Man erspare mir den Eigennutz der Biedermann-Öko-Freaks

Matt Ridley
Die Grünen glauben, die hohen moralischen Grundlagen der Politik übernommen zu haben. Aber deren Politik verweigert den Armen die Möglichkeit, erfolgreich aus der Armut herauszukommen.
Ich bekenne: Im Jahre 1979 habe ich für die Grüne Partei votiert – als einer der weniger als 40.000 Menschen im ganzen Land, die das auch getan haben. Damals nannte man sie noch die Ökologische Partei, und ich kannte den lokalen Kandidaten in Oxford – dies zu meiner Entschuldigung. Aber hauptsächlich wollte ich den Planeten retten. Dabei hatte ich gedacht, dass das größere Gut über dem Eigeninteresse stehen sollte. Ich war definitiv Teil dieser hohen moralischen Grundlagen. Oder doch nicht? Behalten wir das mal im Hinterkopf.


Die jüngsten Meinungsumfragen zeigen, dass die Grünen für die Liberaldemokraten das sind, was die UKIP für die Konservativen ist. Sie könnten sogar die Liberaldemokraten bei den Wahlen im nächsten Jahr auf den fünften Platz der Wählergunst verweisen. Peter Kellner von YouGov hat den heutigen typischen Grünwähler analysiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass er fast ein Spiegelbild des UKIP-Wählers ist. Wenn UKIP-Wähler älter und männlicher sind sowie der Arbeiterklasse angehören und religiöser sind als der allgemeine Wähler, sind Grün-Wähler jünger, weiblicher, vornehmer, höher gebildet und weniger religiös als der allgemeine Wähler.

In den Worten von Downtown Abbey sind die Grünen eine Lady oben im Speisesaal, während die UKIP’ler Fußvolk unten in der Kneipe sind. Tatsächlich sind es meine Erfahrungen mit fanatischen Grünen auf Konferenzen und Anti-Fracking-Demos, dass viele von ihnen oft wirklich sehr erhaben sind, überproportional häufig aus Eton, Stowe und Westminster kommen (falls männlich) oder zu höchsten Preisen in Bioläden einkaufen (falls weiblich) oder mit Bildung suggerierendem Akzent sprechen (beide Geschlechter).

Neben diesen sozialen und wirtschaftlichen Vorteilen packen die Biedermann-Öko-Freaks ihr Eigeninteresse auf eine Seite und die selbstlose Kampagne für das größere Gaianische Gut [von Gaia = griech. die Erde] auf die andere. Sie machen sich Gedanken hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels auf künftige Generationen und sehnen sich nach einer ganzheitlicheren Version ökonomischen Wachstums.

Aber ist dieses Grünzeug wirklich so selbstlos? Nehmen wir den Klimawandel. Der jüngst veröffentlichte „Synthese-Bericht“ des IPCC warnt vor einer zugenommen habenden „Wahrscheinlichkeit“ von schweren, allgegenwärtigen und irreversiblen Auswirkungen, falls die Emissionen so weitergehen. Aber wenn man den Bericht von den ganzen Worthülsen befreit, sagt das IPCC nichts anderes, als dass es eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten gibt, von keinerlei schädlichen Auswirkungen (Szenario RCP 2.6) über zwei mittlere Szenarien zu einem weiteren Szenario, dem zufolge es ab der Mitte dieses Jahrhunderts bis zum Jahr 2100 zu potentiell schrecklichen Konsequenzen kommen kann (Szenario RCP 8.5).

Dieses letzte Szenario enthält erheblich unrealistische Hypothesen hinsichtlich Bevölkerung, Kohleverbrauch, Handel, Methan-Emissionen und anderen Dingen; RCP 2.6 ist in der anderen Richtung genauso unrealistisch. Konzentrieren wir uns also auf die beiden mittleren Szenarien, RCP 4.5 und RCP 6. In diesen realistischeren ökonomischen Projektionen lautet die wahrscheinlichste Folge, dass es auf der Welt zum Ende dieses Jahrhunderts jeweils gerade mal 0,8°C bzw. 1,2°C wärmer sein wird als heute, falls man die jüngsten und besten Schätzungen der „Sensitivität“ des Klimas hinsichtlich Kohlendioxid zugrunde legt (erheblich niedriger als die veraltete, immer noch vom IPCC verwendete Schätzung).

Das Meiste dieser Erwärmung wird nachts stattfinden, im Winter und in nördlichen Breiten. Die Erwärmung tagsüber in den Tropen wird geringer sein. Und noch einmal, den besten verfügbaren Beweisen zufolge ist es unwahrscheinlich, dass diese Stärke der Erwärmung, vor allem, wenn sie so langsam vonstatten geht, mehr Schaden als Nutzen bringen wird. Die Aussichten, dass der Klimawandel für das Leben unserer Kinder und Enkel keinen größeren Schaden anrichtet, sind daher sehr gut.

