Energiewende: „Okay, dann eben Planwirtschaft!“

Energiewende ist Planwirtschaft: Bild M. Großmann / pixelio.de

Dr. Günter Keil
Am 22. Mai 2013 meldete E.ON, „dass die Vorstandsvorsitzenden von 8 führenden europäischen Energieunternehmen die EU-Staats- und Regierungschefs darauf aufmerksam gemacht hätten, dass die kritische Lage des Energiesektors dringend entschärft werden muss“ (1).

Es handelte sich dabei um die beiden spanischen Unternehmen Iberdrola und Gas Natural , die zwei italienischen Firmen Enel und Eni, die französische GDF Suez, den kleinen  niederländischen  Gashändler und –Versorger GasTerra sowie RWE und E.ON.

Die Überschrift spricht von einem Aufruf zur Wiederbelebung der europäischen Energiepolitik; der Inhalt liest sich allerdings anders.

Zunächst gibt es politisch korrekte Pflichtbekenntnisse: Im 3. und4. Absatz dieses Papiers geht es um „die Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft“ und ferner darum, dass auch „weiterhin der Kampf gegen den Klimawandel unterstützt“ werden müsse.

Dann folgen Forderungen. Schon im ersten Punkt wird die Katze aus dem Sack gelassen: Gefordert wird „eine verbesserte Marktausgestaltung, einschließlich eines auf europäischer Ebene koordinierten Ansatzes für Kapazitätsmechanismen (!) , die gewährleisten, dass alle zur Versorgungssicherheit der europäischen Kunden beitragenden Anlagen gerecht entlohnt (!) werden.“

Im Klartext: Der Begriff Kapazitätsmechanismus wird seit etwa einem Jahr von Energieversorgern, von Behörden wie der Bundesnetzagentur und auch von Verbänden wie dem BDEW für eine neue Subventionsart für Kraftwerksbetreiber benutzt. Mit dieser sollen die durch die übermäßige Einspeisung von „Grünstrom“ und die dadurch verursachte drastische Verringerung der Volllast-Betriebsstunden unrentabel gewordene Gas- und Kohlekraftwerke unterstützt werden, damit  deren Betreiber sie nicht stilllegen, was sie sonst tun würden. Deren unausgesprochene, aber unüberhörbare Drohung: Wir müssen und werden  das aus wirtschaftlichen Gründen machen – und wenn dann das Netz zusammenbricht, tut es uns leid.

Einen ersten Erfolg hatte die Lobby bereits: Die drohende Stilllegung des hochmodernen Gaskraftwerks Irsching in Bayern konnte kürzlich abgewendet werden, indem jetzt die Betreiber Geld für die Vorhaltung der Anlage als „Kaltreserve“ erhalten.

Es ist die Subventionierung des Stillstands – und genau das wird nun unter der schönen Bezeichnung Kapazitätsmechanismus von den 8 Vorstandschefs gefordert. Bezahlter Stillstand als „Wiederbelebung der Energiepolitik“.

Die Pläne gehen aber noch weiter, wie man es bereits von deutschen Behörden und Verbänden hörte: Das Gleiche soll mit Anlagen geschehen, die wegen des Erreichens ihrer Lebensdauer eigentlich stillgelegt werden sollten. Auch diese alten Kraftwerke mit ihren schlechten Wirkungsgraden müssen unbedingt mit zusätzlichem Geld am Netz gehalten und dafür auch noch teuer aufgerüstet und modernisiert werden – als Reserve.

Wer diese Zusatzkosten aufzubringen hat, dürfte klar sein: Die Verbraucher, wie immer.

Nachdem dieser wichtigste Punkt von den acht CEO´s vorgetragen wurde, kommt anschließend in Punkt 2 wieder der Ruf nach „klimafreundlichen Techniken“ sowie die Bitte, dass doch zwar „ehrgeizige, aber realistische und belastbare Ziele für Treibhausgasemissionen“ vorgegeben werden.

Im Punkt 3 wird gewünscht, dass doch die Kosten für die Bürger sinken mögen – was aber gerade durch die Forderung nach der neuen Subventionsart in Punkt 1 ins Gegenteil verkehrt wird. Denn die Finanzierung eines stillstehenden Kraftwerksparks wird die Bürger sehr viel Geld kosten.

So etwas nennt man gemeinhin Heuchelei.

