Ein weiteres „Clean Coal Power Projekt“ an der Schwelle des Scheiterns

H. Sterling Burnett
Kemper County in Mississippi [County = vergleichbar mit unseren Landkreisen. Anm. d. Übers.] ist sowohl eine der ärmsten Regionen in Amerika als auch gleichzeitig Standort eines der teuersten Kraftwerke, die je gebaut worden sind: Das 582 Megawatt-Clean-Coal-Kraftwerk von Mississippi Power mit Kohlenstoff-Abscheidung.


Für Southern Company, den Eigentümer von Mississippi Power, sowie für die [US-]Bundesregierung und den Staat Mississippi sollte die Ergieerzeugungs-Einrichtung in Kemper County eigentlich zum Vorzeigeprojekt für den Jahrzehnte langen Traum von „sauberer Kohle“ werden, wobei die Kohle mit neuer Technologie vergast werden sollte, um sauberer zu verbrennen und dessen Emissionen aufzufangen für die Verwendung zu anderen Zwecken oder für die Speicherung im Untergrund. Falls das Kemper-Kraftwerk eröffnet wird, wird es tatsächlich nichts Vergleichbares in der Welt geben: Die Kohle wird aus einer benachbarten Mine kommen, was die Transportkosten drastisch verringert; und anstatt Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre freizusetzen, werden 65% dieses Treibhausgases aufgefangen werden und per Pipeline in ein alterndes Ölfeld gepumpt, was die Ölförderung dort um bis zu 2 Millionen Barrel pro Jahr steigern soll.

Unglücklicherweise für Southern Company, Steuerzahler, Hausbesitzer in Mississippi und die Einpeitscher für saubere Kohle sowohl bei den Republikanern (die Präsdienten Reagan und Bush haben beide die Förderung sauberer Kohle vorangetrieben) als auch bei den Demokraten muss die erste Kilowattstunde Strom im Kemper Clean Coal-Kraftwerk erst noch erzeugt werden, trotz der Überzeugungen, im Jahre 2013 mit der Erzeugung beginnen zu können. Außerdem ist der veranschlagte Kostenrahmen drastisch überschritten.

Verstrichene Ultimaten, explodierende Kosten

Als man nämlich mit dem Bau des Kraftwerkes begonnen hatte, war geplant, ab 2013 die Stromerzeugung aufnehmen zu können. Wegen Verzögerungen beim Genehmigungsprozess wurde dieser Termin erst auf 2014 verschoben und dann während des Baus auf Mai 2015. Auch dieses Ultimatum ist inzwischen verstrichen, und Mississippi Power sagt jetzt, dass das Kraftwerk nicht vor der ersten Hälfte des nächsten Jahres frühestens den Betrieb aufnehmen kann.

Das Kemper-Kraftwerk wirbelt jedoch durch die Kosten noch schneller als durch die Ultimaten. Der ursprünglich geplante Preisrahmen von 1,8 Milliarden Dollar liegt inzwischen bei 6,2 Milliarden Dollar. Weil auch der Termin 2014 nicht eingehalten werden konnte, wurde Southern Company dazu verurteilt, 130 Millionen Dollar Steuervorteile zurückzuzahlen. In noch jüngerer Zeit hat der Aktivist und Geschäftsmann Tommy Blanton ein Urteil des Obersten Gerichts von Mississippi mit 5 zu 4 für sich entscheiden können, dem zufolge Southern Company dazu verurteilt wurde, weitere über 257 Millionen Dollar an Tariferhöhungen zu erstatten, die gesammelt worden waren, um die Konstruktion des Kraftwerkes zu fördern.

Dem Magazin Politico zufolge hat Blanton im Mai 2015 gesagt: „Hier haben wir einige der ärmsten Menschen in unserer gesamten Nation, die aufgefordert wurden, für ein experimentelles Wissenschaftsprojekt zu zahlen. Ethisch ist das völlig unhaltbar“.

Jeder weitere Monat Verzögerung fügt den Kosten des Projektes zwischen 25 und 30 Millionen Dollar hinzu, geht aus dem Finanzbericht von Southern Company an SEC* hervor.

[*SEC = Securities and Exchange Commission = US-Behörde zur Börsenaufsicht. Anm. d. Übers.]

Teilweise sind die Verzögerungen von Kemper Gerichtsprozessen geschuldet. Southern wurde gezwungen, gegen Umweltgruppen zu kämpfen, die die staatlichen Genehmigungen für das Projekt in Frage stellten. Der Sierra Club gewann in einem einstimmig gefällten Urteil des Obersten Gerichtshofes von Mississippi im Jahre 2012, dem zufolge die staatliche Genehmigung des Baus zurückgewiesen wurde. Eine folgende, zwei Jahre lange Auseinandersetzung endete im August dieses Jahres, wonach Southern Company gezwungen wurde, den Kohleverbrauch an zwei anderen großen Kraftwerken im südlichen Mississippi sowie in der Greene County in Alabama einzustellen.

