Asse: die Fakten

ASSE 2005; Bild Wusel007;Wikipedia

von Helmut Fuchs
Schlagzeilen wie:
– „chaotisch aufgehäufte Fässer“: Katastrophe;
– „Verdoppelung des eingelagerten Plutoniums“: Katastrophe;
– „Abfälle enthalten Tierkadaver“: Katastrophe;
– „sich bildende Gase können explodieren“: Katastrophe
– „Wasserzutritte sind verseucht“: Katastrophe
– „Verseuchte Lauge wird nach oben gepresst“: Katastrophe;
– „Leukämie-fälle häufen sich in der Umgebung“: Katastrophe;
– etc., etc.: Katastrophe.
In den vergangenen Jahren sind bis heute derartige Schlagzeilen fast wöchentlich vor allem in der „HAZ“ (Hannoversche Allgemeine Zeitung), im „Spiegel“, in der „taz“, in der „Zeit“ sowie im Fernsehen zu finden.


Historie

Anfang des 20. Jahrhunderts, das von Armut geprägt war, wurde in dem Salzbergwerk Asse unter grober Vernachlässigung von Sicherheit bis ganz nahe an die Grenze des Salzstocks Salz abgebaut. Als Folge des natürlichen Gebirgsdrucks über längere Zeit ist heute die Grube und insbesondere der Schacht in einem zunehmend labiler werdenden Zustand.

Zum Zeitpunkt der Einlagerung von radioaktiven Abfällen wurde die Asse unter Bergrecht betrieben. Denn der damalige Kenntnisstand über den Umgang mit diesen Stoffen, die notwendige Konditionierung, die Dokumentation und die Endlagerung ist nicht mit dem heutigen Wissensstand vergleichbar. National wie auch international gab es in den 1960er und 1970er Jahren keine allgemein gültige Klassifizierung für radioaktive Abfälle. Bei der damaligen Einteilung der Abfälle in schwach- und mittelradioaktive Abfälle war daher in erster Linie nicht das radioaktive Inventar im Behälter, sondern die Strahlung an der Oberfläche der Behälter, die Ortsdosisleistung, relevant.  Diese war für die Mitarbeiter der Asse maßgeblich, da diese die Behälter während des Einlagerungsvorgangs handhaben mussten. Ziel war damals aber auch, die erprobte Stapelung der Fässer zur weiteren Minimierung der Strahlenbelastung (Prinzip des Strahlenschutzes) der Mitarbeiter mittels der Einlagerungstechnik „Verstürzen“ zu optimieren. Zusätzlich wird eine effektivere Einbindung der Fässer in das darüber eingeblasene Salz erreicht, was bei einer Stapelung der Fässer weniger der Fall ist: Also „chaotisch aufgehäufte Fässer“ sind keine Schlamperei, sondern bewusstes Handeln im Sinne des Strahlenschutzes! (Katastrophe?)

Eingelagert wurden insgesamt 125.787 Fässer. Die Abfälle stammen aus den Forschungszentren Karlsruhe und Jülich (ca. 50% bzw. ca. 10%), und aus deutschen Kernkraftwerken (ca. 20%). Die verbleibenden ca. 20% sind Abfallgebinde von Landessammelstellen und aus der kerntechnischen Industrie. Die meisten Abfälle wurden in 200- oder 400-Liter-Fässern als Einweg-Abschirmbehälter oder als VBA-Gebinde („Verlorene Betonabschirmung“) eingelagert. Typische Abfälle sind beispielsweise Ionenaustauscherharze, Schlämme, Laborabfälle, auch geringste Reste von Tierversuchen aus der medizinischen Forschung (welche Katastrophe?), aktivierte Metalle, Filter oder Textilien aber auch in geringen Mengen langlebige Schwermetalle wie Uran und Plutonium (welche Katastrophe?). Insgesamt wurden 47.000 Kubikmeter eingelagert. Das Aktivitätsinventar betrug ursprünglich (bis 1978) 7,8 mal 10hoch15 Bq, bis 1987 hat es auf 6,8 mal 10hoch15 Bq und bis Anfang 2013 auf 2,32 mal 10hoch15 Bq abgenommen. Der Wert wird sich bis 2020 weiter erheblich verringern, wie das Beispiel Caesium zeigt: Wegen dessen relativ kurzen Halbwertzeit (30,1 Jahre) liegt dessen Aktivität heute schon unter der Hälfte des ursprünglichen Wertes.

Von 1908 bis 1925 belief sich die Förderung von Kalisalz (Carnallitit) auf insgesamt 2 mal 10hoch6 Tonnen. Die darin mit geförderten etwa 20 Tonnen reines K40 hatten eine Aktivität von etwa 5 mal 10hoch12 Bq. Dabei ist damals das Bergwerk von dieser Aktivität „entlastet“ worden.

Radioaktivität

(Zuerst eine Erläuterung zu der Schreibweise der Zahlenangaben: 1000 ist auch 1 mal 10hoch3;  1 Million: 1 mal 10hoch6; 1 Milliarde: 1 mal 10hoch9; 1 Billion: 1 mal 10hoch12 usw.)

