Schiefergasförderung ein weltweiter „Game Changer“ oder Luftnummer?

von Bernd Hartmann
Dem Leser soll hier die Denkweise in Russland über Schiefergas näher gebracht werden. Ganz sicher ist sie in dieser oder jener Form mehr politisch geprägt als bei uns. Die Handschrift von Gazprom paußt sich so gut wie immer durch. Es wird als sinnvoll erachtet, die russische „Schiefergasdenkweise“ über die Übersetzung des entsprechenden russischen Wikipediaeintrages zu gewährleisten. Jedoch sind die im russischsprachigen Schiefergasartikel angegebenen Zahlen sehr schwer zu verifizieren (besonders Angaben zu den Selbstkosten) und man sollte sie auch mit gewisser Vorsicht genießen! Man sollte ebenso immer besonders beim Betrachten von Zahlen ins Kalkül ziehen, dass es bereits seit Sowjetzeiten Tradition hat, Angaben aller Art (Qualität, Quantität, geogr. Lage u.a.) über jegliche Rohstoffe hinsichtlich des eigenen Landes geheim zu halten. Man misst Zahlenangaben über Rohstoffe verständlicherweise eben enormen strategischen Wert bei. Deshalb sind derartige Angaben auch sehr begehrte Objekte russischer geheimdienstlicher Tätigkeit im Ausland.


Sehr geehrte Leserinnen und Leser von EIKE,

vor etwas nun mehr als 3 Jahren verfasste ich für EIKE einen Beitrag zum Thema Schiefergas und Fraccing. Vor drei Jahren benutzte ich im Titel des Beitrages über Schiefergas das Wort „Euphorie“(mit Fragezeichen). Bis heute halte ich es für angebracht, das Wort „Euphorie“ im Zusammenhang mit Schiefergas zu nutzen. Wenn Euphorie denn nun im Spiel sein mag, meine ich schon rein instinktiv, unbedingt alle Vorsicht walten zu lassen.

            So geschah es unlängst, dass ich u.a. auch bei Wikipedia über das Thema „Schiefergas“ nachlas. Mein klischeehaftes  Bild von Wikipedia hatte sich wieder einmal voll und ganz bestätigt: Der deutschsprachige Beitrag war, wie so oft, der am wenigsten erschöpfende.Buchstäblich alle im Beitrag gemachten Querverweise stammen aus einer „Ecke“ sowie auch sonstige Quellenangaben. Wie sich erweist, ist der Beitrag nicht nur nicht objektiv, sondern vergleichsweise auch noch sehr luschig verfasst. Im englischsprachigen Beitrag gibt es z. B. hinsichtlich Bemerkungen zur Umweltverträglichkeit auch entsprechende Anmerkungen. Andererseits, g wurde im russischsprachigen Beitrag auch ein Wort über mögliche Beeinflussungen der Umwelt verloren.

            Ganz kurz über Wikipedia: Wikipedia kann man zum heutigen Zeitpunkt besonders mit Anspruch auf Wissenschaftlichkeit für eine nicht im geringsten als zitierenswürdig zu bezeichnende Quelle bezeichnen. Auf der anderen Seite liegt Wikipedia eine hervorragende Idee zu Grunde – nämlich die, für alle über das Internet den Zugang zu Wissen bzw. Informationen unter Abschöpfung möglichst allen in der Gesellschaft vorhandenen Wissens zu gewährleisten. Und dies alles unter kleinstmöglichem Aufwand für alle beteiligten Seiten! Eigentlich eine tolle Idee! Ganz sicher ist auch, dass mit der Zeit Wikipedia zu einer immer mehr ernstzunehmenden Informationsquelle werden wird. Es erweist sich auch, dass Wikipedia-Einträge das Potential besitzen, politisch instrumentalisiert werden zu können.

            Ausgehend vom zuletzt Gesagten und vom Wissen darüber, dass der überwiegende Teil der Leserschaft des Russischen nicht mächtig ist (auch wenn ein sicher nicht geringer Teil der Leser die russische Sprache einst meist als lästiges schulisches Pflichtfach belegen musste) sowie dass es in Deutschland so gut wie keine Informationen darüber gibt (Jedenfalls sind solche mir persönlich nicht bekannt.), wie man über das Thema „Schiefergas“  wohl so in Russland denken mag (vermutlich höchstens indirekt aus englischsprachigen Quellen). Und nun kam mir die Idee, dem deutschen Publikum dies mit der Übersetzung des russischsprachigen Wikipediaeintrages (bzw. Teilen davon) näher zubringen.

            Hier nun eine Teilübersetzung des Wikipediaeintrages zum Thema „Schiefergas“:(Der Großteil des Eintrages über „Schiefergas“ wurde bis zum März 2013 neu erstellt. Letzte Korrekturen stammen vom Juli 2013. Der Beitrag ist also als recht aktuell zu bewerten.)

            Die im übersetzten Text in eckigen Klammern eingesetzten Zahlen entsprechen den Nummern der im russischsprachigen Beitrag nummerierten Einzelnachweise (Quellen). (Wer von den Lesern Interesse hat, könnte somit auch in diesen Quellen selbst nachschauen, denn mindestens 10 der verlinkten Quellen sind in englischer Sprache verfasst. Von der deutschsprachigen Wikipediaabteilung gelangt man durch Anklicken der Zeile mit „русский“ (auf dem linken Streifen der  Wikipediaseite) auf die russischsprachige Seite von Wikipedia.)

(Abb.1(allgemein bekannte Schema: Typen von Naturgas:(gemeines/traditionelles-A; Schiefergas-C; Gas aus verfestigtem Sand-D (bzw. Sandstein- meine Anm.); nebenher gewinnbares Gas-F (im Zusammenhang mit der Erdölförderung-meine Anm. ); Methan aus Kohlenflözen-G) )(Abb.2:Schiefergasressourcen der Welt (U.S. Energy Information Administration «World Shale Gas Resources: An Initial Assessment of 14 Regions Outside the United States»)

Inhalt

            ●1. Geschichte

            ●2.  Selbstkosten der Förderung

            ●3. Fördertechnologie

            ●4. Geografie, Bewertung der Rohstoffvorräte und die Förderperspektiven                           

                        ●4.1 USA

                        ●4.2 Europa

                                    ●4.2.1 Russland

                                    ●4.2.2 Ukraine

                                    ●4.3    Weitere Länder

            ● 5.  siehe auch

            ● 6.  Anmerkungen (eigtl. Weblinks bzw. Querverweise-meine Anm.)

            ● 7.  Literatur (Einzelnachweise-meine Anm.)

            ● 8.  Verweise (eigtl, auch Weblinks-meine Anm.)

1. Geschichte

            Die erste kommerzielle Gasbohrung in Schieferschichten wurde in den USA im Jahr 1821 durch William Hart,(der Name ist im Beitrag verlinkt)  der in den USA als „Vater des Erdgases“ gilt in Fredonia (New York) niedergebracht. Die Initiatoren der Schiefergasförderung großen Maßstabes in den USA sind George Mitchell [1] (der Name ist im Beitrag verlinkt) und Tom L. Ward (der Name ist im Beitrag verlinkt) .

            Die Schiefergasförderung im größeren industriellen Maßstab wurde durch die Firma Devon Energy (Firmenname verlinkt) zu Beginn der 2000-er Jahre begonnen, wobei im Jahr 2002 erstmalig in der Lagerstätte Barnett Shale (verlinkt)  eine Horizontalbohrung(verlinkt)[2] niedergebracht wurde. Dank des schnellen Wachstums der Gasförderung, was dann als „Schiefergasrevol-ution“[3][4][5] bezeichnet wurde, übernahmen die USA im Jahr 2009 die weltweite Führung in der Erdgasförderung (745,3 x 109 m³, wobei mehr als 40% der Gasfördermenge auf nichttraditionelles Gas (aus Schiefern sowie Methan aus Kohlenflözen) entfielen.

