Die Sündflut

Südengland wird von den schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten heimgesucht. Schuld daran ist nicht der Klimawandel. Staatliche Behörden kümmern sich lieber um das Wohlergehen von Wildtieren als um die Entwässerung der Moorlandschaften.

Die einzigartigen Überschwemmungen im Tal der Themse und in den Somerset Levels in Südwestengland haben die britischen Politiker aufgeschreckt. Sie ziehen Regenjacken und Gummistiefel an, stapfen durch Strassen, die sich in Flüsse verwandelt haben, und geben mit gefurchter Stirn ihre Weisheiten preis. Für Premier Cameron sind die Fluten «biblisch», er «vermutet sehr», dass das extreme Wetter mit dem Klimawandel zusammenhängt. Sein Staatssekretär für Energie und Klimawandel, der Liberaldemokrat Ed Davey, vermutet das nicht nur, er weiss es: «Um uns herum sehen wir heute die möglichen Folgen einer Welt, auf der extreme Wetterereignisse viel wahrscheinlicher sind.» Und er schimpft über Randfiguren in der Konservativen Partei, welche «die Argumente der diskreditierten ­Klimaleugner» nachplap­perten. Er geisselt das «böswillig ignorante Kopf-in-den-Sand-­Stecken» vieler Konservativer und spricht von ­einem «teuflischen Cocktail», der die ganze «Klimapolitikstruktur» des Landes bedrohe.

Noch düsterer tönen die Warnungen von ­Labour-Parteiführer Ed Miliband: «Wegen des Unvermögens, zu erkennen, dass Klimawandel das extreme Wetter verursacht, welches das Land seit einem Monat verwüstet, schlafwandelt das Land auf eine Katastrophe zu.» Cameron, Davey und Miliband sind keine Wissenschaftler, Julia Slingo, wissenschaftliche Leiterin der staatlichen Wetteranstalt, ist es. Laut Slingo deutet das «gesamte Beweismaterial» darauf hin, dass der Klima­wandel mithalf, «die aussergewöhnlichste Regenperiode in 248 Jahren zu verursachen».

Alles klar? Nicht unbedingt. Zitieren wir aus dem Bericht des Weltklimarats (IPCC): «Zusammengefasst fehlt es weiterhin an Beweisen, und somit ist in Bezug auf das Trendsignal das Vertrauen in die Grösse und/oder Frequenz von Überschwemmungen auf einer globalen Skala tief.»

Schaut man sich die historischen Zahlen in Bezug auf Regenfälle in Grossbritannien näher an, findet man Winter, in denen es stärker regnete als 2013/14. Nicht eine amtliche Stelle, sondern der Blogger Paul Homewood hat die seit 1910 existierenden Regenstatistiken für die von den Überschwemmungen besonders stark heimgesuchte Region Südwestengland/Südwales untersucht. Er kommt zum Schluss: «Es sieht schon jetzt ­danach aus, dass auch der ­Februar im Südwesten ein besonders nasser Monat sein wird, so dass das Drei-Monate-­Total für Dezember bis Februar dasjenige der meisten Jahre seit 1910 übertreffen wird. Wie auch immer das Ergebnis sein wird, so ist es doch unwahrscheinlich, dass die jüngsten Dezember-bis-Februar-Zahlen an die November-bis-Januar-Periode von 1929/30 herankommen werden. Wenn der gegenwärtige Trend anhält, rechne ich mit weiteren 200 Millimetern, was das Drei-Monate-Total auf ungefähr 650 Millimeter bringen würde. Das ist deutlich unter den 812 Millimetern, die für November 1929 bis Januar 1930 aufgezeichnet wurden.»

Wenn die Regenfälle in Südwestengland im Winter 1929/30 deutlich höher waren als jetzt – wieso richten die momentanen Überschwemmungen dann weit verheerendere Schäden an? Schuld ist der Mensch. Aber nicht, weil er zu viel CO2 in die Atmosphäre strömen lässt, sondern weil die 1996 per Gesetz neugeschaffene Umweltagentur (EA), die für den Umgang mit dem Überschwemmungsrisiko bei Flüssen und Meer zuständig ist, versagt hat.

Drainage vernachlässigt

Die von den aktuellen Überschwemmungen besonders heimgesuchten Somerset Levels sind eine im 16. Jahrhundert von holländischen Ingenieuren für die Landwirtschaft urbar gemachte Moorlandschaft von 650 Quadratkilometern (etwa so gross wie die Kantone St. Gallen und Thurgau zusammen). Während mehr als zwei Jahrhunderten kümmerte sich die 1777 gegründete wohltätige Royal Bath and West of England Society um die Drainage des Gebiets.