In Punkt 4 werden Investitionen in „vielversprechende Techniken“ (wörtlich !) gefordert. Diese lächerliche, naive Bezeichnung kommt hier tatsächlich von  Industrieunternehmen. In diesem Zusammenhang wird die CO2-Abtrennung (vielversprechend ?), die Speicherung und sogar Schiefergas genannt. Man beachte, was nicht genannt wird: Die so schön CO2-freie Kernkraft. Und das, obwohl doch zwei der Unterzeichner, RWE und E.ON, durch die Zwangsabschaltung ihrer KKW schwer geschädigt wurden.

Damit erklärt sich auch, weshalb die mächtige französische EDF nicht unterschrieb; auch die deutsche EnBW fehlt. Weiterhin fehlen EVU aus Großbritannien, der Schweiz, aus Östereich, Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark, Tschechien, Polen, Belgien, Ungarn usw.

Es sind also keineswegs die maßgeblichen Energieunternehmen Europas, die hier ideologisch korrekte Bekenntnisse abliefern und dafür dann die Hand aufhalten.  Das Motto scheint zu sein: Wenn die Politiker Stück für Stück die Marktwirtschaft im Energiesektor abschaffen und sie durch Planwirtschaft ersetzen, dann fordern wir hier eben ein weiteres Stück neuer Planwirtschaft, damit wenigstens die Kasse stimmt.

Man sollte sich nicht täuschen: Die hier eingeforderte neue Subvention ist bereits im Gange und wird einen weiteren erheblichen Abfluss an Wirtschaftskraft bei allen Verbrauchern mit sich bringen. Diese Forderung ist im Grunde ein Zeichen von Resignation in der Energiewirtschaft. Bevor es  endgültig kracht, möchte man wenigstens noch etwas verdienen.

Dr. Günter Keil, u.a. Autor des  Buches "Die Energiewende ist schon gescheitert"

(1): http://www.eon.com/de/news/pressemitteilungen/2013/5/22/acht-fuehrende-……html

Sankt Augustin,  15.6.2013

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13 Kommentare

  1. #12 Sie haben voll ins Schwarze getroffen.
    In diesem Dilemma leben wir seit mehr als ….Jahren.
    Da müsste die Offentlichkeit eigentlich staunen, daß nicht mehr passiert ist.
    Es gibt auch gute Dinge zu berichten. Im März 2013 wurde die Regelzone 50hertz an einem Tag über den Zeitraum von 8 Stunden aus Wind- , Biogas- und Photovoltaik- Energieumwandlung betrieben.
    Was verwundert ist die Tatsache,daß kein Befürworter dieser Schwachsinntechnik es bemwerkt hat. Die nachprüfbaren Daten zu diesem Ereignis waren und sind im Internet verfügbar.

    Für mich ist es der Beweis gewesen, daß es diesen Herren wirklich nur um finanziellen Vorteil und gar nicht um die technische Lösung geht.
    Es sind auch Führungskräfte am Werk, denen sind beide Motive ….egal. Ihr Interesse gilt nur der eigenen Karriereleiter.

  2. Als, jetzt ehemaliger, Mitarbeiter eines großen Energieversorgers möchte ich auf einen Punkt hinweisen, der ansonsten keinerlei Beachtung findet.
    Und zwar den direkten und indirekten Einfluss der Politik bzw. der Parteien auf deutsche Großunternehmen.
    In Deutschland – wie wohl auch in anderen europäischen Staaten – sind Großbetriebe „durchseucht“ von Parteien, deren Handlangern und Profiteuren – mit freundlicher Unterstützung der Gewerkschaften.
    Also, was kann man dann für einen Widerstand erwarten, wenn viele Posten nach Parteibuch besetzt werden?
    Ähnlich dem Verfassungsgericht, das ebenfalls nach Parteienproporz besetzt wird.
    Wie weit sich dieser Einfluss in die Vorstände ausdehnt, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Aber da man in Deutschland ohne Parteibuch (sprich Beziehungen) keine Eisbude mehr eröffnen kann, bin ich da sehr skeptisch.

  3. Zum Thema Revoluzzer!!

    Es zeichnet sich ab, dass die Juristen das EEG nicht als das ursächliche Problem sehen.
    Mir juristischem Sachverstand wird die eigentliche Problematik der Kostenexplosion auf die AGB’s
    der Netzverteiler verschoben.
    Jeder Einzelkunde, der diese Geschäftsbedingungen akzeptiert, erklärt automatisch den Umverteilungvorgang mit der EEG-Umlage für rechtens.