Kaum eine andere schädliche Wirkung ist so gut erforscht wie die Wirkung von ionisierenden – umgangssprachlich – radioaktiven Strahlen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass sich die natürliche Radioaktivität (z.B. von K40) von der Radioaktivität von künstlich erzeugten Nukliden wie z.B. Caesium im Prinzip nicht unterscheidet.  Diese Strahlung in Form von Teilchen (Alpha-Strahlen) oder winzigen Energieportionen (Beta- und Gamma-Strahlen) spalten oder zerstören ein oder mehrere Moleküle eines Stoffes. Ein „Becquerel“ (Bq) bedeutet, dass sich pro Sekunde ein radioaktives Atom in ein anderes umwandelt und dabei Strahlung aussendet. Bei der biologischen Wirkung dieser unterschiedlichen Strahlungen gibt es allerdings gewaltige Unterschiede. Betas und Gamas sind locker ionisierend, also im bestrahlten Bereich relativ gleichmäßig verteilt. Die Reparaturmechanismen des Körpers werden leichter damit fertig. Ganz anders bei den Alphas: Sie ionisieren dicht auf ihrer Bahn, d.h. wo sie entlang geflogen sind, geht viel kaputt, die Reparaturmechanismen des menschlichen Körpers werden deshalb damit viel schwerer fertig. Hier wird das Verständnis für die Bedeutung der Strahlendosis wichtig. Wie setzt sich nun die Aktivität (gemessen in „Becquerel“) in die Strahlenbelastung, d.h. in die biologisch wirksame Dosis um?  Sie wird gemessen in „Sievert“ (Sv) und dient zur Bewertung verschieden gewichteter Strahlendosen und zur Analyse des Strahlenrisikos. Betrachtet man z.B. die hauptsächliche Eigenbestrahlung des Menschen nur durch K40 und Radium, macht das im Jahr 0,3 Millisievert (0,3 mSv). Unsere gesamte natürliche Strahlungsbelastung liegt bei ca. 2,4 mSv pro Jahr.

Wie steht es nun mit der Abschätzung der natürlichen Radioaktivität in der Umgebung von der Asse? Betrachtet man dort ein Gesteinssvolumen von 1 Kilometer mal 1 Kilometer und zur Teufe (Tiefe) von 500 Metern, so ergibt sich ein Gesteinsblock von 5 mal 10hoch8 Kubikmeter. Der Block hat bei einer angenommenen Dichte von 2,8 Tonnen pro Kubikmeter eine Masse von 1,4 mal 10hoch9 Tonnen . Darin sind, wenn man den mittleren Gehalt der Erdkruste zu Grunde legt: 400 Tonnen Uran mit der Aktivität (mit Folgeprodukten) 4,3 mal 10hoch9 Bq, 13500 Tonnen mit der Aktivität (mit Folgeprodukten) 5,5 mal 10hoch14 Bq sowie 2200 Tonnen K40 mit einer Aktivität von etwa 5,72 mal 10hoch14 Bq. Die Aktivität des gesamten Blocks bzw. des „Deckels“ über dem Endlager Asse beträgt somit 1,55 mal 10hoch15 Bq also ungefähr so viel Abfall-Aktivität wie heute in der Asse eingelagert liegt. Noch einige Vergleichswerte: Das Radioaktivitätspotential eines Menschen beträgt 8 mal 10hoch3 Bq, ca. 80% davon verursacht durch das Isotop K40 (0,0117 % des Kaliums in den Knochen besteht aus K40). Oder im Meerwasser: dort sind pro Kubikmeter durchschnittlich 2,9 Milligramm Uran gelöst. Dessen Aktivität beträgt somit alleine vom Uran verursachte 73 Bq pro Kubikmeter. Viel mehr kommt vom gelösten Kalium: 403 Gramm pro Kubikmeter.  Davon stammen 47 Milligramm von K40   mit der Aktivität 1,2 mal 10hoch4 Bq pro Kubikmeter . Das ist mehr als vom Knochengerüst eines Menschen (ca. 8 mal 10hoch3 Bq) und viel mehr als vom Uran! Ein weiteres Beispiel: Ohne Berücksichtigung der natürliche Aktivität der Baustoffe eines Gebäudes (Beton, Stein etc.)  beläuft sich die Aktivität von 1000 Öko-Aktivisten in einer Festhalle auf 8 mal 10hoch6 Bq – hauptsächlich als Folge der Strahlung von K40. Eine hoch-aktive Kokille aus der Wiederaufarbeitung hat mehr als 4 mal 10hoch15 Bq. Das ist mehr als die Radioaktivität der gesamten Abfälle in der Asse! (Katastrophe?). In der Lagerhalle von Gorleben (BLG), die nur ein festes Dach hat, stehen ca. 100 Castoren mit je 21 Kokillen. Das bedeutet auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern stehen 2100 Kokillen also 2100 mal „eine gesamte Asse-Endlager-Aktivität“!

Derzeitige Situation

Im August 1988 entdeckte man während einer routinemäßigen Befahrung einen Wasserzutritt im Grubengebäude, eine Folge des ins besonders im oberen Bereich festzustellenden hohen Durchbauungsgrades des Gewinnungsbergwerks. Hier wurde bis auf wenige Meter an die Grenze zum randlichen Deckgebirge Salz abgebaut. Die dadurch entstanden Konvergenzen (Bewegungen) öffneten Wegsamkeiten für Wasser. Der Zufluss in einer Teufe von etwa 500 bis 575 Metern belief sich auf ca.12 Kubikmeter pro Tag. Zwischen 1995 und 2004 wurde deshalb von der GSF (Gesellschaft für Strahlenforschung) als erster Schritt zur Stabilisierung des Grubengebäudes und für einen anschließend zügigen Verschluss etwa 2,2 Millionen Kubikmeter Salzgruß (Material von alten Salzhalden) in die noch offenen Hohlräume des Bergwerks eingebracht und in die offenen Kammern eingeblasen. Ein Großteil der radioaktiven Abfälle ist dank der Einlagerungstechnik „Verkippen“ heute schon eng mit Salz verbunden und deshalb heute und auch später viel weniger mit Wässern und Salzlaugen direkt in Kontakt.

