Deutschlands Überschuss beim Stromexport-wir exportieren uns arm.

Durchnittliche EEG Vergütungssätzt. Quelle: DeStatis

von Rudolf Kipp. Eine Meldung in der Tagesschau vom 2.4.13 ließ den am Strommarkt interessierten Nachrichtenzuschauer wohl ganz besonders aufhorchen. An dem Tag veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) die offiziellen Zahlen zu Ein- und Ausfuhr von elektrischem Strom in der Bundesrepublik. Nachdem Deutschland im vorletzten Jahr in einer Reaktion auf den Unfall im Kernkraftwerk Fukushima 8 von 17 Kernkraftwerken vom Netz genommen hatte, war der Exportüberschuss beim Strom im Jahr 2011 im Vergleich zu 2010 noch deutlich zurückgegangen.


 Diese Entwicklung hat sich 2012 umgekehrt. Die Tagesschau hierzu:

„Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden demnach 2012 insgesamt 43,8 Terawattstunden (TWh) Strom über die europäischen Netze nach Deutschland eingeführt. Im selben Zeitraum speiste Deutschland 66,6 TWh in ausländische Stromnetze ein. Damit exportierte Deutschland im vergangenen Jahr 22,8 TWh Strom mehr als es importierte. Dabei entstanden Netto-Einnahmen von 1,4 Milliarden Euro: Einfuhren von 2,3 Milliarden Euro standen Ausfuhren von 3,7 Milliarden Euro gegenüber. (…) Grund für den Überschuss ist unter anderem die Zunahme von Solar- und Windstrom.

Diese Nachricht klingt auf den ersten Blick positiv. Und wäre in dieser Form durchaus geeignet den Befürwortern eines Umstiegs auf “Erneuerbare Energien” Aufwind zu geben. Könnte man daraus doch schließen das Abschalten der Kernkraftwerke in Deutschland könne durch Sonne und Wind kompensiert werden. Und zwar so gut, dass dabei sogar ein Überschuss produziert wird, der gewinnbringend ins Ausland verkauft werden kann.

Durchnittliche EEG Vergütungssätzt. Quelle: DeStatis

Durchschnittliche EEG Vergütungssätze. Quelle: statista.com

Aber dieses Bild stimmt nicht einmal auf den ersten Blick. Denn, was ist davon zu halten, wenn man ein Produkt weit unter dem Preis verkaufen muss, zu dem man es eingekauft hat? Genau das ist nämlich der Fall. Wenn man die Zahlen des statistischen Bundesamtes zugrunde legt, dann hat Deutschland für den importierten Strom 5,3 Cent pro Kilowattstunde bezahlt und für den exportierten Strom 5,6 Cent pro Kilowattstunde erhalten. Ein Großteil des exportierten Stroms war aus Wind- und Sonnenenergie gewonnen und wurde ins Ausland verschickt, weil das deutsche Netz nicht in der Lage war den nach Wetterlage anfallenden Strom immer wann er anfiel aufzunehmen.

Teuer einkaufen, billig verkaufen

Nun sind aber Wind und Sonne nicht nur unstete, sondern auch besonders teure Stromerzeuger. Im Jahr 2012 kostete die Kilowattstunde Strom aus Photovoltaik 36,5 Cent pro kWh, Strom aus Wind schlug mit 8,8 Cent pro kWh zu Buche. Im Mix ergibt das einen Erzeugerpreis von 19,5 Cent pro kWh Wind- und Solarstrom. Dieses Geld bekommen die Betreiber von Windkraftanlagen und Photovoltaik-Parks garantiert ausbezahlt, egal ob der Strom wirklich gebraucht wird oder, wie im letzten Jahr offensichtlich oftmals geschehen, in Ausland verramscht werden muss. Oder wie soll man es anders nennen, wenn man gezwungen ist eine Ware für knapp 20 Cent zu kaufen nur um diese für ein Viertel dieses Preises weiter zu verkaufen? An manchen Tagen war der Überschuss sogar so groß, dass Abnehmer dafür bezahlt wurden, den Strom abzunehmen. Negative Strompreise nennt man so etwas.

Nimmt man nur einmal an, die Hälfte des 2012 exportierten Stroms würde aus Windkraft und Photovoltaik stammen, so ergibt das einen Verlust von 4,6 Milliarden Euro. Bezahlt vom Stromverbraucher in Deutschland. Wobei die Abnehmer des so günstig verscherbelten Stroms von der Situation durchaus profitieren können, wie am Beispiel der Niederlande eindrucksvoll gezeigt werden kann. Dort wurde 2012 ein Großteil des überschüssigen deutschen Stroms abgenommen. Und während der Strompreis in Deutschland jedes Jahr ungebremst weiter ansteigt, verzeichnet unser westlicher Nachbar seit 2007 rückläufige Strompreise.

