Der Temperaturstillstand … Wieder einmal

Dr. David Whitehouse
Wenn es das eine Thema gibt, das den Zustand der Klimawissenschaft illustriert, dann ist dieses Thema der so genannte „Stillstand“ – also die beobachtete Tatsache, dass sich die globalen jährlichen Mitteltemperaturen ebenso wie die Daten aus Satellitenmessungen in der unteren Troposphäre seit über einem Jahrzehnt nicht mehr geändert haben.

Viele Wissenschaftler hatten Erklärungen dafür, und das ist das Problem: viel zu viele Erklärungen. Es gibt nach einer konservativen Schätzung über 30 davon, die von „nicht existent“ bis zu den Ozeanen reichen; über Vulkane, Stratosphäre und fast alles dazwischen. Einige Wissenschaftler betrachten den „Stillstand“ als ein faszinierendes Ereignis, das Licht wirft auf die Wechselwirkung zwischen natürlichen klimatischen Variationen und erzwungenen Klimaänderungen. Andere bestehen stark, manchmal zu stark darauf, dass dieser Stillstand in keiner Weise überhaupt existiert. In der Schlacht um einprägsame Phrasen gibt es eine, die „künstlicher Stillstand“ genannt wird – als ob so viele andere Wissenschaftler nur dumm und fehlgeleitet wären, die diesen Gedanken auch nur in Erwägung gezogen haben.

Im vorigen Monat erregte eine Studie von Karl et al 2015 im Magazin Science sehr viel Aufmerksamkeit, weil trotz des Wortes „möglich“ im Titel viele Journalisten und Kommentatoren ebenso wie einige Wissenschaftler, die sich ein wenig als beidem zugehörig betrachten, sofort als sicher verkauften, dass eine Revision der Ozeantemperatur-Messungen den „Stillstand“ komplett beseitigt hatte. Die Studie wurde als definitiv verkauft; als das letzte Wort; der „Stillstand“ war gar keiner, basta!

Besonnenere Köpfe äußerten eine breiter gefasste Ansicht mit der Aussage, dass diese Studie nicht das letzte Wort zu diesem Thema sei. Die jüngste Studie zum „Stillstand“ mag ja einiges sagen, aber die Historie dieses Gegenstandes, ja der Wissenschaft selbst, war immer, dass die jüngste Studie fast niemals definitiv ist. Nichtsdestotrotz haben es drittrangige Köpfe als das letzte Wort verkauft. Ein „Journalist“ twitterte, dass es „erstaunlich war, Zeuge der PR-Bemühungen der Lobby der Klimaskeptiker zu sehen … die neue Studie von Karl et al. zu widerlegen“. Ein anderer twitterte „man hat nichts versäumt, der ,Stillstand‘ der globalen Erwärmung hat niemals stattgefunden“.

[Auch die „Süddeutsche Zeitung“ hatte seinerzeit in einem seitenfüllenden Artikel in diese Kerbe gehauen. Aber dort ist ja journalistisches Ethos schon lange abhanden gekommen. Anm. d. Übers.]

Er ist niemals verschwunden

Das gleiche Journal hat nun eine andere Studie publiziert, und zwar von Nieves et al, die einen Monat nach der Studie von Karl et al. zur Veröffentlichung angenommen worden war. Sie beschreibt den „Stillstand“ und versucht sich an einer Erklärung, auf welche Art und Weise Wärme durch die verschiedenen Ozeanschichten wandert.

Darin heißt es, dass sich der Pazifik in den oberen 100 m abgekühlt habe, was durch eine Erwärmung in Tiefen zwischen 100 und 300 m im Indischen und Westpazifischen Ozean kompensiert worden war.

Ich hasse Graphiken ohne Fehlerbalken, und in dieser Studie gibt es sehr viele davon. Zwar werden die Fehler anderswo im Text der Studie angesprochen, aber solche Details können einfach übersehen werden. Graphiken dagegen werden wahrscheinlich ihren Weg finden, und wenn sie Fehlerbalken weglassen, erlangen sie häufig sehr große Autorität. Dann wird die Graphik weitergereicht, und die Fehler sind dann vergessen.