Was passiert nun mit dem radioaktiven Abfall in dem verbleibenden offenen bzw. mit einer Na-K-Mg-Lauge gefüllten Hohlraum des Salzstocks, der selbst natürlich radioaktiv ist? Dabei ist die Löslichkeit der unterschiedlichen radioaktiven Stoffe in „einer“ Salzlauge, bei der es sich zunehmend um eine „gesättigte“ Lauge handelt, zu betrachten. Gesättigte Laugen können aber nur dann weitere Stoffe aufnehmen und mit diesen transportiert werden, wenn diese weiteren Stoffe eine größere Löslichkeit haben als die gelösten Salze in der Lauge (unterschiedliche Löslichkeitsgrenzen). Weil z.B. Plutonium- und Uran-Verbindungen als Oxide vorliegen, sind sie grundsätzlich schwer löslich (Katastrophe?). Diese können weder von dem in nur sehr geringen Mengen vorhandenen Wasser noch von den fast ausschließlich vorhandenen Laugen aufgenommen werden. Beim Caesium (ein kurzlebiges Isotop mit einer Halbwertzeit von 30,1 Jahren) ist die Situation dagegen etwas anders. Solche Isotope sind in Wasser leichter löslich und können theoretisch die in den Abfällen eingebundenen löslichen Nuklide leichter aufnehmen. Diese immer weniger werdenden gelösten Mengen hängen jedoch hauptsächlich von der Bindung der Nuklide an das Material in den Abfällen und dem eventuell noch vorhandenen „Frisch“-Wasser von übertage (Oberflächenwasser) ab. Praktisch gesehen bleibt diese theoretische Löslichkeit trotzdem gering. Neue Studien (2012), in denen modellhaft die Strahlenexposition beim Transport aller Radionukliden durch das Deckgebirge an die Oberfläche berechnet wurde, bestätigen das unter Fachleuten erwartete Ergebnis: Die maximal freiwerdende Dosis der Asse liegt unter dem für Normalbürgern genehmigten Grenzwert (1,00 mSv pro Jahr) aber auch unter dem viel strengeren Grenzwert für in kerntechnischen Anlagen arbeitende Menschen (0,3 mSv pro Jahr), einer Dosis also, der man wegen der natürliche Umweltaktivität ohnehin in Deutschland ausgesetzt ist. (Katastrophe?) Das BfS möchte angeblich den für die Asse geltenden Grenzwert auf 0,1 mSv pro Jahr absenken, was dann auch noch eingehalten werden kann. Mit dem Kalisalzbergbau wäre es dann allerdings wegen der Strahlendosis, die vom K40 ausgeht, wohl in Deutschland vorbei.

In jedem nach der Betriebszeit verschlossenen Bergwerk (Kohle, Metall, Salz) gibt es Hohlräume, die mit Wässern bzw. Laugen gefüllt sind. Und in jedem Bergwerk gibt es Setzungen und Brüche, die z.T. bis zur Oberfläche reichen. Ausgesalzte Salzbergwerke werden meist absichtlich geflutet. Auch dabei können sich in dem umgebenden Gebirge Risse bilden. Normales Grundwasser hat an der Oberfläche oberhalb von aktiven oder wieder verschlossen Salzbergwerken eine Dichte von eins. Mit zunehmender Teufe bis zum Kontakt mit Salz steigt die Dichte des Grundwassers auf 1,20 Gramm pro Kubikzentimeter bis 1,35 Gramm pro Kubikzentimeter, wird also bedeutend schwerer. Diese Laugen, ob sie radioaktives Material enthalten oder nicht, können sich deshalb aus physikalischen Gründen – da sie schwerer sind – nicht mit dem normalen Grundwasser mit 1,00 Gramm pro Kubikzentimeter vermischen! Auch eventuelle geringe Gasbildungen bei lösungs- bedingten Reaktionen zwischen den Abfällen und Laugen sind nicht problematisch, denn da wo sich Wasser oder Laugen bewegen, entweichen Gase. Besteht keine Wegsamkeit für Gase, so bleiben sie wie in natürlichen Salzlagerstätten eingeschlossen (Katastrophe?). Seit Jahren gibt es bei Reckrod in der Nähe von Fulda mehrere künstlich ausgelaugte Salzkavernen, die zur Lagerung von unter hohem Druck stehendem Erdgas genutzt werden. Bisher ist keine Kaverne explodiert.

