Ausstieg aus Kernenergie: Technologie-Transfer mit Dampferzeugern aus China

Dampferzeuger für ein KKW. Quelle Wikipedia

von Klaus-Dieter Humpich
Anfang Mai wurde der erste in China gefertigte Dampferzeuger für einen EPR (European Pressurized Water Reactor) auf der Baustelle in Taishan (140 km westlich von Hong Kong) angeliefert. Was ist daran so bemerkenswert? Nun, der EPR ist der modernste Reaktor (sog. Generation III+) von Areva. Ursprünglich eine gemeinsame Entwicklung von Deutschland und Frankreich. Er sollte die Weiterentwicklung der bis dahin modernsten Reaktoren (Konvoi und N4) in beiden Ländern sein. Dieser Typ verkörpert über mehrere Jahrzehnte gewachsene Erfahrung in Bau und Betrieb. Außerhalb von China sind nur zwei weitere Reaktoren (Olkiluoto in Finnland und Flamanville in Frankreich) z. Zt. im Bau. Man kann mit Fug und Recht sagen, dieses Modell ist das mit Abstand anspruchsvollste Projekt, was der europäische Anlagenbau (noch) zu bieten hatte. In seiner Komplexität und seinen technischen Anforderungen höchstens noch mit dem Airbus vergleichbar.


Eine Nation, die solche Kernkraftwerke bauen kann, ist auch jederzeit auf allen anderen Gebieten der Anlagentechnik (Chemieanlagen, Raffinerien, Spezialschiffbau etc.) ein ernsthafter Konkurrent. Wer andererseits freiwillig aus der "Hochtechnologie" aussteigt, leitet unweigerlich die Deindustrialisierung ein. Der Fortschritt kennt nur eine Richtung: Wer die Entwicklung (freiwillig oder unfreiwillig) einstellt, muß gnadenlos auf dem Weltmarkt aussteigen. Der Niedergang der DDR ist ein schönes Beispiel dafür. Letztendlich führt das "Rumwursteln im Mangel" immer auch zu einem gesellschaftlichen Zusammenbruch. (Quelle Bild rechts: http://www.nrc.gov/reading-rm/photo-gallery/index.cfm?&cat=Nuclear_Reactors)

Der Dampferzeuger als technisches Objekt

Was macht den Dampferzeuger eines Kernkraftwerks so besonders, daß weniger als eine Hand voll Länder dazu in der Lage sind? Die schiere Größe und die Komplexität. Trauriges Beispiel hierfür, sind die von Mitsubishi aus Japan neu gelieferten Dampferzeuger für das Kraftwerk San Onofre in USA. Sie waren in kürzester Zeit schwer beschädigt, was zu einem mehrmonatigen Ausfall des Kraftwerks geführt hat. Wahrscheinlicher Grund: Falsche Berechnung der Strömungsverhältnisse. Wieder einmal, ist die Kerntechnik der Antrieb für die Entwicklung verbesserter Simulationsprogramme. Die heute in vielen Industriezweigen verwendeten Thermo-Hydraulischen-Simulationen (Verknüpfte Berechnung von Strömungen und Wärmeübertragung) würde es ohne die Kerntechnik schlicht nicht geben. Die hierfür nötigen "Super-Computer" ebenfalls nicht. Wer meint, aus dieser Entwicklung aussteigen zu können, endet zwangsläufig bei den bemitleidenswerten "Klimamodellen" aus der Berliner Vorstadt, mit denen man uns weiß machen möchte, man könne die "Welttemperatur" auf einige zehntel Grad genau berechnen.