            In der ersten Hälfte des Jahres 2010 verwendeten die größten Energieerzeugerfirmen  der Welt 21 Mrd. $ für Aktiva, die mit der  Förderung von Schiefergas im Zusammenhang standen[6]. Zu dieser Zeit drückten einige Kommentatoren ihre Meinung in der Hinsicht aus, dass der Schiefergasrausch (wird im russischen Sprachgebrauch im speziellen Fall „agiotage“ genannt-eher Rausch als selbiges Spekulationsgeschäft durch Ausnutzung von Kursschwankungen an der Börse- meine Anm.), auch Schiefergasrevolution genannt,  als Resultat einer Werbekampagne initiiert von einer ganzen Reihe von Firmen der Energiebranche, welche erhebliche Mittel in Projekte zur Förderung von Schiefergas steckten und somit des Zustroms zusätzlicher Gelder [7] [8] bedurften. Wie es sich auch ergeben haben mag, begannen mit dem Auftauchen von Schiefergas auf dem Weltmarkt  die Preise für Gas zu fallen [9 ].        

            Mit Beginn des Jahres 2012 begannen in den USA die Erdgaspreise auf ein bedeutend geringeres Niveau als die Selbstkosten der Förderung von Schiefergas zu sinken, wodurch der größte „Player“ auf dem Schiefergasmarkt – die Firma Chesapeake Energy  –  eine Bekanntmachung darüber abgab, dass sie die Schiefergasförderung um 8%  und die Investitionen in Bohrarbeiten um 70% kürze [10][11]. Im ersten Halbjahr des Jahres 2012 war das Gas in den USA , wo eine Überproduktion zu verzeichnen war, billiger als in Russland, welches über die weltgrößten erkundeten Erdgasvorräte(traditionellen Gases-meine Anm.)[12] verfügt. Die niedrigen Preise veranlassten die führenden Firmen der Branche, die Fördermengen zu drosseln, wonach die Gaspreise wider anfingen anzusteigen[13] [14]. Zu  Mitte des Jahres 2012 geriet eine Reihe großer Schiefergasförderer in finanzielle Schwierigkeiten so z.B. erwies sich auch die Firma Chesapeak Energy am Rande des Bankrotts[15] [16].

2. Selbstkosten der Gasförderung

            Nach Informationen des Direktors des „Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften für Probleme von Erdöl und Erdgas“ dem Akademiemitglied Anatoli Dmitrijewski (Ja, so schwierig kann im Russischen die Nennung eines Namens einschl. seiner Position sein, schon allein wegen aller Wahrung von Höflichkeit und Respekt! – meine Anm.) betrugen die Selbstkosten der  Förderung von 1000 m³ Schiefergas in den USA  für das Jahr 2012  nicht weniger als 150 $ [9]. Entsprechend der Auffassung von Experten werden zu erwartende Selbstkosten der Schiefergasförderung solcher Länder wie der Ukraine, Polen oder China um Einiges höher liegen als in den USA[15].

            Die Selbstkosten der Förderung von Schiefergas sind größer als die für traditionelles Erdgas. So betragen die Selbstkosten der Förderung von 1000 m³ Erdgas aus älteren (traditionellenmeine Anm.) Gaslagerstätten unter Berücksichtigung der Transportkosten ca. 50 $[17][18[15].

3. Fördertechnologie

            Zur Gewinnung von Schiefergas wendet man das Horizontalbohren (engl.directional driling, hier ist eigtl. „Richtbohren“, besser übersetzt aber: horizontal drilling-bzw. das sog. Richtbohren , nicht unbedingt immer Horizontalbohren-meine Anm.), hydraulisches Aufbrechen von Gesteinsstrukturen  (engl. hydraulic fracturing) und die seismische Modellierung an. Eine dazu analoge Technologie wendet man auch bei der Gewinnung von Methan aus Kohlenflözen an.  An Stelle  des hydraulic fracturings einer Schicht kann man auch das sog. Propanfracturing (Begriff ist verlinkt) anwenden [19].

            Auch wenn Schiefergas in den Schiefern nicht in besonders großen Mengen (0,2 – 3,2 x 109 m³ ) vorkommt, so kann man jedoch im Resultat des Aufschlusses großer Flächen erhebliche Mengen von Schiefergas erhalten.

4. Geografie, Bewertung der Rohstoffvorräte und die

    Förderperspektiven

            Die Weltressourcen von Schiefergas betragen ca. 200 Trln. (zehn hoch achtzehn) m³. Zur Zeit ist Schiefergas ein regionaler Faktor, welcher einen bedeutenden Einfluss nicht nur auf dem nordamerikanischen Markt hat[21].

            Zu den Faktoren, die sich positiv auf die Perspektiven der Förderung von Schiefergas aus

vorräte, das Interesse der politischen Führung einiger Länder im Sinne der Verringerung der Abhängigkeit von Importen von Energierohstoffen [20]21]. Gleichzeitig gibt es jedoch beim Schiefergas eine Reihe von Unzulänglichkeiten, die sich in der Welt negativ auf seine Förderperspektiven auswirken. Zu den Unzulänglichkeiten gehören vergleichsweise hohe Selbstkosten, Unzulänglichkeiten im Zusammenhang mit fehlenden Möglichkeiten des Transportes über längere Distanzen (bis jetzt noch-meine Anm.), die schnelle Erschöpfung von Lagerstätten (besser „Förderorten“ an Stelle von „Lagerstätten“-meine Anm.), das geringe Sicherheitsniveau im Nachweis von Rohstoffvorräten, sowie bedeutende ökologische Risiken bei der Förderung von Schiefergas [21][9].

            Gemäß der Einschätzung der IHS CERA (IHS Cambridge Energy Research Associate; IHS CERA®-meine Anm.) könnte in der Welt eine Jahresfördermenge von 180 Mrd. m³  bis zum Jahr 2018 erreicht werden[21].

4.1   USA

(Abb.3: Bohranlage auf einer Schiefergaslagerstätte in Pennsylvania (USA))

            Die Menge der erkundeten Vorräte an Schiefergas beträgt in den USA 24 Trln. m³(zur Zeit sind davon 3,6 Trln. m³ [23] bzw. mehr als 10% davon technisch gewinnbar). Als die auf dem Gebiet der Schiefergasförderung in den USA führende Firma gilt Chesapeake Energy[24].

           

            Im Jahr 2009 betrug in den USA die Menge des geförderten Schiefergases 14 % (der Anteil an der des benötigten Gases an der Gasmenge erhöht sich[25]) , was  damals auch zu wesentlichen Veränderungen der internationalen Marktstruktur und auch zu einer Überproduktion zu Anfang 2010 führte[26][27][28].  Im Resultat des Wachstums der Schiefergasförderung waren die Terminals außer Betrieb, die in den USA zum Import von Erdgas in verflüssigter Form errichtet wurden. Zur Zeit befinden sich diese Terminals im Umbau für den Export (s.a. Schiefergasrevolution [29] (verlinkter Begriff)).

            Im November 2009 verkündete der Pressesprecher des Weißen Hauses, dass „die Nutzung von Schiefergas, wie zu erwarten ist, die Energiesicherheit der USA bedeutend erhöhte und verhilft, die Verschmutzung (der Atmosphäre-meine Anm.) durch Treibhausgase zu senken.“[30].

            Zum Jahr 2010 erreichte die Jahresförderung an Schiefergas in den USA 51 Mrd. m³ [31].  Anfang April 2010 wurde berichtet, dass das Energieministerium der USA (verlinkter Begriff) feststellte, dass die Statistik der Produktion von Naturgas (also traditionelles + Schiefergas-meine Anm.) im Lande überhöht sei, wobei man in diesem Zusammenhang gewillt sei, die Bilanz zu Gunsten einer Verringerung der Produktion zu ändern (klingt im Originaltext genauso umständlich-meine Anm.)[32].

