Kann ein Treibhaus-Klimatologe wirklich objektiv sein?

Joe Bastardi
Nur zu gerne würde ich mich mit Dr. Michael Mann zu einer Debatte treffen. Er ist ein Professor an der Penn State University (PSU) und ich lediglich graduierter Meteorologe ebendort. Mich kennen genug Menschen, ebenso wie ihn, so dass wir also ein gemäßigtes Honorar verlangen und das Eisenhower-Auditorium an der PSU füllen könnten. Das Geld könnten wir vollständig dem Fachbereich Meteorologie an der PSU übergeben, der mir immer noch am Herzen liegt, trotz meines Außenseiter-Status’ hinsichtlich des Themas anthropogene globale Erwärmung.


Aber Dr. Mann würde vermutlich eine Diskussion mit mir über die Haupttreiber von Wetter und Klima ablehnen, weil ich keine höheren akademischen Grade vorweisen kann. Sehen Sie, was ist ein BS [Bachelor of Science] in Meteorologie gegen das hier:

Bildungsweg: A.B. in angewandter Mathematik und Physik (1989)
MS [Master of Science] Physik (1991)
MPhil Physik (1991)
MPhil Geologie (1993)
PhD Geologie & Geophysik (1998)

Alma mater: University of California, Berkeley, Yale University

Das wäre ein KO-Schlag. Welche Chance hätte ich?

Zur Klarstellung: Dr. Manns Laufbahn und überhaupt jeder, der einen PhD in den physikalischen Wissenschaften erlangt, beeindruckt mich. Ich habe fast alles gelesen, was Dr. Mann geschrieben hat, und darum verstehe ich auch, wo er herkommt. Aber es gibt Dinge, die einfach fehlen, wenn jemand nach der richtigen Antwort strebt, und zwar die Methodik, mit der jemand lernt, eine Vorhersage zu erstellen und Fakten gegeneinander abzuwiegen, um zu bestimmen, was geschehen wird. Man muss alles, was sein Opponent hat, genau untersuchen und darf nicht die Augen verschließen vor etwas, das seine Gedanken herausfordern könnte.

Zum Beispiel: Ich habe fast alles gelesen, was Dr. Mann geschrieben hat, aber wie oft hat er sich damit befasst, Erfahrungen bei der Erstellung einer Prognose zu machen, die verifiziert werden muss? Als ein Meteorologe im privaten Bereich, dessen Existenz davon abhängt, richtig zu liegen, ist der Gedanke lächerlich, dass man Klima und Wetter trennen kann. Schon vor langer Zeit habe ich erkannt, dass es zum Erstellen einer guten Vorhersage unabdingbar ist, die Vergangenheit zu verstehen (das hat mir schon mein Vater eingebläut, ein Doktor der Meteorologie). Die Tatsache, dass viele Klimatologen die Beziehung zwischen jetzt und früher herunterspielen oder diesbezüglich von einem Unterschied sprechen, sagt mir, dass sie nicht wissen, wovon sie reden. Mit anderen Worten, ich mache, was sie machen, aber sie machen nicht, was ich mache. Ich lese, was sie schreiben, aber sie werden nicht aufhören, auf die andere Seite zu schauen.

Vielleicht ist es so, wie wir es manchmal beim Sport sehen – der Fluch des Talentes. Die meisten dieser Leute sind wirklich sehr smart. Ich bin mit späteren PhDs in die Schule gegangen und konnte sehen, dass sie im Klassenraum so ähnlich waren wie meine Wrestling-Trainer an der PSU – Kerle, die großartig darin waren, das zu tun, was ihnen natürlicherweise zufiel. Allerdings hat mein Wrestling-Traienr gewöhnlich betont: wenn man daran gewöhnt ist, dass jeder zu einem kommt, ist es sehr schwierig, sich zu ändern und sein Niveau zu erhöhen. Als Folge wird man an seinem schwächsten Punkt getroffen und bei dem, was man nicht weiß. Und an dieser Stelle kommt die Methodik der Vorhersage-Erstellung in die Klimadebatte.

Sehen Sie, bei dem, was ich tue, muss ich Faktoren gegeneinander abwiegen und entscheiden, welche Faktoren die Wichtigsten sind. Außerdem gewöhnt man sich an Herausforderungen, vor denen man in der Forschung niemals steht. Wie das? Nehmen wir mal an, jemand übergibt ihnen eine Zuwendung, um die globale Erwärmung zu studieren. Können Sie dann kommen und sagen: „Laut meiner Forschung gibt es keine globale Erwärmung!“? Man hat Ihnen Geld gegeben, damit Sie ein Ergebnis vorlegen; wie in aller Welt können Sie dieses Ergebnis rechtfertigen, wenn dieses Ergebnis ohnehin herausgekommen wäre, ohne dass es etwas gekostet hätte?

Bei meiner Arbeit ist meine Bezahlung (d. h. Kunden zu haben) vom korrekten Ergebnis abhängig. Der Kunde sagt nicht: „Ich möchte einen kalten Winter. Hier haben Sie das Geld, sagen Sie es vorher!“ Der Kunde fragt nach einer Vorhersage, die ihm eine Planungsgrundlage liefert. Falls man recht hat, wird der Kunde wiederkommen; falls nicht, heißt es auf Wiedersehen. Aber es gibt kein Geld für ein gewünschtes Ergebnis. Dies bedeutet, dass der Forecaster* sich nicht darum kümmert, ob es warm oder kalt ist, sondern nur darum, die richtige Antwort zu bekommen, wie auch immer diese aussieht. Dies ist im Bereich AGW der Akademia nicht der Fall. Forschungsgelder gibt es nur für das Aktuelle des Tages – man versuche mal, eine Zuwendung zu bekommen, um AGW zu widerlegen (tatsächlich braucht man eine solche auch nicht; es ist simpel, sie einfach mit den Ereignissen der Vergangenheit zu widerlegen).