Viel unmittelbarer ist der Zusammenhang auf der "mechanischen" Seite. Ein solcher Dampferzeuger hat ein Gewicht von etwa 550 to bei einer Länge von 25 Metern. Wer solche Massen wie ein rohes Ei heben, transportieren und auf den Millimeter genau absetzen kann, braucht sich auch vor anderen Baumaßnahmen nicht zu fürchten. Dies erfordert eine entsprechende Infrastruktur und vor allem "Fachkräfte" mit jahrelanger praktischer Erfahrung. Viel entscheidender ist jedoch, die Fertigung solch großer Teile, in der erforderlichen Präzision, aus speziellen Materialien. Bisher ist der Bau von Bearbeitungszentren eine Domäne der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie.  Was geschieht aber, wenn Europa den Schwermaschinenbau immer mehr aufgibt? Die Werkzeugmaschinenhersteller werden ihren Kunden nach Asien folgen müssen.

Die Kerntechnik war stets ein Hort für die Verarbeitung exotischer Werkstoffe. Die Dampferzeuger sind ein typisches Beispiel. Sie müssen die gesamte im Reaktor erzeugte Wärme übertragen und daraus Dampf erzeugen. Dazu ist eine entsprechende Druckdifferenz und Wärmeübertragungsfläche nötig. Ein Druckwasserreaktor muß wegen der Neutronenphysik mit flüssigem Wasser betrieben werden. Ein Turbine mit Dampf. Damit das Wasser bei einer Temperatur von rund 330 °C noch flüssig bleibt, muß es unter einem Druck von etwa 155 bar stehen. Der damit hergestellte Dampf von knapp 300 °C hat aber nur einen Druck von etwa 78 bar. Diese enorme Druckdifferenz von etwa 80 bar muß sicher beherrscht werden. Für solch hohe Drücke kommen praktisch nur dünne Rohre in Frage, denn die Wärme soll ja durch die Rohrwand hindurch übertragen werden. Solche Dampferzeugerrohre haben eine Wandstärke von lediglich einem Millimeter, bei einem Außendurchmesser von weniger als 2 Zentimetern. Wie kann man aber fast 24.000 Liter pro Sekunde durch solch enge Rohre pumpen? Nur indem man tausende Rohre parallel schaltet und genau das ist die nächste Herausforderung: Zehntausende Röhren müssen pro Reaktor hergestellt, gebogen, befestigt und abgedichtet werden. Das Material muß eine gute Wärmeleitung besitzen, bei möglichst hoher Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Hinzu kommen noch jede Menge Einbauten und Instrumentierung. So etwas kann man nur in einer Fabrik bauen, die eher einem Labor oder Krankenhaus gleicht, aber nicht in einer Schlosserei. Mit hoch qualifizierten (und deshalb auch gut bezahlten) Fachkräften.

Die gesellschaftlichen Konsequenzen

Die ersten vier Dampferzeuger für den Block Taishan 1 wurden noch komplett bei bei Areva in Chalon-StMarcel gefertigt. Die weiteren vier für Taishan 2 kommen bereits aus chinesischer Fertigung. Das Lerntempo ist bemerkenswert. Entscheidend ist aber folgendes: Niemand baut eine eigene Fabrik für nur vier Dampferzeuger. Ein solcher Schritt macht nur Sinn, wenn man vor hat, noch ganz viele zu bauen. Zuerst lockt der eigene Inlandsmarkt. Für Areva dürfte sich schon dieses Geschäft mit dem Wissenstransfer erledigt haben. Der chinesische Markt für Kernkraftwerke ist gegenüber dem europäischen gigantisch. China kann also in kürzester Zeit Kostenvorteile durch Serienproduktion erzielen. Mit diesen Kostenvorteilen wird es in spätestens einem Jahrzehnt massiv auf den Weltmarkt drücken. China wird aber auch die eingekaufte Technik weiterentwickeln. Die "kleine" Areva hat langfristig keine Chance mitzuhalten. Wenn nicht jetzt massiv umgedacht wird, hat Europa in weniger als einer Generation eine weitere Schlüsseltechnik verspielt: Nach dem Bau von Computern wird auch der Kraftwerksbau aus Europa verschwinden und mit ihm im Fahrwasser, ganze Industriezweige. Aber wahrscheinlich ist das der wahre Grund für die "Energiewende": Es geht nicht um ein bischen "Ökologismus" sondern schlicht weg (mal wieder) um "Gesellschaftsveränderung".