    Hier kann nur Bewegung reinkommen, wenn zu Tausenden diese AGB’s widerrufen werden. Wenigstens in Bezug auf die EEG-Umlage. Wie die spitzfindigen Juristen darauf reagieren, bliebe abzuwarten.

  4. Die Revoluzzer kämpfen ja gerade in Berlin und Hamburg für den Rückkauf der Stromnetze durch die Kommune. Kostet erst mal ein paar Milliarden. Dann soll ein neues kommunales Stadtwerk gegründet werden, was ausschließlich „Öko-Strom“ produziert und das alles soll dann am Ende billiger werden als jetzt.
    Manchmal denke ich, vielen Leuten hier geht’s einfach zu gut und sie haben zuviel Zeit und keine wirklichen Sorgen und wissen mit ihrer Zeit nichts Sinnvolles anzufangen. Zudem suchen sie wohl irgendein Gemeinschaftsgefühl und eine scheinbar sinnvolle Tätigkeit in ihrem offensichtlich trostlosen Leben. Und dann engagieren sie sich eben, ohne natürlich auch nur irgendwie Ahnung von der Materie zu haben, für die Rekommunalisierung von Stromnetzen. Ich glaube, unser Wohlstands-Deutschland wird irgendwann ein Fall für den Psychiater.

  5. #7 Stubenvoll fragt „Wo sind die Revoluzzer?“

    Die Revoluzzer befinden sich allesamt auf der grünangestrichenen Seite und sind ausgiebig damit beschäftigt, sich gegeseitig zu behindern. Stichwort hierzu: Stromnetzausbau.

    Egal nun ob für „Erneuerbare“ oder importierte Energie von Nord nach Süd, Ost nach West oder umgekert, die Stromtrassen müssen gebaut werden. Und wer steigt schon bei der Planung auf die Barrikaden? Es sind die organisierten Truppen der Grün(in)en, die ansonsten den Umweltschutz mit Füssen treten. Der Ausbau der „Erneuerbaren“ geht ihnen nicht schnell genug, aber das erforderliche Verteilnetz ist Teufelswerk. Aber Schuld, daß nichts vorangeht, haben natürlich die etablierten Stromkonzerne. Die haben noch nicht einmal geschnallt, daß der Netzbetrieb schon seit einigen Jahren von den Stromproduzenten abgekoppelt ist.

    Dazu habe ich mal eine Frage an die Experten.
    Über den Netzbetreibern ist die Bundesnetzagentur angesiedelt. Handelt es sich hierbei um eine Bundesbehörde mit Verantwortung für das Gesamtnetz?

    mfg

  6. #4: „dass max. 85% EEG Stromumwandlung technisch zu beherrschen seien“: da das in der Praxis ohne Speicher eben nicht geht, bei 1.000 Sonnen- u. 2.000 Windstunden im Jahr, plant man bis zu 25% Strom zu importieren und mit Smart Grid den Verbrauch zu steuern. Die Russen bauen ja schon ein Atomkraftwerk in Königsberg/Kaliningrad und die Tschechen bauen Temelín aus, auch die Polen denken nach! Deutschland wird zum energetischen Sozialfall, wir sind bald darauf angewiesen, dass uns die Anderen unter die Arme greifen, spätestens, wenn/falls die restlichen Atomkraftwerke abgeschaltete werden und kein konventioneller Ersatz bereitgestellt wird, wonach es aussieht. Was das für die Kosten und damit die Arbeitsplätze bedeutet, kann man sich heute noch gar nicht vorstellen. Diese Wende, so sie fortgeführt wird, wird ein ausgeplündertes, deindustrialisiertes, verarmtes Land hinterlassen. Ihre Denkmäler – oder soll man besser Mahnmale sagen? – werden noch lange unsere Landschaften schmücken.
    Der „Exportschlager“ Energiewende schlägt mittlerweile zurück. 21 Mrden Verlust bei Solar-Anlegern. Milliardenverluste bei allen beteiligten Firmen! Und ob die Zahlungen nach dem EEG wirklich durchlaufen steht in den Sternen. Wenn nicht droht vielen Solar- und Windparks die Pleite.
    Mit Schutzzöllen versucht die EU zu retten was noch zu retten ist, ein Instrument, das auf uns zurück schlagen wird. Aus dem Exportschlager ist ein Importschlager geworden. Unsere restlichen Exportschlager werden uns auch noch wegbrechen, wenn Energie unbezahlbar wird.
    Nebenbei gibt es ja noch die Eurokrise.
    Vielleicht krachen doch einmal eine paar Laternen! Wo sind die Revoluzzer?

