Griechenland wendet sich der Braunkohle zu

Ilias Tsagas
Der Betreiber des griechischen Strommarktes LAGIE veröffentlichte kürzlich die jüngste Statistik bzgl. erneuerbarer Energie in Griechenland für die ersten vier Monate des Jahres 2015. Dem LAGIE-Bericht zufolge installierte Griechenland von Januar bis April 7 MW neue Photovoltaik. Hierbei muss betont werden, dass der Zubau im Januar und Februar erfolgte, während es im April und Mai keine einzige neue Installation gab.


Bild rechts: Der griechische Solarmarkt hat sich tragisch gedreht, wobei die Installationen einbrechen. Bild: griechenland-deals  / pixelio.de

Außerdem stammte die neu hinzugefügte Kapazität exklusiv von auf dem Boden montierten Systemen. „Es handelt sich durchweg um alte lizensierte Projekte, die vollendet und mit dem Netz verbunden worden sind“, sagte Stelios Psomas, politischer Berater bei der Hellenic Association of Photovoltaic Companies (HELAPCO).

Ende April verfügte Griechenland über eine kumulierte Photovoltaik-Kapazität von 2603 GW, die sich auf 2228 GW von auf dem Boden installierten Systemen und 375 auf Dächern montierten Systemen verteilen.

Im Jahre 2014 fügte Griechenland den Bruchteil von 13 MW neuer Photovoltaik-Kapazität (hier) hinzu, verglichen mit 1047 MW bzw. 890 MW jeweils in den Jahren 2013 und 2012.

Griechenlands neue Regierung wendet sich der Braunkohle zu

Die LAGIE-Statistiken haben die griechische PV-Industrie schwer enttäuscht, die sich jetzt auf das Schlimmste vorbereitet. Dies ist Griechenlands 180°-Kehrtwende hin zu Braunkohle.

Die politische Verschiebung weg von den erneuerbaren Energien „ist sehr klar“, sagte Psomas. „Alles, was die neue Regierung umtreibt ist, wie man die Stromerzeugung aus fossilen Treibstoffen voranbringen kann, z. B. neue Braunkohlekraftwerke, neue Gasrohre und sich selbst erklärende Ölbohrungen. Bislang hat sie keinerlei Interesse an erneuerbaren Energien gezeigt“, fügte Psomas hinzu.

Seit Ende Januar, als eine neue Koalitionsregierung mit einer Linksaußen-Partei und einer populistischen Rechtspartei an die Macht kam, befindet sich die neue Regierung im Krieg mit vielen der griechischen Umwelt-Nichtregierungs-Organisationen (NOGs). Gegenstand der stürmischen Auseinandersetzung ist die Entscheidung der griechischen Regierung, den finalen Startschuss für Ptolemaida V zu geben, einem neuen 660-MW-Kraftwerk, das Braunkohle verbrennt (hier).

WWF Griechenland hat 48.000 Unterschriften von Bürgern zusammengetragen, die den griechischen Energieminister auffordern, die Genehmigung für ein neues Braunkohlekraftwerk zurückzunehmen. Energieminister Panayotis Lafazanis hat es abgelehnt, WWF Griechenland zu empfangen und die Unterschriften entgegenzunehmen.

Sowohl WWF Griechenland als auch Greenpeace Griechenland haben der neuen Regierung vorgeworfen, dass sie vor der Braunkohle-Lobby auf die Knie gefallen ist, die nicht die Vorteile für Griechenland im Auge hat. Beide haben Studien veröffentlicht, die den abenteuerlichen Charakter des neuen Braunkohlekraftwerkes für Wirtschaft, Umwelt und öffentliche Gesundheit in Griechenland beweisen sollen.

„Ptolemaida V ist eine teure (1,4 Milliarden Euro) und verschmutzende (1,05 T CO2/MWh) Einrichtung, die nicht gebraucht wird und die, falls sie sich materialisiert, das Land mehrere kommende Jahrzehnte lang in eine schmutzige Politik drängt. Außerdem haben Braunkohlekraftwerke nicht die Flexibilität, die für die stärkere Integration erneuerbarer Energie erforderlich ist, d. h. die Flexibilität von Gaskraftwerken“, merkte Psomas an.

Energieminister Lafazanis erwiderte, dass Ptolemaida V unabdingbar ist, da erneuerbare Energie flatterhaft ist und die Energiesicherheit des Landes gefährdet.