D. Klaus Dieter Humpich ist Betreiber der Website NukeKlaus.

Sein Selbstverständnis beschreibt er u.a. dort so:

Kerntechnik gilt auch innerhalb der Ingenieurwissenschaften als "schwer verständlich". Der Autor entsinnt sich noch an die Kritik in seiner eigenen Studienzeit, warum er sich das antuen wolle. Gemeint war die viele Mathematik und der Arbeitsaufwand. Eine grüne Partei war noch nicht einmal gegründet. Schon damals beschlich den Autor das Gefühl, daß sich dieser Rückzug in einen elitären Turm der Wissenschaft eines Tages fürchterlich rächen könnte. Heute gibt es wohl keinen Kerntechniker mehr, der über einen "Atomexperten" (meist Synonym für Sozialwirt, Deutschlehrer, Rechtsanwalt etc.) lächelt. Längst wird in Deutschland die veröffentlichte Meinung durch Aberglauben bestimmt.

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16 Kommentare

  1. @Hr. Urbahn
    Den EPR wird man dann erst richtig bewerten können, wenn dieser im kommerziellen Betrieb seine Wirtschaftlichkeit unter Beweis stellen muss. Der weltweite Kunde entscheidet nach der Wirtschaftlichkeit.
    Das gleiche gilt für KERENA-Projekt wie auch für das ATMEA-1 Projekt.
    KERENA ist ja zusammen mit EON angegangen worden. Leider ist EON zum Abschluss des Projektes ausgestiegen, so dass eine kommerzielle und damit ein Wirtschaftlichkeits Beweis noch aussteht.
    Alle Reaktortyp-Projekte sind Gemeinschaftsprojekte. Und diese Projekte werden sich weiterentwickeln und damit immer wieder verbessern/optimieren.

    EPR = Siemens/Areva.
    KERENA = Areva/EOn.
    ATMEA-1 = Areva/MHI_Japan( Mitsubishi Heavy Industrie)

    Daran sehen Sie schon, wie verknüpft und weltweite Kerntechnik ist. Nach dem Kernkraft-Ausstieg der deutschen Politiker und Unternehmen rückt die weltweite Kerntechnik immer näher zusammen.

    Und das, meine Herren, ist eigentlich das Tragische am deutschen Kernkraftausstieg. Jetzt, da die Kernkraftbauer-Länder sich geöffnet haben und mehr und mehr zusammenarbeiten und jedes Land positive wie auch negative Erfahrungen in zukünftige Kernkraftprojekte zur Weiterentwicklung und Verbesserung durch Forschung und Wissenschaft mit einbringt, da springt Deutschland vom Energie-Innovations-Zug der Zukunft ab!
    AREVA hilft z.b. den japanischen Kernkraftwerksbetreibern ihre Anlagen mit den neuesten Sicherheitstechniken auszurüsten. Und diese Sicherheitstechnik wurde hauptsächlich noch von Siemens Ing. entwickelt und ist seit Jahren schon in deutschen Kernkraftwerken standard.

  2. Sehr geehrter Herr Hofmann,
    bei aller Sympathie für Ihren letzten Kommentar. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, daß Sie schreiben, wie toll der EPR wäre und dann noch als Gemeinschaftsprojekt und das die Kostenüberschreitungen bei der Anlage als Prototyp in Finnland ohne Bedeutung seien. Dem haben Herr Glatting und ich aus fachlicher Sicht entschieden widersprochen. Sie haben auch versucht den SWR 1000 herunter zu reden, obwohl sie von diesem Projekt offensichtlich keine Ahnung haben. Ihre allgemeinen Aussagen pro Kernenergie betrachte ich ja mit großem Wohlwollen. Aber auf fachlicher Ebene sollten Sie sich nicht äußern.
    MfG
    H. Urbahn