            Die Agentur East European Gas Analysis (verlinkter Begriff) prognostizierte, dass die Jahresschiefergasförderung in den USA zum Jahr 2015 mehr als 180 Mrd. m³ betragen wird. Gemäß der Hauptprognose der Internationalen Energieagentur (verlinkter Begriff,IEA) wird die Jahresschiefergasförderung in den USA  zum Jahr 2030 nicht weniger als 150  Mrd. m³  betragen[21].

4.2       Europa

            Große Lagerstätten von Schiefergas wurden in einer Reihe von europäischen Staaten gefunden]33]. Im Einzelnen sind das: Österreich, Großbritannien, Ungarn, Deutschland, die Schweiz, Polen und die Ukraine[34]. Anfang April des Jahres 2010 wurde mitgeteilt, dass in Polen bedeutende Vorräte von Schiefergas nachgewiesen wurden, deren Erschließungsbeginn für den Mai des gleichen Jahres durch die Firma Conoco Phillips[35] geplant war. Mitte 2011 vermeldete der Verlag Stratfor (verlinkter Begriff), dass  „selbst wenn man riesige Mengen von Schiefergas in Pommern vorfände, bräuchte man Dutzende Milliarden Dollar, um die dafür (für die Förderung,den Transport usw.-meine Anm.) notwendige Infrastruktur, Pipelines, Objekte zur Stromerzeugung sowie chemische Fabriken, welche notwendig sind, um die Vorteile dieser Vorräte nutzen zu können“[36]. Im Frühjahr des Jahres 2012 wurden durch die Firma ExxonMobil zwei Bohrungen in Polen niedergebracht. Das Projekt wurde, wie bekannt gegeben wurde, wegen Unrentabilität abgebrochen.

            In Frankreich bewirkt z.Z. ein 2012 erlassenes Gesetz ein fünfjähriges Verbot der Nutzung der Technologie des Fraccings zur Erschließung von Schiefergas[15].

            Die IEA prognostiziert, dass die Förderung nichttraditionellen Gases in Europa zum Jahr 2030 15 Mrd. m³ pro Jahr betragen wird. Gemäß heutigen optimistischsten Prognosen für das Jahr 2030 werden die Jahresförderzahlen in Europa 40 Mrd. m³ nicht übersteigen. Viele meinen, dass diese Prognosen sogar überhöht seien[21].

4.2.1    Russland

            Am 25.März 2010 wurde vom Komitee für Energetik der Russischen Staatsduma ein runder Tisch zum Thema „ Die Perspektiven der Erschließung von Schiefergasressourcen in Russland“ veranstaltet. Die Teilnehmer des Rundtischgespräches empfahlen der Regierung der Russischen Föderation eine Bewertung des Schiefergaspotentials von Russland erstellen zu lassen, zu untersuchen, welche fortschrittlichen Fördertechnologien in Frage kommen, die Möglichkeiten und Perspektiven einer Einführung (der Schiefergasförderung-meine Anm.) sowie detailliert Fragen auszuarbeiten, die in Verbindung mit dem Einfluss der Entwicklung der Schiefergasindustrie in den USA , mit möglichen Bildungen dieses Industriezweiges(die Schiefergasförderung-meine Anm.) in europäischen Ländern und China mit den kurz-und langfristigen Perspektiven russischer Gasexporte stehen[37]. Gazprom plant in den nächsten Jahrzehnten nicht, mit der Förderung von Schiefergas in Russland zu beginnen. Anfang 2012 konstatierte der stellvertretende Vorsitzende  der Führung von Gazprom, Alexander Medwedjew, dass die Ausbeutung der Vorräte traditionellen Gases, über die Gazprom verfügt , 10-fach effektiver sei als die  von Schiefergaslagerstätten. Nach den Worten Medwedjews schiebe die Firma die Schiefergasförderung auf „die lange Bank“ und was die Frage über den Zeitpunkt einer möglichen Schiefergasförderung in Russland betrifft, so kehre man zu ihrer Beantwortung in 50-70 Jahren zurück[38].

           

            Eine Reihe höhergestellter Parlamentarier und verantwortlicher Vertreter der Firma Gazprom sprachen sehr lange über dieses Thema in dem Geiste, dass die Schiefergasrevolution nichts weiter als eine PR-Kampagne sei, die dafür initiiert wurde, um die Interessen Russlands zu untergraben[6]. Am 8. April  2010  erklärte der  russische Minister für Energetik, Sergej Schmatko, dass um das Wachstum der Schiefergasförderung in der Welt zu viel „unnützen Rummels“ veranstaltet würde[39].  Seiner Meinung nach kann die Entwicklung des Schiefergasmarktes der USA  keine Auswirkungen auf die internationale Energiebilanz haben[39]. Am 19. April 2010 erklärte der Minister für Naturressourcen und Ökologie Russlands (das Ministerium-eine Nachfolgeeinrichtung des in der Sowjetunion und dem postsowjetischen Russland noch einige Zeit existierenden Ministeriums für Geologie-meine Anm.), Jurii Trudnjew, dass das Wachstum der Schiefergasförderung für Gazprom und Russland ein Problem sei. Diese Bemerkung war die erste dieser Art aus dem Munde eines höhergestellten Beamten Russlands[40]. Im August 2012 bemerkte der stellvertretende Minister des Ministeriums für die Wirtschaftsentwicklung Russlands, Andrej Klepatsch, dass Gazprom früher die Maßstäbe der „Schiefergasrevolution“ unterschätzt hätte und nun verhielte sich Gazprom zu ihr(der „Schiefergasrevolution“-meine Anm.) mit gebührender Seriositä[41]. Im Oktober 2012 anerkannte der russische Präsident, Wladimir Putin, erstmals eine Gefahr für Gazprom hinsichtlich globaler Veränderung auf dem Energieträgermarkt, die in Folge der Steigerung der Schiefergasförderung, wobei er in diesem Zusammenhang den Energieminister damit beauftragte, die Generallinie des Energieministeriums bis 2030 in genannter Hinsicht zu korrigieren[41].

           

            Nach Auffassung einer Reihe ausländischer Experten stellen die in einigen Jahren zu erwartenden Importe von Schiefergas aus den USA nach Eurasien keine Gefahr dar für Lieferungen von Pipe-linegas durch Gazprom, weil russisches Gas viel konkurrenzfähiger ist im Vergleich zu amerikanischem, weil der Aufwand für die Förderung und den Transport von Gas aus Russland bedeutend niedriger ist  als analoge Aufwendungen für Schiefergas aus den USA[9][43-46]. Jedoch befand einer der großen russischen Unternehmer, Oleg Deripaska, dass Russland noch 3-4 „satte Jahre“ bevorstünden bis zum realen „Ankommen“ des Schiefergases und des Schieferöls, wonach es keine Konkurrenzfähigkeit mehr geben wird unter den Bedingungen der WHO[47].

4.2.2      Ukraine

            Die Ukraine vergab im Jahr 2010 an die Firmen ExxonMobil und Shell Lizenzen  für die Erkundung von Schiefergas[48]. Im Mai 2012 wurden die Gewinner der Ausschreibung zur Ausbeutung der Gasfelder Jusovsk(Gebiet Donjetzk) und Olessk(Gebiet Lvov (dt. Lemberg)) bekannt gegeben. Die Gewinner waren die Firmen Shell und Chevron. Es ist geplant, mit der Gasförderung auf den genannten Feldern 2018/2019 zu beginnen[49]. Im Oktober 2012 begann das Abteufen der ersten Suchbohrung auf Gas durch die Firma Shell. Dabei wurden in dieser Bohrung(im Gebiet Charkov) verdichtete Sande mit Gasführung (tight sand gas) aufgeschlossen[50].