Saldo D-NL 2012

 Stromkosten Vergleich D-NL-Dk

Der Beitrag erschien zuerst bei Science-Sceptical

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13 Kommentare

  1. Meine Idee:
    – Keine neuen EEG Anlagen mehr ab sofort
    – Entwicklung von Speichermedien für schwankendenen Wind und Solarstrom
    – Bestands EEG Anlagen (Wind,Solar,Biogas)erhalten bestehende Vergütung nur noch bis deren Kapitaldienst und Versicherung bezahlt sind, darüber hinaus gibts 1 Cent je kWh. So geht keiner pleite, aber für alles ist es bezahlbar
    – Kernernergie: Parallel wird der Dual Fluid Reaktor in der Entwicklung gefördert
    – nach 10 Jahren wird sich zeigen, ob wir besser mit EEG Anlagen und Speichermedien zurechtkomme oder mit Kernenergie 2.0 (Dual Fluid Reaktor).
    Welche Partei nimmt diesen Faden auf ? Vlt die AfD ? Frohes Fest und Prost 2014.

  2. Die Ein- und Ausfuhrpreise können nicht stimmen. Es wurde berichtet, der Exportstrom wurde z.T. verschenkt. Der Stromimport dagegen lief vorwiegend bei einem Stromunterschuss in Deutschland, also zu hohen Preisen. Hier wird mit falschen Zahlen die Meinung manipuliert.
    Prof. Dr.-Ing. Hans-Günter Appel
    Beiratsvorsitzender NAEB e.V.

  3. @A.Bauer #10
    Ich befürchte da liegen Sie gar nicht mal so falsch.
    Bedenken Sie nur, das die zuverlässige und kostenbillige Energieerzeugung und Verteilung die Grundbasis (Pfeiler) unserer Konsum- und Wohlstandsgesellschaft darstellt/ist. Wer diese Seule zum Einsturtz bringt, der schafft automatisch eine andere Gesellschaft. Und diese Gesellschaft wird das genaue Gegenteil der heutigen Wohlstandsgesellschaft sein. Es wird damit eine neue Mangelgesellschaft ala Kommunistischer Ideologie entstehen.

  4. @#9: Energieknappheit und Sparzwang sind fester Bestandteil der Energiewende. Es heißt nie, daß wir mit Solar/Wind/Biomasse Energie im Überfluß haben werden, sondern immer daß wir sparen werden müssen. Wenn man jetzt böse wäre, könnte man meinen, die Energieverknappung ist das Ziel der Politik, und die Energiewende reiht sich ein in die Maßnahmen der Vergangenheit, Waldsterben, Mineralölsteuer, Klima/CO2-Steuer. Das würde auch den fanatischen Widerstand gegen Kernkraft erklären – diese Energiequelle ist umweltfreundlich und billig, und passt damit nicht in das Energiespar-Konzept.

  5. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will Schulen fit für die Energiewende machen. „Wir wollen erreichen, dass sich die Schülerinnen und Schüler im Unterricht spielerisch mit den Fragen der Energiewende beschäftigen, insbesondere mit dem Stromsparen“, sagte Altmaier am Montag am Rande der Auftaktveranstaltung für die Aktion „Schulen zeigen Flagge für die Energiewende“.

    Obiger Text stammt aus dem Hamburger Abendblatt.

    Welch ein Irrsinn! Angeblich schicken Sonne und Wind keine Rechnung, und unendlich viel Energie. Den Kindern wird aber das Stromsparen eingebläut, damit die „Energiewende“ voran kommt. Die grün verseuchten Leitmedien drucken das Oxymoron brav ab, statt kritisch nach zu haken! Deutschland ist krank! Ökofieber, und keine Besserung in Sicht…..

  6. @L.Stiller #4
    Das nennt man in der Volkswirtschaft „negative“ Wertschöpfung. Diese negative Wertschöpfung geht zu lasten der deutschen Wohlstandsgesellschaft. Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer und die Chance auf Wohlstand über eine stabile Mittelschicht wird somit immer geringer. Da kann mann dann noch soviel schufften und leisten. Zum Schluss bleibt die Wertschöpfung immer bei den Nutznießern (Politiker „Staat“,Abzocker „Mafia“) hängen. Mit der Zeit bekommen wir mit dieser deutschen ökosozialistischen Energie-Wirtschaft-und Finanzpolitik immer mehr Armut in unsere Gesellschaft transferiert. Damit ist dann das Ziel der Mangelgesellschaft durch die große ökosoziale Transformation in der deutschen Gesellschaft erreicht.

  7. „Teuer einkaufen, billig verkaufen“

    Diese Politik beschert uns doch die gegenwärtige Finanzkrise, weil wir den Exportüberschuß verschenken. Seit 2000 sind das über eine Billion €. Zur Zeit ist davon noch nicht mal die Hälfte abgeschrieben.

