Man sagt nicht: Grüne Subventionen haben das deutsche Energie-Chaos erzeugt

Tony Barber
Deutschlands neue Regierung wird die Aufgabe haben, das unheilige Durcheinander zu bereinigen, das mit der Bezeichnung ‚Deutsche Energiepolitik’ verbunden ist. Einfach gesagt, der Zustand ist nicht nachhaltig. Ungeduld, nicht Enthusiasmus war die Reaktion der deutschen Wirtschaftsmanager auf Angela Merkels deutlichen Wahlsieg. Kaum waren die offiziellen Ergebnisse bekannt gegeben worden, als auch schon die Top-Manager der größten Unternehmen eine Pressekonferenz einberufen haben, auf der sie einen Appell nach politischen Initiativen hinsichtlich Energie und Infrastruktur veröffentlichten. Die Schnelligkeit ihrer Aktivitäten zeigte ihren Zweifel daran, dass die nächste Regierung die Dringlichkeit ihres Appells überhaupt versteht.

Die Gründe liegen auf der Hand. Die kuriose Konsequenz von Frau Merkels Triumph ist, dass die einzigen potentiellen Parteien als Koalitionspartner für ihre Mitte-Rechts-Partei CDU den linken Teil des politischen Spektrums in Deutschland abdecken. Angesichts der Tatsache, dass sie es nicht geschafft hat, in ihren vergangenen vier Regierungsjahren zusammen mit ihrem bevorzugten politischen Partner, den Freien Demokraten, eine kohärente Energie- und Infrastruktur-Politik zustande zu bringen – warum sollte man dann ein überzeugenderes Ergebnis erwarten, wenn sie mit ihren Gegenspielern regiert?

Trotzdem gibt es aber gute Gründe für die Annahme, dass die nächste Regierung, wie auch immer sie aussehen mag, versuchen wird, die Dinge gerade zu rücken, indem mehr für Infrastruktur ausgegeben wird und durch die Bereinigung des unheiligen Durcheinanders, dass mit der Bezeichnung Deutsche Energiepolitik verbunden ist. Einfach gesagt, der Zustand an beiden Fronten ist nicht nachhaltig. Kein Ereignis spiegelt die jahrelange Unterfinanzierung besser als die zeitweilige Schließung des Nord-Ostsee-Kanals, weil zwei Schleusen baufällig waren. (…)

Für die deutsche Wirtschaft wird es sogar noch wichtiger sein, eine gründliche Reform der Energiepolitik zu entwerfen und zu implementieren, befindet sich diese doch im Zustand des Chaos’ seit Frau Merkels Entscheidung, die Kernkraft aufzugeben und sich auf einen Mix aus anderen Energiequellen zu stützen. Dies geschah mit ungewöhnlicher Plötzlichkeit nach der Havarie in Fukushima im Jahre 2011. Im Einzelnen sollen Erneuerbare bis zum Jahr 2050 80% des deutschen Strombedarfs decken. Während einige Unternehmen durch die gewaltigen Investitionen in erneuerbare Energie profitiert haben, sind die meisten Industriellen immer noch empört über die mangelnde Voraussicht hinter dieser Entscheidung: Mr. Grillo hat Frau Merkel auf einer BDI-Konferenz im Juni vorgeworfen, dass sie mit ihrer Politik den „Stecker aus der deutschen Industrie zieht“. (…)

Die deutsche Wirtschaft wünscht sich von der nächsten Regierung nichts weiter als politische Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit fördern und nicht behindern. Oberste Priorität muss es sein, die durch Subventionen entstehenden Verzerrungen des Energiemarktes zu reduzieren.

Full story (paywalled)

Link: http://www.thegwpf.org/say-green-subsidies-generated-german-energy-chaos/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

Anmerkung des Übersetzers: Das hier ist eine fundierte Einschätzung der Vorgänge in D durch eine Stimme von außerhalb. Man hätte natürlich gerne den ganzen Artikel gesehen, aber nach meinen Erfahrungen mit der GWPF steht in diesen Kurzversionen das Wesentliche auch drin.