Verschluss

Hier stellt sich nun die Frage, warum seit Jahren in Deutschland ein schnelles und sicheres Verschließen der Asse im Gegensatz zum Verschluss von ausgesalzten Salzlagerstätten zur Katastrophe hochstilisiert wird? In anderen Ländern wurden und werden die meisten niedrig- und mittelaktiven Abfälle oberflächennah – meist weniger als zwanzig Meter tief – vergraben! Wie in meinen bisherigen Erläuterungen in aller Kürze aufgezeigt, ist die Strahlengefährdung der Bevölkerung durch das zusätzliche Einbringen von schwachaktiven und geringen Mengen mittelaktiven Abfällen in einen Salzstock im Vergleich zur natürlichen Umwelt-Strahlung relativ gering. Und deshalb ist die Gefahr einer Verseuchung des Grundwassers nach physikalischen, geochemischen und technischen Erkenntnissen auch gering, nicht zuletzt auch wegen des schnellen Abklingens der Gesamtaktivität als Folge der geringen Halbwertzeiten von Plutonium 241 (Pu 241: 14,4 Jahre), Strontium (Sr 90: 28,5 Jahre) sowie Cäsium (Cs 137: 30,1 Jahre). Sogar das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestätigt, dass in der näheren und weiteren Umgebung der Asse keine Anzeichen für eine über der Norm liegende Radioaktivität festgestellt wird. Deshalb ist ein umgehendes Verschließen der Grube geboten und zwar nicht wegen eines hypothetischen Auslaufens von radioaktiven Wässern in der Zukunft (Langzeitsicherheit?), sondern wegen eines zunehmenden Stabilitätsverlustes des gesamten Grubengebäudes. Ein weiteres Abwarten wird technisch immer herausfordernder sowie teurer und verhindert zunehmend einen sachgerechten und sicheren Verschluss. Wer übernimmt dafür die Verantwortung und Haftung? Sicherlich nicht die zahlreichen Vertreter der grünen Bewegungen Deutschlands!

All das bisher von mir Erläuterte ist den zahlreichen Unterlagen, Daten und Zahlen, die im Internet jedermann zugänglich sind, zu entnehmen. Sie stehen somit auch allen seriös recherchierenden Journalist(in)en, die nicht auf einem Auge grün sind, allen Politiker(in)en, sogenannten Umweltschützer(in)en und interessierten Bürger(in)en in der Umgebung der Asse (z.B. „Asse Begleitgruppe“) zur Verfügung. Es waren und sind wirklich keine Geheimnisse.

Bewertung

Der Versuch einer neutralen Bewertung: Auf der Asse ist der Salzstock mit dem eingelagerten Abfall mit mindestens 500 Metern Gestein und Salz überdeckt, und dieses überlagernde Gestein enthält fast so viel natürliche Aktivität, wie in den Abfällen heute an „künstlicher“ Aktivität noch drin ist. Langfristig bleibt die natürliche Umwelt-Aktivität wie sie ist, die künstliche geht dagegen auf wenige Prozent der derzeitigen Aktivität zurück. In der Tiefe bringt nicht der eingelagerte Abfall langfristig die meiste Aktivität, sondern – unabhängig von der Einlagerung – das in dem Salzstock unverändert vorhandene Kalium! Im Sinne des Strahlenschutzes, d.h. zur Minimierung der Strahlendosis für die dort unten arbeitenden Bergleute, wäre deshalb ein zügiges Verschließen des Bergwerkes mit der in Deutschland langjährig bestehenden Erfahrung im Verschließen von Salzgewinnungsbergwerken angezeigt.

Bei einer langjährigen und aufwendigen Rückholaktion der Abfälle:

• wäre für längere Zeit vorgenannter Personenkreis unnötig einer höheren Strahlungsdosis ausgesetzt,  auch wenn diese unter dem Grenzwert liegen wird

• wäre nichts gewonnen, weil konservative Modellrechnungen wie erwartet andeuten, dass bei einem Auspressen des gesamten Radioaktivitätsinventars an die Oberfläche die dortige Aktivität unter dem genehmigten Grenzwert liegen dürften

• wird sich wegen des deutlich längeren Offenhaltens der Grube das Risiko eines Tagesbruchs jährlich beträchtlich erhöhen und wohl bald außer Kontrolle geraten

• dürften sich die Verschlusskosten (F.A.Z: vom 01.03.2013) auf vier bis sechs Milliarden, – den Stuttgart 21 / Berliner Flughafen Faktor eingerechnet – acht Milliarden Euro belaufen!

Zur Rückholaktion der Abfälle kommentiert der Präsidenten des Fachverbands für Strahlenschutz, Joachim Breckow.: „Aus Sicht des Strahlenschutzes ist die Rückholaktion der radioaktiven Abfälle aus der Asse sehr wahrscheinlich nicht die beste Lösung. Dies würde meines Erachtens zu mehr Dosis für die Beschäftigten und die Bevölkerung führen, als wenn das Atommülllager verfüllt würde. Die Rückholung wäre mehr Schaden als Nutzen!“