  3. @H. Urbahn #12
    Fakt ist doch zur Zeit, dass die deutsche Politik und im Gefolge dazu die deutschen Unternehmen aus der Kernkraft ausgestiegen sind. Siemens,ENBW,EON,RWE waren doch die Treiber bei der weltweiten Hochtechnologie „Kernkrafttechnik“!
    Das deutsche Kernkraftwerkstechnik qualitätsmäßige Spitzentechnik war, will ich ja auch gar nicht absteiten. Nur hat sich halt die deutsche Politik und die Unternehmensfürhungen in Deutschland nicht mehr dafür interessiert und die Kerntechnik als „Böse“ gegeiselt. Somit hat ein Teil der deutschen Kerntechnik asyl bei den Franzosen (Areva) gefunden.
    Der weltweite Kernkraft-Kunde wird in Europa nur noch einen Ansprechpartner in Sachen Kernkrafttechnik haben und dies wird nicht Siemens,EON,RWE oder ENBW sein, sondern AREVA und EDF. Und die Sicherheitstechnik und der Rückbau von Kernkraftwerken hat die deutsche Areva Region innerhalb des weltweiten Areva Konzern als „Leit-Führungsbereiche“ zugesprochen bekommen. Somit lebt das deutsche Kerntechnikwissen in Form von „Sicherheit“ und „Rückbau“ Kompetenz in Deutschland weiter. Mit dem deutschen Kernkraft Ausstieg haben sich die Karten in Europa und der Welt wieder neu gemischt. Kernkraftwerke werden weiterhin gebaut. Nur das Deutschland politisch, wirtschaftlich und technisch nicht mehr die Hauptrolle spielt. Wer in Zukunft von Kernkraft Made in Europe spricht, der spricht mit AREVA. So einfach ist das!
    Und zum Schluss entscheidet der Kunde nach dem wirtschaftlichen Verhältnis zwischen Betriebs-Revionskosten und Leistungsstärke/Sicherheit!
    Die Investitionskosten sind bei einem Produkt, dass mindestens 50 Jahre Leistung bringen kann, zu vernachlässigen. Wichtig ist hier das Verhältnis zwischen Bertiebskosten und Leistung.
    Und die Politik ist hier auch noch zu erwähnen. Gerade die deutschen Kernkraftwerksbetreiber haben ja damit schlimme Erfahrung machen müssen. Kaum waren die Investitionskosten eingefahren wurden die Kernkraftwerke politisch eingestampft. Das war nicht nur für die Betreiber verherrend, sondern auch für die deutsche Volkswirtschaft wird das negative Folgen haben. Beteiligungsunterstützungen bei den kommunalen Versorgern werden von den großen Kernkraftwerksbetreibern zuürckgenommen. Die Kommunen/Gemeinden und Städt und zum Schluss der Staat werden weniger Steuer- und Abgabeneinnahmen haben. Die Arbeitskosten werden ansteigen usw.usw.

  4. Hallo Herr Urbahn,

    zuerst will ich mal betonen, dass wir hier keine unterschiedlichen Auffassungen vertreten. Leider verfüge ich nicht über die detaillierten Kenntnisse ihrer Kollegen, die den EPR zu begutachten hatten.
    Aber seit ich vor kurzem Messungen beim DE-Bespeisen einer französischen Anlage beim Anfahren gesehen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die französischen Kraftwerke genauso bescheidene Konstruktionen waren wie seinerzeit die Autos.
    Sozusagen R4 gegen Benz.
    Und wenn man nun versucht hat R4-Teile in den Benz einzubauen (so wegen Gemeinschaftsprojekt) kann ich mir das Hände-über-dem-Kopf-zusammenschlagen ihrer lieben Kollegen bildlich vorstellen.

