Peer Review, das letzte Rückzugsgebiet für (uninformierte) Trolle

David M. Hoffer
Mit ihren Hinweg-Erklärungen des Scheiterns der Modelle bestätigt die gegenwärtige Peer-Review-Wissenschaft*, dass die Wissenschaft falsch ist.
Unter den Trollen ist es zur bevorzugten Taktik geworden, ihren Glauben an die Peer-Reviewed-Wissenschaft* zu betonen. Mit dieser einfachen Strategie rechtfertigen sie sich entschuldigend, dass für sie keine Notwendigkeit besteht, etwas von der Wissenschaft wissen zu müssen. Gleichzeitig trachten sie danach, die Argumente der Skeptiker zu diskreditieren mit der Begründung, dass diese ja noch nichts in begutachteten Journalen veröffentlicht haben und man sie daher von vornherein von der Diskussion ausschließen könne.

[*Diesen Begriff zu übersetzen erscheint mir wenig sinnvoll, zumal wohl jeder weiß, was damit gemeint ist. A. d. Übers.]

Bild rechts: Grabmal von Galileo Galilei

Ein Rückzug auf autoritäre Argumente angesichts total einfacher Beobachtungen ist nichts Neues. Vielmehr wiederholt sich die Geschichte. Nichts daraus gelernt habend scheinen wir dazu verdammt, die Geschichte zu wiederholen. Aber sowohl die Geschichte als auch die gegenwärtige Peer-Reviewed-Wissenschaft stehen, wenn man es aus der Distanz betrachtet, auf der skeptischen Seite.

Im fünften Jahrhundert vor Christus hat Empedocles theoretisiert, dass man sehen könne durch Strahlen, die vom Auge ausgehen. Um diese Bemerkung zu falsifizieren reicht eigentlich der Hinweis, dass man in einem dunklen Raum nichts sehen könne. Trotz dieser einfachen Beobachtung hat die Theorie während der folgenden 1600 Jahre substantiell Unterstützung erfahren.

Galileo starb im Hausarrest wegen seiner Befürwortung, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Teils war er auf der Grundlage begutachteter Literatur jener Zeit verurteilt worden, der zufolge die Bewegung der Planeten, wie sie von der Erde aus beobachtet werden, einfach dadurch erklärt werden könne, dass sie in ihrem Orbit von Zeit zu Zeit die Richtung ändern. Fast 2000 Jahre lang bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestätigte die begutachtete Literatur, dass man Kranken lediglich Blut abnehmen musste, um sie zu kurieren. Die einfache Beobachtung, dass die Todesrate durch diese Behandlung stieg, wurde von der Hand gewiesen mit dem Hinweis, dass es, falls es stimmen sollte, in medizinischen Journalen behandelt worden wäre. Kommt einem das bekannt vor?

Die Geschichte ist vollgestopft mit heute als völlig absurd angesehenen Gedanken. Gedanken, die sich stur weigern zu sterben, leben teilweise durch die genauso absurde Aussage fort, dass man Beweise des Gegenteils verwerfen muss, einfach weil diese nicht in den „richtigen“ Veröffentlichungen standen. Aber ist die Aussage der heutigen Klimawissenschaft genauso einfach durch simple Beobachtungen zu falsifizieren? Ich erkläre, dass dem so ist. [Im Original folgt der Satz: We have the climate models themselves to upon which to rely. Ich finde keine sinnvolle Übersetzung dafür. A. d. Übers.]

Was sind die Klimamodelle anderes als die Verkörperung der Peer-Reviewed-Wissenschaft? Gibt es auch nur ein einziges vom IPCC verwendetes Modell, das von sich behauptet, nicht auf Peer-Reviewed-Wissenschaft zu beruhen? Natürlich nicht. Und doch zeigen einfache Beobachtungen, dass die Modelle und damit auch die begutachtete Literatur, auf der sie basieren, falsch sind. Wir haben niemand anderen als das IPCC selbst, bei dem wir uns dafür bedanken können, uns dies gezeigt zu haben.