Verantwortung

Bis 1999 wurde das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) von einem Arzt mit langer Erfahrung im Strahlenschutz geführt.  Als Nachfolger wurde von dem damaligen Umweltminister Trittin ein Diplom-Ingenieur für Stadtentwicklung mit grünem Parteibuch zum Präsidenten benannt, was zu einigem Kopfschütteln bei europäischen Organisationen führen musste. Ab 2009 liegt nun die Gesamtverantwortung „Asse“ beim BfS. Diesen Wechsel hat dessen heutiger Präsident erreicht. Ihm gelang es mit großem politisch/taktischem Geschick, die Projektverantwortung von der weltweit anerkannten und politisch neutralen Institution GFS, dem heutigen HelmholtzZentrum, abzunehmen, um die Projektbearbeitung mit der Genehmigung in seinem Amt zu vereinen. Der offizielle Grund für diesen Wechsel ist, das Projekt Asse von diesem Zeitpunkt an unter Atomrecht weiterführen zu wollen, und zwar nur deshalb, um die „radiologische“ Langzeitsicherheit des Verschlusses der Schachtanlage zu thematisieren – wobei es von der Gefährdung her kein wirkliches „radiologisches“ Langzeitproblem gibt. Ein zweiter Grund dürfte gewesen sein, die gesamte Öffentlichkeitsarbeit des BfS zu zentralisieren und wohl auch besser zu kontrollieren, wobei sich seit kurzem einige wenige Stimmen aus dem BfS für ein möglichst schnellen Vollverschluss der Asse aussprechen. Im Zusammenhang mit dem politisch gewollten atomrechtlichen Planfeststellungsverfahren ist nun die Öffentlichkeit an der Prüfung des Verschliessungsantrages zu beteiligen, und somit ist weiterhin ein weites Feld für die ideologisch gesteuerte Propaganda sichergestellt. Das gerade von PolitikerInnen aller Couleurs initiierte „Lex Asse“ wird unter anderem damit begründet, das so genannte „Vertrauen“ in der Bevölkerung“ (F.A.Z: vom 01.03.2013) aufzubauen! Warum ist das bis heute nicht gelungen? Siehe Katastrophenliste!

Ideologie

Als Fachmann fragt man sich, ob in unserem derzeitigen Umfeld eine vollständige und sachliche Information überhaupt gewünscht wird. Denn der Sonderweg Deutschlands, was Radioaktivität angeht, ist weltweit einzigartig. Liegt es möglicherweise daran, dass viele Politiker und Parteien sowie die bekannten, nicht demokratisch legitimierten Umweltmultis durch Desinformation, durch selektive Informationen und Halbwahrheiten ganz bewusst Angst erzeugen, um politische Macht und Geld zu erschleichen? Schon immer war Angst das beste Mittel, Menschen zu beherrschen: Man muss die Angst nur schüren, bis sie lähmt! Wirkt hier „Die German Angst“? Das Angst-Ass „Asse“ hat gestochen – die Energiewende hat gewonnen, eine Billion Euro sind verloren (FAZ: vom 20.02.2013), obwohl als Folge überhöhter Strahlung, die in Fukushima freigesetzt wurde, bis heute noch kein Toter zu beklagen ist. Seit Fukushima starben dagegen alleine in Deutschland mehr als 30 000 Menschen an Infektionen, die sie sich in Krankenhäusern holten. Und in einem Jahr sind es weitere 15 000!

Resumé

Aus Sicherheitsgründen wäre die Grube sofort zu sanieren und zu verschließen. Dies wird allerdings nicht der Fall sein, denn dadurch wäre in unserer heutigen Überflussgesellschaft das Angst-Pfand Asse für die grüne, die ökologistische Bewegungen in Deutschland verschwunden – und das darf nicht sein.  So wird die Asse, wie Gorleben zeigt, weiter ein Spielball der Politik bleiben – egal welchen Schaden es anrichtet und was es kostet. Eine typisch deutsche Tragödie.

Dr. Helmut Fuchs ist Geologe und Experte für Uranlagerstätten.

Zuerst erschienen auf ACHGUT Fuchs Asse die Fakten

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12 Kommentar(e)

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1
Horst Trummler

Kommentar 11 Hofmann

das Prinzip ist sehr effektiv. Das Oekospektakel wird am Leben gehalten. Viele Beteiligte aus dem ökokriminellen Komplex leben von dem Oekospektakel.

Uebrigens viele Naturwissenschaftler und Strahlenschützer auch.

Vandale

2

@Horst Trummler #10
Wenn die Politik lieber eine unwirtschaftliches und technische-idiotisches Lagerrotationsprinzip einführen will, dann sollte dies auch über die Medien und der Politik selbst, der Öffentlichkeit auch so klar und deutlich gesagt werden.
Von mir aus hat dann jedes Bundesland ein Lager und wir wechseln alle 5 Jahre von einem Bundeslandlager zum Nächsten. Wie bei den jährlich wiederkehrenden Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit.
An der Tatsache der Lagerung ändert dies jedoch nichts. Gelagert werden muss so oder so.

3
Horst Trummler

Kommentar 9 Herr Hoffmann

der Gedanke ist die leichtradioaktiven Abfälle nach Conrad umzulagern. Dann ist Conrad recht schnell voll und man kann ein neues Oekospektakel wegen eines neuen Lagers für Leicht- und Mittelradioaktive Abfälle beginnen.

Das BfS wird weniger von Politikern, sondern von berufsfremden Oekoaktivisten geführt.

Im Jargon wurde häufig der Begriff "Landschaftsgärtner" verwendet.

Vandale

4

@Lutz Niemann #8
Die Rückholung ist doch kompletter Schwachsinn. Technisch und Wirtschaftlich nicht realisierbar! Es ist nämlich immer die Frage zu stellen, WO soll dann gelagert werden!?
Die Lagerung ist so oder so ein Fakt! Ich weis gar nicht, was wir in Deutschland für Flachpfeiffen in den Behörden und der Politik sitzen haben!!!!
Da sind die Insassen eines Irrenhaus noch verständlicher und vernünftiger. Mann oh Mann!

