Neues zu Fracking in UK

Hier folgen zwei Beiträge, die zeigen, dass man hinsichtlich der Diskussion um das Fracking in Großbritannien offenbar rasante Fortschritte macht. Der Premierminister höchstpersönlich hat inzwischen in diese Diskussion eingegriffen und vor erheblichen Nachteilen gewarnt, falls man in UK diesen Zug verpasst.
Der zweite Beitrag ist ein Editorial der Zeitung „The Independent“, in dem ein Kardinalfehler in dieser Hinsicht angeprangert wird. Da mir das in Deutschland ganz ähnlich zu sein scheint, folgt auch dieser Beitrag hier in der deutschen Übersetzung.
Chris Frey, Übersetzer


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David Cameron: „Wir verpassen einen wichtigen Zug in Richtung billigen Schiefergases”

Kim Pilling

UK würde „einen riesigen Fehler machen”, wenn nicht sofort ernsthaft das Fracking in Betracht gezogen wird sowie die Aussicht auf billigere Gaspreise, hat der Premierminister gewarnt.

David Cameron zufolge „verpasst unser Land einen wichtigen Zug“. Er hatte die Anzahl von Schiefergas-Bohrungen in der Europäischen Union mit der in den USA verglichen. Aber er machte auch geltend, dass Sicherheitserfordernisse erfüllt sein müssen und das „ganz eindeutig“ Umweltprüfungen stattfinden müssten, bevor man Unternehmen genehmigt, mit dem Fracking zu beginnen.

Die Wirtschaft braucht eine Neuausrichtung, und ein Schlüsselfaktor hierfür ist die Notwendigkeit bezahlbarer Energie, fügte er hinzu. „Ich glaube, wir machen als Nation einen gewaltigen Fehler, wenn wir jetzt nicht intensiv darüber nachdenken, wie man das Fracking voranbringen kann mit der Folge niedrigerer Preise hier in UK“, sagte er bei einer Fragestunde [a Q&A-Session] in Crown Paints in Darwen, Lancashire.

„Wenn man sieht, was in Amerika durch die Einführung von Schiefergas und Fracking passiert, erkennt man, dass die Energiekosten dort für die Industrie und die Gaspreise etwa halb so hoch sind wie bei uns. Wir sehen Unternehmen, die schon nach Mexiko oder anderswohin abgewandert waren, in die USA zurückkehren.

Nichts passiert in diesem Land, es sei denn, es ist sicher für die Umwelt. Keine Frage, dass die Gefahr von Erdbeben und Feuer aus den Löchern oder so besteht. Es wird sehr eindeutige Umweltverfahren geben mit der Ausgabe von Zertifikaten, die man vorweisen muss, bevor man mit dem Fracking beginnt“.

Er sagte, dass Gemeinden in den USA schon jetzt die finanziellen Vorteile der Bohrung nach Schiefergas fühlen und dass Gemeinden in UK ähnliche Vorteile einfahren würden.

In der EU gibt es drei Viertel der Schiefergasmenge wie in den USA, so dass wir derzeit einen wichtigen Zug verpassen“, fügte er hinzu. „Ich möchte sicherstellen, dass wir in UK diesen Zug eben nicht verpassen!“

PA

Link: http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/were-missing-out-big-time-on-cheaper-shale-gas-says-david-cameron-8752953.html

Ein Fracking-Fehlschlag

The Independent – Editorial

Regierung und Industrie haben die erste unabdingbare Aufgabe übersehen: nämlich die Öffentlichkeit zu überzeugen

Die Fronten des Krieges sind gezogen. 30 oder mehr Zelte sind in einem kleinen Dorf in West-Sussex aus dem Boden geschossen, als sich Demonstranten zusammen gefunden hatten, um gegen das Fracking zu protestieren. Cuadrilla, ein Unternehmen, das danach trachtet zu erkunden, ob es Schiefergas in den Gebiet gibt, macht aber trotzdem mit seinen Erkundungsbohrungen weiter. Aber die Protestierer – eine Mischung aus lokalen Anwohnern und hartgesottenen Aktivisten aus dem ganzen Land – ziehen sich auch nicht zurück. Es ist traurig sagen zu müssen, dass Balcombe lediglich der erste Schauplatz derartiger Proteste sein wird. Noch trauriger ist es zu sagen, dass das nicht hätte sein müssen.