    Grüße

    Hallo Herr Niemann,

    ich sehe es genauso wie ihr Freund Alois.
    Doch in Deutschland sind andere Kräfte am Werk. Bereits Mitte der 80er sagt Heiner Geißler, dass die Kernkraft in Deutschland politisch nicht mehr durchsetzbar sei. Den Grünen wurde nie und nirgends die Stirn geboten. Das grünsozialistische Gutmenschentum wurde Stück für Stück in der Gesellschaft über die Presse und den daraufhin handelnden Politikern implementiert. Die sechs grünsozialistischen Blockparteien im deutschen Bunztach unterscheiden sich nur in Nuancen voneinander, auf dass die Partei des kleineren Übels (aber immer noch voll übel) die Wahl gewinnt.
    Ich hoffe das die AfD in den Bunztach einzieht und auch zu der verhunzten Energiepolitik eine vernünftige Stellung bezieht. Ich arbeite jedenfalls daran mit.

    Grüße

    @#11: Hofmann,M.

    Herr Urbahn hat recht. Sie sollten es bei diesem Thema nach Nuhr handhaben.

  5. Hallo Herr Hoffmann
    35% sagen schlicht und ergreifend die Franzosen hatten in allen Dingen das Sagen. So einfach ist das. Da der EPR auch in Deutschland genehmigungsfähig sein sollte, mußte AREVA hier Rücksicht nehmen, sonst wäre dabei nichts als ein leicht verbesserter N4 herausgekommen. Da Sie auf meinen Kommentar geantwortet haben, haben Sie sicher auch den letzten Teil gelesen, über die indirekte Einflußnahme der Siemensleute über die Gutachter. dies sagt doch eigentlich alles.
    Ich möchte auch noch kurz Stellung nehmen zu Ihrer Aussage: der SWR1000 sei nur eins von vielen Reaktorprojekten. ich weis nicht Herr Hofmann, welche Tätigkeit Sie ausüben. Allerdings sind Sie ganz sicher nicht auf dem Gebiet der Reaktorentwicklung tätig bzw. tätig gewesen. Wenn sie nur etwas Ahnung hätten, dann wüßten sie, daß es sich bei dem SWR 1000 um ein von den EVU bezahltes voll durchentwickeltes Projekt gehandelt hat. Der SWR 1000 war genauso baureif wie der EPR, wäre aber sicherheitstechnisch um mindestens eine Größenordnung besser gewesen als der EPR.
    MfG
    H. Urbahn

  6. @H. Urbahn #9
    35% sind 35% und damit eine Hausnummer bei einer Beteiligung, die als „Gemeinschaft“ zu kennzeichnen ist. Eine Mehrheitsbeteiligung sagt ja noch lange nichts über Knowhow Einbringung aus…Warten wir es ab. Zum Schluss muss sich jede Technik der wirtschaftlichen Realität stellen. Auch die gesetzlich, per EEG- Zwangssubventionierten Erneuerbaren Energietechniken werden sich früher oder später der Marktwirtschaft stellen müssen. Und damit die wirtschaftlichen Karten auf den Tisch legen.
    Vielleicht fällt ja beides im Jahr 2015 zusammen…EPR gegen EE im marktwirtschaftlichen Schlagabtausch….;)

  7. @ Lutz Niemann #8
    Das EPR Bau-Projekt wurde leider vor dem Sicherheitstest von Fukushima gestartet. Naja, sehen wir es mal so. Mit dem EPR haben wir die sicherste Sicherheitstechnik für ein Kernkraftwerk. Somit kann es ja bei den zukünftigen Baukosten nur noch besser werden…;)

  8. Hallo Herr Glatting,
    meine Aussage zur Konvoianlage mit Core-Catcher stützt sich im Wesentlichen auf die Aussage vieler lieber Kollegen, die den EPR zu begutachten hatten. Der EPR sollte ja auch in Deutschland genehmigungsfähig sein.
    Herr Hofmann, der EPR ist ja eigentlich kein Gemeinschaftsprojekt , wie Sie sagen. Siemens wollte seine Kernenergiebereich los werden und hat diese in eine Gemeinschaftsfirma mit den Franzosen eingebracht. Siemensanteil 35%. Sie sehen, wer hier das Sagen hatte. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie die Kollegen, die den EPR zu begutachten hatten, erzählten, daß die Siemens/KWU-Ingenieure sie dringend gebeten hatten, bestimmte Dinge als nicht genehmigungsfähig zu erklären, weil es den Reaktorentwurf noch mehr verschlimmbessert hätte.
    MfG
    H. Urbahn

