Fachkollegen erheben Einspruch gegen alarmistischen Meeresspiegel-Artikel von Stefan Rahmstorf in den Quaternary Science Reviews

von Sebastian Lüning,
Im Januar 2014 erschien in den Quaternary Science Reviews eine apokalyptische Meeresspiegelprognose einer Forschergruppe um Stefan Rahmstorf (Horton et al. 2014: “Expert assessment of sea-level rise by AD 2100 and AD 2300“). Die Prognose basierte dabei nicht etwa auf einer wissenschaftlichen Studie, sondern einer Umfrage unter Fachkollegen. In der Arbeit hielt das Team Anstiegsbeträge von bis zu 1,20 Metern bis 2100 für möglich. Interessanterweise wagten sich Rahmstorf und Kollegen sogar an Prognosen bis 2300 heran, obwohl diese aufgrund der enormen Unsicherheiten in sämtlichen Parametern und Zusammenhängen wohl nicht ganz ernst gemeint sein können. Hier wird über Anstiege von bis zu drei Metern orakelt. Überprüfbar sind weder die Vorhersagen bis 2100, noch die bis 2300. Die Prognostiker werden sich daher nie einer Überprüfung mit der realen Entwicklung zu stellen haben, was eine komfortable Ausgangsposition ist.


In ihrer Arbeit lästert die Rahmstorf-Gruppe auch über den neuen IPCC-Klimabericht, dessen Meeresspiegelprognosen sie als zu harmlos ansieht. Das konnten die IPCC-Autoren natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Am 1. August 2014 veröffentlichten sie in derselben Zeitschrift ein Diskussionspapier mit einer Kritik an der Rahmstorf-Veröffentlichung. Das neunköpfige Autorenteam wird dabei angeführt von Jonathan Gregory von der University of Reading in Großbritannien und besteht ausschließlich aus IPCC-Autoren des 5. Klimazustandsberichts (AR5). Im Gegensatz hierzu gehört kein einziger der vier Forscher aus der Rahmstorf-Gruppe (Benjamin Horton, Stefan Rahmstorf, Simon Engelhart, Andrew Kemp) zur IPCC-AR5-Autorenschaft.

Jonathan Gregory und seine IPCC-Kollegen kritisieren das Rahmstorf-Paper als so sehr “irreführend”, dass eine Korrektur notwendig sei. Es gäbe einen großen Unterschied zwischen einer ‘allgemeinen Kollegenumfrage’ und einer ‘seriösen wissenschaftlichen Analyse’. So hätten mehrere der von Rahmstorf Befragten enorm hohe Meeresspiegelanstiegswerte angegeben, die nicht durch physikalische Prozesse gedeckt seien. Unrealistisch hohe, spekulative Schätzwerte hätten in einer solchen Zusammenstellung aber nichts zu suchen. Interessanterweise enthielt die Rahmstorf-Befragung keinen einzigen Schätzwert der IPCC-Autoren aus der Gregory-Gruppe.

Im Folgenden einige Auszüge aus der Gregory et al.-Kritik an der Rahmstorf-Umfrage:

Horton et al. 2014 diskutieren die Projektionen des mittleren Anstiegs des globalen Meeresspiegels (GMSLR) bis zum Jahr 2100 aus dem AR 4 des IPCC (Meehl et al. 2007) und dem AR 5 (Church et al. 2013a) der Arbeitsgruppe I des IPCC. Unserer Ansicht nach sind einige ihrer Bemerkungen irreführend, und wir würden sie gerne korrigieren. Wir alle waren Autoren des Kapitels zum Meeresspiegel im AR 5, und einer von uns (Gregory) war ein Autor beim AR 4.

[…]

Horton et al. 2014 präsentieren Projektionen des GMSLR bis zu den Jahren 2100 und 2300 basierend auf den Antworten von 90 individuellen Personen auf eine Umfrage; wir waren nicht unter diesen 90. Diese Antwortenden waren eine Untergruppe (18%) der 500 Personen, die Horton et al. aus dem Thompson-Reuters-Netz der Wissenschaft identifiziert haben. Sie haben seit dem Jahr 2007 die größte Anzahl begutachteter Artikel veröffentlicht, in denen es um den Meeresspiegel geht. Die anderen 410 Personen (82%) derjenigen, die identifiziert worden sind, konnten nicht kontaktiert werden, lehnten es ab zu antworten oder lieferten unvollständige und inkonsistente Antworten.

