneuerbaren fehlt der Nachweis für ihre Selbständigkeit bei der Versorgung von Haushalten. Mir gefällt an der finnischen Lösung, daß für nukleare Standorte nur solche Gemeinden überhaupt infrage kommen, die sich darum bewerben. Das hat für Kernkraftwerksstandorte schon lange Prof. Sinn, IfO-Institut, vorgeschlagen. Ich persönlich würde mich für rückholbare Lösungen einsetzen, damit Brutstoffe wie U238 künftig zurückgewonnen werden können. Das giftgrüne Deutschland unter Merkels Führung wird die Kernkraft nicht aushebeln.

15
Markus Estermeier

#3 Markus Münch

In der Schweiz hat man sich ja auch schon frühzeitig zur rückholbaren Endlagerung entschieden. Wohlweislich in der Annahme daß es sich möglicherweise um werthaltige Recourcen handeln könnte. Mit den neuartigen Reaktorkonzepten scheint sich das ja auch zu Bestätigen.

16

Zu # 3 Herr Münch,

das wollte ich als Laie auch fragen: Braucht man dafür überhaupt ein Endlager? Wäre nicht "Zwischenlager" der bessere Ausdruck? Oder ist das, was die Russen machen, was Herr Münch ansprach und auch schon mal Thema auf dieser Website war, irgendwie nicht so wie dargestellt?

Chris Frey

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Die Aussage des Artikels ist insofern falsch als man bereits in den 60er Jahren hochradiaoktive Abfälle im Atlantik endgelagert hat (z.B. GB).

In den USA wird seit 1999 die WIPP Anlage zur Entsorgung Transuranhaltiger (Bsp. Plutonium) und damit sehr langlebiger radioaktiver Abfälle aus militärischen Anlagen betrieben. Das interessante an dieser Anlage ist, dass man sich hierbei am Deutschen Konzept (vorbildliche Endlager in Asse und Morsleben) orientiert hat.

Das Deutsche Konzept basiert auf der Nutzung von Salzstöcken die seit 220 Mio. Jahren bestehen. Salz dichtet gut gegenüber der Biosphäre ab und verhält sich unter Druck plastisch, sprich Risse, Öffnungen schliessen sich. Daneben ist Salz ein guter Wärmeleiter und somit gut für die Einlagerung hochradioaktiver Abfälle geeignet.

Skandinavien hat geologisch bedingt keine Salzstöcke. Deshalb muss man dort auf Granit zurückgreifen. Granit ist wasserdurchlässig. Deshalb erfolgt die Abschirmung von der Biosphäre durch die Kupferbehälter mit begrenzter Lebensdauer.

18

Sind diese Spezialcontainer auch wieder rückholbar? Denn sie beinhalten ja einen wertvollen Rohstoff, der in Zukunft sicher weiter verarbeitet und genutzt werden kann.

19

@ARTIKEL: „Die abgebrannten Brennelemente werden in Spezialcontainern verstaut, welche mit Kupfer ummantelt sind.“

- - - - - -

Die Brennelemente sind nicht im eigentlichen Sinne abgebrannt (!!!) Insgesamt wurden aus dem Rohstoff lediglich ungefähr » 5 Prozent « der gesamten Energie gewonnen – sprich: Wir unterhalten uns hierbei um Ressourcen, die ungenutzt auf natürlichem Wege zerfällt, sobald sie eingelagert werden.

Der ein oder andere wird sich fragen: „Was? Natürlich?“ Wenn man weiß, dass der Erdkern den größten Fissionsreaktoren verkörpert, und im menschlichen Körper rund 1,2 Milliarden radioaktiver Zerfälle innerhalb von 2 Tagen – bei einem Körpergewicht von 75kg – stattfinden, ist es nichts außergewöhnliches mehr. Natürlich entsteht hierbei ab und zu auch mal Gammastrahlung. Dies passiert auch, wenn ein Elektron und ein Positron aufeinanderstoßen.

In Russland wird mit der » BN-Reihe « Plutonium wie auch Uran gespalten und transmutiert, wodurch sich die Effizient extrem steigern lässt.

Am Ende der nuklearen Kette haben wir dann tatsächlich Abfall. Anstatt der 300.000 Jahre, muss der endgültig radioaktive Abfall nur noch für 300 bis 500 Jahre eingelagert werden. Die radiotoxische Wirkung, beziehungsweise der Zerfall, nehmen bereits innerhalb der ersten Jahrzehnte sehr stark ab.

20

Schöne Information.

"..Man darf gespannt sein, wie diese Entwicklungen in Skandinavien die öffentliche Diskussion in Deutschland beeinflussen"

Wahrscheinlich wird es einfach ignoriert und totgeschwiegen.
- Oder die Energiewendefans behaupten, damit braucht Finnland seine Wasserkraftwerke nicht mehr, die könnten dann ja D versorgen.

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Fred F. Mueller

Lieber Hr. Dr. Marth,

ein wichtiger Beitrag zum Thema, der das Konzept gut beschreibt. Allerdings beruht er wohl vorrangig auf Informationen aus Finnland, denn eigentlich arbeiten Finnland und Schweden seit Jahrzehnten am genau gleichen Konzept, nur scheinen sich die Finnen bezüglich der tatsächlichen Erteilung der Genehmigungen jetzt etwas schneller bewegt zu haben als die Schweden.

Das genaue Konzept mit zahlreichen technischen Details wurde hier bei EIKE bereits vor einiger Zeit vorgestellt. Zu finden ist es im Archiv, wenn man beim Suchbegriff die Wortfolge "Wenn Blinde nicht sehen wollen" eingibt. (Der Aufsatz findet sich übrigens auch in dem kürzlich erschienenen Buch "Strom ist nicht gleich Strom" von M. Limburg und Fred F. Mueller).

Fazit: Die Grünlinken Lobbyisten haben bisher sehr erfolgreich die Tatsache verschleiern können, dass ein sehr durchdachtes und sinnvoll realisierbares Endlagerkonzept in gleich zwei nördlichen Nachbarländern fertig ausentwickelt und genehmigungsreif ist.

Diese "unbequeme Wahrheit" gehört so weit wie irgend möglich verbreitet. Vielen Dank deshalb für Ihre Initiative.

Mfg

"Wenn Blinde nicht sehen wollen"