Klima-Hellseher als blinde Führer

*[Seer-sucker theory, ein unübersetzbares Wortspiel, das ich nicht kenne. Die Recherche ergab, dass die Unwissenden (sucker) den Hellsehern alles glauben und auch dafür zahlen, obwohl es zahlreiche Beweise dafür gibt, dass es keine Hellseher gibt.

Im Folgenden werde ich den Term Seer-Sucker mangels einer treffenden Bezeichnung auf Deutsch beibehalten. A. d. Übers.]

Vorhersagen einer gefährlichen, vom Menschen verursachten Erwärmung stützen sich stark auf Experten-Beurteilungen. Ist die Bewegung der globalen Erwärmung ein weiteres Beispiel des Seer-Sucker-Phänomens?

In den neunziger Jahren habe ich eine internationale Gruppe von 39 Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen zusammen gebracht. Sie sollten Prinzipien zur Herangehensweise an Vorhersagen zusammenstellen. Die Prinzipien basieren zumeist auf experimentellen Studien, was in bestimmten Situationen am besten funktioniert. Die Ergebnisse wurden übersetzt in eine Liste von 139 wissenschaftlichen Prinzipien und 2001 veröffentlicht in dem Buch „Principles of Forecasting“. Die Prinzipien sind bei www.forecastingprinciples.com einsehbar, und sie werden überarbeitet, sobald neue Beweise auftauchen. Die Site enthält auch Freeware, die es jedem erlaubt, selbst die Vorhersage-Prozeduren zu überprüfen.

Im Jahr 2007 habe ich zusammen mit Kesten Green von der University of South Australia ein Audit der Prozeduren veröffentlicht, die vom IPCC bei den UN zur Erstellung von „Projektionen“ der globalen Erwärmung angewandt worden sind. Die IPCC-Autoren verwendeten Computerprojektionen, die aus Experten-Beurteilungen einiger Wissenschaftler abgeleitet worden waren. Sie nennen diese Projektionen „Szenarien“ (d. h. Geschichten). Wie die Autoren einräumen, handelt es sich dabei nicht um Vorhersagen, und doch werden sie als solche betrachtet und verwendet. Das Audit ergab, wenn man so tut, als seien die IPCC-Prozeduren Vorhersagen, dass 72 von 89 relevanten wissenschaftlichen Vorhersage-Prinzipien verletzt worden sind.

Was sagt uns die wissenschaftliche Vorhersagemethodik über die globalen Temperaturen im nächsten Jahrhundert?

Im Jahr 2009 haben Mr. Green, Willie Soon vom Harvard   Smithsonian Center for Astrophysics und ich eine Studie zur Bewertung von Vorhersagen durchgeführt, und zwar mit Daten von 1850 bis 2007. Wir zeigten, dass ein einfaches Modell, das im Zeitscale von einem bis 100 Jahren keinen Trend der globalen Mitteltemperaturen aufweist, Vorhersagen erzeugte, die substantiell genauer waren als die IPCC-Projektion von 0,03°C pro Jahr. Für 91 bis 100 Jahre im Voraus enthielt die Erwärmungs-Projektion des IPCC Fehler, die 12 mal größer waren als bei unserem einfachen Modell. Unsere eigenen Vorhersage-Prozeduren verletzten nur geringe auf Beweisen basierende Vorhersage-Prinzipien und haben sich nicht auf Expertenbeurteilungen hinsichtlich des Trends gestützt. Wissenschaftliche Vorhersagen seit der Studie aus dem Jahr 2009, die wir in unserem jüngsten Arbeitspapier beschrieben haben, benennen diese geringen Abweichungen von den Prinzipien, und die Ergebnisse stützen unsere früheren Erkenntnisse.

Hat es in der Vergangenheit ähnliche Fälle gegeben, wo führende Wissenschaftler und Politiker gefolgert haben, dass die Umwelt gravierenden Gefahren gegenüber steht? In einer noch laufenden Studie haben wir 26 alarmistische Bewegungen identifiziert, die ähnlich dem gegenwärtigen Alarm bzgl. der globalen Erwärmung waren (z. B. Bevölkerungswachstum und Hungersnöte in den sechziger Jahren, globale Abkühlung in den siebziger Jahren). In allen Fällen wurde vorhergesagt, dass menschliche Aktivitäten zu Umweltkatastrophen und Schäden für die Bevölkerung führen würden. Trotz starker Unterstützung seitens führender Wissenschaftler hat sich keine der alarmistischen Bewegungen auf wissenschaftliche Vorhersagemethoden gestützt. Die Regierung hat in 23 der 25 Fälle Regulationen eingeführt, die nach Intervention seitens der Regierung rufen. Keine der alarmistischen Vorhersagen hat sich als richtig herausgestellt. In den 23 Fällen, in denen es zu Interventionen der Regierung gekommen ist, war keine davon effektiv, und 20 richteten insgesamt mehr Schaden an, als das sie nützlich waren.

Die Politik bzgl. der Klimaänderung ruht auf einem dreibeinigen Hocker von Vorhersagen (siehe Bild oben rechts!). Erstens ist es notwendig, gültige und verlässliche wissenschaftliche Vorhersagen eines starken, persistenten Trends der Temperaturen haben. Zweitens, wissenschaftliche Vorhersagen müssen zeigen, dass die Auswirkungen des Trends in den Temperaturen schädlich sein werden. Drittens, wissenschaftliche Vorhersagen müssen zeigen, dass jede vorgeschlagene politische Maßnahme (z. B. eine Maßnahme, die sicherstellt, dass Eisbären wegen der globalen Erwärmung eines besonderen Schutzes bedürfen) insgesamt einen Vorteil aufweist gegenüber dem, was bei einem Unterlassen dieser Maßnahme geschehen würde. Sollte nur eines dieser drei Stützen nicht zutreffen, ist die politische Maßnahme falsch.

Seit 2007 haben wir nach wissenschaftlichen Vorhersagen gesucht, die den dreibeinigen Hocker der Klimapolitik stützen. Wir waren nicht in der Lage, auch nur eine einzige Vorhersage für irgendeine der drei Stützen zu finden – der Sockel erfährt derzeit keine Stützung.

Zwei Wege, bzgl. der Klimaänderung Übereinstimmung zu erzielen wären, darauf zu bestehen, dass Vorhersagen alle Kosten und Vorteile mit einschließen, und dass alle Vorhersage-Prozeduren wissenschaftlichen Prinzipien folgen. Falls gängige Prinzipien bei den gegenwärtigen Vorhersagen nicht enthalten sind, gibt es keine Grundlage für einheitliche Maßnahmen, um die globale Erwärmung zu verhindern – oder eine Abkühlung. Rationale Klimapolitik darf sich nicht auf Hellseher stützen, egal wie viele es davon gibt, wie smart sie sind oder über wie viel Erfahrung sie verfügen.

J. Scott Armstrong

J. Scott Armstrong ist Professoran der University of Pennsylvania und Autor von “Long-Range Forecasting” (Wiley-Interscience, 1985).

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Übersetzt von Chris Frey EIKE