Über Fracking ist schon lange kontrovers diskutiert worden. Flüssigkeiten werden unter hohem Druck in den Untergrund gepresst. Das bricht die Felsen auf und setzt das darin enthaltene Gas frei. Kritiker warnen vor Erdbeben, Verschmutzung des Grundwassers und Luftverschmutzung. Es gibt sogar aus den USA Märchen über Feuer, das aus Wasserhähnen kommt.

Die Technik weist sicher noch Kinderkrankheiten auf. Es war auch nicht hilfreich, dass die frühe Erkundung nahe Blackpool mit zwei seismischen Erschütterungen in Zusammenhang gebracht worden war. Aber die Beweise potentiell riesiger Gasmengen unter unseren Füßen können nicht ignoriert werden. Energie ist eines unserer drängendsten Probleme. Strompreise schrauben sich immer weiter in die Höhe, nähern sich doch die Lagerstätten in der Nordsee der Erschöpfung. Außerdem drückt die Klimapolitik immer stärker. Wir sind auch zunehmend der Unsicherheit von Aufkäufen im Ausland ausgesetzt. Eine neue heimische Quelle sauberen Gases würde diese Lage verändern, und zwar durchweg zum Besseren.

Lässt man rhetorische Ergüsse einmal außen vor, lag der Kanzler nicht sehr daneben, als er Schiefergas als „die Zukunft“ beschrieb. Es war richtig, dass er das Steuersystem zur Förderung der Erkundung optimiert hat. Der Vorschlag möglicher Zuckerhappen für lokale Anwohner, vielleicht in Gestalt niedrigerer Energiepreise, ist auch keine schlechte Sache. Angesichts der wohlbekannten – wenn auch auf Fehlinformationen beruhenden – Sorgen hinsichtlich Fracking (und die lange Tradition in UK nicht zu vergessen, gegen alles Neue zu opponieren), werden solche Leckerbissen jedoch niemals ausreichen. Und doch hat weder die Regierung noch die Industrie viel getan, um die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen.

Es gibt Risiken hinsichtlich Fracking. Aber die Technologie ist ausgereift, und sorgfältige Regulierungen können eine Menge dazu beitragen, die Gefahren bei ersten Erfahrungen in den USA zu vermeiden. Das hätte man sorgfältig und eindeutig erklären sollen. Obwohl Lord Howell – zu Recht – ausgelacht worden ist für seinen Vorschlag, die Erkundung in den „desolaten“ Norden zu verlagern, enthält sein krasser Vorschlag doch einen Funken Sinnvolles. Es wäre vernünftig gewesen, ein erstes Schiefergas-Bohrloch in einer abgelegenen Gegend zu etablieren oder dort, wo es Unterstützung vor Ort gibt. Eine solche Einrichtung könnte dann als Beispiel angeführt werden, eine zögerliche, skeptische oder wirklich ängstliche Öffentlichkeit anderswo zu überzeugen.

Stattdessen gibt es Kriegsfronten in Balcombe. Fracking wird zu einer hoch politischen Angelegenheit, und die Besorgten, die Anhänger des St.-Florian-Prinzips und die Betonköpfe von Aktivisten werden zu einer unheiligen Allianz. Schiefergas hat das Potential, ein großer Segen für UK zu werden. Er wäre eine Tragödie, wenn man diese Gelegenheit nicht nutzen würde.

Link: http://www.independent.co.uk/voices/editorials/a-fracking-failure-8752145.html

Alles übersetzt und mit einer Einführung versehen von Chris Frey

AKTUALISIERUNG vom 14. August 2013: Fracking nach Schiefergas erfährt in UK starke Unterstützung

Michael Bird, City A.M.