5

Die Rückholung der Abfälle aus der ASSE wird vom Bundesamt für Strahlenschutz betrieben, und dieses Amt wird von Politikern beherrscht. Mit der Rückholung werden die Grundsätze des Strahlenschutzes Rechtfertigung, Begrenzung und Optimierung mißachtet. Das sollte man deutlich sagen: Unser BfS mißachtet die Grundsätze, für deren Beachtung und Einhaltung diese Leute bezahlt werden - ein Skandal, aber (fast) niemand stört sich daran. Der Protest vom Fachverband Strahlenschutz Deutschland – Schweiz gegen die Rückholung wurde ignoriert.
mfg

6
Dr. Rer. Nat. Gerhard Stehlik

Die Ideologie politischer Parteien lebt davon ständig "Falsche Zeugnisse" abzugeben. Entlarvend ist diese Kleinigkeit, die gut verständlich ist und der Hauszeitung „ASSE Einblicke" des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) entstammt.

Behörden haben eigentlich fachlich sauber zu formulieren. Wenn sich etwas 400 m oder gar 500 m unter der Erde abspielt, dann spielt sich das "unter Tage ab". Eine Abfalldeponie, die sich dort unten befindet, heißt im Amtsdeutsch Untertagedeponie (UTD). Ohne auf solche Amtssprache zurückzugreifen, spricht das BfS im Fall der ASSE II jedoch davon, dass sich der radioaktive Abfall "im Berg“ befindet, so als wären die Fässer ebenerdig in den Berg hinein gerollt worden und könnten ebenso wieder aus dem Berg herausrollen.

Das BfS sollte wegen seines Unvermögens an sprachlicher Differenzierungsfähigkeit ersatzlos aufgelöst werden. Es dient nur ideologischen Zwecken.

7
Dirk Weißenborn

@ #4, Herr Trummler,

sicher haben sie recht, wenn Sie auf den Wandel von Sicherheitsbewußtsein im Laufe der Zeiten verweisen. Das muß den damals verantwortlichen Entscheidern im Falle der "Versuchseinlagerung Asse" in einem gewissen Umfang zugute gehalten werden. Wahrscheinlich gehen wir auch konform in der Ansicht, dass es mittlerweile eine Tendenz zu übertriebenem Sicherheitsdenken gibt, die in der Konsequenz nicht nur sehr teuer wird, sondern auch fahrlässig hinsichtlich der Verzögerung der notwendigen Flutung mit Schutzfluid ist.

Allerdings kann das Wort "vorbildich", welches Sie in Ihrem Kommentar im Zusammenhang mit dem Ankauf der Asse gebrauchten, m.E. so nicht uneingeschränkt stehenbleiben. Die Probleme mit den Pfeilereinengungen und den seit 1988 anhaltenden Laugenzuflüssen rühren ja gerade daher, dass man ein ausgebeutetes Salzbergwerk von den Burbach-Werken übernommen hatte, in dem die Abbaukammern teilweise äußerst nah an den Nachbargesteinen des Salzstocks lagen (5m). Für den Abbau von Kalisalzen ist dieses Risiko vertretbar, jedoch nicht für eine Einlagerung von schwach- bzw. mittelradioaktiven und chemisch toxischen Abfällen. Warum wohl ist der Erkundungsbereich 1 im Salzstock Gorleben nur im Bereich des Hauptsalzes des Zechstein 2, weit entfernt von den beiden Flanken des Salzstocks aufgefahren worden? Dort hat es bisher ja auch keine Laugenzutritte mit Beteiligung des Deck- bzw. Nebengebirges gegeben - ganz im Gegensatz zur Asse, bei der über eine bis nahe an die Erdoberfläche reichende Störung aus dem Hangenden Wasser zugeflossen ist, das nicht mit Salzen aufgesätttigt ist. Daneben spielt jedoch auch der benachbarte Buntsandstein eine Rolle als Zuflusshorizont. Das geht alles aus einer Habilitation des Jahres 1995 hervor, ändert jedoch in der Konsequenz nichts daran, dass eine Flutung des Grubengebäudes bald beginnen sollte.

Wieviel Lauge mit welcher Konzentration an Gefahrstoffen über diese Störung tasächlich wieder austreten würden, kann wohl niemand realistisch prognostizieren.Damit es überhaupt zu einem Austrit über diese Störung kommen könnte müßte sich die Grube schon erheblich unter der Salzkonvergenz geschlossen haben.

Leider will die Politik unbedingt rückholen, eventuell wohl wissend, dass die Gebirgsmechanik eine Rückholung bald obsolet machen könnte.Dann können alle Politiker gemeinsam auf die Altvorderen schimpfen und brauchen sich keinen Kopf mehr über die teure und unsinnige Rückholung der Abfälle machen.

Beim Blick auf eine Karte der Erdfälle über den Gipshüten von Salzstöcken Niedersachsens (NIBIS-Kartenserver des LBEG) stellt man fest, dass wohl kaum ein Salzstock Niedersachsens mit einer derartigen Häufung von Erdfällen überzogen ist, wie die Asse (Lassen wir Lüneburg mal außen vor!) Nur in den wenigsten Fällen steht neben diesen Einsturzbildungen ein Zeitraum wie z.B. 1971 -1980, meist steht dort "unbekannt". Das bedeutet in der Konsequenz, dass dem Deckgebirge, aber auch dem Gipshut schon in den 60er Jahren hinsichtlich eines Lagers für schwach-radioaktive Abfälle nicht zu trauen war. Das allein hätte die damaligen Planer und Verantwortlichen schon etwas vorsichtiger werden lassen können.