    Dazu ein fiktives Gespräch zwischen einem deutschen Firmenvertreter und einem grieschischen Unternehmer.

    Firmenvertreter: Könnt ihr Maschine xy gebrauchen?

    Unternehmer: Ja, aber wir haben kein Geld, um die Maschine zu bezahlen.

    Firmenvertreter: Macht nichts, Deutschland gibt euch Kredit.

    Unternehmer: Aber wir haben nicht genügend Einnahmen, um die Kredite zurück zu zahlen.

    Firmenvertreter: Macht Nichts, Deutschland will immer weiter Exportweltmeister bleiben und mehr exportieren als importieren.

    Aber das Schneeballsystem funktioniert nicht unendlich. Indem Moment, wo der Erste doch Rückzahlungen haben will, bricht das ganze System zusammen, wie schon einige Jahre zu beobachten ist. Mit dem Abschreiben der Kredite wird deutlich, daß der Exportüberschuß ein Verschenken ist.

    Gegenüber der 1 Billion € sind die „1,4 Milliarden Euro“ ein Klacks.

    MfG

  8. Mir scheinen die Einkaufs- und Verkaufspreise so nicht zu stimmen. Denn es ist unlogisch, daß andere Länder der BRD die Energie billiger verkaufen, als sie selbst diese einkaufen – und dann auch noch zu unpassenden Zeiten eingekauft haben.

    Weiterhin ist unlogisch, wenn man zeitweise Energie nicht nur verschenken muß – ja sogar traufzahlen muß, um dieses los zu werden, daß sich diese auf den Verkaufspreis erhöhend auswirkt.

    Ich habe mehr das Gefühl, daß das Stat. Bundesamt den Auftrag zum Schönrechnen hat.

  9. Dem Autor ist ein Fehler unterlaufen. Auf einen Erzeugungspreis von 19,5 Ct. pro kWh kommt man nur, in dem das arithmetische Mittel über die Vergütungssätze 2013 von Photovoltaik 30,03 und Wind onshore 9,04 berechnet wird.

  10. “ Dabei entstanden Netto-Einnahmen von 1,4 Milliarden Euro:“

    Ja das ist der neue Verdummungs-Trick den man in letzter Zeit immer häufiger hört.

    Nach deren Rechnung scheint es egal zu sein für wie viel der Strom eingekauft werden musste. Aber gut, kommt ja vom „Statistischen Bundesamt“. Wie so oft: „Traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast.“

    Mit so einer Statistik könnte ich auch mit Gebrauchtwagen ein Riesen Gescäft machen. Ich kaufe mir heute einen Neuwagen für 10000€ und verkaufe Ihn morgen für 5000€ ins Ausland.
    Meine Nettobilanz für Auslandsverkäufe ist somit 5000€, ich habe ja mehr Autos Exportiert statt importiert. Endlich weiß ich wie ich steinreich werde.

  11. Hallo Hr. Uhlemann,

    nachfolgend ein Link zu einer etwas älteren Statistik, der für sie aber von Interesse sein dürfte.

    Textauszug:
    „Die Förderung von Strom aus Erneuerbaren Energien erfolgt in Dänemark durch eine Preisregelung in der Form eines variablen Bonusses zusätzlich zum Marktpreis und durch das Net-Metering. Außerdem steht eine Garantie für Kredite für lokale Windkraftanlagenbau-Initiativen zur Verfügung.“

    Quelle: http://tinyurl.com/c77ppya
    (es erfolgt die Aufforderung ein PDF-Dokument zu laden)

    Für weitere Recherchen bietet sich auch folgender Link zur Energiepreisstatistik bei EUROSTAT an.

    Quelle: http://tinyurl.com/buhnv52

  12. Zur Erinnerung: An Weihnachten 2012 am 25. und 26. 12. hatten wir Starkwind, aber es wurde wegen der Feiertage weniger Strom verbraucht. Es flossen insgesamt 690 Mill. kWh in die Nachbarländer, das ist eine Strommenge, wie es für etwa 20 Tage für München ausreichend ist. Und das ist 15 mal so viele, wie in allen Speicherseen in Deutschland gespeichert werden kann – falls diese bei Anfall des Überschußstroms leer sind. Für 70Mill. EURO wurde der Strom erzeugt, und verkauft für minus 75 Mill. EURO (vielleicht war es umgekehrt, ich kann mir das nicht merken). Summe des Verlustes 145 Mill. EURO, das macht 1,75 EURO für jeden Bürger in Deutschland. Prof. Alt hat das hier in EIKE berichtet. Und die Politik will ein MEHR davon, immer MEHR, MEHR, MEHR….

  13. Es wäre interessant ob Dänemark auch so was wie die EEG hat.

    Vor ein paar Jahren laß ich das Dänemark durch die Windenergie in der “teuer einkaufen – billig verkaufen” Falle gefangen sind. Ist es nur deswegen?

Antworten

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