Das änderte sich, als die öffentlich-rechtliche Environment Agency das Flussmanagement übernahm. Für die EA hatte das Ausbaggern von Flussbetten, welche das Abfliessen des Wassers ermöglichten, keine Priorität mehr. Die Pump­werke wurden vernachlässigt. Kam dazu, dass Umweltauflagen der EU das Wegschaffen von Schlamm und Triebsand behinderten. Die Situation verschlimmerte sich 2002, als die Umweltschützerin Barbara Young Chefin der Umweltagentur wurde. Als ehemalige Vizepräsidentin der Königlichen Gesellschaft für den Vogelschutz (RSPB) sorgte sie sich um das Wohlergehen der Wildtiere. Am liebsten hätte sie, wie sie einmal bemerkte, alle Pumpstationen in die Luft gesprengt. Das Ausbaggern der Flüsse kam unter ihrer Ägide praktisch zum Stillstand.

Die EA, heute unter der Leitung von Ex-­Labour-Kulturminister Lord Chris Smith, hat sich immer mehr um «Nachhaltigkeit» und «Biodiversität» gekümmert als um die Interessen der Bevölkerung und der Landwirtschaft von Somerset. Die Aufräumarbeiten nach den Überschwemmungen werden über 100 Millionen Pfund kosten. Das Ausbaggern der Flüsse hätte 4,5 Millionen Pfund gekostet, was der EA, die allein für ein Vogelreservat 31 Millionen Pfund ausgab, «übertrieben» erschien.

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Anmerkung EIKE-Redaktion :

Der vorstehende Artikel von Hanspeter Born ist erschienen in: http://www.weltwoche.ch ; Die Weltwoche, Ausgabe 08/2014 | Freitag, 21. Februar 2014: Die Sündflut |

EIKE dankt dem Autor und der Redaktion der WELTWOCHE für die Genehmigung eines ungekürzten Nachdrucks.

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Ergänzung/Nachtrag EIKE-Redaktion:

In den englischen Medien herrschten im Februar 2014 Hohn und Spott, sowohl über die krasse Winter-2013/14-Fehl-Prognose des Britischen Wetterdienstes, als auch über die nachträgliche Zuordnung einer für die Jahreszeit nicht ungewöhnlichen regnerischen Westwind-Wetterlage zu einem angeblich Mensch-gemachten Klimawandel :

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(1)

Daily Mail, 21.02.2014

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2564358/Could-Met-Office-wrong-Just-floods-report-told-councils-Winter-drier-normal-especially-West-Country.html ; 21 February 2014 :

"Could Met Office have been more wrong? Just before floods, report told councils: Winter will be ‚drier than normal‘ – especially in West Country!"

  • > "Worst weather prediction since Michael Fish reassured the nation in October 1987 there was no hurricane on the way"
  • > "Forecasters said the Somerset Levels and the rest of the West Country would be especially dry"
  • > "Last night, it was confirmed the UK had instead suffered the wettest winter since records began"

Read more: http://www.dailymail.co.uk/news/article-2564358/Could-Met-Office-wrong-Just-floods-report-told-councils-Winter-drier-normal-especially-West-Country.html#ixzz2uLP5G1VU

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(2)

http://www.spiked-online.com/newsite/article/the-eco-hysteria-of-blaming-mankind-for-the-floods/14672#.UwzNgV4szNV ; 17 February 2014 :

"The eco-hysteria of blaming mankind for the floods"

"Blaming storms on human industry is as backward as blaming them on gays."

"Nicholas Stern, treated by many greens as a god-like oracle warning us all of future manmade doom, says the floods were caused by ‘human activities’. From the fawningly faithful reporting of his words, you could be forgiven for thinking Moses himself had published some new tablets about man’s wrongdoings. Other observers say man’s behaviour, his emission of CO2, is ‘loading the dice’ of nature’s fury, making floods more likely and more epic."

Quelle: benny.peiser@thegwpf.org ;  CCNet 25/02/14 ; After The Floods: Why Did The Met Office Forecast A Dry Winter?

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2 Kommentare

  1. Im Gegensatz zu den englischen Zeitungen würde die hiesige Presse in das Lamento der Klimaalarmisten einstimmen und noch größere Anstrengungen gegen den CO2 Ausstoß fordern.
    Schuld an der Misere dort sind eindeutig andere Faktoren als die, daß irgendwo auf der Welt die Schornsteine qualmen, Autos fahren und Menschen atmen etc.

  2. „Die von den aktuellen Überschwemmungen besonders heimgesuchten Somerset Levels sind eine im 16.?Jahrhundert von holländischen Ingenieuren für die Landwirtschaft urbar gemachte Moorlandschaft von 650 Quadratkilometern (etwa so gross wie die Kantone St.?Gallen und Thurgau zusammen). Während mehr als zwei Jahrhunderten kümmerte sich die 1777 gegründete wohltätige Royal Bath and West of England Society um die Drainage des Gebiets.“
    Da sollte man sich mal aktuell vorstellen, dass unsere niederländischen Nachbarn ihre Schöpf- und Pumpwerke abstellen und dann über das Volllaufen ihres Landes jammern. Hat man von dort noch nie gehört!

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