Globale Erwärmung und der Nepper

Rupert Darwall
Kritiker der amerikanischen Politik hinsichtlich der Kohlenstoffemissionen werfen dieser vor, ein Gefangener der Ideologie des freien Marktes zu sein. Aber sie war im Gegenteil das Produkt von Betonkopf-Pragmatismus.


Könnte es sein, dass es Ronald Reagan und nicht Präsident Obama war, der den Anstieg des Meeresspiegels verlangsamt hat? Das ist eine der Schlussfolgerungen, die man aus der Studie des kanadischen Physikers Qing-Bin Lu an der University of Waterloo in Ontario ziehen kann. An Stelle von Kohlendioxid-Emissionen, argumentiert Lu, haben Ozon zerstörende Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe FCKW und andere die globale Erwärmung verursacht. Dank der Reagan-Administration und des Montreal-Protokolls wurden FCKW in den entwickelten Ländern verbannt. Nach einer Verzögerung, sagt Lu, erreichten die globalen Temperaturen um das Jahr 2002 einen Höhepunkt, und er sagt voraus, dass sie während der nächsten fünf bis sieben Dekaden fallen werden.

Anhänger des Konsens’ sagen, dass der gestiegene Kohlendioxidgehalt die einzig mögliche Erklärung für steigende globale Temperaturen ist. Jetzt gibt es eine weitere Erklärung, und zwar mit einer Chronologie, die viel besser zu den Beweisen passt.

Es gab immer ein Problem bei der Begründung mit dem CO2 – wie man den Rückgang der Temperatur von Mitte der vierziger Jahre und den relative flachen Verlauf bis 1975 erklären kann, als der Kohlendioxidgehalt bereits kontinuierlich im Steigen begriffen war. Das IPCC hat dieses Problem damit erklärt, dass zunehmende Aerosole aus den Emissionen von Kohlekraftwerken einen Abkühlungseffekt bewirkt hätten, der den Temperaturanstieg vorübergehend zum Stillstand gebracht hätte.

Es gab keine gemessenen Daten hinsichtlich der Aerosole, so dass man Hypothesen verwendet hatte, die nicht mit der Realität verglichen werden konnten. Für jedermann außer einem Klimawissenschaftler war das zutiefst unbefriedigend – vor allem, als verschiedene Klimamodellierer verschiedene Werte verwendet haben, um ähnliche Ergebnisse zu bekommen. Trotzdem war dies die Richtschnur, die das IPCC mit seinem zweiten Zustandsbericht 1995 verfolgte. Im Gegensatz dazu wurden die Auswirkungen der FCKW auf das Klima Lu zufolge erst Ende der siebziger Jahre bedeutsam (laut Lus Analyse gibt es eine Verzögerung von etwa neun Jahren, bevor die FCKW die obere Atmosphäre erreichen und von der Erde abgestrahlte Wärme einfangen).

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In jüngerer Zeit kam dann wieder die Realität ins Spiel. „Das Klima erwärmt sich schneller, als irgendjemand noch vor fünf oder zehn Jahren gedacht hat“, erklärte Präsident Obama im vorigen Monat. Nur dass es sich eben überhaupt nicht erwärmt hat. Wie die Abbildung mit den Temperaturdaten des UK Met. Office zeigt, war die Temperatur in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts unverändert geblieben und hat dann begonnen zu sinken. Derzeit zeigt sich also eine negative Korrelation zwischen Kohlendioxid und der Temperatur.

Im Gegensatz zu der kaum eingetretenen Vorhersage einer vom CO2 getriebenen Erwärmung ist es mit den FCKW etwas Anderes. Lu zufolge weist die lineare Korrelation mit FCKW und anderen Stoffen [halocarbons] in der Atmosphäre eine „nahezu perfekte“ lineare Korrelation auf. Mit sorgfältigen Berechnungen des Erwärmungseffektes halogenhaltiger Gase konnte Lu beobachtete Temperaturwerte seit 1970 reproduzieren und auch den Abkühlungstrend der letzten 10 Jahre. Aber Lu kann die Temperaturen zwischen 1850 und 1970 oder die jüngste Abkühlung nicht mit der IPCC-Gleichung des Treibhauseffektes durch Kohlendioxid in Übereinstimmung bringen.

Egal ob der genaue physikalische Mechanismus der von Lu behaupteten  FCKW-Erwärmung anschließend modifiziert wird, die FCKW als Ursache liegen viel näher an Änderungen des beobachteten Temperaturverlaufs. Vielleicht sind die Klimawissenschaftler hereingefallen: Wie Lu anmerkt, war das Wachstum der FCKW-Konzentrationen nahezu identisch mit der Zunahme des CO2, doch hat sich Ersteres seit der Jahrtausendwende drastisch verändert.