           

            Ein Abkommen zwischen den Firmen Shell und „Nadra Jusovskaja“(ukr. Firma auf dt. „Untergrund von Jusovsk“) über die Teilung der Förderung von den Förderprodukten in Gasfelder der Gebiete Jusovsk und Charkov wurde am 24, Januar 2013 in Davos im Beisein des ukrainischen Staatspräsidenten unterschrieben[51].

           

            Unmittelbar nach der Unterzeichnung fand eine Reihe von Aktionen von Aktivisten der Grünen, Kommunisten und sowie einer Reihe anderer Aktivisten  in den Gebieten Charkov und Jusovsk statt[52]53]54].

4.3       Weitere Länder

            Schieferschichten, aus welchen Gas gewinnbar ist, sind sehr zahlreich, kommen in sehr großen Mengen vor, bspw. auch in den Ländern Australien[55],Indien[56], China[57] und Kanada vor[58].

            So plant man in China zum Jahr 2015, 6,5 Mrd. m³ Schiefergas zu fördern.  Das Gesamtvolumen der chinesischen Erdgasförderung wird sich damit im Vergleich zu den aktuellen Förderzahlen um 6% erhöhen.  Zum Jahr 2020 plant man dort, ein Jahresfördervolumen zwischen 60 bis 100 Mrd. m³ zu erreichen[59].

 5.         S.a.(Links)

·     Miniframe(engl.)

·     Verflüssigtes Naturgas(russ.)

·     Methan aus Kohlenflözen(russ.)

·     Shale gas in the United States(engl.)

6.         Anmerkungen(eigtl. Quellen)

            Unter diesem Punkt sind insgesamt 59 verlinkte Quellen benannt. Jede dieser Quellen habe ich im einzelnen überprüft in der Hinsicht, wie es im vorliegenden russischsprachigen Beitrag üblich ist (meist Name der Quelle, Datumsangabe). Bemerkenswert ist, dass für den Beitrag sehr viele Quellen genutzt wurden. Jedoch muss den Verfassern die Luft ab ca. Quelle Nr. 16 ausgegangen sein. So ergänzte ich ab dann häufig die  Namen der Quellen sowie entsprechend das Publikationsdatum (Ergänzungen von mir rot markiert).

1. The Father of Shale gas(engl.)

2. Schiefergas(russ.)

3. Die Stille Gasrevolution//Tageszeitung „Izvestija“ (russ.).—5.3.2010

4. Konkurrentenabsprache//Wirtschaftszeitung „Kommersant“(russ.).—25.3.2010

5. Die Große Schiefergasrevolution// St. Peterburg News(russ.).—Nr. 27—15.2.01

6.1 2 Von der Redaktion „Bei Gazprom angekommen“//News: Zeitung(russ.).—6.10.2010 — №188

   (2886)

7. TARNAWSKIJ,W.: Schiefergas: Eine revolutionäre Energiequelle oder nur eine Seifenblase?//

    Fin.org.ua.(ukr.).—30.11.2009

8. Die Schieferblase(// RBK daily(Internetnachrichtenagentur) (russ.).—6.4.2010

9. 1 2 3 4 Die Schiefergasrevolution wird umverlegt//Radiobeitrag „Stimme Russlands“(russ.) —

     20.9.2012.

10.Die Iranfrage //Njesawisimaja Gasjeta(Tageszeitung) (russ.).—10.4.2012

11.Ein Schiefernichts//Njesawisimaja Gasjeta(Tageszeitung) (russ.).—15.5.2012

12.PETROWA,P.: „Gazprom“ und die Blitze“ //Wirtschaftszeitung „Kommersant Geld“.(russ.)—

     10.9.2012

13.Niedrige Preise zwangen USA Förderung zu kürzen//www.lenta.ru (russ.).—3.5.2012

14.Die Dynamik der Preise für Gas(engl./ finviz.com/futures_charts.ashx. —

     27.07.2013

15.1 2 3 4 BELL,R.,RUSJETZKIJ,O.: Lohnt es sich, Holland für das Schiefergasverbot zu danken?//La Tribune: Tageszeitung(russ./franz.).— 24.10.2012

16.Ob sich das Schicksal von Enron bei Chesapeak wieder holt?//Radiobeitrag „Vesti“(russ.)—

      17.06.2013

17.Der Gasmarkt: Der Wendepunkt//Financial Group Prime mark/Abt. Marktanalyse www.

      research(at)prime-mark.com.(russ.)—06.2010

18.Beim Erfahrungsaustausch mit China gibt Gazprom Signale an Europa//www.energy-

     experts.ru/comments6555.html (russ.)

19.PropanFraccing—eine neue ökologische Methode zur Schiefergasgewinnung//shale gas Russia; 

http://www.pro-gas.org/2012/05/blog-post_10.html(russ.)/gasinvestingnews.com—10.5.2012

20.Diskussion mit A.G. Korshubajew//http://www.oilforum.ru/topic/22850&st (russ.)

21.1 2 3 4 5 6 Eine Schiefergasrevolution hat bisher nicht stattgefunden.  Njesawisimaja

      Gasjeta(Tageszeitung) (russ.)(11 01.2013). Archiviert anhand der Originalquelle am

       11.01.2013,  überprüft am 10.01.2013

22.Schiefergas// Beitrag Radio „Blogberg“(russ.).—27.02.2010

23.Unconventioal Gas: Shale gas//(engl.)homepage der Firma Schlumberger(franz. Serviceunter-

     nehmen der KW-Industrie)

24.Arbat Kapital(russ. Finanzberatungsfirma): Der Sektor Schiefergas-Die Interessen sind

     ungebrochen//Beitrag Radio „Blogberg“.—15.03.2010

25.Facts about shale gas// Homepage des American Petrolium Instituts(engl.)—07.2013

26.Schiefergas-einMythos oder Boom?//Internetversion der Fachzeitschrift „Erdgas-/Erdölvertikale“

     kein Datum(russ.)

27.US-Canadian shale could neutralize Russian energy threads to Europeans(engl.)//Rice

     University, News&Media , kein Datum(russ.)

28.An unconventional glut//TheEconomist(engl.)—10.03.2010

29.US to take on rivals in natural gas, Financial Times, (engl.)—07.10.2010

30.White House, Office of the Press Sectetaryengl.(engl.)—17.11.2009

31.In Europa wird teures Gas verboten//Wirtschaftszeitung Kommersant(russ.)—26.3. 2010

32.Die USA können an Russland den Meistertitel in der Gasförderung zurückgeben. Aber für

     Gazprom  hat sich ein Konkurrent in Europa gezeigt//euronewsru.com(russ.)—6.04.2010

33.Shale gas in Europe—Overview, Potential and Research//GFZ Potsdam(engl.)—10.06.2009

34.Der ukrainische Botschafter in der Türkei: Es ist notwendig, die Möglichkeiten der

      Schiefergasförderung in der Ukraine zu überprüfen//

35. In den polnischen Tiefen wurde eine riesige Gasblase gefunden//Wirtschaftszeitschrift

     Kommersant,6;04.2010.

36.Die Zukunft des polnischen Schiefergases—Informationsseite InoCMi.Ru“Alles, was sich lohnt

     zu übersetzen“//—17.08.2011 dort auch engl. Original „The future of Polish Shale gas“

37.Der Runde Tisch der Staatsduma//Homepage der russ. Staatsduma

38.Gazprom nimmt nicht am Wettrennen um Schiefergas teil.//Informationsseite InoCMi.Ru“Alles,

      was sich lohnt zu übersetzen“//—17.02.2012 dort auch engl. Original „Gazprom sits out  Shale

     Race“ 

39.1 2 Schmatko beruhigt hinsichtlich des Schiefergasrausches// Wirtschaftsseite Rosbalt(russ.).