[…]

Rahmstorf hat die Studie von Horton et al. kommentiert, von der er einer der Autoren ist, und zwar im real climate blog. Er merkt an, dass in „Expertenkreisen die IPCC-Berichte weithin als konservativ angesehen werden; die Studie ist die empirische Bestätigung“. Diese Meinung ist inkonsistent mit unserem Vergleich. Es gibt einen großen Unterschied hinsichtlich der Präzision zwischen der IPCC-Zustandsbeschreibung und einer Experten-Erhebung von Antworten. Die IPCC-Zustandsbeschreibung ist geschrieben worden von einer Gruppe, die als Experten in ihren jeweiligen Disziplinen identifiziert wurden. Sie war transparent und stabil abgeleitet aus einer umfassenden Durchsicht veröffentlichter begutachteter Literatur und durchlief drei Runden der Begutachtung durch Wissenschaftler und Regierungen zum Zwecke der wissenschaftlichen Genauigkeit und Klarheit.

Eine Experten-Erhebung ist andererseits undurchsichtig; die Antwortenden werden nicht aufgefordert, ihre Antworten zu rechtfertigen, und wir können nicht wissen, wie sie zu ihren Schlussfolgerungen gekommen sind. Falls ihre Beweisführung nicht aus veröffentlichter begutachteter Literatur abgeleitet werden kann, sollte es einen IPCC-Zustandsbericht nicht beeinflussen. Zum Beispiel zeigt Abbildung 2 in Horton et al., dass viele der Antwortenden das 83-Perzentil für den GMSLR bis zum Jahr 2100 für RCP8,5 über 2,5 platziert haben, d. h. über 1,5 Meter über der Wahrscheinlichkeits-Bandbreite im AR 5, wobei die größte ,Best Estimate‘ bei etwa 6 Metern lag. Keine physikalisch plausiblen Szenarien für so hohe Werte wurden in der Begutachteten Literatur veröffentlicht. Im Gegenteil, es wurde argumentiert, dass sie physikalisch unhaltbar sind (Pfeffer et al. 2008).

Der Prozess zur Vorbereitung der IPCC-Zustandsbeschreibungen ist darauf ausgerichtet, ungerechtfertigte Spekulation außen vor zu lassen, welche zu unter- oder überschätzenden Projektionen führen können. Die IPCC-Zustandsbeschreibung zielt darauf ab, wissenschaftlich robust und konsistent mit der Literatur zu sein. Dieses Verfahren kann zu Recht als sorgfältig beschrieben werden, aber es ist nicht „konservativ“, wie es Rahmstorf charakterisiert hat.

Rahmstorfs Meeresspiegelforschung stößt mittlerweile auf immer mehr Gegenwehr aus der Fachkollegenschaft. Seriöse Forscher haben genug von den alarmistischen Sintflut-Vorhersagen, die das ganze Fach in Misskredit bringen. So scheiterte Ende 2012 ein anderes Meeresspiegel-Manuskript der Rahmstorf-Gruppe im Begutachtungsverfahren des Fachmagazins Climate of the Past. Die Reviewer empfanden die Datenanalyse und Darstellung als entschieden voreingenommen und entdeckten fundamentale Fehler in der Methodik (siehe unseren Blogartikel “Fachzeitschrift ‘Climate of the Past’ lehnt Meeresspiegel-Manuskript von Rahmstorf-Gruppe ab: Gutachter finden fundamentale Fehler in der Methodik“).

Link: http://www.kaltesonne.de/?p=19795

Übernommen aus dem Blog „Kalte Sonne“. Englische Passagen übersetzt von Chris Frey EIKE

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5 Kommentare

  1. Ich wollte zumindest noch auch http://tinyurl.com/pnl2hd5 verweisen. Das belegt eine niedrige Anstiegsrate in einem Artikel unter Peer Review in einem wissenschaftlichen Fachmagazin.