Außerdem verlor Kemper in diesem Sommer wegen der Bauverzögerungen und viel höheren Kosten der Stromerzeugung als erwartet einen seiner größten Partner, als eine Gruppe von Stromerzeugungs-Kooperativen in Mississippi Pläne aufgegeben hat, einen Anteil von 15 Prozent am Kemper-Kraftwerk zu kaufen. Als Folge hiervon warnte Fitch Ratings vor „stark steigendem Druck“ auf das finanzielle Rating von Mississippi Power und stellte eine Herabstufung um ein bis zwei Grade in Aussicht wegen der fortgesetzten Unsicherheit bzgl. des Kraftwerkes. Mississippi Power für seinen Teil sagte, dass man „enttäuscht“ sei, dass die South Mississippi Electric Power Association sich aus dem Kemper-Projekt zurückgezogen hatte, und versprach, die 275 Millionen Dollar Anzahlung nebst Zinsen zurückzuzahlen, während man gleichzeitig die zukünftigen Finanzoptionen erkundet.

In dem Bemühen, das Projekt zu retten, genehmigte der staatliche Gesetzgeber Mitte August zusätzliche Notfall-Finanzierungen für Mississippi Power, um das Unternehmen zahlungsfähig zu halten bei der Fertigstellung des immer teurer werdenden Kemper-Kraftwerkes. Die Kunden von Mississippi Power werden eine vorübergehende Steigerung der Rate um 18 Prozent hinnehmen müssen. Diese Steigerung könnte dauerhaft werden, abhängig von der finanziellen Gesundheit der Einrichtung.

Kemper – ein Symbol für die Schwierigkeiten bei Kohle

Die Schwierigkeiten von Kemper, selbst dessen Scheitern, wäre nichts weiter als ein regionales, wenngleich auch sehr teures Problem aus der Geschäftswelt, wäre da nicht das, was dieses Projekt zeigen sollte: Vielleicht die letzte Hoffnung eines Saubere-Kohle-Kraftwerkes mit CO2 Abscheidung in den USA. Unter enormem Druck und bedrängt von zahlreichen Vorschriften bzgl. Bergbau und Kohlekraftwerke allgemein seitens der Obama-Administration in deren Bemühen, den Klimawandel zu bekämpfen, sehen Viele Kemper als die beste Überlebensstrategie für Kohle. Das Kemper-Kraftwerk und jedes zukünftige Kohlekraftwerk, dass deren Spur folgt, wäre in der Lage, auch unter den neuen EPA-Vorschriften zu bestehen. Im Jahre 2013 hat Energieminister Ernest Moniz zusammen mit zahlreichen auswärtigen Würdenträgern Kemper besucht, um die Technologie der sauberen Kohle voranzubringen. Nach dem Besuch schrieb Moniz auf Facebook, dass Kraftwerke wie Kemper „die Zukunft fossiler Energie repräsentieren“.

Die Frage lautet, ob es jemals ans Netz gehen und falls ja, ordnungsgemäß laufen wird. Und ob andere Unternehmen aus den Fehlern von Southern lernen können, die Kosten ausreichend genug zu reduzieren, um einen angemessenen Profit zu erwirtschaften. Das alles sind gewaltige, unbeantwortete Fragen.

Politico merkt an, dass Saubere-Kohle-Projekte wie Kemper – selbst mit allen Verzögerungen und Kostensteigerungen – praktisch als Erfolgsstory gilt. Der Bau begann niemals als Saubere-Kohle-Projekt von American Electric in Ohio, trotz amtlicher Genehmigung im Jahre 2007, weil das Unternehmen nicht in der Lage war, die geschätzten 2 Milliarden Dollar aufzubringen, die für den Bau des 600-Megawatt-Kraftwerkes gebraucht wurden. Das von Excelsior Energy geplante Mesaba Energy Project in Minnesota kam auch niemals zustande wegen geschätzter Kosten über 2 Milliarden Dollar. In jüngerer Zeit, genauer im Februar entzog die [US-]Bundesregierung dem Saubere-Kohle-Projekt FutureGen 2.0 in Illinois die Unterstützung, und das Projekt wurde beerdigt.

Außer Spesen nichts gewesen

Trotz Milliarden Dollar aus allen möglichen politischen Ebenen, die während der letzten drei Jahrzehnte in die Forschung bzgl. sauberer Kohle und in entsprechende Technologien geflossen sind, gab es keinerlei Gegenwert hinsichtlich erzeugten Stromes oder Reduktionen von Kohlendioxid.

In einem Kommentar zu dieser Tatsache zitiert Politico Senator Tom Carper (Demokraten), leitendes Mitglied des Environment and Public Works Committee, mit den Worten: „Falls mir damals jemand gesagt hätte, dass wir so viele Jahre später und nach all der Ausgabe dieser Dollars keinen Schritt weitergekommen sind als wir damals waren, hätte ich es nicht geglaubt. Das ist kaum zu verstehen“. Carper sieht das Fehlen jeden Fortschritts als „hart zu verstehen“ und als „riesige Enttäuschung“.

