China stellt 75% aller Hersteller von Solarzellen das „Todesurteil“ aus

TORU SUGAWARA, Nikkei staff writer
Die chinesische Regierung drängt auf eine drastische Verringerung der überlaufenen Solarzellen-Industrie des Landes. Sie unterstützt nur noch ein Viertel der Hersteller und legt den anderen nahe, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen.


Bild rechts: JA Solar’s factory in Shanghai.

Das Ministerium für Industrie- und Informations-Technologie hat 134 Herstellern von Silikon-Materialien, Solarpaneelen und anderen Komponenten eines photovoltaischen Systems eine Liste zugestellt, auf der bestimmte Bedingungen festgelegt worden sind. Mit Basis des Jahres 2012 sind das die Produktion, die Auslastung und technische Standards.

In einem Bereich, in dem es dem Vernehmen nach über 500 Unternehmen gibt, bedeutet die Aktivität des Ministeriums, dass drei Viertel diesen Bedingungen nicht genügen – einschließlich des Hauptwerkes von Suntech Power, das im März bankrott gegangen war, und Jiangsu Shungfeng Photovoltaic Technology, dem Retter von Suntech.

Industrie-Insidern zufolge wird es diesen Firmen nicht gelingen, Kredite von Finanzinstituten zu bekommen, und sie werden es folglich schwer haben, sich irgendwo Geld zu leihen. Sie werden auch keinen Anspruch mehr haben auf Vergütungen von Exporttarifen. Das ist ein massiver Schlag gegen Unternehmen, die von Geschäften in Übersee abhängig sind. Zu Hause wird es für sie schwierig werden, an staatliche Aufträge zu kommen.

„Dies wird helfen, die Kapazitäts-Exzesse der Industrie zu eliminieren”, sagt Jian Xie, ein leitender Funktionär des führenden Herstellers JA Solar (siehe Bild oben rechts!). „Die Liste wird alle 6 bis 12 Monate hinsichtlich Geschäftsentwicklung und Technologie-Standards überarbeitet“.

Der chinesischen Photovoltaik-Industrie weht ein heftiger Wind ins Gesicht, seit im Jahre 2012 die Nachfrage aus Europa eingebrochen ist, dem weltgrößten Markt. Die Handelshemmnisse mit den USA und Europa sind da auch nicht hilfreich. Selbst Suntech, der zum größten Solarzellen-Hersteller der Welt aufgestiegen war, musste hinnehmen, dass sein Mutterwerk untergeht. Mittelständische Unternehmen sinken nur deshalb noch nicht, weil sie von lokalen Regierungen unterstützt werden.

Lichtstrahlen dringen durch

Aber der Markt zeigt jüngst Anzeichen von Leben. Yingli Green Energy, der größte Händler der Welt, berichtete von einem Sprung von 60% von Jahr zu Jahr hinsichtlich von Verkäufen von Juli bis September, während Trina Solar in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist.

Dem US-Marktforschungsunternehmen NPD Solarbuzz zufolge kam der mittlere Modulpreis von April bis September 2012 ins Taumeln, aber der Rückgang während der gleichen Periode in diesem Jahr hatte nur weniger als 1% betragen. Marktbereinigungen in den USA und Europa, einschließlich der deutschen Firma Q-Cells, nahmen Fahrt auf, was das Problem der Überversorgung etwas linderte.

Die globale Nachfrage stieg von Juli bis September auf die Rekordhöhe von 9 Millionen Kilowatt in mitten Wachstums in China, Japan und den USA. Ein Analyst bei Solarbuzz sieht sogar einen Nachfragesprung um 30%, verglichen mit dem projizierten Niveau in diesem Jahr, auf 45 Kilowatt im Jahre 2014.

In China tendieren Märkte, die hohe Umsätze bieten, dazu, Neueinsteiger anzuziehen, was oftmals zu einer Situation der Überversorgung führt. Die Regierung hat in vielen anderen Industriebereichen Überkapazitäten festgestellt, einschließlich Stahl, Zement und Schiffsbau, und ruft nach Konsolidierung.

Aber es ist ungewöhnlich, wenn die Regierung schwächelnde Marktteilnehmer aussortiert und sie am Weitermachen hindert. Die Aufmerksamkeit richtet sich jetzt darauf, ob das gleiche Schema in der Stahl- und anderen Industrien angewendet wird, die derzeit noch von lokalen Regierungen vor Ort unterstützt werden.

