Schlägt der Klimawandel auch in Franken zu? Bewässerungstechnik aus der Wüste muss Frankens Bauern helfen

von Helmut Kuntz
Unerbittlich schlägt der Klimawandel auch in Franken wieder zu. Um den 28./ 29.7. kamen schlimme Meldungen in den Zeitungen[1]. Diesmal trifft es besonders das schon immer sommertrockene Franken


 [1] Bauern werden nach Einschätzung von Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) in manchen Gegenden Bayerns ihre Felder schon bald zunehmend bewässern müssen. Der Klimawandel verstärke die Trockenheit im Norden Bayerns, sagte Brunner der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem im Norden Bayerns planen Bauern die wasserarme Zukunft. Bewässerungssysteme wie in Wüstengegenden sollen helfen. 

So schlimm ist es plötzlich geworden, das sich der Bayerische Landwirtschaftsminister höchstpersönlich darum kümmert und sogar nach Israel reisen wird, um zur Rettung die nur dort bekannte, dringend benötigte Bewässerungstechnologie anzusehen. Eine Rettung scheint nur noch möglich, wenn nun auch die Bewässerung „intelligent“ wird. Man kennt das vom EEG. Auch dort wird verzweifelt versucht, die Probleme mit „intelligenten Netzen“ zu lösen. 

[1] Zur Entwicklung intelligenter Bewässerungsanlagen und mobiler Systeme gebe es im Weinbau eine Partnerschaft mit einer israelischen Firma. Er wolle im Herbst gemeinsam mit Fachleuten nach Israel reisen, um sich zu informieren, sagte Brunner. In den kargen Regionen in Nahost wie auch in Afrika gehen Landwirte seit Jahrhunderten mit Trockenheit um – und die heimischen Bauern bräuchten Lösungen, die „mit einem zumutbaren Aufwand“ umsetzbar seien. „Aufgrund des Klimawandels wird das Thema immer dringlicher.“

Wir kümmern uns nicht darum, wie man am sinnvollsten bewässert und warum das Technologieland Bayern es nicht alleine, vielleicht mit Unterstützung durch Rest-Deutschland  stemmen könnte, sonder sehen uns den als sicher geltenden Klimawandel-Einfluss genauer an.

Eine Darstellung zum Langzeit Niederschlag findet sich im Monitoringbericht 2011 von [2]

Daraus die folgenden Niederschlagsgrafiken:

 

Bild1 KLIWA-Untersuchungsgebiet M1 „Main bis oh. Regnitz“. Gebietsniederschlag Sommerhalbjahr

Bild2 KLIWA-Untersuchungsgebiet M1 „Main bis oh. Regnitz“. Gebietsniederschlag Winterhalbjahr

Ob das nun viel oder wenig Wasser ist, sei dahingestellt. Aber weshalb der aktuelle Zustand auf einmal eine „wasserarme Zukunft“ ausweisen soll, entzieht sich jeder Logik. 

Nun kann es ja sein, dass der Fingerzeig dazu erst nach 2010 eingetreten ist. Also betrachten wir auch diesen Zeitraum. Dazu anbei die vom Wetterkontor geladenen Daten von Würzburg, das ja im besonders stark betroffenen Mainfranken liegt als Grafiken.

 

Bild3 Jahreszeitliche Niederschläge Würzburg 1990-2015 

Davon die für das Wachstum besonderst wichtigen Jahreszeiten herausgelöst.

 

Bild4 Frühling und Sommer Niederschläge Würzburg 1990-2015

Es gelingt auch in diesem Zeitraum nicht, einen Beleg für die Aussage zu erkennen:

 „Der Klimawandel verstärke die Trockenheit im Norden Bayerns, sagte Brunner der Deutschen Presse-Agentur“

Erkennen kann man gewaltige Schwankungen. Nach den Bildern 1; 2 hat es die früher aber auch schon gegeben.  Nicht zufällig wurde der vor allem auch als Wasserüberleiter gedachte Main-Donaukanal in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts begonnen.

Fazit

Der Klimawandel scheint die Hexe der Neuzeit geworden zu sein. Immer, wenn etwas passiert was von der Norm abweicht, wird es als Schuldiger benannt. Und wie damals hilft niemand dem armen Delinquenten. Denn jeder Hagel, Starkregen oder Trockenheit belegen den Klimazauber neu. Und die Belegführung ist ja so stichhaltig. Zitat Minister Brunner aus[1]: 

 „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir je solche hohen Temperaturen über einen längeren Zeitraum hatten.“

Fundstellen 

[1]

Mittelbayerische Zeitung 28. Juli 2015 Artikel: Bewässerung soll Klimafolgen mildern

[2]

KLIWA  Monitoringbericht 2011Niederschlag. Zusätzliche Auswertungen für die KLIWA-Untersuchungsgebiete. Veränderungen von meteorologischen und hydrologischen Kenngrößen

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10 Kommentar(e)

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1

Wasserschöpfräder zur Bewässerung sind in Franken seit dem Mittelalter "state of the art" - siehe Erlangen, Möhrendorf....

2
Rudolf Kohler

"Immer, wenn etwas passiert was von der Norm abweicht,..."
Wo bitte gibt es eine Norm, wieviel Regen wann/wo fallen soll? Das nervt mich auch immer bei der Berichterstattung in unseren örtlichen Medien, dass man schreibt "..der Monat ist wieder vom Sollwert abgewichen...".