Trotz der fortgesetzten Rückschläge klingen die Sprecher der Southern Comapny und des Energieministeriums immer noch positiv hinsichtlich der Aussichten von Kemper.

Southern sagt, dass Kemper zu 98 Prozent oder so fertig gestellt ist, obwohl es noch etwa ein weitere Jahr des Testens und restlicher Arbeiten bedarf, bis sichergestellt ist, dass es sicher, zuverlässig und effizient laufen kann.

„Man baut kein Kraftwerk, das man danach einfach anschaltet, und es läuft“, sagte Tim Pinkston, ein Veteran bei Southern Company, der über ein Jahrzehnt daran gearbeitet hat, eine spezielle Art von CO2-Abscheidungs-Technologie zu entwickeln, die bei Kemper zur Anwendung kommen soll. „Es gibt immer Dinge, die man anpassen muss“, sagte er.

Der geschäftsführende Direktor der Southern Company Tom Fanning pries Kemper in einem Vortrag vor dem Atlantic Council kürzlich als Modell für neue Kraftwerke weltweit wegen seiner Abhängigkeit von Braunkohle, einer Art Kohle, die die Hälfte aller Weltreserven ausmacht, und wegen seines CO2 Abscheidungsprozesses, welcher seinen Worten nach weitere Einkommen nach sich ziehen wird durch den Verkauf von Ammoniak und Schwefelsäure als in dem Kraftwerk anfallende Nebenprodukte; und weil man die CO2-Emissionen dazu nutzen kann, geschätzt bis zu 2 Millionen Barrel Öl pro Jahr zu erzeugen. „Nicht schlecht“, sagte Fanning, „das könnte in einer sich entwickelnden Ökonomie sehr sinnvoll sein“.

Politico zufolge sieht das Energieministerium dies langfristig auch so. Es ist Kemper treu geblieben trotz aller Verzögerungen und Kostensteigerungen, und in einem Interview hat Christopher Smith, zuständig für fossile Energie in dem Ministerium, gesagt, dass „außer Frage steht“, dass das Kraftwerk in Mississippi demnächst ans Netz geht.

Smith weiter: „Wenn man etwas zum ersten Mal macht, ist es ein großes Unternehmen. Um diese Technologien zur Anwendung zu bringen, muss man Unternehmen finden, die damit vorangehen wollen. Southern war ein wirklich guter, gewillter und vorausschauender Partner in dieser Hinsicht“.

Weder Fanning noch Kemper sprachen die langfristige Realisierbarkeit des Kemper-Projektes an hinsichtlich der damit verbundenen zunehmenden Schulden und der Tatsache, dass viele Käufer des von diesem Kraftwerk erzeugten Stromes ihre Verträge kündigen – weil der Preis wahrscheinlich höher sein wird als für Strom aus anderen Quellen und die Zuverlässigkeit des Kraftwerkes fraglich ist hinsichtlich anderer Pilotprojekte an anderen Orten. Außerdem, falls und wenn Kemper in Betrieb geht, würde die Stromerzeugung dort und daraus folgend die Energieverkäufe immer noch limitiert sein, weil etwa ein Viertel des erzeugten Stromes dazu verbraucht wird, die Kohlenstoff-Emissionen aufzufangen.

Diese Faktoren lassen einige Analysten die Zukunft von Kemper in Frage stellen. Bud Albright, der unter Präsident Bush das Clean-Coal-Program des Energieministeriums geleitet hatte, merkte an, dass das Ministerium Ende 2007 erkannt hatte, dass sich Saubere-Kohle-Projekte nicht rechnen würden, die man seinerzeit verfolgte, was drohte, die Steuerzahler auf einem Berg von Milliarden Dollar an verfallenden Krediten sitzen zu lassen.

Obwohl Albright nicht sagen wollte, ob seiner Ansicht nach die Milliarden Dollar der Regierung und aus dem privaten Bereich, die Jahrzehnte lang in die Clean-Coal-Technologie geflossen waren, verschwendet worden sind, sagt er, dass es keinen kommerziellen Erfolg gegeben hätte hinsichtlich der Bemühungen zur CO2 Abscheidung ohne substantielle und fortgesetzte Unterstützung seitens der Regierung.

Albright weiter: „Ich stehe der CO2 Abscheidung nicht negativ gegenüber, ich habe sie lediglich noch nicht funktionieren sehen. Jeder spricht davon, dass es in zwei Jahren, in fünf Jahren so weit sei. Es ist immer morgen. Es ist niemals heute“.

H. Sterling Burnett, Ph.D., (hsburnett@heartland.org) is the managing editor of Environment & Climate News.

Link: http://news.heartland.org/newspaper-article/2015/09/03/another-clean-coal-power-project-brink-failure

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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