Link: http://asia.nikkei.com/Business/Trends/China-hands-death-sentence-to-75-of-solar-cell-makers

Übersetzt von Chris Frey EIKE

image_pdfimage_print

Wir freuen uns über Ihren Kommentar, bitten aber folgende Regeln zu beachten:

  1. Bitte geben Sie Ihren Namen an (Benutzerprofil) - Kommentare "von anonym" werden gelöscht.
  2. Vermeiden Sie Allgemeinplätze, Beleidigungen oder Fäkal- Sprache, es sei denn, dass sie in einem notwendigen Zitat enthalten oder für die Anmerkung wichtig sind. Vermeiden Sie Schmähreden, andauernde Wiederholungen und jede Form von Mißachtung von Gegnern. Auch lange Präsentationen von Amateur-Theorien bitten wir zu vermeiden.
  3. Bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Gehen Sie in Diskussionen mit Bloggern anderer Meinung auf deren Argumente ein und weichen Sie nicht durch Eröffnen laufend neuer Themen aus. Beschränken Sie sich auf eine zumutbare Anzahl von Kommentaren pro Zeit. Versuchte Majorisierung unseres Kommentarblogs, wie z.B. durch extrem häufiges Posten, permanente Wiederholungen etc. (Forentrolle) wird von uns mit Sperren beantwortet.
  4. Sie können anderer Meinung sein, aber vermeiden Sie persönliche Angriffe.
  5. Drohungen werden ernst genommen und ggf. an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben.
  6. Spam und Werbung sind im Kommentarbereich nicht erlaubt.

Diese Richtlinien sind sehr allgemein und können nicht jede mögliche Situation abdecken. Nehmen Sie deshalb bitte nicht an, dass das EIKE Management mit Ihnen übereinstimmt oder sonst Ihre Anmerkungen gutheißt. Wir behalten uns jederzeit das Recht vor, Anmerkungen zu filtern oder zu löschen oder zu bestreiten und dies ganz allein nach unserem Gutdünken. Wenn Sie finden, dass Ihre Anmerkung unpassend gefiltert wurde, schicken Sie uns bitte eine Mail über "Kontakt"

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung

Erst Registrieren dann Kommentieren

Zum Kommentieren müssen Sie eingeloggt sein. Bitte hier auf Registrieren klicken, um ein Login zu erhalten.

Kommentar hinzufügen

Sie haben nicht das korrekte Login oder Passwort eingegeben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

3 Kommentar(e)

Neueste zuerst
nach Bewertung Neueste zuerst Älteste zuerst
1
Aaron T. Schwarz

Dass China zum weltweit grössten Hersteller von Solarmodulen aufgestiegen ist, erhöht zusätzlich den CO2-Ausstoss:

http://www.atschwarz.com/kohlekraftwerke/

Man sollte Solarzellen deshalb zutreffender als Kohlezellen bezeichnen.

2
Martin Landvoigt

Das zeichnete sich schon seit langen ab. Überraschend nur, dass dieser Schritt erst jetzt, dafür aber mit ertaunlicher Entrschiedenheit durchgeführt wird.

Die vermeintlichen Experten verzichteten darauf, folgendes Faktum oben in die Agenda zu setzen: Die Produktionskapazitäten sind beinahe das Doppelte des Bedarfs, die Lager von Solarmodulen quellen über.

Die Folge: Ruinöser Preiskampf, die vielen deutschen Herstellern ie Existenz kostete. Denn es gibt eine fatale Logik: Wenn die Produktion runter gefahren wird, sinkt die Kapitalrendite und die Stückkosten steigen. Das verschlechtert die Konkurrenzlage.

Für den Solarboom in Deutschland waren die niedrigen Preise wie eine Droge. Diese war nicht aus niedrigen Fertigungsgründen begründet, sondern mit der Hoffnung, den Mitbewerber zu überleben, und so wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Jetzt, da sich ein große Marktbereinigung vollzieht, wird es keine weiter fallenden Preise mehr geben, sondern vielleicht sogar einen Preisanstieg.

Und dann wird es für die Ausbauziele schwierig. Denn bei gesunkenen Erträgen dürfte die Bereitschaft von Investoren, in eine Technologie zu investieren, die bereits zum Sinkflug ansetzt.

Den Sargnagel für dies Entscheidung setzte aber die EU, die mit Strafzöllen den chinesischen Preiskampf beenden wollte. Nur kommt diese Maßnahme für die meisten europäischen Hersteller sowieso zu spät.

3

@Danke für den Artikel.
Was heißt das nun...Überproduktion = wenig Nachfrage bei viel Angebot.
Gibt es dieses Problem auch in der Kraftwerkbranche (Kohle, Gas und Kernkraftwerksbau) und wenn nicht, warum nicht?
Lässt sich daraus etwas über die Qualität und die Kontinuität des Produkts (Energie-Stromgewinnungstechnik) ableiten/aussagen?