Bard Offshore1 Wind liefert nicht – ist das „Rückgrat“ der deutschen Energiewende schon vor dem aufrechten Gang gebrochen?

Bard Offshore 1 ist das bei weitem größte deutsche Offshore Windprojekt mit 80 WKA und einer installierten Leistung von 400 MW. Es ging erst im vergangenen September vergangenen Jahres in Betrieb und wurde von den Medien als „Beginn einer neuern Ära“ gefeiert. Die Investitionskosten beliefen sich – bisher auf rd. 3 (1) Mrd €, und lagen damit um mehr als den Faktor 10 über dem gleich leistungsstarker konventioneller Kraftwerke. Mit dem zusätzlichen Unterschied, dass diese das ganze Jahr über ihre volle Leistung abgeben können, die Windparks hingegen nur bei Wind.

Der damalige Wirtschaftsminister und approbierte Augenarzt Dr. Philipp Rösler (FDP) sagte zur Eröffnung:

"Bard Offshore 1 ist das beeindruckende Pionierprojekt einer jungen Industrie, die das Potenzial hat, langfristig eine wichtige Rolle in unserem Energiemix zu spielen. Die erfolgreiche Fertigstellung des Windparks auf hoher See ist eine technologische und logistische Meisterleistung."

Wie man sich doch irren kann, wenn man Visionen nicht von der Realität unterscheiden will oder kann.

Im Welt-Online Beitrag lesen wir dazu heute:

Seit seiner Inbetriebnahme im September vergangenen Jahres fiel Bard Offshore 1 jedoch immer wieder überraschend aus. Es gab "in den vergangenen Monaten mehrere technische Störungen, in deren Folge es zu sogenannten Schutzauslösungen und damit ungeplanten Abschaltungen der Netzanbindung kam", heißt es in der Erklärung der Betreiber.

Seit dem 23. März liefert der Windpark überhaupt keine Elektrizität mehr. Ursprünglich war geplant, die Stromlieferungen zum Juni wieder aufzunehmen. Nun aber stellen sich die technischen Störungen als gravierender heraus als zunächst angenommen. Über die Kosten des Produktionsausfalls schweigen sich die Betreiber aus.“

Und das tun sie aus gutem Grund, denn eine dauerhafte Problemlösung ist nicht in Sicht, stattdessen werden die ohnehin gigantischen Kosten weiter unkontrolliert anwachsen.. Und das gilt auch für die anderen Offshore-Windparks, von denen es insgesamt erst 7 in Nord- und Ostsee mit gerade mal 146 Windrädern mit einer installierten Leistung von  628 MW [2]gibt.  Eine der Folgen ist, dass nicht nur der Namensgeber des Feldes, die Bard-Gruppe, inzwischen K.O. ging, sondern auch die anderen – vorzugsweise große Stadtwerke- weiter in die Miesen fahren werden.

Die Leipziger Strombörse gibt Aufschluss über das schwere Schicksal der Offshore Windparks. Ralph Schuster hat für uns freundlicherweise genauer hingeschaut.

Abb. 1 Vollaststundenäquivalent der deutschen Windkraftanlagen. Mit Vollaststundenäquivalent wird die Zeit in % der Jahresstunden bezeichnet in denen die WKA im Mittel ihre volle Nennleistung abgibt. Wie an der schwarzen Kurve für Offshore WKA zu sehen ist, stieg das Vollaststundenäquivalent von 7,2 % im Jahre 2009 auf 31,9 % 2011 steil an und fiel dann ebenso steil auf jetzt nur 12,3 % wieder ab. Eine abgeschaltete Windkraftanlage trägt eben mit Null zur Versorgung bei. Grafik Ralph Schuster

Obwohl die Daten mit dem 2013 enden und Bard Offshore 1 nur für kurze Zeit enthalten ist,  wird in Abb. 1 deutlich gezeigt, dass es bei der Nutzung der Offshore Windenergie nur 2011 eine kurze Blüte gab, die im wesentlichen vermutlich dem Feld Baltic 1 in der Ostsee zu verdanken ist, das in diesem Jahr in Betrieb ging. Danach ging es aus vielfältigen Gründen mit deren Nutzung, ausgewiesen durch das den Vollaststundeäquivalent, steil bergab.

Wie schlimm die Situation wirklich ist, wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt,  dass die auf See generierte Energiemenge bis Ende 2013 zwar deutlich  zugenommen hat, von 38 GWh in 2009 auf 970 GWh in 2013, dass diese Zunahme aber unter Inkaufnahme einer um fast den Faktor 3 geringeren Nutzung der Anlagen einherging. Häufige und ungeplante Ausfälle, aber auch deutlich geringere Windernten sind der Grund dafür. Das kann und wird den Investoren bzw. ihrem Kreditgebern nicht schmecken, denn ihr eingesetztes Kapital bringt nicht den erwarteten, und für Zins und Tilgung, dringend benötigten Gewinn. Weitere Insolvenzen sind daher programmiert.

Das bedeutet aber auch, dass die von der Politik gewünschten 48 bis 50% Volllaststundenäquivalent kaum zu erreichen sind und ferner, dass die geplanten Stromautobahnen nicht die erforderliche Energiemengen liefern wird. Das nächste Desaster ist deshalb auch schon programmiert.


[1] Quelle : [1] Quelle : http://www.offshore-windenergie.net/windparks

[2] Quelle : http://www.offshore-windenergie.net/windparks