Die ökonomischen Modelle der OECD hinter den beiden Szenarien projizieren, dass die normale Person im Jahre 2100 erstaunlicherweise vier bis sieben mal so viel Geld verdienen wird wie heute – korrigiert um die Inflation. Das ist eine Steigerung der Löhne und Gehälter um 300 bis 600 Prozent. Dies sollte es der Nachwelt ermöglichen, sich um ein wenig Schutz für sich selbst und den Planeten zu kümmern gegen jedwede Klimaänderung, zu der es kommen könnte. Folglich fordert man uns heute auf, Opfer für die Möglichkeit aufzubringen, etwas zu verhindern, was sich als ziemlich kleiner Nachteil für sehr wohlhabende Leute in der Zukunft herausstellen könnte.

Im Gegensatz dazu treffen die Kosten der Klimapolitik heute in vollem Umfang die Armen. Subventionen für Erneuerbare Energie sind zumeist in die Taschen der Reichen geflossen und haben die Kosten für Heizung und Verkehr für die Armen unverhältnismäßig erhöht. Subventionen für Biotreibstoffe haben die Preise für Lebensmittel steigen lassen, indem man Nahrungsmittel in Treibstoff umgewandelt hat, was Millionen in Mangelernährung stürzt und zu etwa 190.000 Todesfällen pro Jahr führt. Die Ablehnung vieler reicher Länder, kohlebetriebene Stromerzeugung in Afrika und Asien zu unterstützen anstatt dieses Geld in erneuerbare Projekte zu stecken (und im Vorübergehen erkläre ich mein finanzielles Interesse am Kohlebergbau), hinterlässt über eine Milliarde Menschen ohne Zugang zu Strom und trägt zu 3,5 Millionen Toten pro Jahr bei infolge Luftverschmutzung in den Hütten durch offene Kochfeuer, betrieben mit Holz und Dung.

Die Grünen glauben, dass diese Verluste ein Preis sind, den zu zahlen es wert ist, um die Erwärmung zu stoppen. Sie wollen (andere) Menschen dazu bringen, solche Opfer heutzutage zu erbringen, so dass die Menschen im Jahre 2100, die etwa sieben mal so reich sein werden wie heute, nicht mit den Aussichten konfrontiert werden, in einer Welt leben zu müssen, in der es 0,8°C bis 1,2°C wärmer ist als heute. Und dass nennen sie die „hohen moralischen Grundlagen“?

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Link: http://www.thegwpf.com/matt-ridley-spare-me-the-selfishness-of-the-eco-toffs/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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4 Kommentare

  1. Zu diesem Thema passend:

    Ranga Yogeshwar in Fukushima.

    Diesem Moderator ist einiges zu Kopf gestiegen. Er hält sich anscheinend mittlerweilen für eine Art Nachhaltigkeits-Messias. Aber lesen Sie selbst wie Ranga Y. den dummen Japanern die Welt erklärt. Soviel unerträgliche Arroganz in einem einzigen Artikel zusammengefaßt ist schon einzigartig:

    http://tinyurl.com/p8lwycn

  2. Die zentrale Passage in Ridleys Beitrag ist m.E. diese:

    „Dieses letzte Szenario enthält erheblich unrealistische Hypothesen hinsichtlich Bevölkerung, Kohleverbrauch, Handel, Methan-Emissionen und anderen Dingen; RCP 2.6 ist in der anderen Richtung genauso unrealistisch. Konzentrieren wir uns also auf die beiden mittleren Szenarien, RCP 4.5 und RCP 6. In diesen realistischeren ökonomischen Projektionen lautet die wahrscheinlichste Folge, dass es auf der Welt zum Ende dieses Jahrhunderts jeweils gerade mal 0,8°C bzw. 1,2°C wärmer sein wird als heute, falls man die jüngsten und besten Schätzungen der „Sensitivität“ des Klimas hinsichtlich Kohlendioxid zugrunde legt (erheblich niedriger als die veraltete, immer noch vom IPCC verwendete Schätzung).“

    Ich kann die Argumentation nicht nachvollziehen. Jemand Anders (Großschreibung absichtlich) auch nicht, hier ist die Replik:
    http://tinyurl.com/lslucax

    Was ist so schwer daran, Klimapolitik als Risikomanagement zu betrachten?

  3. Hat Right Honourable Matt (Matthew) White Ridley, 5. Viscount Ridley, heute vielleicht sogar Kontakte zu Bryony Katherine Worthington, Baroness Worthington, of Cambridge in the County of Cambridgeshire, einer britischen Umweltaktivistin, welche der Labour Party angehört und sich bei der Alvin Weinberg Foundation für die Weiterentwicklung des Molten Salt Reactors (MSR) engagiert?

  4. Schade, dass der Autor keinen experimentellen Beweis für den „Menschen gemachten Treibhauseffekt“ einfordert sondern diesen implizit als bewiesen ansieht.

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