Es ist interessant, die Trends in dieser jüngsten Studie mit den Trends bei Karl et al. zu vergleichen. Karl kam auf ein Ergebnis von 0,09°C im Zeitraum 2000 bis 2014, während in der neuen Studie nur 0,001°C im Zeitraum 2003 bis 2012 genannt werden. Das ist ein riesiger Unterschied. Nieves et al. fanden im Zeitraum 1993 bis 2002 0,008°C. Tatsächlich fanden sie im derzeitigen Jahrzehnt substantiell weniger Erwärmung in den oberen 100 m der Ozeane als im vorigen Jahrzehnt.

Es zeigen sich auch keinerlei Beweise für die viel erwähnte These von Kevin Trenberth, der zufolge die „fehlende Wärme“ unterhalb 700 m Tiefe liegt. Tatsächlich passiert dieser Studie zufolge unterhalb von 700 m überhaupt nichts.

Soweit es die Wassertemperatur an der Wasseroberfläche und den Wärmegehalt der oberen Ozeanschichten betrifft, ist der „Stillstand“ definitiv vorhanden.

Nieves et al. sagen, dass die gemessenen Wärmeschätzungen keinen offensichtlichen Stillstand zeigen. Sie zeigen, dass es seit Anfang der neunziger Jahre eine stetige Rate der Wärmeaufnahme der Ozeane gab. Andere Studien haben nahegelegt, dass die Gesamt-Wärmeaufnahme der Ozeane während der neunziger Jahre reduziert war.

Alles in allem plädieren Nieves et al. für eine Erklärung des „Stillstands“ als Folge der Umverteilung von Wärme innerhalb der Ozeane und nicht als eine Folge der Änderung der Gesamt-Erwärmungsrate. Allerdings glaube ich angesichts der Unsicherheiten nicht, dass diese Studie seiner von sich selbst behaupteten „definitivsten Erklärung, wie die Wärme umverteilt worden ist“, gerecht wird.

Es wird sehr interessant sein zu verfolgen, wie die Medien auf diese Studie reagieren, wenn man sich vor Augen führt, wie viele die „Antwort“ von Karl et al. bzgl. des nicht existierenden Stillstands proklamiert hatten. Angesichts des Umstandes, dass diese Studie im gleichen Journal wie Karl erschienen und den Journalisten in der wöchentlich ausgegebenen Übersicht vier Tage vor der Veröffentlichung bekannt gemacht worden ist, gibt es keine Ausrede dafür, diese Studie nicht gekannt zu haben. Aber ob darüber wirklich berichtet und der Sicherheit widersprochen wird, die Karl et al. an den Tag gelegt haben, bleibt abzuwarten.

Link: http://www.thegwpf.com/the-temperature-hiatus-back-again/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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2 Kommentare

  1. War die „Erklärung“ bzw. das „Wegzaubern“ von T. Karl der Pause doch nicht so überzeugend, daß man jetzt eine „neue“ Erklärung nachschieben muß. Dies mal mit einer spukhaften Fernwirkung wie Einstein das einmal im Zusammenhang mit der Quantentheorie genannt hat. Oder aber Scotty hat eine zeitlang die „Erwärmung“ im Bereich des obersten Millimeter der Ozeane durch CO2 gleich im die Tiefe unterhalb von 100 m gebeamt. Ich möchte ja unseren AGWler nicht unterstelllen, daß die kältern 100 m die darunter liegende Wasserschicht bis 300 m erwärmt hat, obwohl zu zutrauen wäre es ihnen.
    MfG

  2. Die sollen uns erst mal erklären, warum die Wärme jetzt angeblich in die Ozeane geht, aber nicht zwischen 1910 und 1940 oder in der MWP. Solange ich dafür keine plausible Erklärung bekomme, halte ich das ohnehin für Humbug.

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