Der durchgesickerte zweite Entwurf des AR 5 hat das Scheitern der Modelle hinsichtlich der Temperaturvorhersage auf der Erde mit der Zeit gnadenlos offengelegt. Tatsächlich ist es so: wenn man alle Modelle aussortiert und nur 5% der Besten übrig behält, wären sie immer noch falsch, und zwar ganz offensichtlich. Sie sind allesamt wärmer als die Wirklichkeit. Angesichts dieser Bloßstellung vor der ganzen Welt, die jetzt sehen kann, wie sehr die Modelle (und damit die Wissenschaft, auf der sie basieren), falsch lagen, hat das IPCC darauf reagiert und ältere Modelle hinzugezogen, die zuvor als obsolet erklärt worden waren und jetzt plötzlich Teil der aktuellen Literatur sind:
http://wattsupwiththat.com/2013/10/04/no-matter-how-the-cmip5-ipcc-ar5-models-are-presented-they-still-look-bad/

Selbst mit diesen älteren und vermeintlich obsoleten Modellen zeigen die Klimamodelle nur ihr komplettes Scheitern. Mit anderen Worten, konfrontiert damit, dass Tausende durch Aderlass sterben, reaktiviert das IPCC alte Studien, die zeigen, dass sich drei oder vier Patienten erholen, die einst in Studien vor langer Zeit entdeckt worden waren. Es fordert Sie direkt auf zu glauben, dass die Planeten frei nach Gusto ihre Richtung im Orbit ändern. Sie haben eine Theorie erfunden, dass man im Dunklen nicht sehen kann, weil die Strahlen aus unserem Auge in Wechselwirkung mit Licht treten müssen, um zu funktionieren.

So lächerlich wie allein das schon klingt, für das IPCC ist es buchstäblich sogar noch schlimmer. Für diese Erkenntnis müssen wir uns zuallererst bei den Klimawissenschaftlern des Planeten bedanken.

Kevin Trenberth, vermutlich der politisch mächtigste Klimawissenschaftler der Erde, hat sich mit seiner berühmten Klage in den Klimagate-E-Mails hervorgetan, als er schrieb, dass wir uns die „fehlende Wärme“ nicht erklären können, ein stillschweigendes Eingeständnis, dass die Modelle falsch sind. Seitdem gab es zahlreiche Studien mit dem Ergebnis, dass die Wärme vielleicht in den Tiefen der Ozeane verborgen ist, wo man sie bequemerweise nicht messen kann. Selbst wenn das stimmen sollte, sind die Modelle falsch, denn sie haben dergleichen nicht vorausgesehen.

Die Studie von Roy Spencer zeigt, dass die Wärme in den Weltraum entweicht. Falls er recht hat, sind die Modelle falsch. Neuer ist die Studie von Cowtan und Way, die versucht uns weiszumachen, dass sich die Wärme an Stellen der Erde versteckt, von wo es keine Daten von Wetterstationen oder Satelliten gibt. Diese Wärme ist ganz schön wählerisch, wenn sie sich nur an Orten versteckt, wo wir sie nicht finden können. Falls diese Studie recht hat, dann hat kein einziges Modell dergleichen vorhergesagt, und die Modelle sind wieder falsch. Spencers Studie ragt aus den anderen heraus, weil darin keine absurden Verdrehungen enthalten sind, die auf offenkundige Weise versuchen, der CAGW-Linie zu folgen. Aber man stelle das in den richtigen Kontext: Alle diese Studien wurden veröffentlicht nicht weil die Modelle (und die ihnen zugrunde liegende Wissenschaft) richtig wären, sondern weil sie falsch sind, und zwar ganz offensichtlich.

Es geht in dieser Debatte nicht mehr darum, ob die Modelle falsch sind. Es geht jetzt darum, warum die Modelle falsch sind. Die Modelle sind gefallen, und die Peer-Reviewed-Wissenschaft als deren Grundlage fallen mit ihnen.

Aber Sie müssen mir in dieser Hinsicht nicht glauben.

Nur der Peer-Reviewed-Wissenschaft durch die an vorderster Front stehenden Klimawissenschaftler der Welt.

Link: http://wattsupwiththat.com/2013/12/29/peer-review-last-refuge-of-the-uninformed-troll/#more-100055

NACHTRAG: Übersetzt von Chris Frey, der sich für die vielen konstruktiven Kommentare unten  zur Übersetzung bedankt!

