Abwicklung des westlichen Energie-Klima-Paradigmas

Peter C. Glover
Gut regiert zu werden ist selten. Dass eine Regierung im besten und gemeinsamen Interesse der Bevölkerung agiert, ist nichts weniger als das höchste demokratische Ideal. Und doch – wie die Geschichte unverblümt zeigt, verlieren Regierungen nur zu leicht ihr ‚Das-Volk-Repräsentieren’ aus dem Auge. Stattdessen gleiten sie ab auf einen Weg elitärer, theoretischer und ultimativ sich selbst nützenden Maßnahmen, bar jeden Gedankens an Realpolitik*. Als Beispiel hierfür nehme man das im Westen vorherrschende Energie-Klima-Paradigma.

*Das Wort realpolitik steht so auch im Original, mit Hyperlink zu Wikipedia!

Wenn es zum fundamentalen Schlüsselthema für jede Nation, also Energiesicherheit kommt, deuten alle Zeichen darauf hin, dass die führenden Ökonomien der westlichen Welt alles vergessen haben, was die Interessen der Bevölkerung angeht. Das haben sie getan, indem sie die (Energie-)Wirklichkeit und die (Klima-)Theorie als von gleicher Größenordnung seiend betrachtet haben. Wie Einstein gesagt hat: „In der Theorie sind Theorie und Praxis das Gleiche. In der Praxis sind sie es nicht“.

Der frühere Kanzler von UK Lord Nigel Lawson hat seinen Finger auf den Nagelkopf hiervon gelegt, und zwar mit einem Artikel im The House Magazine des Parlaments. Lawson schrieb: Als er vor etwa 30 Jahren Energieminister war, war es „das Ziel der Energiepolitik, eine zuverlässige Energieversorgung sicherzustellen, sowohl für die Industrie als auch die Haushalte, und zwar zu den geringst möglichen Kosten“. Wie er richtig beobachtet, ist es heute „das einzige Ziel“ des neuen UK-Energiegesetzes – „dem schlechtesten seit Menschengedenken“ – die ambitionierten Ziele der Dekarbonisation zu erreichen, die im Climate Change Act [= Gesetz zur Klimaänderung] von Labour enthalten sind. Und das Befolgen der von der EU vorgegebenen Direktiven, könnten wir hinzufügen. Aber Lawsons Erkenntnisse haben ohne Weiteres auch Gültigkeit für die inhärenten Widersprüche des Energie-Klima-Glaubens von Barack Obama, Angela Merkel und den (nicht gewählten) Eliten in der Europäischen Kommission oder den UN.

Vor 30 Jahren, als Lawson UK-Kanzler war, bestand der Konsens der Klimawissenschaft in der Theorie, dass der Planet via einer globalen Abkühlung auf dem Weg in eine neue Eiszeit sei. Heute hat sich der Konsens umgekehrt und geht jetzt davon aus, dass wir uns unvermeidlich – dank der menschlichen Kohlenstoffemissionen – auf dem Weg der globalen Erwärmung befinden. In beiden Fällen blieb die Energiesicherheit eine stets präsente praktische Wirklichkeit für Regierungen. Die Klimatologie befand sich damals – und befindet sich auch heute noch – in der Kindergarten-Phase theoretischer Möglichkeiten. Man kann sich dann nur über die krasse Dummheit wundern, die an den Tag gelegt wird, wenn man Energiesicherheit und Klimatheorie als gleich wichtig und gleich einflussreich betrachtet.

UK hat sogar das DECC, also das Department of Energy and Climate Change [= ein Ministerium für Energie und Klimaänderung]. Man kann nicht erwarten, dass man das den Planeten bedrohende Thema Klimaänderung in den Händen von Spinnern [screw-ups] des Met. Office bei der BBC belassen sollte, oder? Ist es nicht viel besser, dieses Thema in die Hände ideologischer Politiker zu legen?

Wie also machen wir uns, wenn wir der Politik innerhalb des Energie-Klima-Paradigmas hinterher dackeln? Hier folgt eine kurze Übersicht der widersprüchlichen Ergebnisse, die all das hervorgebracht hat:

In den USA sind es Schiefergas und –öl, die allein einen äußerst positiven Einfluss auf die US-Wirtschaft hatten und die Industrie revitalisiert haben, trotz der Anti-Kohlenwasserstoff-Politik der Obama-Administration zusammen mit der Vorschriftswut der EPA. Der Umstieg von Kohle- auf Gaskraftwerke hat ebenfalls dazu beigetragen, dass der amerikanische Energieverbraucher derzeit die Hälfte dessen bezahlt, was ein europäischer Energieverbraucher berappen muss. Während die US-Kohleindustrie schwer beeinträchtigt worden ist, gibt es jetzt für die Kohlenexporte aus den USA einen lukrativen neuen Markt – in Europa, wo es hohe grüne Abgaben, Fracking-Verbote und Widerstand gegen die Ausbeutung heimischer Schiefer-Interessen gibt. Das hat dazu geführt, dass die Schwerindustrie von teurem Gas zu billiger amerikanischer Kohle gewechselt hat. Aus dem gleichen Grunde sind auch die Kohlenstoff-Emissionen der USA stärker zurück gegangen als in jedem anderen westlichen Land. Und die bürokratisch geregelten Emissions-Handelsmärkte in der EU sind inzwischen weitgehend zusammengebrochen.

