Die Gefahren der Energie-Technokratie

Donald Norman, Master Resource blog
„Es gibt keine Beweise dafür, dass Regierungs-Wissenschaftler und –Ingenieure besser bei der Vorhersage der Zukunft sind und besser wissen, wie die Zukunft aussehen wird als die Wissenschaftler und Ingenieure in privaten Unternehmen. Technokraten ignorieren die Tatsache, dass private Unternehmen ebenfalls Wissenschaftler und Ingenieure beschäftigen (nicht zu erwähnen die MBAs [MBA = Master of Business Administration] und Wirtschaftler) und Investitionen aufgrund ihrer Erwartungen an die Zukunft vornehmen“


Die Bewegung der Technokraten, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts bildete, befürwortete den Übergang der Entscheidungsgewalt der Regierung auf Wissenschaftler, Ingenieure und andere „Technokraten“. Begründet wurde dies mit dem Expertenwissen der Technokraten, das zu besseren Entscheidungen führen würde als von privaten Unternehmen.

Der Gedanke der Technokratie war enthalten in dem Konzept der Planwirtschaft und war von Thorstein Veblen verkündet und von der Sowjetunion übernommen worden. In den frühen Jahren der Großen Depression erfreute sich die Bewegung erneuerter Popularität. Der Glaube, dass technische, rationale und unpolitische Erfahrung die Wirtschaft wiederbeleben kann, war groß.

Wie es der Zufall so wollte, war einer der Befürworter der Technokratie M. King Hubbert, der später seine Theorie von Peak Oil entwickelte. Hubbert schlug auch vor, Energiezertifikate auszugeben, die konventionelles Geld ersetzen sollen. Diese Zertifikate könnten allen Mitgliedern eines kontinentalen nordamerikanischen „Technikums“ [„technate“] in gleicher Zahl zuerkannt werden. Später wurde Hubbert Geowissenschaftler bei Shell Oil.

Ein Energie-Comeback

Das Interesse an der Technokratie-Bewegung schwächte sich Ende der dreißiger Jahre ab, feierte aber überraschenderweise im Bereich Energie ein Comeback. Der Glaube der Obama-Administration, dass sich die Regierung Spitzen-Energie-Technologien aussuchen kann, ist etwas, das sich in gerader Linie bis zur Technokratie-Bewegung zurück verfolgen lässt.

Trotz der Erklärung von F. A. Hayek, wie Märkte Informationen verarbeiten und Entscheidungen durch Individuen im privaten Bereich koordinieren, glauben viele in der gegenwärtigen Administration, zusammen mit seinen Unterstützern, dass Wissenschaftler, die den Nobelpreis gewonnen hatten wie z. B. Energieminister Steven Chu besser positioniert sind, um die Wirtschaft auf den „korrekten“ Weg in die Zukunft zu führen und dies schneller zu tun als der Markt.

Das Problem mit der Technokratie, dem sich die Planwirtschaftler gegenüber sehen, geht über das Hayek’sche Informationsproblem hinaus. Die Entscheidungsträger hinsichtlich regierungsamtlicher Investitionen haben „kein dickes Fell in diesem Spiel“. Sie riskieren nicht ihr Geld oder das Geld von Investoren, die freiwillig ein Risiko eingehen.

Vielmehr riskieren sie das Geld der Steuerzahler, weil diese unwissentlich gezwungen werden, Investoren bei Regierungsprojekten zu werden. Die Struktur der Anreize für die Entscheidungsträger der Regierung ist folglich eine andere als die, der private Unternehmen gegenüber stehen.

Die Investoren privater Unternehmen können das Risiko, dem sie gegenüber stehen abschätzen. Sie haben Zugang zu Investment-Analysen und Einschätzungen durch Rating-Agenturen wie Moody’s oder Standard & Poor. Wenn ein Unternehmen in öffentlicher Hand ist, können Investoren Maßzahlen des Risikos finden wie Betas [?] Was aber hat der Steuerzahler in der Hand? Er hat die Beteuerung, dass Steven Chu und andere Wissenschaftler besser in der Lage sind als private Unternehmen auszusuchen, welche Technologien man übernehmen kann.

Die Vergangenheit als Prolog

Die Regierung hat auch früher schon in den Energiemärkten interveniert. Neben Preis- und Zuteilungs-Kontrollen von Öl sowie Preiskontrollen bei Erdgas hat uns die Regierung das Power Plant and Industrial Fuel Use Act of 1978 [ etwa: Gesetz für Kraftwerke und den industriellen Treibstoffverbrauch 1978] gegeben, das auf der Meinung von Experten beruhte, wonach uns das Erdgas ausgehen würde und folglich dessen Verbrauch limitiert werden musste. Folglich hat das Fuel Use Act den Verbrauch von Erdgas in der Industrie und durch neue Kraftwerke zur Stromerzeugung begrenzt [Original: Thus, the Fuel Use Act restricted the use of natural gas for industrial uses and by new power plants for electricity generation]. Glücklicherweise wurde dieses Gesetz administrativ und legislativ abgeschwächt und schließlich im Jahre 1987 aufgehoben. Die Erdgasproduktion in den USA brach in der Folge im Jahr 2011 den bisherigen Rekordwert des Jahres 1973. Im Jahr 2012 wurde auch dieser Rekord gebrochen.

Die Regierung wählte eine andere „Gewinner”-Strategie, als sie die Synthetic Fuels Corporation im Jahr 1980 ins Leben rief, deren Ziel es war, innerhalb von fünf Jahren zwei Millionen Barrel flüssigen Treibstoff pro Tag zu erzeugen. Aber leider wurde diese Gewinner-Strategie durch den zwei Jahre später folgenden Rückgang der Ölpreise beeinträchtigt sowie durch eine Administration, die eine düsterere Sicht auf die von der Regierung ausgewählten Gewinner hatte. Die Corporation wurde 1985 abgeschafft.