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10 Kommentare

  1. Wissenschaftlicher Fortschritt ist zwingend auf Kommunikation angewiesen. Das geschieht immer noch mit Hilfe privater Mitteilungen, auf Tagungen und durch Veröffentlichungen in Fachzeitschriften aber zunehmend auch direkt im Internet. Die Barriere Peer Review muss auf Tagungen und insbesondere bei den Fachzeitschriften überwunden werden. Dabei geht es zunächst um das kommerzielle Interesse des Herausgebers sowohl im Bereich der Vermarktung der Inhalte als auch um die Wahrung der Interessen seiner „Sponsoren“! Daher entscheidet der Herausgeber, ob er die eingereichten Arbeiten überhaupt an die von ihm allein ausgewählten Review’er weitergibt, oder gleich ablehnt Auch ein freier Zugang zu den letztlich „erfolgreichen“ Arbeiten existiert gewöhnlich nicht. Nach mehr als 50 problemlos erfolgten Veröffentlichungen in Wissenschaft und Technik stieß ich mit dem Versuch der Kritik auf dem Gebiet der „Prognose von Klimaänderungen“ bei 4 renommierten Journalen auf eine undurchdringliche Wand. Erst das Internet eröffnet inzwischen den freien Zugang für Autoren und Leser. Jeder muss nun allerdings selbst denken und kann sich nicht mehr hinter angeblichen Experten verstecken. Es ist selbstverständlich, dass dieser den Missbrauch ausschließende Trend den „Etablierten“ nicht gefallen kann!

  2. Lieber Admin,
    gehört zwar nicht zum Thema,aber ist für mich der schnellste Weg.
    Um Ihre häufigen Ermahnungen bezüglich der Link-Darstellung zu reduzieren, wäre vielleicht ein Hinweis in den Kommentarregeln ganz hilfreich!

    MfG

  3. Sehr guter Artikel,

    besonders was die Parallelen der heutigen Vorgehensweise des Weltklimakonzils + seiner Propheten + Jünger + den Mächtigen zur Vorgehensweise der Kirche + ihrer Propheten + Jünger + den Mächtigen vergangener dunkler Jahrhunderte betrifft. Diese sind nämlich größer als viele meinen. Hierzu hab ich einen Link zu einem guten Artikel vom Klimablock:

    „Dreht sich die Sonne um die Erde?“

    http://tinyurl.com/ne8xrt7

  4. Selbst wenn es 5000000 Menschen sind, die etwas Dummes sagen, bleibt es etwas Dummes.

    Albert Einstein zugeschrieben

    Die wissenschaftliche Geschichte ist voll von wissenschaftlichem Konsens, der doch schlicht und einfach nicht der wissenschaftlichen Realität entsprach.

  5. Natuerlich sagt ein „peer review“ in Prinzip nichts ueber den Wahrheitsgehalt einer Arbeit aus.

    Ich bin schon oefters auf beiden Seiten gewesen, als Gutachter (peer) und Begutachteter
    (reviewed). Fuer den Gutachter laesst sich sagen, dass
    (i) kein Gutachter Modelle oder Rechnungen ueberpruefen, d.h. nachrechnen kann und wird.
    (2) kein Gutachter Experimente oder Messungen wiederhohlen kann und wird.

    Gutachten schreiben ist unbezahlte Freiwilligenarbeit und dauert fuer eine Veroeffentlichung ein paar Stunden, bis zu einem Arbeitstag. Solange die Aussage im Rahmen des Erwarteten liegt, wird ein Gutachter selten nachfragen. Bei nicht erwarteten Aussagen wird schaerfer hingeguckt, aber letztendlich, siehe oben. Wonach ein Gutachter normalerweise schaut ist, dass die Arbeit der Autoren nachvollziehbar beschrieben ist von den Ausgangsannahmen bis zur Schlussfolgerung und handwerlich sauber ist. So kann trivialer Unsinn meist ausgeschlossen werden.

    Das System laueft also so, dass Bekanntes Bekanntes bestaetigt, es ist schwierig ‚Erstaunliches‘ veroeffentlicht zu bekommen. Ein anderer Grund dafuer ist, dass der Gutachter immer eine Veroeffentlichung verhindern kann, wenn er unfair handelt, z. B. den Autor nicht mag. Ungluecklicherweise ist solche Unfairness hauefiger anzutreffen, als man von aussen erwarten koennte und sollte.

  6. Mir scheint folgende Übersetzung für die Passage: „We have the climate models themselves to upon which to rely“ sinnvoll: Wir haben Klimamodelle, die darauf beruhen, worauf sie sich beziehen. Das ist aus meiner Sicht eine inverse Formulierung: Zwei Probleme sind zueinander invers, wenn die Formulierung
    des ersten Problems die Lösung des zweiten Problems enthält:
    4 x 5 – 20 20 : 4 – 5
    Direktes Problem Inverses Problem
    Quelle: Elektromagnetische Wellen: Gelöste und ungelöste inverse Probleme – abschied-folien.pdf/http://num.math.uni-goettingen.de/~kress/abschied-folien.pdf

  7. Der Artikel ist nett, aber er hat einen Schönheitsfehler. Die ptolemäische Kosmologie hat mit der Erweiterung der Epizyklen etwas ganz und gar erstaunliches geschaffen, dass Hoffer ignoriert oder gar ins Lächerliche zieht.