Die dramatische Folge von all dem war, dass die USA Russland als führenden Förderer von Erdgas abgelöst haben. Bzgl. Öl sind die USA jetzt der weltgrößte Erzeuger und China der weltgrößte Importeur. Die Schiefergas- und -ölrevolution ist der einzige Grund, warum sich die USA schneller stabilisiert haben als die Anti-Schiefer- und Pro-Erneuerbare-Wirtschaft in Europa. Ironischerweise wird es fast mit Sicherheit der Anti-Kohlenwasserstoff-Amtsinhaber im Weißen Haus sein, der den politischen Ruhm für die von fossilen Treibstoffen befeuerte wirtschaftliche Erholung in Anspruch nehmen wird.

In Deutschland war die reflexhafte Entscheidung nach Fukushima, der Kernkraft den Rücken zu kehren und auf Wind- und Solarenergie zu setzen, eine Katastrophe [die leider, leider immer noch weiter geht! A. d. Übers.]. Zerquetscht in einer Zange zwischen Dekarbonisations-Zielen sowie nationalen grünen Abgaben und Vorschriften schrumpfen die Energiegiganten des Landes rasch. RWE schließt 6% seiner Energie-Erzeugungskapazität. E.ON überlegt sich den gleichen Schritt. Der dramatische Verlust von Marktanteilen und Marktwert hat ihnen kaum eine andere Wahl gelassen. Der Financial Times zufolge ist der Wert von RWE seit 2007 um ein Drittel gefallen, der Wert von E.ON um 15 Prozent. Letzterer überlegt sich ernsthaft, sich vollständig aus Deutschland zurückzuziehen. Citi Research zufolge wird mindestens bis zum Jahr 2022 keiner der beiden ein Wachstum am Markt zeigen. Angesichts der grünen Subventionen, die sich nach wie vor ein einem Runaway-Modus befinden, ist der ganze Wechsel zu einer grünen Energie-Revolution zu einem umstrittenen politischen Thema geworden. Alles, was es braucht, um Deutschland in den vollen Rückwärtsgang zu werfen, ist ein Scheitern der überdehnten Energieerzeugung im kommenden Winter.

In UK liegen die Dinge ähnlich. Als einzige unter seinen EU-Nachbarn hat UK der Entwicklung der potentiell größten Schiefergas-Reserve des Kontinents grünes Licht gegeben. Unglücklicherweise jedoch – während Schatzkanzler George Osborne unter Leitung der Konservativen darauf brennt, massive grüne Subventionen zu reduzieren (welche die Stromrechnung aller Haushalte um 10 Prozent verteuert haben) und der aufkeimenden Schieferindustrie starke Steuernachlässe zu gewähren, werden die Fäden der Energieerzeugung vom liberaldemokratisch geführten Energieminister am DECC gezogen. Während die Schiefergas-Entwicklung mit viel Radau voran getrieben wird, bleiben die Ziele der Dekarbonisierung und nicht die Energiesicherheit im Brennpunkt des DECC-Ministers (und damit UK). Während des kommenden Winters rechnet man damit, dass lediglich magere vier Prozent mehr als der erwartete Verbrauch erzeugt werden können, eine direkte Folge der Schließung vitaler Kohlekraftwerke und eine Über-Abhängigkeit von Windenergie.

Unter dem Strich bleibt, dass in allen führenden Ökonomien die politischen Maßnahmen hinsichtlich Energiesicherheit und theoretischer Klimaobjektiven offensichtlich unvereinbar sind. Tatsächlich favorisieren die europäischen Demokratien immer noch den Klima-Idealismus und stellen die Dekarbonisierung über ökonomischen Wohlstand und Energiesicherheit – während man gleichzeitig dringend versucht, von der Abhängigkeit russischer Gasimporte wegzukommen.

Ironischerweise hat nur in den USA, die es als Einzige abgelehnt haben, dem Kyoto-Protokoll beizutreten, der freie Markt für etwas gesorgt – trotz der sozialistisch nach Europa-Art anmutenden Steuerung seitens des Weißen Hauses und der EPA –, was die Sackgasse der europäischen Bürokratie und deren zahlreiche Regierungen nie geschafft hat: ein  ökonomisch stabiler Umstieg auf sauberere Energiequellen (in diesem Falle Schiefergas) und wirtschaftliche Erholung mit der gleichzeitig stärksten Reduktion von Kohlenstoff-Emissionen aller industrialisierten Länder.

Am Ende wird die Notwendigkeit von Energiesicherheit und der Einfluss des freien Marktes gewinnen, genauso wie es beim Zusammenbruch der lähmenden Politik des Kommunismus der Fall war. Aber in Europa sieht es so aus, als ob es noch wesentlich größerer wirtschaftlicher Notlagen und Blackouts bedarf, bevor das falsch zusammen geschusterte westliche Energie-Klima-Paradigma – jedes einzelne Teil genauso obszön wie die Berliner Mauer in seinen sozialen Auswirkungen – schließlich abgewickelt wird.

Mehr: http://www.energytribune.com/79474/dismantling-the-wests-energy-climate-paradigm#sthash.9HBwBAQP.l9jyyOvA.dpuf

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Übersetzt von Chris Frey EIKE

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