Die politischen Implikationen des fallenden Ölpreises

Nick Butler
Falls der Ölpreis stark und lange genug fällt, wird die Auswirkung auf Investitionen und die zukünftige Produktion den nächsten Aufwärtsschub der Preise bringen. Für die Regierungen – die sich zwangsläufig nur auf kurzfristige Zeiträume konzentrieren – wird das Problem ebenso schmerzhaft wie unvermeidlich sein.


Der Preis für Brent-Öl ist jetzt in weniger als drei Monaten um 15 Prozent gefallen (hier; siehe auch Bild rechts) und liegt derzeit unter der psychologisch bedeutsamen Marke von 100 Dollar pro Barrel. Vorige Woche habe ich über die Reaktionen der Industrie darauf berichtet (hier). Aber allmählich zeigen sich auch politische Konsequenzen dieses Vorgangs.

Auf der ganzen Welt sind Öl erzeugende und exportierende Länder auf hohe und idealerweise steigende Preise angewiesen Einige Länder sparen das Einkommen für eine Notzeit, aber die meisten, vor allem jene mit steigender Bevölkerungszahl, tendieren dazu, das Geld auszugeben. Die Umstände ändern sich, ebenso wie realistische Optionen zur Anpassung, aber die Sorge derzeit ist real und wird politische Maßnahmen weit über den Ölsektor hinaus beeinflussen.

Dazu drei Beispiele:

Das erste ist Iran. Sanktionen haben die Exporte verringert, aber nicht eliminiert. Der Handel mit Asien geht weiter, jedoch mit einigen Rabatten, denn jeder Preisrückgang ist eine schlechte Nachricht für das Regime in Teheran. Die Wirtschaft ist bereits schwach, und ein rückgängiges Einkommen bedroht die Fähigkeit des Regimes, seine fragile Koalition zu erhalten. Das Überleben des Regimes ist alles, einschließlich der Hardliner um den obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei. Die Diskussionen um einen möglichen Deal rund um die iranischen nuklearen Ambitionen sind über den Sommer weitergegangen – verblüffenderweise fand es jeder angebracht, ursprüngliche Ultimaten verstreichen zu lassen und einfach weiterzumachen (hier). Die Bedrohung durch ISIS verschafft den USA und Iran so etwas wie ein gemeinsames Interesse (hier). Falls die Ölpreise niedrig bleiben, hat ein nuklearer Deal noch vor Ende dieses Jahres große Chancen.

Zweites Beispiel ist Russland. Präsident Putin erfreute sich fast 15 Jahre lang an hohen Preisen, die die Regierung in Moskau gestützt haben. Das Einkommen wurde nicht dazu benutzt, die russische Wirtschaft zu modernisieren, und Russland bleibt ein Kohlenwasserstoff-Staat, der von Exporterlösen abhängig ist. Jetzt sieht sich Mr. Putin einem ähnlichen Preissturz bei Öl und Gas konfrontiert. Gasabkommen mit China (hier) sind noch Jahre davon entfernt, irgendwelche Einkommen abzuwerfen. Russland wird sich einschränken müssen, und da die Kosten von Sanktionen den Wirtschaftsführern, von deren Unterstützung Mr. Putin abhängig ist, immer drängender werden, muss alles darauf hinauslaufen, dass der Konflikt in der Ukraine nicht eskaliert. Der Streit ist nicht vorbei, aber für den Moment sind die Kosten für Russland einer offenen Konfrontation und sogar noch schärferen Sanktionen zu groß. Der wahrscheinlichste Ausgang ist ein eingefrorener Konflikt.

Das dritte Beispiel ist Schottland. Der Preisverfall ist im Lärm der Referendums-Kampagne fast untergegangen, aber deren Auswirkung könnte gewaltig sein. Der Bericht von Sir Ian Wood umreißt das Potential, das in der Nordsee noch entwickelt werden kann – meist ist es marginal und erfordert sowohl eine Neuorganisation der Art und Weise, wie dieser Sektor reguliert wird, als auch einen hohen Preis. Abseits der Politik wird die Industrie keine neuen Investitionen vornehmen, falls die Preise niedrig bleiben.

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Link: http://www.thegwpf.com/nick-butler-the-political-implications-of-the-falling-oil-price/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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Die bisher verkündeten Sanktionen im West - Russland Konflikt sind symbolisch. Russland ist auf den Edöl/Erdgasexport angewiesen. Der Erdgaspreis ist an den Erdölpreis gekoppelt. Die Ölwaffe ist somit grundsätzlich geeignet Russland wirtschaftlich zu besiegen.

In den letzten Monaten ist der Erdölpreis durch eine Stagnation des Verbrauchs in den OECD Ländern und eine Fördererhöhung in den USA zurückgegangen, Saudi Arabien, üblicherweise Swing Producer hat seine Förderung nicht eingeschränkt. Saudi Arabien könnte damit 2 Ziele verfolgen...
A. Dem alten Verbündeten USA im Ost-West Wirtschaftskrieg zu unterstützen
B. Durch niedrige Ölpreise die Erschliessug neuer Ölquellen ausserhalb der OPEC durch Fracking, Ölsand, Tiefseevorkommen mittelfristig zum Erliegen zu bringen.

Europa könnte leicht durch eine intensivere Kohlenutzung, in D auch durch einen Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie den russischen Erdgasimport signifikant reduzieren. Allerdings wäre dies eine schwere Sünde an der Ökoreligion. Man würde der Kanzlerin einen Scheiterhaufen aus genfreiem Bioholz vor einer Windmühle errichten.

Inwieweit hier ein politisch abgestimmtes Verhalten vorliegt vermag ich nicht zu beurteilen, ist jedoch nicht gänzlich abwegig.