Kritiker der amerikanischen Politik hinsichtlich der Kohlenstoffemissionen werfen dieser vor, ein Gefangener der Ideologie des freien Marktes zu sein. Aber sie war im Gegenteil das Produkt von Betonkopf-Pragmatismus. Eine Analyse der Montreal-und Kyoto-Protokolle von Cass Sunstein, der später zum Leiter für regulierende Angelegenheiten von Präsident Obama wurde, im Jahr 2007 zeigt den Grund dafür. Man hatte erwartet, dass die USA von allen Ländern die meisten Vorteile aus dem Montreal-Protokoll gewinnen und aus dem Kyoto-Protokoll verlieren würden. Jede Milliarde US-Dollar, die die USA im Zuge des Montreal-Protokolls ausgegeben hätten, sollte Schätzungen zufolge Vorteile in Höhe von 170 Milliarden Dollar zeitigen; im Falle Kyoto sollten es lediglich läppische 37 Millionen sein.

Innerhalb der Reagan-Administration war es mit einer Kosten-Nutzen-Analyse durch den Council of Economic zu einem entscheidenden Durchbruch gekommen, der die monetären Vorteile aufzeigte, zukünftige Todesfälle durch Hautkrebs zu vermeiden, was erheblich mehr Kosten sparen würde als man für diese Maßnahme ausgeben müsste. Als man die Ergebnisse Reagan vorlegte – zusammen mit dem Vorbehalt, dass im Falle die USA als Einzige tätig werden würden es nur geringe langfristige Vorteile geben würde – hat der Präsident die US-Unterhändler angewiesen, die Latte niedriger zu legen, bei der das Abkommen in Kraft treten würde.

George Shultz hat mir gesagt, dass das Montreal-Protokoll ein „wunderbarer Erfolg“ sei. Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan beschrieb es als das bis heute vielleicht erfolgreichste internationale Einzelabkommen. Obwohl es nicht zur Reduktion von Treibhausgasen gedacht war, war es doch wesentlich effektiver als das Kyoto-Protokoll.

Die Analyse von Lu wird mit Sicherheit nachhaltig ins Kreuzfeuer geraten, da sie impliziert, dass der gegenwärtige Umgang mit der globalen Erwärmung wissenschaftlich falsch ist. Solange halogenhaltige Gase, die nicht vom Montreal-Protokoll abgedeckt sind, nicht reguliert werden, würde sich der allmähliche Temperaturrückgang umkehren. Und falls er recht hat, dass nämlich die FCKW und nicht das CO2 die Temperatur der letzten 40 Jahre getrieben hat, wäre das Montreal-Protokoll viel wirkungsvoller als jeder gedacht hat. Man kreide einen weiteren Sieg für den Nepper an.

Mr. Darwall ist der Autor von "The Age of Global Warming—A History," (Quartet, 2013).

Link: http://online.wsj.com/article/SB10001424127887323844804578528841152512364.html?KEYWORDS=RUPERT+DARWALL

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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10 Kommentare

  1. Lieber Herr Frey, das wird aber Herrn Reagan’s Geist gar nicht freuen, dass sie seinen Kosenamen im Artikel-Titel so verhunzen.

    Im übrigen: FCKW ist an allem schuld? danke, hab herzlich gelacht.

    Gruß

    pH

  2. #8: Werner Moß sagt: am Montag, 24.06.2013, 17:39
    Was denn für FCKW in der Atmosphäre? Das Zeug ist 4- bis 6-mal so schwer wie Luft. Deswegen wird es auch in ppt, also in 10?12 = 0,0000000001% angegeben, damit man überhaupt noch handliche Zahlen angeben kann. Praktisch ist das nix, kann also auch keinen physikalischen Effekt haben.
    ###### ###### ####
    Sehr geehrter Herr Moß,
    Zu Ihrem Satz: „ppt . . . . . Praktisch ist das nix, kann also auch keinen physikalischen Effekt haben“
    Sind Sie sich dessen bewusst, dass Ozon nur etwa um den Faktor 3000 mal mehr in der Atmosphäre vorkommt. Würde durch UV nicht aus O2 Ozon gebildet, das wiederum mit O2 alles UV kürzer als UV-B aus der Solarstrahlung herausfiltert, dann wäre Leben wie wir es kennen auf der Erde (an Land) kaum möglich. Wieso sollen also Gase im ppt Bereich keine Wirkung haben, wenn andererseits Gase im ppb Bereich so weitreichende physikalische Wirkung haben.
    Zur Verdeutlichung: Bei einer gedachten „Normatmosphäre“ von 1 km Höhe haben wir nur 3mm Ozon, dieses „Nichts“ reicht für uns.
    Ganz nebenbei: Die Tatsache dass FCKW 4-6 mal schwerer als Luft sind wird gemeinhin überschätzt. Das Stichwort heißt turbulente Durchmischung.

