Der „13°C Schwachsinn“ bei Wirtschaftswissenschaftlern – eine ökonomische Krankheit?

Die höchste Produktivität hätten Volkswirtschaften bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 13 Grad Celsius, schreiben die Forscher um Marshall Burke im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Bis zu dieser Temperatur gehen die Forscher von steigenden Erträge aus. Werde es noch wärmer, sänken sie fast linear wieder ab, so das Ergebnis der Untersuchung.

Die Wissenschaftler hatten Wirtschaftsdaten von 166 Staaten jeweils für den Zeitraum 1960 bis 2010 ausgewertet und in Beziehung zu den jährlichen Durchschnittstemperaturen gesetzt. Die Wendemarke von 13 Grad besteht demnach unabhängig davon, wie hoch der Industrialisierungsgrad der Länder ist. Sie gilt für Leistung der Arbeitskräfte ebenso wie für die der Landwirtschaft.“

Soweit der Kern dieser „wirtschaftwissenschaftlichen Arbeit“, die bei nature allerdings nicht als wissenschaftliche Arbeit („paper“), sondern als Brief[3] („letter“) erschienen ist. Das Lesen dieses Briefes kostet 30 US-$ und ist dieses Geld nicht wert. Bei nature online gibt es aber ergänzende Informationen[4] („Supplementary information“) kostenlos. Diese beschreiben die Einzelheiten noch besser, ja, sogar, die mathematischen Gleichungen, die zur Berechnung des wirtschaftlichen Wachstums verwendet wurden.

Man kann die Anamnese der 13°C Geisteskrankheit der betroffenen Wirtschaftswissenschaftler also bis auf den wahren Grund hinunter verfolgen.

Man kann die Wirtschaftswissenschaft hier nicht außen vor lassen, wenn man diese „wissenschaftliche Arbeit“ öffentlich als Schwachsinn bezeichnet. Mit der Veröffentlichung als „News“ bei EIKE werde ich daher Hans-Werner Sinn und Carl Christian von Weizsäcker damit konfrontieren. Es kann nicht angehen, dass hochbezahlte deutsche Beamte dazu nicht öffentlich Stellung nehmen.

Auch die wissenschaftlichen Verlage sollten einmal dazu Stellung nehmen, was „Peer Review“ noch wert ist, wenn man neben tatsächlichen wissenschaftlichen Arbeiten nach Gutsherren Art Kommentare und Briefe veröffentlicht, die jeder Wissenschaftlichkeit Hohn sprechen.

Hier nun des Pudels Kern meiner Diagnose dieses 13°C Schwachsinns. Es ist dieses Satz samt seiner Fußnote „‡‡“, in welchem die Ursache der Krankheit beschrieben ist:

„Weil wir nicht-lineare Modelle abschätzen, berechnen wir marginale Effekte sowohl der sofortigen wie der verzögerten Antwortfunktion an jedem Punkt der Temperaturwirkung. ‡‡ Das Ergebnis dieses Verfahrens ist eine Schätzung des kumulativen Effekts auf das Einkommen bei einem Grad Erwärmung als Funktion der Anfangstemperatur eines Landes.“

Und die Fußnote zeigt die mathematische Gleichung, die als „Modell“ verwendet wurde:

„‡‡ Für ein Modell mit einer verzögerten Antwortfunktion (und Kontrollen ignorierend) gilt:

Yit = β1Tit + β2T2it + β3Tit-1 + β4T2it-1,

wobei der marginale Gesamteffekt auf das Wachstum (Y) bei einer beliebigen Temperatur (T*) dann ist  β1 + 2β2(T*) + β3 + 2β4(T*).

(Im Original ist das zweite β nicht mit Unterstrich, sondern mit ^ („Dächelchen“) gekennzeichnet um es vom ersten β zu unterscheiden.)

Übersetzungen sind immer problematisch. Die Fußnoten nennen daher den englischen Originaltext.

Fazit:

Beide Gleichungen zeigen: Das wirtschaftliche Wachstum verschiedener Länder wurde tatsächlich nur mit der „Anfangstemperatur der Länder“ korreliert und aus dieser Korrelation heraus für die beliebige Temperatur T* berechnet. Jeder mögliche weitere Faktor mit sehr gut bekannter Bedeutung für die Wirtschaft wurde weggelassen. Dieses Weglassen der wirtschaftlichen Wirklichkeit eines Landes, also der maßgeblichen Faktoren wie Bildungsstand der Bevölkerung, Rohstoffe, Energie und so weiter, bezeichne ich als Krankheit des Geistes, verkürzt als Schwachsinn.

Hier stehe ich, ich kann nicht anders. EIKE helfe mir!


[1] http://www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/neue-studie-klimawandel-bremst-die-weltwirtschaft-aus/12483344.html

[2] http://news.stanford.edu/news/2015/october/climate-change-cost-102115.html

[3] http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature15725.html

[4] http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/extref/nature15725-s1.pdf