    Hier ist nicht erkennbar, wie die extremen Meeresantiege, die im AR5 als Minimum (!) genannt werden, begründet werden.

    Aber unser Lieblings-Meinungsgegner Stefan Rahmstorf wiederholt in seinem Blog:

    http://tinyurl.com/pdnndx9
    —————–
    Grinsted et al. (Climate Dynamics 2009): die Autoren aus Dänemark, Russland und Großbritannien projizieren mit einem semi-empirischen Modell bis zu 2,15 Meter Meeresspiegelanstieg bis 2100.
    ———–

    Oder hier, jüngst 18. Januar 2014
    http://tinyurl.com/k7lkbha
    —————-
    Kulke zitiert eine kritische Anmerkung des geschätzten Kollegen Aslak Grinsted zu einem unserer Manuskripte und strickt daraus die Geschichte, wir würden den Meeresspiegelanstieg übertreiben. Er verschweigt seinen Lesern allerdings, dass Grinsted selbst zu höheren Meeresspiegelprojektionen kommt (bis zu 2,15 Meter bis 2100) als wir, …
    —————–

    Das aber sagt genau der Link nicht, auf den er selbst Verweist. Dieser Link zeigt lediglich, dass die Raten möglicher Projektionen von dem gemessenen niedrigen Werten angefangen, bis hin zum Katastophenszenario:

    ———
    Over the last 2,000 years minimum sea level (?19 to ?26 cm) occurred around 1730 ad, maximum sea level (12–21 cm) around 1150 ad. Sea level 2090–2099 is projected to be 0.9 to 1.3 m for the A1B scenario, with low probability of the rise being within IPCC confidence limits.
    —————-
    Der Vertrauensbereich ist darum zu klein. Kann Rahmstorf kein Englisch oder will er die Leute hinters Licht führen. Was verschweigt er?

    Eben jener geschätzte Kollege Grinsted ist auch Co-Autor in dem o.g. Paper. http://tinyurl.com/l6hzb27 und da steht:

    ————
    The new reconstruction suggests a linear trend of 1.9 ± 0.3 mm·yr? 1 during the 20th century, with 1.8 ± 0.5 mm·yr? 1 since 1970.
    ————-
    Wenn sich dieser Trend linear fortsetzt, ist der GS im Jahr 2100 etwa 16 cm über unserem heutigen!

  2. Wenn man sein Leben lang in Panik ist, hat das Auswirkungen auf die Psyche. Ich fürchte, Herr Rahmstorf hat Depressionen. Alle, die seine Meinung nicht teilen, sind Feinde.

    Und wie es nun einmal im Leben so ist, sind die Kranken nicht einsichtig, sich einer Behandlung zu unterziehen. Nach dem Motto: „nicht ein Geisterfahrer…Hunderte!!!“

    In 20 Jahren sind wir Klüger

  3. Das verfahren erinnert eher an die Methode bei Kishons ‚Jüdisch Poker‘: Wir denken uns beide eine Zahl aus, und wessen die Größere ist, hat gewonnen.

    Auch die Angaben beim IPCC halte ich bereits für maßlos überzogen.

    Die Empirie weit eher auf Werte um 20 mm je dekade. Einige Autoren sind weit darunter. Und auch die zwischenzeitlich gemeldete Raten bei Satelietenaltimetrie (die zudem durch viele seltsame Korrekturen fragwürdig ist) von 31 mm je Dekade, konnte in den letzten Jahren nicht bestätigt wird.
    Aber eine lineare Fortschreibung der höchsten ermittelten Steigerungsrate würde lediglich 31 cm zu 2100 ergeben, abzüglich der letzten 14 Jahre, in denen es fast keine Erhöhung mehr gab.

    Bereits die IPCC Estimates sind aber wesentlich darüber. Ein Grund ist hierfür nicht belatbar zu erkennen.

  4. Rahmstorf & Mischpoke, PIK & Co. sind keine Wissenschaftler sondern AGW-XXXXXprediger, die alleine eine füsiker-geführte ReGIERung und deren Handlungen stützen sollen, sowie grösstmöglich eigene Geld-, Sach-Mittel abgreifen müssen, um mehr als einträglich leben zu können.

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