Mathematik? Brauche ich nicht, hat mich nie interessiert!

Ähnlich hätte sich vor einigen Jahrhunderten ein australischer Ureinwohner geäußert. Zahlen? Meine Sprache hat doch Zahlwörter bis 3, braucht denn jemand mehr?

Da waren die gemeinsamen Vorfahren der Ungarn und Finnen schon vor Jahrtausenden weiter: Sie konnten doppelt so weit zählen, bis sechs. Das haben Sprachforscher herausgefunden. Offenbar gab es eine finnisch-ugrische Ursprache, gesprochen von einem Volk, das dann weit auseinander gewandert ist. Die Nachkommen leben heute jenseits und diesseits des Urals, am Polarkreis und in der Puszta. Ihre Sprache hat sich in über 10 sehr verschiedene Regionalsprachen aufgespalten, aber alle haben noch gemeinsame Zahlwörter bis 6. Die Zahlwörter ab 7 wurden jeweils aus verschiedenen anderen Sprachen übernommen. Da ist der Schluss zwingend: Vor der Trennung des Volkes hörte das Zählen bei 6 auf.

Unsere indogermanischen Vorfahren waren noch weiter gekommen, auf jeden Fall über die 10 hinaus. Deren Ursprache hat sich in 2 Gruppen geteilt, die man Kentum- und Satem-Sprachen nennt, nach dem Wort für 100. Das muss aber nicht bedeuten, dass die Leute vor der Trennung noch nicht bei 100 waren.

In diese früheste Zeit, vor der Entstehung unserer Zivilisation, würden unsere Matheflops noch passen.

Die dann folgende Entwicklung zu Städten, Handel, Astronomie, Kalender lief an den Matheflops vorbei, sie hatten daran keinen Anteil. Was unserer Zivilisation zugrunde liegt, wird von ihnen ignoriert. 

Wurzeln, Exponenten, Logarithmen, Winkelfunktionen? Oder Pythagoras? Man muss doch nicht alle griechischen Restaurants kennen! Was soll überhaupt der Umgang mit Zahlen, halten wir uns besser an Christian Morgenstern:

Morgenstern stellte seine ulkige zahlenfreie Welt dar im Gedicht vom „Lattenzaun, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun“. Ein Architekt „nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein großes Haus“.

Absurd?

In einer Welt ohne Zahlen und Mathematik eigentlich nicht, da kann man sich sogar eine vollständige „Energiewende“ vorstellen. „Unsere ganze heutige Welt“ beruht jedoch tatsächlich auf Zahlen, und man müsste die Matheflops von allem Wesentlichen fernhalten.