Wenn jemand weitere, ausführlicher Stellung nehmende Stimmen von außerhalb zu unserem Energiechaos findet, bin ich für einen Hinweis dankbar. Falls zeitlich möglich, werde ich ihn übersetzen.

C. F.

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9 Kommentare

  1. Soso, das Ausland macht sich also Gedanken über unsere Energiewende und unsere Infrastuktur.
    Zu letzterer habe ich bereits vor fünf Jahren aus berufenem Munde vernommen, daß man im Grunde keine neue Infrastruktur schaffen dürfte, da bereits die Instandhaltung der vorhandenen die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen übersteigt. Mein Eindruck ist aber, daß immer, wenn die Regierung von Infrastruktur redet, deren Neuschaffung und eben nicht die Instandhaltung gemeint ist.
    Was sich jetzt rächt.

    Wenn die Industrie sich die Änderung des EEG wünscht (und um nichts anderes geht es), verfehlt sie zu erkennen, daß der neue Koalitionspartner der Union in jedem Falle eine fundamentalistischere Haltung zur Energiewende mitbringen wird, soweit das überhaupt vorstellbar ist. Das sieht der Artikelautor ganz richtig voraus.
    Die FDP ist todgeweiht; ich persönlich glaube nicht an deren Wiederkehr. Ich denke, der Jubel der linken Parteien über die FDP-Verluste wird sich noch wandeln; ohnehin war es eine Wahl der Pyrrhussiege – die Union wird in einer Koalition kräftig Federn lassen, und im Vergleich zur AfD, die der FDP jeden Rang in Zukunft ablaufen wird, war doch die FDP noch zahm und ließ sich in den Mainstream lenken; das wird mit der AfD nicht mehr gehen.
    Und jede Zuspitzung der Europrobleme (die unvermeidlich ist) und Heraufdämmern der Erkenntnis, daß die Energiewende undurchführbar ist, wird der AfD weitere Stimmen in die Kassen spülen; die brauchen gar nichts zu machen, das geht von allein.

    Für mich war kurz nach der Wahl „Hart aber fair“ ein Schlüsselerlebnis.
    Die unsägliche Bärbel Höhn von den Grünen erklärte im vollen Ernst, es ginge darum, in absehbarer Zeit 100% des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen.
    Und wissen Sie, was geschah?
    Da waren ein Moderator, ein französischer Automobilmanager, unser Umwelt- und Energieminister Altmaier, eine junge Frau, die sich für eine Schriftstellerin ausgab und ungefähr 100 Leute Publikum.
    100% aus erneuerbaren Energien.
    Keine Buhrufe, keine höhnischen Pfiffe, kein Gelächter.
    Keiner beugte sich zu Frau Höhn und sagte: „Ach? Interessant. Erklären Sie doch mal Grundlast, Mittellast, Spitzenlast. Sie werden ja sicher wissen, wieviel kWh Strom Deutschland an einem Sommer- und an einem Wintertag im Schnitt braucht. Auch, daß es Industrien gibt, die sich Stromausfälle im Millisekundenbereich nicht leisten können. – Erklären Sie mal, wie man das macht. Vielleicht ist die Grüne Partei ja im Besitze der Formel für Teslas Raumenergie, nach der seit 100 Jahren gefahndet wird. Ich bin wirklich neugierig.“
    Es geschah nichts.
    Alle Anwesenden taten so, als hätte Frau Höhn etwas ganz normales gesagt.
    Herr Altmaier ging gar nicht darauf ein. Er schmatzte nichtmal mißbilligend mit seinen dicken Lippen.
    Aber was hätte er auch sagen sollen.
    Ich meine, es gibt ja nur zwei Varianten: Er weiß es selber nicht besser oder er weiß es und hat begriffen, daß in der aufgeheizten Situation gar keine Antwort in Frage kommt. Zu groß die Gefahr, wenn er das grundsätzlich anzweifelte und etwas sagte wie: Das ist undurchführbar. Morgen bräche ein Sturm in der Presse los unter der Überschrift: „Altmaier bezweifelt Durchführbarkeit der Energiewende.“ Der Mann würde unter dem tosenden Beifall der Opposition von der Journaille öffentlich geschlachtet, und seine Partei gleich mit.
    So weit haben wir es gebracht.
    Immerhin hat man sich darauf geeinigt, sobald das Wort „AfD“ fällt, einfach „Nazi“ zu sabbern. Damit entfällt dann auch die Diskussion mit der einzigen Kraft, die bis dato befähigt war, das Projekt anzuzweifeln.

