Regierung von Baden-Württemberg will Meinung der Bevölkerung zu Ihren Klimaschutzplänen einholen

der Link dazu hier 

Anhörung und Online-Kommentierung

Nachdem der Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft am 12.05.2015 den neuen Entwurf der Anpassungsstrategie für den Klimawandel dem Kabinett vorgelegt hat, können sich nun Verbände, beispielsweise Umwelt- oder Wirtschaftsverbände, zu dem Entwurf äußern. Auch Sie können die einzelnen Maßnahmen-Bereiche hier bis zum 12. Juni 2015, 17.00 Uhr, kommentieren.
Beste Grüße Steven Michelbach

Die Ausführungen von Herrn Michelbach können Sie als pdf im Anhang herunterladen.

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AKTUALISIERUNG — AKTUALISIERUNG — AKTUALISIERUNG

Beteiligung zur Anpassungsstrategie Baden-Württembergs an den Klimawandel, Entwurf, kurze Stellungnahme

Stefan Kämpfe, Weimar, Diplom- Agraringenieur, Mitarbeiter der Stadt Weimar für Grünordnungs- und Landschaftsplanung, unabhängiger Natur- und Klimaforscher, 11.06.2015

Eine Anpassungsstrategie an mögliche Klimaänderungen ist prinzipiell sinnvoll für eine hoch entwickelte, komplexe Gesellschaft. „Klimawandel“ kann es jedoch auch in Richtung einer Abkühlung geben. Die folgende Abbildung zeigt unter Verwendung offizieller DWD- und Mauna- Loa- Daten, dass es in Baden-Württemberg seit 15 Jahren sogar einen leichten Temperaturrückgang trotz steigender CO2- Werte gab:

Strategien für eine (ebenfalls mögliche) Klimaabkühlung fehlen in dem Entwurf und sollten nachgearbeitet werden.

Auf Seite 7 heißt es: 2014 war in Deutschland und weltweit das wärmste Jahr seit Beginn flächendeckender meteorologischer Aufzeichnungen im Jahr 1881.“ Hier sollte aber erwähnt werden, dass es in der ferneren Vergangenheit deutlich wärmere Jahre gegeben haben muss, so etwa 1186, als im Januar in der Schweiz Bäume blühten, im Februar fand man kleine, haselnussgroße Äpfel, im Mai waren die Feldfrüchte und das Getreide, Anfang August die Trauben reif. Ähnliches wird von den Jahren 1228, 1236 und 1328 berichtet. 2014 gab es keinen absoluten Maximum-, Monats- oder Jahreszeitenrekord; aber wegen der überwiegenden Wärme zwischen Januar und Mai, im Juli sowie zwischen September und Dezember, kam dieser neue Jahresrekord zustande. Insgesamt war 2014 in der ersten Hälfte deutlich zu trocken und besonders zwischen Juli und September markant zu nass. Bei genauerer Analyse der Jahreswitterung zeigt sich: Eine ungewöhnliche Häufung südlicher Luftströmungen in Kombination mit einer relativ hohen Sonnenscheindauer bewirkte den Rekord- mit CO2 hat das Nichts zu tun. Es fehlen jegliche Hinweise im Textentwurf darauf, dass der (vermutlich beendete) Temperaturanstieg eine Folge der höheren Sonnenscheindauer und einer Häufigkeitszunahme südlicher Luftströmungen war, was folgende Abbildung am Beispiel der Entwicklung der Deutschland- Temperaturen (Jahresmittel) zeigt:

Betrachtet man die Klimaentwicklung langfristig, so wird klar, dass es in der momentanen „Zwischeneiszeit“ (Holozän) schon immer wärmere Phasen gab, darunter das „minoische“, das Römische“ und das Mittelalterliche Klimaoptimum- ganz ohne „anthropogene“ Beeinflussung:

Gegenwärtig ist das hohe Temperaturniveau des Mittelalters noch nicht einmal erreicht, auch das sollte im Entwurfstext erwähnt werden.

Bei der projizierten Entwicklung der Jahresmitteltemperatur (Seite 10) wird deutlich, dass sich die Erwärmung hauptsächlich in den dicht besiedelten Arealen des Oberrheingrabens und im Neckarraum sowie um Stuttgart und den Bodensee, abspielen soll. Das ist eine Folge des „Wärmeinsel- Effekts“ durch Besiedlung und Oberflächenveränderung, der neben erhöhter Sonnenscheindauer und häufigeren Südlagen dritten Erwärmungsursache in Deutschland. Welche enormen Temperaturunterschiede trotz gleicher Höhenlage und geringer räumlicher Entfernung möglich sind, zeigt das folgende Beispiel aus dem Großraum Berlin:

Man erkennt die enormen Temperaturunterschiede; speziell im Sommer. Anstelle Unsummen an Geld für eine CO2- Vermeidung auszugeben, ist es sinnvoller, mittels intelligenter Stadtplanung (Freihalten von Frischluft- und Belüftungsschneisen, Fassaden- und Dachbegrünung; insgesamt Erhöhung des Grünflächenanteils) der städtischen Erwärmung entgegenzuwirken; was ja auch im Kapitel „Gesundheit“ zumindest erwähnt wird. Auch in kleineren Städten ist die Innerstädtische Erwärmung ein Problem, im Folgenden am Beispiel Weimars gezeigt:

(Abb. aus: Manfred Salzmann, Die Geografie Weimars und seiner Umgebung, Weimarer Schriften, Stadtmuseum Weimar, 1990): Temperaturprofil in Weimar und Umgebung am Hochsommernachmittag des 10. August 1950. Zwar ist Weimar über 40ig mal kleiner als Berlin, doch auch hier zeigen sich WI- Effekte, die freilich (wie anderswo auch) nur dann so formschön in Erscheinung treten, wenn der Wettercharakter störungsfrei (windschwach und sonnenscheinreich) verläuft. Man achte besonders auf die kühlende Wirkung der Wälder. Während bebaute Areale 29 bis 31°C erreichen, herrschen im offenen Freiland 28 bis 29°C, aber innerhalb der bewaldeten Areale nur 24 bis 27°C. Die (mittlerweile leider nicht mehr existente) Station des Wetteramtes Weimar befand sich am Südwestrand der Stadt im Übergangsbereich zwischen locker bebauten Flächen und einer Kleingartenanlage. Dort herrschten knapp 29°C, was weder der wärmeren Innenstadt noch den kühleren Wäldern entspricht und ist daher ein Kompromiss ist.

Abschließend noch einige Anmerkungen zum Themenkomplex Forst- und Landwirtschaft inklusive Phänologie (Seiten 16 bis 30)

Die meisten unserer heimischen Wald- und Laubbäume, darunter besonders die Rot- Buche, aber auch Stiel- und Traubeneiche sowie die Gewöhnliche Esche, aber auch die 3 Ahorn- und die2 Lindenarten, kommen auch auf Teilen des Balkans und südlich der Alpen vor. Sie weisen sehr hohe ökologische Amplituden auf, speziell die Rotbuche verkraftet um etwa 4°C höhere Jahresmitteltemperaturen. Die im Entwurf dargestellten Szenarien sind übertrieben; allenfalls die Gemeine Fichte würde unter einem Temperaturanstieg leiden und ist als Monokultur ohnehin ökologisch bedenklich. Auch ohne „Klimawandel“ ist daher ein Waldumbau hin zu mehr Artenvielfalt sinnvoll und unbedingt zu begrüßen; um Weimar wurde er bereits weitgehend realisiert.

Auf Seite 32 heißt es: „Schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts verschieben sich die Entwicklungsstadien (Phänologie) der Kulturpflanzen im Jahreslauf zu früheren Zeitpunkten. Seit 1950 hat sich die Vegetationsperiode in Mitteleuropa durchschnittlich bereits um zehn Tage verlängert; sie beginnt vor allem früher.“ Das stimmt (noch) für den Gesamtzeitraum. Als Mitglied der Thüringischen Botanischen Gesellschaft führe ich jedoch seit 1990 regelmäßige, eigene Beobachtungen in Weimar durch. Für die erste Jahreshälfte zeigt sich folgendes Bild anhand der Zeigerarten Wildstachelbeere (Beginn Austrieb), Apfelblüte (Beginn) und Holunderblüte (Beginn):

Man erkennt, dass nun schon seit einem guten Vierteljahrhundert eine Verspätung des Erstfrühlings (Stachelbeeraustrieb) zu beobachten ist (eine Folge der wieder etwas kälter gewordenen Winter), während der Vollfrühling (Apfelblüte) nahezu unverändert blieb, der Frühsommer (Holunderblüte) verfrühte sich, weil der ihm vorausgehende April sonniger und wärmer wurde.

Es bleibt also fraglich, ob die erwartete „Klimaerwärmung“ und die damit einhergehende weitere Vegetationsverfrühung überhaupt eintreten werden. In den vergangenen Jahren seit 1988 blieben auch die „globalen“, reellen Temperaturen deutlich hinter den Erwartungen der Modelle zurück (letzte Abbildung):

Hansens Vorhersagen http://wattsupwiththat.com/2012/02/26/the-skeptics-case/ – sdendnote6sym6 vor dem US-Kongress 1988, verglichen mit den nachfolgenden tatsächlichen Temperaturen, gemessen durch NASA-Satelliten http://wattsupwiththat.com/2012/02/26/the-skeptics-case/ – sdendnote7sym7.

Hansens Klimamodell hat ganz klar künftige Temperaturanstiege übertrieben.

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