  9. Herr Hofmann, Sie sagen da:

    ….Chemie,Physik) bleiben Hightechbranchen. All diese Hightechbranchen stehen im politischen grünsozialen Deutschland/Europa mehr und mehr zum Abschuss/Ausbluten bereit…

    dazu möchte ich folgende Nachricht weiter geben, die von einer engagierten Lehrerin an einem Gymnasium stammt, und die verstanden hat, was die Quelle unseres Wohlergehens ist:

    Es gibt Bestrebungen, die Fächer Physik, Chemie, Biologie mit je 2 Wochenstunden zu einem neuen Fach „Natur und Technik“ mit nur noch zwei Wochenstunden zusammen zu legen. Dieses gibt es schon in den Ländern Bremen, Hamburg und NRW. Und in dem neuen Fach kommt vor der Technik zunächst die Natur, offenbar das wichtigere. Sie sehen also, wie recht Sie mit Ihrer Bemerkung haben.

    Mein Freund Alois sagte:
    Fukushima war ein unfreiwilliger Stresstest an Kernkraftwerken mit baulichen Mängeln (zu kleines Containment, keine Wasserstoffrekombinatoren, keine Filterstrecken zum Abklingen, unzureichender Schutz vor Tsunami), wo trotz dreier Kernschmelzen mit Freisetzung von Radioaktivität kein Mensch einen gesundheitlichen Schaden durch Strahlung erlitt (nachzulesen bei IAEA, UNSCEAR, WHO) – es gibt keinen besseren Beweis für die Güte der international angewandten Reaktorsicherheitsphilosophie.
    Dieser Formulierung kann ich zustimmen, und das beweist, „Kernenergie ist KEINE Risikotechnik“ und das zeigt, wie überflüssig manch eine zusätzliche Maßnahme zur Sicherheit ist. Wenn der Chef (oder die Chefin) in unserem Lande den Menschen dieses in einfachen verständlichen Worten darlegen würde, dann würden die Menschen das akzeptieren, davon bin ich überzeugt. Schließlich glauben die Menschen in diesem Lande auch, dass eine Vollversorgung mit Solar- und Windstrom möglich ist (jedenfalls sagen es die Menschen, dass sie derlei glauben würden. Ob sie es wirklich glauben, das weiß ich nicht, denn die Gedanken sind frei).

  10. @H.Urbahn #5
    Der EPR ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt von Deutschland (Siemens) und Frankreich (Areva).
    Airbus ist auch ein europäisches Gemeinschaftsprojetk.
    Und die Mutter aller nachkriegszeitlichen europäischen Wirtschaftsgemeinprojekte ist die Montanunion.
    Der SWR 1000 ist nur einer von vielen Kernkraftwerkstypen. Und der EPR ist ein europäisches Gemeinschafts Kernkraftwerks Projekt. Hier zählt zu aller erst die Gemeinschaft und die Wirtschaftlicheit und das technische Knowhow wird sich erst bei Inbetriebnahme unter Beweis stellen müssen. Somit ist über die reale technische und wirtschafltiche Qualität erst dann ein Urteil abzugeben, wenn dieser Reaktortyp im kommerziellen Betrieb ist. Dann wird sich zeigen ob Top oder Flop. Die Baukosten bei einem Prototyp sind erstmal nicht so schlimm. Da Prototypen immer mehr Kosten als ein Serien-Fertigungs-Typ. Und an China kann man ja sehen, dass die Baukosten des EPR um einiges tiefer angesetzt werden können. Somit abwarten. Wäre zu wünschen, dass das europäische Kernkraftwerk Erfolg hat. Wäre mal wieder ein positives Ausrufezeichen für die europäische Technik-Ingenieure-Wissenschafts Zusammenarbeit.
    Auch wenn Siemens, aus bedauerlichen Gründen, aus dem Hightech Segment der Kerntechnik mittlerweile ausgestiegen ist.