3

#7
Inzwischen mache immer, wenn ein Minister/in so tolle Statements oder Publizierungen von sich gibt eine Anfrage nach Belegstellen an das Ministerium.
So natürlich auch zu der von Minister Brunner.
Auf diese Rückfragen an bayerische Ministerien (z.B. auch zur Kosten-Nutzenanalyse von CO2-Einsparmaßnahmen) habe ich bisher jedoch noch nie! eine Antwort erhalten.
Leider geht es nicht über Oppositionsparteien, da diese ja noch weit mehr in diesem Wahn verfallen sind und alle Maßnahmen der CSU noch getoppt sehen wollen.

4

Sehr geehrter Herr Kunz,
ein sehr guter Artikel. Ich habe mir erlaubt, diese Grafiken zu verwenden und eine Email an Minister Brunner zu schicken mit der Frage, wie er darauf kommt, daß es wesentlich trockener in Franken wird. Die Daten würden dies schließlich nicht hergeben. Vielleicht kann sich der ein oder andere anschließen.
MfG

5

@A. Reichart #5
Verstehen Sie mich nicht falsch, Ich finde es richtig, dass die bayerische Politik damals den Main-Donau Kanal gebaut hat. Dieser hat ja nicht nur die Schifffahrtslücke zwischen Rhein und Donau geschlossen und ermögliche hiermit eine Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzen Meer/Östliches Mittelmeer, sondern hat auch ein besonderes Bedeutung bei der Wasserversorgung des trocken Nordbayern vom wasserreichen Südbayern/Deutschland. Und diese Trockenheit in Nordbayern war nicht ein Phänomen der Klimaerwärmungswandel Religion, sondern ganz natürlich schon vor Jahrzehnten existent.

6
Hans-Eberhard Fischer

Bekanntlich hat Israel für seine *genialen* Bewässerungsmaßnahmen die Quellflüsse des einst eroberten Golan abgegraben, weswegen nun das Tote Meer am Austrocknen ist - zweigeteilt ist es ja bereits ...
Ich glaube nicht, dass wir davon lernen sollten - höchstens, dass das der falsche Weg ist.
Das musste schon die verblichene UdSSR bitter am Beispiel des Großen Aralsees lernen.

7

@ 1#, @ 2.

Beide sprechen mir aus den Herzen.

Ich konnte in meinem Leben beobachten, sehr genau und zeitnah, wie man bäurliche "Kulturlandschaften" kapput gemacht hat.

Wer verstehen will, suche mal nach "Grün kapput" auf YT, von Dieter Wieland. Schon alt aber den Nagel auf den Kopf tereffend. Leider schlechte Qualität. Regte mich zum nachdenken an, damals schon.
Man hat die Landschaft dem schnöden Mammon geopfert. den "Odelmonstern" Tür und Tor geöffnet. Agrarfablik = rücksichtslos, heißt das heute, nicht mehr "Landwirt"!

Ich nenne das für mich, global betrachtet, nur noch "organisierten Völkermord".

Ein Stichwort reicht, das heißt Monsanto.
Die Suchnegriffe "Monsanto-(x-beliebig)" fördern nur noch erschreckendes zutage.

Eine gewaltsame Vernichtun dieser Firma wäre ein psitiver Dienst an der Menscheit.

Weitere Beispiele findet man recht schnell.

Deutschland redet vom Wetter, u. von der Energiewende!? Sonst haben wir keine Probleme?

Als eigetragene BRD Finanz GmBH natürlich nicht.
So tatsächlich eingetragen im Fianzstandort Frankfurt.

Wen wundert da noch was?
Mich nichts mehr

8

Ich konnte Ihre Aussagen zunächst nicht glauben. Deshalb habe ich für die DWD Wetterstation Würzburg (KL 010655) nachgerechnet. Es liegen Messdaten von 1947 bis 2015 vor. Als Messwert verwendete ich den 24-stdg. Niederschlag 6 - 6 Uhr FT. Für das Jahresmittel zwischen 1947 und 1985 fand ich (1,6+-0,1) mm und den Trend (-0,01+-0,05) mm/Dekade. Für das Jahresmittel zwischen 1985 und 2015 ergab sich entsprechend (1,7+-0,1) mm und für den Trend (–0,03+-0,06) mm/Dekade.
Das niederschlagsreichste Quartal ist Juni-August. Für den Zeitraum 1947 und 1985 ergab sich (2,1+-0,2) mm und für den Trend (–0,05+-0,1) mm/Dekade. Für den Zeitraum 1985 und 2011 ergab sich (1,9+-0,2) mm und für den Trend (0,05+-0,2) mm/Dekade.
Das niederschlagsärmste Quartal ist Dezember-Februar. Für den Zeitraum 1947 und 1985 ergab sich (1,6+-0,2) mm und für den Trend (–0,03+-0,1) mm/Dekade. Für den Zeitraum 1985 und 2011 ergab sich (1,4+-0,2) mm und für den Trend (0,0+-0,1) mm/Dekade.
Zusammenfassend waren die Niederschläge während der vergangenen 68 Jahren praktisch konstant.

9
Stefan Steger

Könnte es nicht einfach an zunehmendem Ackerbau (Energiepflanzen) liegen, dass der Wasserbedarf steigt.
Als bequeme Ausrede wird dann der Beelzebub Klimawandel hervor geholt.

10

1. Bayern hat bereits mit den Main-Donau Kanal für das trockenere Franken (Nordbayern) vor Jahrzehnten schon vorgesorgt und

2. Will dieser Minister inkl. Stab (Anhang) mit dieser Israel-Reise nur billig (auf Steuerzahlerkosten) eine sog. Bildungsreise unternehmen.

Mit dem Stichwort "Klimawandel" bekommt man in der deutschen Politik und Wirtschaft heut zu tage alles auf Kosten des Steuerzahler gesponsert. Seien es Reisen, Batterie- oder Speicherforschung uvm. noch.