    Es war erstaunlich, mit wie viel Akrebie und Präzision man ein komplexes Modell entwickelte, dessen Vorhersagekraft dem Galileischen Modell lange Zeit überlegen war. Denn man konnte ziemlich präzise die Positionen der Planeten vorhersagen, in dem man aich kleinere Kreisbahnen der Planeten um die eigentliche Umlaufbahn um die Erde dachte.

    Das ist zwar sachlich falsch, aber die Ergebnisse hatten eigentlich eine empirische Bestätigung. Das Modell leistete das, was man von ihm erwartete, nur, dass es nicht die Wirklichkeit abbildete. Diese Bestätigung verschaften dem Modell eine scheinbare Gültigkeit für hunderte von Jahren.

    Denn früh erkannte man, dass einefache Planetenbahnen um die Erde mit den Beobachtungen nicht übereinstimmten. Anstelle dieses Modell zu verwerfen, wurde eben so lange nachgebessert, bis man eben was hatte, das Jahrhunderte lang die Grundlage eines allgemein akzeptierten Weltbildes war.

    Der Treppenwitz liegt darin, das weniger gebildete Zeitgenossen meinen, dass Galilei den Menschen erklärte, dass die Erde keine Scheibe wäre.

    Ein ähnliches Phänomen ist im Darwinismus zu sehen. Viele von Darwins Behauptungen, der ja noch nichts von Genetik wusste, werden heute nicht mehr vertreten. Die Theorie wurde so oft nachgebessert, dass man sie heute für hinreichend bestätigt hält. Aber ist der Status hier wirklich besser als der der Klimawissenschaft? Belastbare Vorhersagen wagt hier eigentlich auch niemand.

  8. #1: H.Urbahn sagt:

    Der Ausdruck „Peer-Review-Wissenschaft“ läßt sich eigentlich ganz gut mit „begutachtete Wissenschaft“ übersetzen.
    ———-
    Ich bin hier eher bei Herrn Frey.
    Denn es geht nicht um irgend welsch Gutachten, sondern um den speziellen Prozess des Peer-Review, wie ihn einige wissenschaftliche Journale pflegen. Da es sich um einen Terminus Technicus handelt, wäre eine Übersetzung hier unvorteilhaft.

    ————-
    Für den Satz: „We have the climate models themselves to upon which to rely.“ wäre mein Übersetzungsvorschlag. Wir haben ja (schließlich)die Klimamodelle, auf die wir bauen können“.
    ————
    Ich würde im Kontext übersetzen:

    But is the notion of climate science today as easily falsified by simple observation? I submit that it is. We have the climate models themselves to upon which to rely.

    -> #2: D. Rohrlack ist zuzustimmen.

    Wörtlich kann man sogar übersetzen:

    „Aber ist der Ansatz der heutigen Klimawissenschaft genauso einfach durch simple Beobachtungen zu falsifizieren? Ich behaupte, dass dem so ist. Wir haben bereits die Klimamodelle selbst vorliegen, die in sich verlässlich (stimmig) sein müssten.“

  9. Im Original folgt der Satz: We have the climate models themselves to upon which to rely. Ich finde keine sinnvolle Übersetzung dafür. A. d. Übers.

    Was der Autor wohl sinngemäß ausdrücken möchte:

    „“Hierbei können wir die Klimamodelle selbst als Falsifizierung heranziehen.““

    Man benötigt also gar keine externe Falsifizierung, weil das die Modelle schon aus sich selbst erledigen.

  10. Sehr geehrter Übersetzer (Herr Frey?)
    danke für die Übersetzung.
    Der Ausdruck „Peer-Review-Wissenschaft“ läßt sich eigentlich ganz gut mit „begutachtete Wissenschaft“ übersetzen.
    Für den Satz: „We have the climate models themselves to upon which to rely.“ wäre mein Übersetzungsvorschlag. Wir haben ja (schließlich)die Klimamodelle, auf die wir bauen können“.
    Die wissenschaftliche Literatur ist inzwischen voll davon wie miserabel das System „peer review“ ist
    MfG
    P.S. sehr schönes captcha: pleite

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