Auf der Nordflanke des Salzstocks (-sattels) Asse kam es nach bergbehördlichen Unterlagen 1939 zu enormen täglichen Laugenzuflüssen von 100m3. Der Betrieb stand kurz vor der Aufgabe. Beide Schwesterschächte, die Asse I und die Asse III waren in den sechziger Jahren bereits abgesoffen.

Lernen kann man aus der Geschichte immer.

8
Christof Nordiek

Danke erstmal für den Aufschlussreichen Artikel.

Ich hätte da nocch eine Frage zu dem Artikel Radioaktivität. Zuerst beschreiben Sie den Unterschied zwischen Aktivität (gemessen in Becquerel) und die Strahlendosis (gemessen in Sievert). Im zweite Abschnitt vergleichen sie dann die Radiaktivität im Gestein und in den Abfällen nur in Becquerel. Wie aber sieht der Vergleich bezüglich der Strahlenbelastung aus?

9
Horst Trummler

Was in diesem Artikel nicht zum Ausdruck kommt ist der unterschiedliche Umgang mit Abfällen in vergangenen Jahrzehnten. Man hat auch den Eindruck, dass sich die Fachwelt wieder von der Oekowelt hat anstecken lassen. Das ist vergleichbar mit Tschernobyl wo Strahlenschützer aufgrund von Phantasiezahlen aus den Medien jahrzehntelang nach Signifikanzen für erhöhte Krebsraten abseits des Schilddrüsenkrebses suchten.

In den ersten 7/10 des 20. Jahrhunderts hat man Abfällen keine besondere Bedeutung zukommen lassen. Man hat toxische Abfälle auf einer Rheininsel deponiert.
Der Nobelpreisträger Heisenberg schlug vor radioaktive Abfälle mit 3m Erde zu bedecken. Heute sind oberflächennahe Betonwannen als Deponien für Leicht- und Mittelradioaktive Abfälle, z.B. Dukovany, üblich.

Der Ankauf von Asse war demzufolge sehr vorbildlich und ist es angesichts des bescheidenen Gefährdungspotentials noch heute.

Im Gegensatz zu Kommentar 3 Herr Weissenborn erachte ich jeden Aufwand der über ein Fluten und sichern hinausgeht als fahrlässige Mittelverschwendung.

Die Deponierung erfolgte in 550 - 750m Tiefe. Wenn der Salzstock geflutet und verfüllt ist, sich Untertage eine gesättigte Lauge gebildet hat, ist der Salzstock mit allergrösster Wahrscheinlichkeit für geologische Zeiten stabil. Das in dieser Tiefe vorhandene Wasser steht offensichtlich nicht mit dem oberflächennahen Wasser in Verbindung andernfalls wäre dies versalzen und ungeniessbar.

Der Worst Case ist, dass sich der Salzstock irgendwann aufgelösen wird und die Salzlauge an der Erdoberfläche austritt. Dann wird es ein paar sehr salzhaltige Quellen geben. Kein Mensch und kein Tier wird dieses Wasser trinken. Eine Nutzung ist ausgeschlossen. Wenn man theoretisch davon ausgeht dass jemand dazu veranlasst wird, wird dieser am Salz gestorben sein bevor andere Risiken wirksam werden können.

Insgesamt sollte man stolz auf diese vorbildliche Versuchsdeponie aus den 60er Jahren sein.

Vandale

10
Dirk Weißenborn

Herr Dr. Fuchs hat in seinem oben wiedergegebenen Beitrag überzeugend dargelegt, dass ein weiteres Zuwarten im Fall der Asse II ein deutlich höheres Risiko darstellen würde, als das Grubengebäude kontrolliert mit einer geeigneten Flüssigkeit zu fluten.

Dieses "Schutzfluid" wurde um das Jahr 2000 speziell für das Atommüllager Asse entwickelt und vereint zwei wichtige Eigenschaften:

1. Die Lösung der wichtigsten Radionuklide wird minimiert, vor allem durch die Einstellung eines schwach basischen Milieus mittels z.B. Kaliumcarbonat und Calciumcarbonat.

2. Schutz der selbst unter gesättigter NaCL-Lösung chemisch und somit auch mechanisch empfindlichen Kalisalzbereiche in der Grube (Carnallititproblem). Dies wäre durch den Einsatz von gelöstem Magnesiumchlorid sowie auch Kaliumchlorid erreichbar.

Darüber hinaus wirkt der hydrostatische Druck der Laugenflüssigkeit dem Konvergenzdruck des Salzgebirges entgegen und "bremmst" auf diese Weise sowohl die Gebirgsmechanik als auch die mechnische Zerstörung der Abfallgebinde (bedingt durch das Salz, welches die Hohlräume schließt)ab.

Führt man diese damals vom ehemaligen Betreiber (Helmholtz) vorgeschlagenen Maßnahmen nicht durch, so wächst mit jedem Tag die Gefahr, dass sich die momentan 11-12m3 Laugenzuflüsse täglich erheblich erhöhen. Das Grubengebäude müsste aufgegeben werden.

Kein gebirgsmechanisches Gutachten gibt der Grube noch wesentlich mehr als 10 Jahre Standzeit.

Da die irgendwann in größeren Mengen zufließenden Laugen jedoch nicht gesättigt sind, besteht die Gefahr, dass weite Teile des Grubengebäudes - nicht nur die Carnallititbereiche - instabil würden. Weitere Folgen sind Nachbrüche und Gebirgsschläge bis hin zu Senkungserscheinungen an der Erdoberfläche wie sie z.B. in Vienenburg 1930 oder Ronnenberg 1975 beobachtet wurden.