  2. Die Vorstände der Wirtschaft, aber hauptsächlich der Energieunternehmen, haben viel zu lange geschlafen, bzw. die willigen Abnicker der Politik gegeben.
    Eitle Manager sonnen sich im Windschatten von unfähigen Politikern in der Öffentlichkeit.
    Als Negativbeispiel möchte ich da Herr Zetsche nennen, der, nach meiner Meinung zumindest, auf einer Pressekonferenz mit Merkel wie ein „Wackeldackel“ auf der Hutablage wirkte.
    Die Interessen der deutschen Industrie können nicht mit der ideologischen Traumwelt von Politikern kompatibel sein.
    Ob „Energiewende“ oder „Elektroauto“, kein Unsinn ist groß genug, als das sich nicht noch ein Vorstand der Industrie findet, der diesen Blödsinn mit freundlichen Worten begleitet.
    Eine klare Opposition mit unterlegten Fakten wäre von Anfang an nötig gewesen.
    Jetzt ist die Industrie in der Defensive und lässt sich von technischen Analphabeten am Nasenring führen.

  3. @ #6 H. Böger

    Das nötige Wissen zur Beurteilung der sog. „erneuerbaren Energietechnik“ kann Latif im Grundstudium nicht erworben haben. Dementsprechend fallen dann auch seine Aussagen aus, die Reimar Lüst dazu veranlaßt hat „ihm“ und anderen Experten der Meteorologie aus dem Klimaforschungsbereich zu sagen: Schuster, bleibt bei eurem Leisten und betätigt euch nicht außerhalb eures Fachbereiches als Experten“, denn dadurch beschädigt ihr die Wissenschaft.

    Was die „nachhaltige Aufklärung“ betrifft, sei an den jetzt wieder beginnenden Hype des Papsttums aufmerksam gemacht und die Renaissance der Kopftücher in der Türkei und anderswo.
    Luther rotiert sicher in seinem Grab angesichts des modernen Ablaßhandels zur Mästung der Schamanen.

  4. Zu #5:
    Herr Heinzow, das war mir nicht bekannt – 2 Jahre BWL – das reicht an ökonomischem Wissen, besonders im Hinblick auf Frau Merkel und den Juristen Schäuble.
    Das mit der tiefreligiösen Bindung – das macht mir richtig Sinn, weil, wenn man sich da mal festgelegt hat – und sei es im ideologisch-gläubigen Raum – dann kommt man halt nicht so schnell davon ab. Hat es in „Europa“ wirklich eine Aufklärung mit „nachhaltigem“ Erfolg gegeben?

  5. @ #2

    Mojib Latif hat BWL (von 74 – 76) studiert. Allerdings dürfte er nicht allzuviel davon begriffen haben, denn sonst würde er den ökonomischen Unfug über die wundersame positive Wirkung einer wegen Unwirtschaftlichkeit längst ausrangierten Technik (Windmühle, Biomasseverbrennung etc.) nicht verbreiten. Man sollte allerdings nicht vergessen, daß er ebenso wie die Kanzlerin (die den Blödsinn auch verbreitet bzw. verbreiten läßt) aus tiefstreligiös geprägten Familien stammt. Da kommt es schon vor, daß der Glaube (zumindest virtuell) Berge versetzt.

    Angeblich sollte es ja in D auch keine langen und schneereichen Winter mehr geben … .

