Warum niemals jemand das Wetter ‚normal’ nennt

Teil des Problems war, dass irgendwann zum Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts immer klarer wurde, dass die Temperatur der Erde nicht mehr fortwährend angestiegen war. Allerdings wurden an die Thermometermessungen zahlreiche „Korrekturen“ angebracht, um es so aussehen zu lassen, als verlaufe der Anstieg genauso schnell wie die Modelle simulieren.

Also haben diejenigen, die ihren Lebensunterhalt mit Alarm verdient haben – und das waren damals sehr viele – ihre Taktik geändert und angefangen, jedes ungewöhnliche Wetterereignis für sich zu vereinnahmen, egal ob das ein Sturm, eine Dürre, ein Blizzard oder eine Überschwemmung war, indem sie die Ursache hierfür den vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen in die Schuhe schoben. Dies erwies sich als lohnende Taktik, weil die Menschen – tatkräftig unterstützt von Journalisten – einen unstillbaren Appetit nach dem Glauben haben, dass die Wettergötter rachsüchtig sind. Die Industrie der fossilen Treibstoffe wurde an Stelle von Zeus als Sündenbock der Wahl eingesetzt (Wissenschaftler sind die Priester).

Die Tatsache, dass das Gedächtnis der Menschen hinsichtlich von Wetterereignissen sehr kurz ist, ermöglichte es, dieses Spiel zu spielen. Die lange australische Dürre von 2001 bis 2007, die Überschwemmungen in Brisbane der Jahre 2009 und 2010 und der ‚wütende Sommer’ 2012/2013 sind im Gedächtnis der Menschen verankert. Die Menschen ordnen das nur sehr widerwillig als Zufall ein. Selbst hier im beschaulichen England sagen die Leute immer „ich habe noch nie erlebt, dass es so kalt/heiß/windig/nass/trocken/veränderlich war wie in diesem Jahr“. Eines Weihnachtstages bemerkte ich, dass die Jahreszeiten das ganze Jahr über ziemlich durchschnittlich gewesen waren, weder zu trocken noch zu nass, weder zu kalt noch zu warm. „Ich habe noch nie so normales Wetter erlebt“, habe ich jemandem gesagt. Er war völlig perplex. Niemand nennt das Wetter jemals normal.

Also ist es zutiefst erfrischend, das neue Buch zu lesen mit dem Titel Besteuerung der Luft: Fakten und Trugschlüsse [facts and fallacies] über die Klimaänderung des international angesehenen Geologen Bob Carter, illustriert durch den Cartoonisten John Spooner. Das Buch stellt die Klimaänderung genau dorthin, wo sie hingehört – nämlich in die richtige Perspektive. Nach dem Zerriss vieler anderer Argumente für Kohlenstoffsteuern und Klima-Alarm geht Carter durch jüngste Wetterereignisse und zeigt, dass nichts an ihnen außergewöhnlich, geschweige denn beispiellos ist. Das gilt für Dürren, Hochwasser, Hitzewellen, Zyklone oder Änderungen am Great Barrier Reef in jüngster Zeit.

Wie kommt es dann, dass die WMO in der vorigen Woche einen atemlosen Bericht geschrieben hat, in dem sie behauptet, dass „die dekadische Rate der Zunahme der Welt-Temperatur zwischen 1991 und 2000 und 2001 bis 2010 ohne Beispiel war“? Professor Ed Hawkins von der Reading University brauchte ein paar Minuten, um zu zeigen, dass dies nicht stimmte, wenn man es mit den Zehnjahreszeiträumen 1993 bis 2002 und 2003 bis 2012 vergleicht, d. h. wenn man also die aktuellsten Zeitreihen heranzieht. In diesem Fall zeigt die jüngste Dekade einen geringeren Anstieg im Vergleich mit der Dekade zuvor als während jeder anderen vorhergehenden Dekade. Mit anderen Worten, der Temperatur-Stillstand der letzten 16 Jahre hat begonnen, auch in den Daten Dekade für Dekade zu erscheinen.

Und das, noch bevor man die Übertreibung betrachtet, die die Temperaturaufzeichnungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vergiftet zu haben scheint – infolge Verstädterung, selektiver Auswahl von Wetterstationen und unerklärter „Korrekturen“. Zwei griechische Wissenschaftler haben vor Kurzem berechnet, dass 67% der 181 global verteilten, von ihnen untersuchten Wetterstationen diese Korrekturen den Temperaturtrend haben anwachsen lassen. Darum haben sie ihre Schätzung der aktuellen Erwärmung im späten 20. Jahrhundert halbiert.

Wie auch immer, „ohne Beispiel” heißt bei der WMO seit 1850, was eine Mikrosekunde für einen Paläo-Klimatologen wie Carter ist. Er betrachtet die langzeitliche Perspektive und weist darauf hin, dass sich die Erde seit 17000 Jahren erwärmt, sich seit 8000 Jahren wieder abkühlt, sich seit 2000 Jahren wieder abkühlt, sich seit 1850 erwärmt und sich kaum verändert seit 1997. Folglich „hängt die Antwort auf die Frage ‚findet eine globale Erwärmung statt’ fundamental von der Länge des betrachteten Zeitraumes ab“. Er fährt fort: „Ist die heutige Temperatur ungewöhnlich warm? Nein – ohne Wenn und Aber“.

Carter ist ein mutiger Mann, weil diejenigen unter den Akademikern, die nicht akzeptieren, dass die Klimaänderung gefährlich ist, oftmals verleumdet werden.

Carter ist von der James Cook University zurück getreten, bevor er sich für die Debatte um die globale Erwärmung interessiert hat, bleibt aber emeritiertes Mitglied. Er hat sich kürzlich tatsächlich benachteiligt gefunden in einer E-Mail von Kollegen, die wegen seiner Weigerung, der Linie zu folgen, aufgebracht waren. Wie der alte Witz sagt: Was ist das Gegenteil von Diversität? Universität!

The Australian, 10 July 2013

Link: http://www.thegwpf.org/matt-ridley-calls-weather-normal/

Übersetzt von Chris Frey EIKE