      —8.04.2010

40.Erstmals anerkannte Russland die Gefahr des Schiefergases//russ. Internetsite Lenta.Ru(russ.)

     —19.04.2010

41.Das russische Energieministerium verringerte die Prognosen für den Export und die Preise für

     russisches Gas, Es ist an der Zeit für Gazprom, über Schiefergasnachzudenken.//ga-zeta.ru (russ.), nach der Originalquelle am 25.10.2012 archiviert, überprüft am 29.08.2012

42.Sitzung der Kommission für Fragen der Entwicklungsstrategie des Energiekomplexes und für

     Fragen der ökologischen Sicherheit// kremlin.ru.; hompage des russ. Präsidenten, aus der Ori- 

     ginalquelle am 04.11.2012 archiviert, am 28.10.2012 überprüft(russ.)

43.Pressübersicht>China>Erdöl,Gas, Kohle> polpred. Com;01.08.2011 (russ.)

44.Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energetik zwischen China und Russland beschränkt

     sich nicht nur auf Erdgas und Erdöl//russionpeople.com—14.10.2011(russ.)

46.Ist die Zeit des billigen Gases vorbei?//Presseübersicht—19.08.2011(russ.)

47.Experten bewerten die Perspektiven von amerikanischem Schiefergas auf dem europäischen

      Markt skeptisch//Presseagentur Tass—13.09.2011 (russ.)

48.Die Geldpolitik Russlands— „Beitrag Expert-TV“, 27.09.2012 (russ.)

49.Shale gas in Europe and America//The Economist, 26.11. 2011(engl.)

50.Azaroff nannte die Gewinner der Ausschreibung über Schiefergasförderung in der

     Ukraine//Internetvariante der Zeitung „Korrespondent“(russ.)—12.05.2012

51.Shell begann auf Schiefergas in der Ukraine zu bohren//Informationsseite Lenta.ru, 25.10.2012

     (russ.)

52.Shell und die Ukraine einigten sich über die Teilung der  von Schiefergas im Gebiet

53.Donjetzk//www.tc.ua. , archiviert aus der Originalquelle am 03.02.2013, am 28.01.2013

      überprüft(russ./ukr.)

54.In Donjetzk beschuldigten auf einem Meeting die Kommunisten die „Partei der Regionen“ darin, dass sie das Programm von Hitler ausführe//www.62.ua., archiviert aus der Originalquelle am 12.03.2013, überprüft am 28.02.2013, (russ./ukr.)

In Donjetzk fand eine Protestaktion gegen die Schiefergasförderung statt. // rian.com.ua, archiviert aus der Originalquelle am 12.03.2013, überprüft am 28.02.2013,(russ./ukr.)55.

56.Die Bürger der ukrainischen Gebiete Donjetzk und Charkov sammeln Unterschriften gegen das

      Projekt der Schiefergasförderung //www.angi.ru. archiviert aus der Originalquelle am

      12.03.2013, überprüft am 28.02.2013,(russ./ukr.)

55.Beach Petroleum eyes shale gas projekt// The Advertiser(UK), http://tinyurl.com/mjx7r7m

     17.11 2009 (engl.)

56.Shale gas: Could it be a new energy source? //“The Times of India“—9.08.2009(engl.)

57.Unconventional gas systems in China//http://tinyurl.com/l8jbael International Geological

     Congress, Oslo 2008 (engl.)

58.Shale gas in North America//Northeast Energy and Commerce  Association; Artikel nicht vorh.

59.Die Gasambitionen von China//Finanzzeitschrift „Kommersant“(russ.).—19.03.2012

7.         Literatur

Unconventional gas shales: development, technology, and policy issues.(Congressional Research Service)(Report): An article from: Congressional Research Service (CRS) Reports and Issue Briefs by Anthony Andrews, Peter Folger, Marc Humphries, and Claudia Copeland (Digita) — 2010

8.         Verweise(Links)

– Shale Gas Primer, 2009 pdf (http://tinyurl.com/kstgwbw)Katelyn M. Nash (Editor).

– Shale Gas Development: Nova Science Pub Inc, 2010 ISBN 1-6169-545-, ISBN 978-1-61668545

   – Naturgas(russ.)

– Die Bewertung der Schiefergasvorräte der USA(russ.), Schiefergas: Ein Signal an

   Gazprom(russ.)       Ende der Übersetzung

Das Schiefergaspotential in Deutschland

            Deutschland wurde im russischen Wikipediabeitrag nur randlich erwähnt. Diesen Zustand möchte ich nun etwas korrigieren. Zum Mai 2012 wurde in diesem Zusammenhang durch die Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffwirtschaft (BGR in Hannover) die sog. „Schiefergasstudie“ veröffentlicht. Gegenstand dieser Studie ist das Schiefergaspotential von Deutschland. Demnach wurden drei Tongesteinsformationen (mit insgesamt acht Einzelhorizonten) mit signifikanter Gasführung betrachtet. Das sind im Einzelnen Gesteine des Unterkarbons, des sog. Posidonienschiefers aus der Jura sowie Gesteinshorizonte der Unterkreide (Wealden). U.a. nach Erfahrungen aus den USA wurden Formationen mit Tiefenlagen unter 5000 m sowie mit Mächtigkeiten unter 20 m nicht betrachtet. (Diese Tiefenbegrenzung wurde vor allem deswegen vorgenommen, weil  ab bestimmten Tiefenlagen wegen dadurch verteuerten Bohrarbeiten insgesamt eine Unwirtschaftlichkeit gegeben sein würde. Die Begrenzung der Mächtigkeiten ab >=20 m hat einen bohrtechnologisch/wirtschaftlichen Hintergrund.) Die prognostizierten geologischen Vorräte (in der Studie GIP-Gas in place-genannt bzw. auf deutsch geologische Gasvorräte) belaufen sich bei 13 Bill.(10 hoch 12) m³. Als förderbar gelten 10 % der geologischen Vorräte.

            Für die Studie wurde eigens für die Ermittlung des Schiefergaspotentials von Deutschland bei der BGR eine Projektgruppe „nico“(von nichtkonentionell) geschaffen. Bei der Arbeit solcher Projektgruppen kommt es erfahrungsgemäß schon einmal vor, dass bereits vorhandenes relevantes Wissen komplett ignoriert wird, wie es auch im Fall der vorgelegten „Schiefergasstudie“ so ist (s.u.). Ganz offensichtlich hat man sich bei der Erstellung der Studie große Mühe gegeben. Für die Erstellung dieser Studie müsste theoretisch ein kolossaler Aufwand betrieben worden sein: In jedem Bundesland existieren bei den entsprechenden Landesämtern (in jedem Fall der mit Geologie verbundenen) sog. Landesbohrdatenbanken, in denen gemäß einem von der BGR vorgegebenem Schlüssel so gut wie alle jemals erlangten und dokumentierten Bohrergebnisse landesspezifisch festgehalten sind. Entsprechend der in den Datenbanken vorhandenen stratigraphischen Merkmale könnten dann daraus Koordinaten (die geografische Lage von Bohrungen) sowie bohrungsbezogene Mächtigkeiten gewünschter Horizonte selektiert werden (also praktisch die Raumkoordinaten der Körper bestimmter Horizonte). Damit wäre die Grundlage für die Erstellung von horizontbezogenen Karten für die Darstellung bspw. der Mächtigkeiten (sog. Isopachen) und Verbreitung der jeweiligen Horizonte gegeben. Daraus wiederum könnte man nun das Volumen einer interessierenden Schicht bestimmen. Bei Kenntnis des mit Gas gefüllten Porenraumes des Gesteins, aus dem der betrachtete Horizont besteht, lässt sich dann die Größe des GIP ermitteln. (Ja, so einfach ist das Prinzip der Berechnung von Rohstoffvorräten). Es wäre auch noch möglich, was mir jedoch nicht bekannt ist, dass man die zur Berechnung von Rohstoffvorräten anhand dafür unbedingt notwendiger horizontbezogener Karten, Darstellungen o.ä. bereits im Rahmen früher bearbeiteter Projekte bewerkstelligte. Auf prinzipiell andere als die beschriebene Weise wäre man niemals in der Lage, halbwegs zuverlässig Vorräte natürlicher unter der Erdoberfläche lagernder Rohstoffe zu berechnen.