  11. @#3: Lutz Niemann,

    in Oki musste alles doppelt und dreimal gebaut werden. Das hat schon mit den Bodenplatten angefangen bei denen zuerst die Dehnfugen vergessen wurden und die beim zweiten Anlauf bei zu kalten (nicht spezifizierten) Temperaturen gegossen wurden.
    Bei den Ausschreibungen haben sich Firmen beteiligt, die von den Anforderungen keine Ahnung hatten. Da mussten Behälter komplett umgebaut bzw. verschrottet werden, weil sie falsch konstruiert waren und die rechnerischen Nachweise somit nicht erbracht werden konnten (solche Fälle hatte ich schon selbst auf dem Tisch).
    Bei fertigen Rohrleitungen erbrachten die Prüfungen so viele Fehler, dass es mit Reparaturen allein nicht getan war.
    Wer das dann zahlen muss, wird wohl von Gerichten entschieden.
    Derartige Probleme haben dort wohl die bisher höchsten Kosten verursacht. Die gegenüber Konvoi erhöhten Anforderungen wie zweite Kuppel und Core-Catcher dürften dagegen zweitrangig sein.

    Deshalb auch:
    Hallo Herr Urbahn,

    Der EPR ist nicht viel was anderes als eine Konvoianlage mit Core-Catcher!
    Vom Durchmesser des Containments bis zur Anordnung von RDB, HKL, DE und DH stimmt so ziemlich alles überein. Die größten Unterschiede, die ich ausmachen konnte, waren die übermäßige (französische) Verwendung von Austenit. Die Finnen waren wenigstens so klug eine ferritische HKL zu wählen. Aber selbst den DH haben sie in Austenit verpasst bekommen.

    Areva (Erlangen) hat mit KERENA den Nachfolger der SWR 1000 geplant. Dritte Generation mit Megaschwimmbad im Dach. Von den Probabilistischen Sicherheitsanalysen her gesehen ist dieser Reaktortyp das Maß der Dinge.

    Zurück zu Oki.

    Aktuell läuft der dickste Hund von allen. Oki ist fertig und könnte in Betrieb gehen!
    Aber die Politik will, dass in der Grand Nation das erste Kraftwerk der dritten Generation in Betrieb geht. Wahrscheinlich bezahlen die Deutschen auch noch für den französischen Größenwahn.
    Da Oki mit ferritischer HKL und Flammaville mit austenischer HKL ausgerüstet ist, kann man nur hoffen, dass die Mischnähte vernünftig ausgeführt werden. Sonst kommt es an der Stelle noch mal zu mehrjährigen Bauverzögerungen.

    Grüße

  12. Eine Konvoianlage mit Core-Catcher wäre alle mal besser gewesen als der EPR und wenn man dann noch sieht, wie die Franzosen Firmen z.B. in Polen mit Materiallieferungen beauftragt haben, die keine Ahnung von KKW-Bau hatten, dann wundert es einen nicht, daß die Kosten explodiert sind. Besser wäre noch der SWR 1000 gewesen, aber daran hatten die Franzosen natürlich gar kein Interesse so eine Anlage zu bauen.
    MfG
    H. Urbahn