  7. Die „breite Öffentlichkeit“ ist in Sachen Stromversorgung völlig unwissend, und das wird auch so bleiben. Von daher findet sich immer eine politisch relevante Mehrheit, die den grünen Rattenfängern in Sachen „100 % EE ist möglich“, nachläuft. Der Deutsche kämpft immer bis zur Stunde Null, ehe man sich von ideologischen Irrtümern frei macht; von daher muss der Schaden durch die „Energiewende“ wohl maximal sein, ehe die Zipfelmütze von dem toten Pferd absteigt….

  8. Warum die „Planwirtschaft“ (das ist doch so wie so nur eine hohle abgedroschene ideologielastige rückwärtsorientierte Phrase! und außerdem äußerst unsachlich)als Vehikel zur Beschreibung der Realität bezeichnen? Ein völlig unnötiger Umweg! Es handelt sich doch hier um ein politisches reales Produkt des monopolbegünstgenden Staatskapitalismus, der sich gern zur Tarnung seines Wolfscharakters ein Schafsfell überzieht.
    Gruß
    B. Hartmann

  9. Erstmal danke an die Eike Redaktion, daß dieser Artikel wenigstens hier einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht wird.

    Das Dilemma der aktuellen Energiewirtschaft besteht nun mal in der Tatsache, dass die Gesetze für Einspeisung und Erzeugung vom deutschen Parlament auf den Weg gebracht wurden.

    Diese Gesetze müssen eben eingehalten werden.

    Über die Konsequenzen in der Zukunft, ist an dieser Stelle (Eike-Portal) mehrfach hingewiesen worden.
    Vor 2 Jahren hat mir ein Insider in der Systemtechnik erklärt, dass max. 85% EEG Stromumwandlung technisch zu beherrschen seien.
    Es ist nur eine Frage des Preises, ob die betroffenen Stromkunden diesen Weg mitgehen.

    Diese Antwort ging mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf.

    Da die Systemverantwortung für das Europäische Stromnetz bei den Netzbetreibern liegt, ist es deren Recht und Ihre Pflicht, Aufmerksamkeit zu erzeugen.
    Wenn in Deutschland kein verantwortlicher Politker bereit ist den technischen Unsinn zu unterbinden, bleibt nur noch die Preisdiskussion übrig.

    Zur Beruhigung hat mir damals der Herr von der Systemtechnik noch etwas mit auf den Weg gegeben: Wenn die Bevölkerung wirklich bis auf 85% mitgeht, dann wird es nur sektionale Abschaltungen geben.
    Systemrelevante Gebiete bleiben unter Strom.

    Mit herzlichem
    Glückauf

    Alfred Georg Casimir

  10. Es ist ein Drama, mitanschauen zu müssen, wie der Industriestandort Deutschland von völlig missgeleiteten *Minderheiten* Stück für Stück in den Abgrund gestürzt wird.

    Ich bin mal gespannt, was unsere Laternen noch alles aushalten werden müssen, wenn der Kahlschlag erst so richtig losgeht.

    Eine sehr beunruhigende Enbtwicklung…

  11. Für diesen Irrsinn gibt es eigentlich nur die uralte Erklärung: Wen die Götter verderben wollen, den treiben sie zunächst in den Wahnsinn. Eine traurige Parallele findet sich diese Woche im Spiegel unter der Überschrift: die neue Schlechtschreibung. Darin wird demonstriert, wie Verantwortliche unserer Erziehungsinstitutionen systematisch Analphabeten heranziehen. Es gilt als besonders kreativ, wenn man im 3. Schuljahr das Wort Vater noch nicht schreiben kann, stattdessen Fata, Fadda, Vahder, Fahter schreibt. Vielleicht sollte man die Vorstandsvorsitzenden
    auf ihre Kreativität in Sachen Energieeffizienz testen: Di Wintreder brauchen tzusetslich allte unt näue Gaahskrafdwerrcke.

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