[*Das Wort Forecaster könnte man natürlich mit Prognostiker übersetzen, aber mein Freund, der Meteorologe Hans-Dieter Schmidt hat mich darauf hingewiesen, dass man bei dem Begriff Prognostiker auch an Wirtschafts- oder sonst welche Propheten denkt. Forecaster hingegen ist im Angelsächsischen ein so stehender Begriff und strikt auf den Wetter-Prognostiker beschränkt, dass ich ihn in der Übersetzung beibehalten möchte. A. d. Übers.]

Wenn ich dies sage und an die Klimadebatte denke – auf welche Faktoren schaue ich, um zu einem Ergebnis zu kommen? Für mich ist das eine sehr große Vorhersage, und die einfache Antwort lautet: Es ist schwierig zu begründen, dass CO2 irgendetwas bewirken kann, das über seine zugewiesene „eingeschachtelte“ Wirkung auf die Temperatur hinausgeht, und zwar wegen all dem, was darum herum liegt. Man kommt dann auf die Sonne, die Ozeane und stochastische Ereignisse über lange Zeiträume mit Aktion und Reaktion. Das alles im Vergleich zu 0,04% der Atmosphäre und einem Hundertstel von Treibhausgasen.

Aber wenn man nicht jeden Tag mit einer Situation konfrontiert wird, die einen daran erinnert, dass man falsch liegen kann, ist man auch die Herausforderung und die Verantwortung, richtig zu liegen, nicht gewohnt.

Und es gibt noch ein anderes großes Problem: Was ist, wenn man all dieses Wissen hat, seinen Standpunkt darauf gegründet hat, und wenn es sein ganzes Leben ist – wie kann man dann noch objektiv sein? Die Klimadebatte und Wetterereignisse in der Vergangenheit sind notwendige Bausteine für mein Produkt. Dieses Produkt ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung. Im Falle eines PhD auf der AGW-Seite glaubt man, dass der Gedanke das Produkt ist. Verwirft man den Gedanken, zerstört man das Produkt; zerstört man das Produkt, zerstört man die Person. Daher ist es persönlich. Dein ganzes Leben – all die kriecherischen Studenten, der Status eines Rockstars – alles wäre weg. Ich würde es hassen, in einer solchen Lage zu stecken. Jeden Tag, wenn ich aufstehe, ist es das Gleiche – das Wetter fordert mich heraus. Die Antwort ist die Frucht meiner Arbeit, nicht deren Gegen­stand. Deswegen wird man immer danach trachten, mit der richtigen Antwort aufzuwarten und nicht mit einer vorbestimmten Antwort, von der seine Selbstachtung abhängt.

Also haben diese Giganten der Wissenschaft ein fundamentales Problem, das ihrer Natur völlig zuwider läuft. Am Ende könnte es das große Talent und die Brillanz vieler dieser Leute sein, die sie blind macht für das, was man braucht und machen muss, wenn man wirklich die Wahrheit ergründen will.

Joe Bastardi ist leitender Forecaster bei WeatherBELL Analytics, einer meteorologischen Beratungsfirma.

Link: http://patriotpost.us/opinion/21026

Judith Curry hat über diesen Beitrag einen weiteren Beitrag geschrieben. Der Link: http://judithcurry.com/2013/10/20/perspective-from-a-weather-forecaster/.

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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2 Kommentare

  1. Ein interessanter Artikel. Der Mann hat also keine Argumente, er ist einfach nur neidisch auf Leute, die die Atmosphäre besser verstanden haben als er. Wettervorhersage ist eine hübsche und anspruchsvolle Tätigkeit, aber wenn man diese Disziplin zum Maß aller Dinge macht und damit andere Wissenschaften bewerten will, ist man nichts weiter als ein beschränkter Nerd.

  2. Als mir mein Freund, der Übersetzer, diesen Text gezeigt hat, bin ich regelrecht vom Sessel aufgefahren! Endlich mal einer wie ich! Jedes Wort von Bastardi kann ich unterstreichen! Er ist wie ich ein – wie es im Englischen so schön heißt – „Bench Forecaster“. Und wie sein Dienst ist auch meiner natürlich auf die Kundezufriedenheit angewiesen.
    Nun sind aber Forecaster auch Menschen – mit Vorlieben und Abneigungen. Während meines Studiums (abgeschlossen vor über 30 Jahren) habe ich während der Praktika immer wieder die Warnung gehört, nicht bestimmte Vorlieben in die Wettervorhersage einfließen zu lassen! Ich bin immer ein Wetterfreak gewesen und habe natürlich Wetter-Vorlieben! Interessantes Wetter ist immer besser als langweiliges Wetter. Und seit dem achte ich bei allen meinen Prognosen darauf, dass sie nicht zu meinem „Wunschwetter“ hin verzerrt sind.
    Beim IPCC scheint man absichtlich irgendein „Wunschwetter“ oder besser „Wunschklima“ konstruiert zu haben. Und mit voller Absicht wird alles, was es von sich gibt, in diese Richtung verzerrt hoch zwei!

    Aber alles hat ein Ende. Allerdings wird es wie bei der Energiewende wohl ein Ende mit Schrecken sein – was aber immer noch besser ist als ein (wachsender) Schrecken ohne Ende.

    Danke, Joe Bastardi! Sie sprechen allen Forecastern, denen ihre Arbeit am Herzen liegt, aus der Seele!

    Dipl.-Met. Hans-Dieter Schmidt

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