Zurück zum (vorhersehbaren!) Scheitern

Ohne Rücksicht auf frühere Erfahrungen stieg die Regierung 2009 erneut in das Energie-Investment ein, und Einiges war regelrecht albern. Susan Kraemer schwärmte, dass Steven Chu schließlich „den Nagel in den Sarg derjenigen einschlug, die sagen, dass die Regierung Gewinner und Verlierer nicht aussuchen kann”:

Das Aussuchen von Gewinnern, um darin im Namen der Öffentlichkeit zu investieren, macht Sinn. Jetzt sieht es so aus, als ob unsere eigene Regierung genauso smart wird wie die japanische Regierung in den neunziger Jahren. Trommeln für unser neues DOE [Energieministerium]. Heute bin ich stolz, ein Amerikaner zu sein.

Diese Überschwänglichkeit kam, bevor Solyndra (Empfänger einer Zuwendung in Höhe von 535 Millionen Dollar) bankrott ging. Fisker Automotive (Zuwendung 529 Millionen Dollar) hat kürzlich 75 Prozent seiner Mitarbeiter entlassen und steht dem Vernehmen nach ebenfalls vor dem Bankrott. Tesla, ein anderer Hersteller von Elektroautos und Empfänger von 465 Millionen Dollar behauptet, einen Profit zu erzielen, wenn es Autos zu Preisen zwischen 49900 Dollar und 180000 Dollar verkauft. Während Tesla-Kunden wie Leonardo DiCaprio von der Regierungsunterstützung für Tesla profitieren, kann man sich fragen, ob diese Zuwendungen im öffentlichen Interesse sind.

(Übrigens kann man stattdessen ein Tesla auch für 500 Dollar pro Monat leasen. Unglücklicherweise für Tesla stellen Analysten die Realität dieser Leasing-Raten in Frage und sagen, dass die wirklichen Kosten viel höher sind. Auf der Haben-Seite von Tesla steht dem Unternehmen zufolge die „volle Profitabilität“ im letzten Quartal, allerdings wurde in diesem Statement nicht spezifiziert, was „voll profitabel“ heißt. Es scheint, dass Tesla die Grenze nach Gutdünken festlegte und den Sieg beanspruchte).

Marktdisziplin … eine politische Laune

Ein Privatunternehmen wählt seine Investment-Projekte so aus, dass ein Verdienst genauso groß oder größer ausfällt als die Hindernisgröße, die es als Filter festlegt. Hindernisgrößen werden typischerweise mit den gewichteten mittleren Kosten der Kapitalerhebung verbunden und schließen die Kosten des Aktienkapitals und der Schulden ein. Ein Risikofaktor kann den mittleren Kosten des Kapitals hinzugefügt werden, das das spezifische Risiko eines Projektes in Betracht zieht.

Unternehmen werden durch die Disziplin der Marktkräfte gezwungen, Investitionen, die sich nicht so rentieren wie gedacht, zurückzufahren oder den Stecker ganz zu ziehen. Wie Armen Alchian in seinem klassischen Artikel mit dem Titel „Uncertainty, Evolution and Economic Theory“ beschrieb, können Unternehmen, die nicht sofort reagieren, die Profite nicht maximieren und werden in der Folge eventuell sogar im Zuge des Wettbewerbs aus dem Markt gedrängt.

Der Ersatz für eine Subvention oder einen Niedrigzins-Kredit der Regierung ist keine Option für Unternehmen, die sich auf private Finanzierung verlassen. Außerdem haben diese Unternehmen keinen Schutz durch Wettbewerber, die in den Markt drängen und neue Produkte oder Technologien anbieten (Beispiele: Betamax vs. VCR; VCR vs. DVD; DVD vs. streaming, Apple iPhones vs. Samsung Galaxy or Nokia Lumia, etc., etc.).

Dies gilt nicht für Regierungs-Beteiligungen. Die Regierung ist in der Lage, in die Taschen der Steuerzahler zu langen, um ein Projekt am Laufen zu halten. Kraemer weist darauf hin, dass die Unterstützung der Regierung gebraucht werden könnte, „zumindest zu Anfang“, aber die Länge dieser Anfangsperiode wird jedermann’s Einschätzung überlassen. Wie Regierungsagenturen, die selten Gegen­stand des Scheiterns sind, kann ein regierungsamtlich gefördertes Projekt einfach dadurch am Leben gehalten werden, weil es im Interesse von Politikern ist, Projekte laufen zu haben, die Arbeitsplätze in ihre Amtsbereiche bringt.

Und schließlich gibt es keinen Beweis, dass Regierungs-Wissenschaftler und Ingenieure die Zukunft besser vorhersagen können oder besser wissen, was die Zukunft bereit hält, als die Wissenschaftler und Ingenieure in Privatunternehmen. Technokraten ignorieren die Tatsache, dass private Unternehmen ebenfalls Wissenschaftler und Ingenieure beschäftigen (nicht zu erwähnen die MBAs und Wirtschaftler) und Investitionen aufgrund ihrer Erwartungen an die Zukunft vornehmen.

Die Essenz an diesem Punkt lautet, dass Entscheidungen privater Investitionen von dem Profit-Motiv gelenkt werden. Aber was lenkt die von der Regierung angestellten Wissenschaftler und Ingenieure, die für Firmen arbeiten, die in Regierungshand sind? Ist es einfach das Vertrauen in ihre Visionen? Und gibt es irgendwelche Beweise, dass ihre Visionen von der Zukunft besser sind als die aus dem privaten Bereich Kommenden?

Link: http://www.masterresource.org/2013/05/the-perils-of-energy-technocracy/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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