  13. @ Lutz Niemann #3
    1. Ist der finnische EPR das erst kommerzielle Gemeinschaftsprojekt von Siemens und AREVA unter dem damaligen Namen Framatome ANP. Ein europäisches Gemeinschaftskonzept so zu sagen.
    2. Sind bei solchen länderübergreifenden und damit auch kultur-wirtschaftlich-technisch übergreifenden Großprojekten IMMEr mit Kostensteigerungen und Anpassungen während der Bausphase zu rechnen. Es handelt sich hier schließlich um den Prototyp.
    3. Schaut der Bau des EPR in China schon sehr viel versprechender aus. Sowohl von der technisch, wie auch wirtschaftlichen Umsetzung her.
    4. Sind die Genehmigungsbehörden in Finnland sehr streng und bei Neuprojekten (Prototyp) wird hier extrem streng hingeschaut und doppelt und dreifach geprüft. Das bringt natürlich Zeitverzögerung und damit Kosten mit sich.
    5. Wird sich die Wirtschaftliche und die technische- wie auch sicherheitsrelevante Zuverlässigkeit erst im kommerziellen Betrieb endgültig unter Beweis stellen. Der EPR soll dann das Leistungsstärkste Kraftwerk der Welt sein.
    6. Der EPR hat dann nicht nur eine große Leistungsstärke, sondern hat im Zuge der Entwicklung und des Bau sehr viele technische und zukunftträchtigen Erkenntnisse, Neuerungen und Wege aufgezeigt.
    7. Hochtechnologie ist nicht nur in der Raumfahrt der Taktgeber, sondern vor allem auch im Bereich der Kernkrafttechnik. Wie übrgends auch in der Gentechnik und der Energiefördertechnik. Auch die Transporttechnik und Grundlagenforschung (Material-Gas,Chemie,Physik) bleiben Hightechbranchen. All diese Hightechbranchen stehen im politischen grünsozialen Deutschland/Europa mehr und mehr zum Abschuss/Ausbluten bereit.

  14. Für den EPR in Olkiluoto sind inzwischen Kosten von 7 bis 8 Mrd. EURO aufgelaufen. Also kein Wunder, daß AREVA mit dem EPR auf dem Weltmarkt keine Chancen mehr hat. Ist nicht auch die doppelte Kuppel aus Stahlbeton beim EPR, also zwei mal je eine Wand von 1,30 Meter Dicke als Schutz gegen Flugzeugabsturz und als Schutz gegen das Entweichen eines bösen Becquerels unsinnig übertrieben?

    Was sagen dazu die Fachleute?

  15. Wo bleibt eigentlich der Aufschrei der deutschen Wirtschaft, des VDI, der Kernkraftbetreiber? Die laben sich inzwischen alle an den Pfründen des EEG, solange die Euronen noch fließen. Wenn dann der Ofen in Deutschland aus ist, werden sie wieder nach Subventionen für den Nachholbedarf betteln. Man könnte verzweifeln, heute stehen alle Windmühlen und der Himmel ist bedeckt, was soll´s, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.

  16. Die armen Chinesen. Die haben jetzt wahrscheinlich die französischen DE kopiert. In Frankreich zeigt man sich nämlich extrem lernresistent gegenüber verbesserter Materialien und Konstruktionsprinzipien bei den kerntechnischen DEs.
    Aktuell läuft in Frankreich eine Aktion, die den Austausch aller DE in allen Kernkraftwerken vorsieht.
    Angeblich wird dabei wieder der Werkstoff verwendet der mit der Hoch-AVT Fahrweise im Sekundärkreis nicht klar kommt. Und die bescheuerte Führung durch Lochplatten wird auch wieder verwendet.
    Die Chinesen werden schon dahinter kommen, dass diese Konstruktion Schrott ist und baldigst die alte KWU (GHH; Balke) Konstruktion mit Inconnel 690 und Rohrhaltegittern kopieren.
    Die Chinesen haben für ihre eigenen Kernkraftwerkskonstruktionen bereits eigene DEs entwickelt und gebaut. Diese waren hängend ausgeführt. Zur Absicherung gegen Erdbeben hat Lisege gigantische Stoßbremsen für diese Konstruktionen entwickelt.
    Die DEs der Konvoikraftwerke sind bis heute noch nicht getoppt. Nach Bildungs- und Rechtschreibreform bekäme dies die Generation Power-Point wahrscheinlich gar nicht mehr gebacken.

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