  6. @ #3

    Es geht der Frau Kanzlerin um die Macht und da ist ihr jedes Mittel recht. Aufgrund ihrer Sozialisation in einem „Machtapparat“ hat sie gelernt mit dem „Mainstream“ zu schwimmen, der aufgrund der Machtverhältnisse vorgegeben war.

    Zu Zeiten der Dominanz der totalitären Religionen war das nicht anders. Wer die Information beherrscht, beherrscht auch das Volk, egal wie viel Blödsinn da transportiert wird, ob nun von der Kanzel herab in lateinischer Sprache oder per Volksverdummungsapparat in die Wohnstuben des absichtlich dumm gehaltenen Volkes, denn wieso braucht es in einem Land mit dem besten Bildungssystem der Welt noch zusätzlicher Ausgaben für „Bildung“?

    Gestern auf Phoenix konnte man mal wieder die Behauptung hören, daß die Zwangsabnahme von extrem teuren Strom zu insgesamt niedrigeren Strompreisen führen müßte.

    Da wird dann aus 2 + 2 = 3 gemacht und die dämlichen Schildaner merken nicht, welcher Quatsch ihnen da aufgetischt wird.

    Mit der Wärme, die in den Tiefen der Ozeane angeblich verschwindet, verhält es sich nicht anders. Aber welcher Bundesbürger weiß denn schon, wie Konvektion funktioniert und was eine Inversion ist?

    Oder welcher Bundesbürger weiß wie ein Bleiakku funktioniert und was der Wirkungsgrad ist?

  7. Dass das „Ziel“ bis 2050 80% des Strombebarfs aus sogenannten „Erneuerbaren“ zu decken der Utopie unterliegt, dürfte der Kanzlerin bekannt sein…dies trifft im Besonderen zu, da sie als naturwissenschaftlich gebildete Person die Zusammenhänge einzuschätzen vermag! Schön wäre es auch, wenn sie die in der Öffentlichkeit verbreitete Einschätzung des letzten „Klimaberichts“ des IPCC politisch unfrisiert ließe…

  8. Heute im DlF Herr Mojib Latif, annonciert als der Klimaexperte schlechthin: Deutschland hat viel zu wenig in den letzten Jahren für die „Erneuerbare Energie“ getan. Dabei hätte Deutschland als einziges Land die wunderbare Gelegenheit, aller Welt zu zeigen, wie es möglich ist, erneuerbare Energie und Wachstum mit einander erfolgreich zu verbinden! Noch sei es nicht zu spät. (Er vergaß dabei natürlich nicht, auf das horrende Ansteigen der Weltmeere hinzuweisen, was sich noch furchtbar auswirken wird!)
    Offensichtlich ist dieser ausgewiesene Wissenschaftler, der mit seinen Prognosen munter gescheitert ist, aber weiterhin von der grüninvasierten Presse als unumstößlicher Experte (Klimasäulenheiliger?) eingesetzt wird, nun offensichtlich erfolgreich in eine neue wissenschaftliche Position hinübergewechselt: in die Makro-Ökonomie.
    Da wird er aber bei Mutti sehr gut ankommen, dealt sie ja auch als ausgewiesene Physikerin (Promoviert! Bitte schön) hervorragend auf der staatswirtschaftlichen Ebene. Mit allergrößtem Erfolg, an dem dann auch noch die Kindeskinder zu tragen haben. Ist doch was, oder? Wer hinterläßt solch einen staatsökonomischen Erfolg ohne Krieg geführt zu haben? Das muß man mal erst bringen.
    Und nun möchte ich mich all den Vorgängern anschließend endlich auch mal Herrn Frey für seine vorzügliche Arbeit meinen herzlichen Dank sagen.

  9. Herrlich! Wir Deutschen kreieren mal wieder einen Begriff, der weltweit verstanden werden wird. So wie ‚Waldsterben‘ und ‚German Angst‘ und eininge mehr wird es weltweit bald ein gefügeltes Wort sein, vom ‚German Energy-Chaos‘ zu sprechen.

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