    Werner Moß:“Da ist kein FCKW in der Atmosphäre!“

    Herr Moß, jetzt gehen Sie aber zum Niveau-Limbo über.

  3. Was denn für FCKW in der Atmosphäre? Das Zeug ist 4- bis 6-mal so schwer wie Luft. Deswegen wird es auch in ppt, also in 10?12 = 0,0000000001% angegeben, damit man überhaupt noch handliche Zahlen angeben kann. Praktisch ist das nix, kann also auch keinen physikalischen Effekt haben. Ich habe es nicht ausgerechnet, aber es ist wohl ähnlich, wie ein Tropfen Cola in einem Eimer Wasser. Schmeckt man nicht, sieht man nicht, riecht man nicht. Da ist kein FCKW in der Atmosphäre!

  4. Man stelle sich nur vor wie schön es wäre, wenn all die Modelle zu CO2 oder FCKW’s stimmen würden! Terraforming wäre überhaupt kein Problem. 30 bis 40 Jahre irgendein Gas rauspumpen und schon würde es auf dem Mars wärmer. Das Eis könnte schmilzen, dann der Wasserkreislauf und alles wird irdisch! Blöd nur, daß einem alle Astrophysiker beim Terraforming immer widersprechen… Warum wohl?

  5. Zu G.Weber #3:

    Vermutlich habe Sie recht. Ab er interessant ist doch auch folgender Aspekt: Nachdem von Öffentlichkeits-Starken Klimawissenschaftlern (oder solchen die sich dafür ausgeben) immer wieder den Starken Anteil des (menschengemachten) Co2 an der Klimaerwärmung betont haben, liegt hier eine Arbeit vor, die den Einfluss von FCKW auf das Klima mindestens eben so eindeutig darlegt, wie es für das CO2 gilt. Ob die zitierte Studie nun Unfug ist oder nicht, sie ist ein starker Schlag gegen die Klima-Alarmisten und Energiewende-Aktivisten.

    Christof Nordiek

  6. Zu F.Ketterer #2:

    Ich habe Ihre Anmerkung mal zum Anlass genommen bei Wikipedia nach der Definition von FCKW zu suchen.
    Nach der Definition dort ist das agebildete Molekül dort schon ein FCKW. Allerdings ist der Wikipedia-Artikel gerade in diesem Punkt Widersprüchlich. (Siehe auch entsprechenden Eintrag auf der Diskussionsseite dort.)
    Allerdings sagt der Wikipedia-Artikel auch, dass H-FCKW die Ozonschicht weniger schädigen und auch einen geringeres „Treibhauspotenzial“ haben.

    PS Wenn Sie sich über den korrekten Wortgebrauch sicher sind, dann aktualisieren Sie doch den Artikel auf Wikipedia.

    Christof Nordiek

  7. Wenn ich mir richtig erinnere hat es schon einmal mit dem Verbot des Frigen`s gelungen neue schlechtere Kühlmittel als den Frigen an der Markt zu zwingen. Die jetzige Kühlmitteln tragen die Bezeichnung R (Refrigerant).Natürlich sind sie auch an der Basis FCKW entwickelt. In der Molekül ist ein Atom Chlor wenige und dadurch patentfähig. Nun geht langsam den Patentschutz zu Ende und das Geschäft mit der Lüge deswegen auch. Wollen wir wetten, dass die jetzige als Klima unschädlich zertifizierte Kühlmittel nach dem Patentauslauf verboten werden?
    MfG

  8. Man sollte nicht den einen Nonsens durch einen neuen ersetzen. All diese unsinnigen Erklärungen, die für das CO2 nicht gelten, gelten genauso wenig für die FCKW’s.
    Nur weil wieder jemand glaubt eine neue Korrelation, die vielleicht über ein paar Jahre scheinbar passt, gefunden zu haben muß man nicht gleich HEUREKA schreien.
    Es gibt keinen menschengemachten Treibhauseffekt, egal welche Gase man dafür an den Haaren herbeizieht.

  9. Da fragt man sich nur wer im Mittelalter oder zur Römerzeit so viel FCKW ausgestoßen hat. Meiner Ansicht nach haben die kosmische Strahlung und Ozeanzyklen den größten Einfluss aufs Klima. Langfristig die Erdbahnparameter.

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