            Anhand des Literaturverzeichnisses war auffällig, dass das Gros der dort enthaltenen Arbeiten nach dem Jahr 2007 erschien. Aber wahr ist andererseits, dass die Mehrheit der Informationen über schiefergashöffige Horizonte weit vor dem Jahr 2000 gewonnen wurde.  Im Literaturverzeichnis ließ sich Literatur über in der Fachwelt  (relevante jedoch unveröffentlichte Arbeiten) wohl bekannte Vorhaben in Form firmeninterner Ergebnisberichte über bspw. Kartierungsarbeiten (oder auch Kartierungsbohrungen) sowie auch komplexe Maßnahmen der Suche und Erkundung bspw. von Erdöl und Erdgas der Ostdeutschen Staatsmonopolfirmen Erdöl/Erdgas Grimmen, Geophysik Leipzig, Geologische Forschung und Erkundung Halle und auch des ZGI (Zentrales Geologisches Institut Berlin) nicht einmal randlich erwähnt. Vielmehr zog man es vor, oberflächlich („Oberflächlich“ deshalb, weil in geowissenschaftlichen Publikationen keine „Staatsgeheimnisse“ preisgegeben werden durften. Solche Informationen galten durchweg als Staatsgeheimnis) gehaltene Publikationen andererseits in der Fachwelt recht gut bekannter Autoren zu zitieren. Im Literaturverzeichnis findet man nicht nicht die geringste Spur derartiger Arbeiten! Eben gerade Mitarbeiter der BGR hätten besten Zugang zu den unveröffentlichten Berichten erhalten, die in den entsprechenden Landesämtern, wie in der Branche wohl bekannt, komplett archiviert sind.

Weitere Fragen zum Schiefergas

            Bspw. im englischsprachigen Wikipediabeitrag wie auch in anderssprachigen zum Thema ist eine Tabelle als eine Art Rangliste bestimmter Länder nach der Größe ihres Schiefergaspotentials dargestellt. Von Vornherein ist dabei klar, dass in solchen Listen Länder wie z.B. Kanada an vorderen Plätzen und solche wie z.B. Liechtenstein auf hinteren Plätzen rangieren würden. Derartige Ranglisten kann man getrost als Makulatur, sinnfreie Lückenbüßer oder auch z.B. als bloße Spielerei bezeichnen. Sind doch die Angaben zu Schiefergasmengen zur Zeit noch gröbste Schätzungen, die in Wahrheit auf sehr einfachen Berechnungen basieren aber eben besonders für Fachfremde den Eindruck erwecken, auf kompliziert erscheinende Weise ermittelt worden zu sein(s. BGR-Schiefergasstudie).

            Man muss sich im Zusammenhang mit der Realisierung der Schiefergasförderung die ganz natürliche Frage stellen, welche Kriterien beim Ansatz einer Förderbohrung angesetzt werden müssten. In Form bspw. methodischer Anleitungen liegt da keinesfalls etwas Derartiges vor. (Was ja auch in der Natur der Dinge liegt, wenn etwas neu angefangen wird!) Logischerweise müsste ein Bohransatzpunkt für eine Förderbohrung innerhalb der Fläche der Verbreitung gasführender Horizonte liegen. Es ist logisch, dass die bisher nicht nur in Deutschland (auch wenigstens im restlichen westlichen Europa) ausgewiesenen Schiefergasgebiete hauptsächlich auf Archivinformationen (s.u.) beruhen und nicht nur deshalb starken Wahrscheinlichkeitscharakter tragen. Die gasführenden Horizonte (sowie ihre strathigraphischen Positionen) sind qualitativ weitgehend im Voraus bekannt. Es ist jedoch eine Annahme, dass sie durchgängig mehr oder weniger gleichmäßig gasführend seien. Gesetzmäßigkeiten über die Gasführung und deren Charakter (z.B. Chemismus/Genese) sind weitgehend unerforscht. (Die Annahme über eine durchgehende Gasführung als solche, hat sich zumindest durch die US-amerikanische Praxis der Schiefergasförderung als nicht ganz fehl am Platz erwiesen.)

            Zum hinreichend sicheren Ausweis von Schiefergasfeldern bzw. Gebieten mit wirtschaftlich gewinnbarem Schiefergas ist eine der Gasförderung vorausgehende Erkundung einfach notwendig. Was dabei, qualitativ gesehen, anzuwenden ist, scheint auf der Hand zu liegen: Dabei kann es sich nur um Erkundungsbohrungen in Kombination mit oberflächengeophysikalischen Untersuchungen handeln (Letzteres ist z.B. seismische Modellierung zur Feststellung der Schichtung des Untergrundes sowie der Kontinuität interessierender Horizonte zwischen den Bohrungen.) Dabei drängen sich sofort bestimmte Fragen auf: Was ist z. B. „hinreichend sicher“? Welche Untersuchungabstände sollten zum Tragen kommen? u.v.a. Fragen. Auf jeden Fall steht da (auch aus internationaler Sicht) noch einiger Aufwand zur Schaffung einer geeigneten bzw. fundierten Methodik für u.a. die geologische Erkundung (Exploration) bevor, der auch allein von Deutschland nicht befriedigend zu bewältigen sein wird. Nebenbei gesagt, hat man in den USA mehr als 30 Jahre gebraucht,  um sich letztendlich zu getrauen, das Schiefergas auch tatsächlich „anzufassen“. Es könnte sich jedoch für künftige Schiefergasförderer erweisen, dass sich bspw.  Betrachtungen über die Sicherheit eines Mengennachweises förderbaren Schiefergases als praktisch völlig unnötig erweisen, ohne dabei der Gewährleistung einer künftigen stabilen planbaren Schiefergasförderung hinderlich zu sein. Ja, man könnte so noch lange mit dem Stellen aller möglichen Fragen fortfahren! Ganz offensichtlich treffen hier eher europäisch geprägtes Sicherheitsgebahren auf die sprichwörtliche nordamerikanische unternehmerische Risikobereitschaft aufeinander!

Fazit

            Man hat letztendlich auch in Russland die Notwendigkeit einer, künftigen Förderung von Schiefergas erkannt. Mein persönliches Fazit als ehemaliger Gegner (mit emotionell betonter Gegnerschaft-aber auch nicht des Fraccings) der Schiefergasförderung als solcher lautet so: So wird man auch in Deutschland, unabhängig von allen möglichen tatsächlich bestehenden Unwägbarkeiten, nicht umhin kommen, schon allein wegen des großen vor allem wirtschaftlich internationalen Druckes, sich schließlich positiv für eine Schiefergasförderung zu entscheiden.

            Ich befürchte nur aufgrund dessen, dass das Schiefergas im Grunde genommen ein fossiler Brennstoff ist, dass der Wahn mit dem weiteren Ausbau der sog. erneuerbaren Energien und auch die „Eierei“ um die Kernenergie so weitergeht wie bisher. Es ist auch klar, dass man die Beantwortung einer Frage, durch die Beantwortung einer anderen, auf die lange Bank schieben kann! Im Zusammenhang mit der Energiefrage gibt es da, um bei Russland zu bleiben im unmittelbaren Zusammenhang mit der Tschernobyl-Katastrophe eine Äußerung des bekannten Dissidenten und Kernphysikers Andrej Sacharov, dass die Menschheit sich nicht von der so effizienten und quasi schier unendlich zur Verfügung stehenden Kernenergie so einfach trennen dürfe, sondern man dafür sorgen müsse, dass die Kernenergienutzung so ungefährlich wie möglich zu gestalten sei, indem man die Anlagen z.B. tief unter die Erde verlegen solle.