Eine neue Umfrage zur Haltung der Öffentlichkeit gegenüber dem Fracking hat gezeigt, dass mehr Menschen Fracking unterstützen als ablehnen.

Die Umfrage, durchgeführt von ICM für den Guardian, zeigte, dass fast die Hälfte, 44%, sagte, dass Fracking in UK betrieben werden sollte. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Mehrheit der Befragten in jeder Altersgruppe das Fracking befürworten.

Im Gegensatz dazu glauben nur 30%, dass man in UK überhaupt kein Fracking betreiben sollte.

Auf die Frage, ob sie dem Fracking nahe ihrer Wohnorte zustimmen, sagten 41% immer noch ja, beinahe genauso viel wie die 40%, die das abgelehnt haben.

Trotz des jüngsten Vorschlags von Lord Howell von den Tories, dass man Fracking in den „abgelegenen“ Gebieten im Nordwesten von England durchführen sollte, ist die Zustimmung zur Extraktion von Gas im Norden am höchsten, sind doch dort 45% der Menschen dafür und nur 28% dagegen.

Über das Wochenende hat Premierminister David Cameron seine Unterstützung für diese Technik bekannt gemacht, von der die Unterstützer hoffen, dass sie zu einem Rückgang der Energiepreise führt.

City A.M. 14 August 2013

Siehe auch: Brits give thumbs-up to shale gas slurping in university-run poll  – The more you scare us, the more we ignore you

Link: http://www.thegwpf.org/fracking-shale-gas-attracts-strong-support-uk/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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3 Kommentar(e)

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1
Klaus Jankowsky

"Vielleicht mit einer Mahnwache am Rande des Moores."

Und Kerzen in der Hand natürlich.

2
Dirk Weißenborn

"Keine Frage, dass die Gefahr von Erdbeben und Feuer aus den Löchern oder so besteht."

Die prinzipielle Gefahr von "Feuer aus den Löchern" besteht beim einem Methangasanteil zwischen ca, 5 und 15% an der Luft immer. Das nennt man ein zündfähiges Gemisch.

Die Gefahr besteht bei jeglichem Umgang mit Erdgas grundsätzlich immer, gleichgültig ob das Erdgas nun konventionell oder unkonventionell gewonnen wurde.

Neben den "Frack-Alarmisten" gibt es mittlerweile auch Aktivisten, die gegen jegliche Erdgasförderung in unserem Land zu Felde ziehen.

Hoffentlich wohnen Sie nicht in Moorgebieten, denn sonst müssten sie die Schließung des Moores als Methangasquelle verlangen.

Vielleicht mit einer Mahnwache am Rande des Moores.

3

Der zweite Teil aus "The Independent" weist noch ein zweites Kardinalproblem auf: Mediale Desinformation zum Thema. Auch wenn der Artikel insgesamt sachlich verfasst ist, beinhaltet er doch (fatale) Fehler. Zum einen handelt es sich bei der angesprochenen Bohrung in Balcombe, West-Sussex nicht um eine Bohrung zur Exploration von Schiefergas, sondern um eine Bohrung zur Erkundung einer konv. Erdöllagerstätte. Eine Fracmaßnahme dafür ist nicht geplant (Eigenauskunft von Cuadrilla: http://kurzlink.de/PjUgAB73x). Zweitens wird von "Kinderkrankheiten" bei der Fractechnik gesprochen, was ziemlich irritierend ist, da das Hydraulic Fracturing, mit technischen Fortschritten seitdem, seit 1947 weltweit 2 Millionen Mal angewendet wurde.

Welche Macht bei der negativen Meinungsbildung zum "Fracking" die Medien haben, habe ich in einem aktuellen Beitrag auf meinem Blog zur "Korbacher Resolution" der deutschen Anti-"Fracking"-Bürgerinitiativen analytisch angerissen: http://kurzlink.de/yq4xPM7bT