Auf einer Diskussion im griechischen Parlament hat Lafazanis vor ein paar Tagen ein Mitglied des Parlaments angegriffen, weil dieser dem nationalen griechischen Stromunternehmen Public Power Corporation (PPC) vorgeworfen hatte, ein „Verschmutzungs-Geschäft“ zu betreiben. PPC (ein durchintegriertes Unternehmen, dem alle griechischen Kohlekraftwerke gehören), setzt Emissionen frei, sagte Lafazanis, und wir müssen diese Angelegenheit sorgfältig betrachten. Allerdings hat dies „nichts mit der Unterstützung zu tun, die wir PPC zukommen lassen“.

„Falls der Minister anderswo fragt (die Braunkohle-Lobby) in Griechenland und Europa, wird man ihm sagen, dass das geplante Braunkohlekraftwerk ein technologisches Relikt ist, noch bevor es gebaut ist“, erwidert Greenpeace Griechenland.

WWF Griechenland sagt, dass die Europäische Investment Bank es abgelehnt hat, das Projekt zu fördern, was tatsächlich von der KfW-Bank in Deutschland gestützt wird mit einem Kredit in Höhe von 793 Millionen Euro. Aber Deutschland selbst hat sich den erneuerbaren Energien zugewandt, merken WWF und Greenpeace an.

Im Mai hat Lafazanis einen Brief an die Europäische Kommission geschickt und diese darin aufgefordert zu erlauben, den Betrieb von Ptolemaida III aufzunehmen, einem separaten Kohlekraftwerk, dass wegen seiner sehr alten Technologie und erheblicher Verschmutzung der Umwelt abgeschaltet worden ist. Eines von Lafazanis‘ Argumenten war „die ökonomische Krise in Griechenland, was die Notwendigkeit, die Energiekosten für Haushalte so niedrig wie möglich zu halten, immer dringlicher macht“.

Die Ironie des Timings

Das Timing von Griechenlands Änderung seiner Energiepolitik ist ziemlich ironisch. Den vor ein paar Tagen veröffentlichten LAGIE-Statistiken zufolge konnte das Defizit des Erneuerbare-Energie-Fonds von LAGIE, aus dem die Erzeuger erneuerbarer Energie bezahlt werden, auf 35,27 Millionen Euro gesenkt werden. Im Dezember 2013 hatte es noch über 550 Millionen Euro betragen.

Die frühere griechische Politik der Vergütung für Photovoltaik-Anlagen wurde völlig falsch kalkuliert, was die frühere Regierung veranlasste, unpopuläre rückwirkende Kürzungen (hier) vorzunehmen. Hauptziel dieser rückwirkenden Politik war es, das Defizit von LAGIE zu eliminieren. Es scheint, dass dieser Neue Deal, obschon unpopulär, sein Ziel erreicht hat.

In einem anderen Bericht von LAGIE Anfang dieses Jahres wird gezeigt, dass trotz einer Zunahme der griechischen Energienachfrage im ersten Quartal 2015 um 8,4% der Anteil der Braunkohle am Energiemix auf 34% zurückgegangen ist. In den Jahren zuvor hatte dieser Anteil 45% betragen. Erneuerbare Energien hatten einen Beitrag von 10% bzw. 11%. Der Rückgang des Braunkohle-Anteils ist hauptsächlich Energieimporten aufgrund den Strom-Wechselwirkungen mit seinen Nachbarn geschuldet. Das gleiche Phänomen war mehr oder weniger auch im letzten Quartal 2014 zu verzeichnen.

Link: http://www.pv-magazine.com/news/details/beitrag/greece-turns-to-lignite-_100019886/#axzz3dgZQgFsw

Übersetzt von Chris Frey EIKE

Anmerkung des Übersetzers: So könnte es also aussehen, was passiert, wenn ein Land mit dem Rücken zur Wand steht. Ob die Streichungen der griechischen Regierung für Erneuerbare Teil der Vorschläge für Einsparungen ist, die Tsipras der EU übermittelt hat?

C. F.

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8 Kommentare

  1. Den Griechen-Strompreis würde ich gerne als Vergleich nachliefern:
    Er liegt etwa bei der HÄLFTE VON DEUTSCHLAND!

    Eine Verteuerung durch Solar würde den Prozentsatz der schon heute den Strom sich nicht mehr leisten kann (mehr als 30%) sicher weiter in die Höhe treiben.