            Insgesamt betrachtet, möchte man da nicht in der Haut von entscheidungstragenden ernsthaften Politikern (Die soll es ja tatsächlich geben!) stecken!

Halle(S.) im August 2013                               gez. Dipl. Berging.-Geol.

                                                                      Dr. rer. nat. Bernd Hartmann

                                                                      Große Brauhausstraße 19/06108 Halle(S.)

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9 Kommentare

  1. #8 Bernd Hartmann

    Hallo, Herr Dr. Hartmann,

    Ihr Post Skriptum habe ich gern gelesen. Es ist humoristisch.

    „P,S.: Würde man doch mit einer postiven politischen Entscheidung hinsichtlich einer Schiefergasförderung alle bisherigen Entscheidungen bezüglich EEG und „Energiewende“ ganz und gar in Frage stellen. Ich kann mir etwas Derartiges überhaupt nicht vorstellen! Ich hoffe jedoch, dass dies ausschließlich an meiner eigenen Phantasielosigkeit liegt!“

    Ja, in allererster Näherung handelt es sich beim Fracking-Hype um eine Überlebensschlacht, den die Energiewender gegen das Erdgas führen. In weiterer Annäherung kommt ein ökonomisch-politischer Kampf zwischen westlichem BIG OIL und GAZPROM hinzu.

    Ob der aufgehetzte Gutmensch, der mit seinem Banner auf einer „No Fracking“ Mahnwache vor einem Förderplatz steht, diese Zusammenhänge auch nur annähernd durchschaut?

    Zu den Begleitern des Methans:

    Vom Quecksilber aus der Altmark berichteten Sie schon. Da werden Gehalte von 2g oder auch mehr je Kubikmeter erwähnt (BUBKE, 2010 in der „autorisierten Quecksilberstudie“ zu den gesundheitheitlichen Auswirkungen der damaligen Erdgasförderung in der Altmark).

    Auf westlicher Seite vermerkten PHILLIP & REINICKE (1982, Erdöl und Kohlezeitschrift) in einer Darstellung der osthannoverschen Rotliegend-Lagerstätten 0,6-4g Hg je Kubikmeter mit Zunahme nach Osten hin. Wir haben es da schon mit Schwankungen zu tun, deren Deutung nicht leicht fällt. Tiefenbrüche werden als Zufuhrwege genannt. Andere gehen sowohl von der oberkarbonischen Steinkohle als auch vom Rotliegend Vulkanismus als Quelle aus.

    Interessant ist auch der Stickstoffgehalt dieser Erdgaslagerstätten. Deutliche Tendenzen lassen sich über den gesamten geografischen Raum des Rotliegend Beckkens zwischen Ostengland und Polen feststellen – bis hin zu ca. 98% N2 in der Nähe der Variszischen Deformationsfront.

    Im Raum Lüneburg wurden während des niedersächsischen Landtagswahlkampfes Ende 2012 schon wilde Spekulationen zum mögliche n Fracking in diesem Gebiet angestellt. Just zu dem Zeitpunkt hatte eine amerikanische Firma einen Aufsuchungsantrag für Teile der Lüneburger Heide beim Landesbergamt gestellt. Ohne Fraccen wird in diesem Gebiet aufgrund der enttäuschenden Bohrergebnisse zwischen 1968 und 1990 nicht viel gehen. Die aufgeregten WahlkämpferInnen mancher Parteien übersahen aber, dass, je weiter östlich man an die Elbe herankommt, der Stickstoffanteil in Rotliegend und wohl auch Karbon immer weiter steigt, bis hin zu den erwähnten 98Vol.%. Zumindest für diese Gebiete hätte man Ihnen Entwarnung signalisieren können. Aber es war ja Wahlkampf.

    Tiefbohrungen eignen sich für die Stickstoffgewinnung aus wirtschaftlichen Gründen aktuell wohl nicht.

    Dass es im Salzwedeler Raum zu Zeiten der DDR eine solche Anlage zur Abscheidung und Gewinnung von Stickstoff aus den dortigen Lagerstätten (66Vol.% N2)gegeben haben soll, ist wohl dem damals dort herrschenden anderen Wirtschaftsystem zuzurechnen.

    Warten wir in Punkto Fracking mal die Bundestagswahl und anschließende Konstituierung einer neuen Bundesregierung ab.

    mit freundlichen Grüssen

    Dirk Weißenborn

  2. #1 und 6
    Sehr geehrter Herr Weißenborn,
    vielen Dank für Ihre durchweg sachlichen und auch besonders hinsichtlich ihres Inhaltes informativen sowie wertvollen Kommentare!
    So stelle ich mir auch oft die Frage über den Chemismus von Schiefergas. Auch wenn meist bemerkt wird, dass Schiefergas hauptsächlich aus Methan bestehen soll, denke ich, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. So ist andererseits im Fall von traditionellem Erdgas doch recht gut bekannt, dass der Anteil von Methan meist gar nicht überwiegt! Nein, die Anteile von z.B. dagegen Stickstoff oder auch Kohlendioxid scheinen dort im ersten Moment der Betrachtung so eben auch für Unkundige aus der Geobranche unerwartet groß! Wie es da z.B. mit Quecksilber und anderen Nebenkomponenten(z.B. Schwefel) aussieht, wird ebenfalls so richtig nirgendwo kommuniziert (zumindest nicht im Internet/ Presse/TV so auch nicht in der besagten BGR-Studie usw.)! (Ich entsinne mich da bspw., dass schon allein mit einer einzigen Erdgaslagerstätte traditionellen Types in der Altmark aber auch alle einst notwendigen Importe von Quecksilber in die damalige DDR komplett abgelöst werden konnten!)

    Von größter Wichtigkeit für eine politische Entscheidung hinsichtlich des Zustandekommens einer Schiefergasförderung z.B. in Deutschland, wie sich zumindest anhand der hier zu sehenden Diskussion zeigt, scheint die in Wirklichkeit nicht erstrangige Frage über bzw. um das Fraccing zu sein!
    So wäre es nicht nur bezeichnend für Deutschland sondern auch außerordentlich ärgerlich, wenn eben diese Frage die Hauptrolle bezüglich einer, gemäß meiner persönlichen pessimistischen Erwartung, negativen politischen Entscheidung über eine Förderung von Schiefergas spielen würde!
    MfG
    B. Hartmann

    P,S.: Würde man doch mit einer postiven politischen Entscheidung hinsichtlich einer Schiefergasförderung alle bisherigen Entscheidungen bezüglich EEG und „Energiewende“ ganz und gar in Frage stellen. Ich kann mir etwas Derartiges überhaupt nicht vorstellen! Ich hoffe jedoch, dass dies ausschließlich an meiner eigenen Phantasielosigkeit liegt!

  3. Studie bezweifelt Jobboom durch Energiewende

    Hunderttausende neue Arbeitsplätze durch den Boom der erneuerbaren Energien? Laut einer neuen Untersuchung lassen sich solche Aussagen nicht halten. Die Euphorie sei „deutlich überzogen

    http://tinyurl.com/ml2u9yj

    Wie wir hier schon länger wissen VERNICHTET Energiewende & EEG hunderttausende Arbeitsplätze…

  4. Aus der Wahlkampfvorstellung eines Direktkandidaten von B90/DIE GRÜNEN:

    „Die Förderung von unkonventionellem Erdgas, insbesondere mittels giftiger Chemikalien („Fracking“), lehnen wir wegen der unabsehbaren Gefahren für Gesundheit und Umwelt ab. Sie behindert zudem Klimaschutz und Energiewende.“

    Gleich 4 Fehler bzw. fragwürdige Verdrehungen:

    1.“Unkonventionelles Erdgas gibt es nicht, höchstens „unkonventionelle Gewinnung“ von Erdgas.