Lösungs- und Gasbildungsprozesse an den nuklearen Hinterlassenschaften nähmen prinzipiell zu.

Anstatt vergleichsweise deutlich kostengünstigere Flutung konsequent in Angriff zu nehmen, wird abgewartet. Anwohnern und Öffentlichkeit wird vorgegaukelt, man befände sich intensiv in Vorbereitungen zur Rückholung der Abfälle. (Vor kurzem fasste der Deutsche Bundestag auch einen entsprechenden Beschluß).

Seit mehreren Jahren ist davon so gut wie nichts in die Tat umgesetzt worden. Stattdessen überbieten sich alle beteiligten Akteure in Schätzungen, wann denn nun die "eigentliche" Rückholung beginnen könne. Sogar das Jahr 2036 wurde vom BfS schon genannt. Andere sprachen öffentlich schon von einer Jahrhundertaufgabe.

Die meisten der Kammern sind mit Salzgrus bzw. Staub verfüllt. Das Salzgebirge wird die Mischung aus "Verpackung", Inhalten und losem Salz unweigerlich verfestigen bzw. schon verfestigt haben. Unter diesen Bedingungen kann die Rückholung nur als ein "Atommüllbergbau" bezeichnet werden, für die es in der Geschichte kein Beispiel gibt. Ob die entsprechende Technik überhaupt rechtzeitig einsatzfähig sein wird, ist die nächste Frage. Oder sollen Kohorten von Leiharbeitern untertage Hand an leckende Gebinde anlegen? Na dann, Glück auf! In den Laugen aus der Kammer 12 sind schon spätestens 2004 gewisse Konzentrationen an gelöstem Cs 137 festgestellt worden! Diese Befunde wurden der Öffentlichkeit von der damligen rot-grünen Bundesregierung vorenthalten.

In zwei Punkten bin ich nicht ganz einig mit Aussagen des Beitrags.

Ob die stabile, dichtebedingte oben/unten - "Schichtung" zwischen +-Süßwasser und gesättigtem Wasser im Grubengebäude auf Dauer bestehen bleibt, ist bei der natürlichen konvergenzbedingten Schließung des Grubengebäudes durch das mobile Salzgebirge nicht sicher vorherzusagen. Die Hohlräume auf den unterschiedlichen Sohlen schließen sich wahrscheinlich nicht gleichmäßig.

Ob Uran- und Plutonium ausschließlich in (nahezu unlöslicher) oxidischer Form in den Abfällen vorliegen, kann bezweifelt werden. Immerhin liegen auch uranhaltige Schlämme aus Ionenaustauschern in Gebinden der Grube. Deren Lösungsverhalten könnte anders sein.

Zuletzt sei daran erinnert, dass in der Asse auch weit über 1000 Tonnen quecksilber- und arsenhaltige Industrieabfälle lagern. Die bei einer Auspressung in oberflächenahe Grundwasserleiter resultierende Gefahr von Kontamination ist gegeben.

Sofern diese chemisch-toxischen Abfälle isoliert von den nuklearen und somit einfach rückholbar vorlägen, würde ich unter diesen Vorraussetzungen ausschließlich
für deren Rückholung zu plädieren.

Alles andere sollte untertage bleiben. Das ist nicht nur bedeutend billiger, sondern auch langfristig sicherer.

Die Schachtanlage Asse II war ein von Anfang an ungeeigneter Standort für die "Versuchs-Endlagerung" von schwach- und Mittelaktiven Abfällen. Bedenken kamen vom damaligen Bergamt Wolfenbüttel schon Mitte der sechziger Jahre, später auch von anderer Seite.

Warum Umweltverbände wie der BUND so vehement die Rückholung aller Abfälle fordern, ist mir völlig schleierhaft. Aber sie gehören ja auch zum öko-industriellen Komplex...

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Bemerkenswert unaufgeregter und gut verständlicher Artikel. Umso erbärmlicher wirken das allgemeine hyperventilierend hysterische Gegackere und die grenzenlose Lügerei zur ASSE. Nun das beispielhaft eine C. Roth das am besten kann, ist eine zwar vielleicht trauriger, im Rahmen von Einzelschicksalen durchaus akzeptabler Umstand.

Das aber eine Menge Menschen aufgrund ihrer unterstellten Bildung eigentlich anders entscheiden könnte, als ausgerechnet diese vom Hühnerschicksal* Gezeichneten in höchste Ämter und Positionen in der Gesellschaft zu wählen, lässt mich nicht nur an der unterstellten Bildung sondern auch am Verstand derjenigen und vor allem am gesellschaftlichen System zweifeln, das solche nachhaltig katastrophal wirksamen Fehlbesetzungen zulässt. Pardon, ich habe gelogen – ich zweifele nicht daran - denn das eine ist jeweils die Folge oder Ursache des anderen…

* Liebe Hühner, entschuldigt die dem Homo sapiens sapiens innewohnende Neigung zur Verbildlichung menschlicher Verhaltensweisen anhand idiotischer Vergleiche mit seinen tierischen Mitgeschöpfen.

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Erstklassiger Artikel, trifft den Nagel genau von oben.
Muss eigentlich den gleichgeschalteten Medien zugänglich gemacht werden.