    Quelle:
    http://tinyurl.com/nngzzyr

  2. #4 Hardy

    Wette schon gewonnen! 😉
    Da stammelt doch gestern tatsächlich ein insolventer Buchhändler aus Aachen, heute diktatorischer AGW Troll über 400 Millionen Europäer namens Schultz bez der „Griechen Rettung“ eher Insolvenzverschleppung in die Mikros:
    „Griechenland muss erkennen, dass eine starke Geminschaft (von Blindschleichen) ALLES tun will, um sie zu retten. Vor allem durch Photovoltaikzubau, in äähh Greichenland ääähhh scheint ääähhh die Sonne äääähhh viel mehr als bei uns ääähhhh, das können wir den äääähhhh Greichen zeigen und bezah ääähhhh zahlen äääähhhh. Alleine dadurch entstehen hunderttausende äääähhhh Arbeitsplätze äääähhhh in Griechenland ääähhhh und die Wirtschaft kann wieder wachsen ääähhhhh. Sie müssen das Gel ääähhh es nur annehmen.“

    UNFASSBAR diese bornierte Degeneriertheit!!! Brüssel die Müllkippe für zuhause gescheiterte Volkszertreter!!!!

  3. Welchen Anteil mögen wohl PV- Zellen made in China in Griechenland haben?
    Und wie wurden diese Importe finanziert?
    Würde mich nicht wundern, wenn auch hierbei die staatliche Bankengruppe KfW beim Geldverbrennen behilflich war.
    Privatbanken sind inzwischen bei der Auswahl ihrer Gläubiger etwas vorsichtiger geworden, was dazu geführt hat dass Blaudächer und Windspargel mit Steuergeldern gedüngt werden müssen.

  4. Die finanzielle Situation der Griechen könnte von der Klimakanzlerin natürlich für ein Gegensteuern genutzt werden: Geld geben und als Auflage „Klimaschutz“. Wenn ich wetten würde, würde ich darauf wetten 🙂

  5. Wenn dies sich wirklich so ereignet hat, haben sollte, Zitat: „[…] Energieminister Panayotis Lafazanis hat es abgelehnt, WWF Griechenland zu empfangen und die Unterschriften entgegenzunehmen.“, dann eine sehr ermutigende Nachricht.

    Hoffentlich machen die endlich Nägeln mit Köpfen und führen das konsequent zu Ende. Russland zeigt klar den Weg auf, wie man diese menschenverachtende Spezies sofort in den Griff bekäme, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern, wenn die (glorreiche Kant’sche) Wissenschaft es denn endlich (zu)ließe, die neue großbürgerliche.

    Ach, wo ist da wieder die Vernunft hingekommen. Möge allen NicoBaeckern dieser Welt die Haare zu Berge stehen, dank dieser Griechen.

    MfG

    P.S.: Parallel dazu. Die griechischen Banken, denen das Wasser längst bis über dem Hals steht, und undirekt auch der griechische (korrupte) Staat, hängen am Tropf der Europäischen Zentralbank (EZB). Dieser EZB haben die betrügerisch spielenden Griechen bereits 90 Milliarden abgeluchst, über eine sogenannte Nothilfe, die die Europäer wohl nie mehr wiedersehen werden.

    Ursprünglich wäre die Nothilfe nur möglich und (!!) erlaubt (gewesen), unterstellt, der Schuldner zahlt das auch zurück. Diese Annahme haben die restlichen Europäer, also die, die den (nicht existierenden und nicht zu beweisenden) anthropogenen Klimawandel postulieren, auf überhebliche Weise übersehen wollen. So ungefähr geht die traurige Geschichte. Was man mit unserem Geld anstellt ist skandalös, dekadent. Man lernt nichts aus der Geschichte? Man will nicht oder diese da nicht. Ich aber schon. Und ich habe mit diesen Abkömmlingen der Affen nix zu tun.

  6. —-
    Ende April verfügte Griechenland über eine kumulierte Photovoltaik-Kapazität von 2603 GW, die sich auf 2228 GW von auf dem Boden installierten Systemen und 375 auf Dächern montierten Systemen verteilen.
    —-

    …das muß wohl MW heissen.

    Danke fürs übersetzen.

    mfG

  7. Und die Mafiaorganisationen von Greenpeace und WWF sind wieder einmal vorn dabei, wenn es geht, auf die Regierungen dieser Welt einfluss zu nehmen. Greenpeace und der WWF sind eine Erpressungstruppe, die selbst nach immer mehr Macht und Kapital streben. Diesen Erpressungs-Mafiaorganisationen, die sich unter einen Öko-Grünenlabel tarnen, kennen nur eines Macht und Geldgier auf Kosten des Wohlstand und der Natur eines Volk-Wirtschaft!

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