    2. Nicht alle Gesellschaften setzen giftige Chemikalien ein. Wie wird überhaupt „giftig“ definiert?

    3.Mit dem Wort „unabsehbar“ zieht man sich wieder ins politische Nebelland zurück, wogegen schwer zu argumentieren ist.

    4.“behindert Klimaschutz“, So so, russisches Erdgas, welches selbst nach grüner Meinung noch eine Weile gebraucht wird (Backup-Kraftwerke), behindert den Klimaschutz also nicht. Was unterscheidet das Methanmolekül aus Rußland vom deutschen Methanmolekül?

    In einem Punkt hat der Kandidat jedoch eine recht plausible Einschätzung für die Zukunft abgegeben:

    Die Gewinnung unkonventionellen Erdgases könnte sehr wohl die „Energiewende“ behindern – besonders, wenn sich Auswirkungen auf den Preis zeigen sollten.

    Da sind wir am entscheidensten Punkt angekommen, Alles andere was hier in Deutschland über das Fracking an Horrorgeschichten verbreitet wird, hat bis zum heutigen Tag nur hypothetische Bedeutung, wenn überhaupt.

  5. @2 gün

    hinsichtlich der gefahr ein zitat:
    „Mit Fracking (engl. „Hydraulic Fracturing“, für „Hydraulische Behandlung“) bezeichnet man die Erzeugung von Rissen im tiefen Untergrund, um das Fließen von Gasen oder Flüssigkeiten in dichtem oder zugesetztem Gestein zu erleichtern. Fracking wird in Deutschland seit etwa 50 Jahren in der Erdgasförderung angewandt, um eine – wirtschaftlichere – Förderung der Ressource zu ermöglichen. Derzeit ist etwa ein Drittel der deutschen Erdgasförderung mit Anwendung der Fracking-Technologie generiert worden. Auch in der tiefen Geothermie wird seit mehreren Jahren gefrackt.“
    quelle: http://tinyurl.com/ky2gj86

    sieh sehen also, das wir in deutschland diese technik seit jahrzehnten anwenden und bis heute ist kein signifikanter vorfall passiert.

  6. Hallo Gün #2,

    ich habe kürzlich einen ausführlichen Beitrag zu Fracking übersetzt. Der wird an einem der nächsten Tage wohl hier erscheinen.
    Bitte noch etwas Geduld!

    Chris Frey

  7. Da die Autoren von Wikipedia nicht für Ihre Artikel bezahlt werden, sollte sich jeder bewusst machen das der oder die Autoren ein anderes Interesse haben müssen. Nicht jeder wird das aus reiner Gemeinnützigkeit machen und nicht jeder wird Objektiv auch die Tatsachen darstellen die seiner eigenen Überzeugung zuwiderhandeln.

    Das gilt besonders für Themen die noch nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt sind. Für andere Themen, wie z.B. ein Elektromotor funktioniert, kann man sich schon eher auf Wikipedia verlassen.

    Viele Grüße

  8. Mich würden objektiv die Gefahren des Frackings interessieren – nicht dir grün angehauchten Argumente. Wie gefählich ist Fracking, wie giftig ist die Frackingflüssigkeit usw. Leider find ich in der Literatur wenig hilfreiches!

  9. Hallo Herr Dr.Hartmann,

    Respekt und Anerkennung für den Beitrag, der erkennbar auch mit Fleißarbeit verbunden gewesen sein muß!

    Chesapeake Energy geriet 2012 zusätzlich auch im Gefolge von Schadenersatzahlungen wegen eines schweren Störfalles am 19.April 2011 im Landkreis Bradford County, Pennsylvania in Schwierigkeiten. eine zweistellige Dollarsumme wurd in diesem Zusammenhang genannt.

    Der Vorfall belastete Oberflächengewässer einschließlich des für die Trinkwasserversorgung des nördlichen Pennsylvania wichtigen Susquehanna River.

    Der Chairman-Commissioner (1.Landrat des Landkreises Bradford County), Mark.W Smith schrieb daraufhin am 20. April (!) einen sehr kritischen, offenen Brief an den Governor des Bundesstaates Pennsylvania. Darin gestand er der Rolle der Schiefergasindustrie positive ökonomische Aspekte zu, beklagte aber zugleich auch mangelnde Mitwirkungs- und Steuerungsmöglichkeiten der Gemeinden und kommunalen Körperschaften sowie eine übermäßge – obertägige ! – Belastung durch Havarien, Fahrzeugverkehre, Lärm, Inanspruchnahme von Feuerwehren und Hilfsdiensten und mehr.

    Im Gebiet Bradford County förderten im Oktober 2012 sage und schreibe 1960 aktive Sonden Erdgas aus dem Marcellus-Shale (Zahlenagaben beruhen auf Daten der Umweltbehörde DEP). Nach Darstellung des Mr.Smith handelte es sich (damals) bei „seinem“ County damit um den am dichtesten abgebohrten County des gesamten Bundesstaates Pennsylvania.

    Die Daten- und Faktenlage zu dem Störfall ist nicht ganz eindeutig. Jedoch wird im Netz darauf verwiesen, dass der Störfall unmittelbar VOR,vielleicht auch bei dem Frackvorgang stattfand. Zehntausende Liter Flüssigkeit, wahrscheinlich Frackfluid mit Additiven, traten obertägig aus und verließen die befestigte Lokation. Eine Möglichkeit der Deutung dieses Vorfalls liegt in der Annahme, der im Loch abdichtende Produktionspacker sei defekt gewesen. Es kam also eventuell zu einem „Rückschlag“ von Frackfluid nach übertage.

    Keineswegs handelte es sich um ein Austreten dieser Flüssigkeiten durch mächtige Gesteinsserien bis übertage.

    Man sieht also, wie wichtig auch hohe technische Qualitätsstandards bei der Anwendung dieser Technologie sind.

    Landrat Smith verweist übrigens auch auf Bemerkungen aus der Umweltbehörde DEP, wonach man sich dort rühmte, Einzelmaßnahmen zum Fracking binnen 35 Minuten (!) genehmigt zu haben.

    Dies sollte nun wirklich kein Vorbild für deutsche Behörden sein. Aber ist eine Umweltbehörde nicht auch mit der Genehmigung solcher Vorhaben überfordert?

    Soweit also zur Forderung von Öko-Kreisen bei uns, das Bergrecht unter das Umweltrecht zu stellen.

    Noch eine weitere generelle Überlegung zum Schiefergas. Es ist öffentlich wenig über den tatsächlichen prozentualen Anteil von Methan und seinen homologen Nachfolgern (Ethan, etc.) am gesamten geförderten Schiefergas zu finden. Schon bei den konventionellen, genutzten Lagerstätten können die Volumenprozentanteile an Methan durchaus zwischen 90% und 30% schwanken. Es existieren auch noch niedrigere Werte, jedoch dürften die dann wirtschaftlich wohl nicht mehr interessant sein.

    Wertloser mantelbürtiger Stickstoff, vor allem aber auch Stickstoff aus der Tiefenmetamorphose könnte in die noch nicht diagenetisch verfestigten Schiefer über Tiefenbrüche migriert sein.

    Für die am Schiefergas prinzipiell interessierten Unternehmen dürfte die Kenntnis dieser Verhältnisse durchaus von Bedeutung sein. Die Volumenprozentangaben sind neben den Gasvolumina auch wichtig, ebenso wie die isotopischen Angaben zu CH4, N2. u.a.

    Wünschenswert wäre also eine permanente Detektion ALLER relevanten Methangasbeimengungen lange vor dem „Fraccen“ noch während des Bohrvorgangs – auch im Deckgebirge!

    mit freundlichen Grüssen

    Dirk Weißenborn

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