Klima-Hellseher als blinde Führer

Prognostiker verwenden oft unwissenschaftliche Computermodelle. Die Wissenschaft der Vorhersage ist komplex. Nach 50 Jahren, die ich mit diesem Prozess beschäftigt war, habe ich erkannt, dass es viele experimentelle Beweise dafür gibt, dass Experten in komplexen, unsicheren Situationen keine besseren Vorhersagen abgeben können als solche mit wenig Erfahrung. Im Jahr 1980 hat die Technology Review des MIT meine „Seer-sucker Theory“* veröffentlicht: „Egal wie viele Beweise es dafür gibt, dass es keine Hellseher gibt, werden Trottel für die Existenz von Hellsehern zahlen.“ Seit 1980 hat die Forschung noch mehr Beweise für diese überraschende Theorie ans Licht gebracht, vor allem im Buch von Philip Tetlock „Expert Political Judgement“.


*[Seer-sucker theory, ein unübersetzbares Wortspiel, das ich nicht kenne. Die Recherche ergab, dass die Unwissenden (sucker) den Hellsehern alles glauben und auch dafür zahlen, obwohl es zahlreiche Beweise dafür gibt, dass es keine Hellseher gibt.

Im Folgenden werde ich den Term Seer-Sucker mangels einer treffenden Bezeichnung auf Deutsch beibehalten. A. d. Übers.]

Vorhersagen einer gefährlichen, vom Menschen verursachten Erwärmung stützen sich stark auf Experten-Beurteilungen. Ist die Bewegung der globalen Erwärmung ein weiteres Beispiel des Seer-Sucker-Phänomens?

In den neunziger Jahren habe ich eine internationale Gruppe von 39 Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen zusammen gebracht. Sie sollten Prinzipien zur Herangehensweise an Vorhersagen zusammenstellen. Die Prinzipien basieren zumeist auf experimentellen Studien, was in bestimmten Situationen am besten funktioniert. Die Ergebnisse wurden übersetzt in eine Liste von 139 wissenschaftlichen Prinzipien und 2001 veröffentlicht in dem Buch „Principles of Forecasting“. Die Prinzipien sind bei www.forecastingprinciples.com einsehbar, und sie werden überarbeitet, sobald neue Beweise auftauchen. Die Site enthält auch Freeware, die es jedem erlaubt, selbst die Vorhersage-Prozeduren zu überprüfen.

Im Jahr 2007 habe ich zusammen mit Kesten Green von der University of South Australia ein Audit der Prozeduren veröffentlicht, die vom IPCC bei den UN zur Erstellung von „Projektionen“ der globalen Erwärmung angewandt worden sind. Die IPCC-Autoren verwendeten Computerprojektionen, die aus Experten-Beurteilungen einiger Wissenschaftler abgeleitet worden waren. Sie nennen diese Projektionen „Szenarien“ (d. h. Geschichten). Wie die Autoren einräumen, handelt es sich dabei nicht um Vorhersagen, und doch werden sie als solche betrachtet und verwendet. Das Audit ergab, wenn man so tut, als seien die IPCC-Prozeduren Vorhersagen, dass 72 von 89 relevanten wissenschaftlichen Vorhersage-Prinzipien verletzt worden sind.

Was sagt uns die wissenschaftliche Vorhersagemethodik über die globalen Temperaturen im nächsten Jahrhundert?

Im Jahr 2009 haben Mr. Green, Willie Soon vom Harvard   Smithsonian Center for Astrophysics und ich eine Studie zur Bewertung von Vorhersagen durchgeführt, und zwar mit Daten von 1850 bis 2007. Wir zeigten, dass ein einfaches Modell, das im Zeitscale von einem bis 100 Jahren keinen Trend der globalen Mitteltemperaturen aufweist, Vorhersagen erzeugte, die substantiell genauer waren als die IPCC-Projektion von 0,03°C pro Jahr. Für 91 bis 100 Jahre im Voraus enthielt die Erwärmungs-Projektion des IPCC Fehler, die 12 mal größer waren als bei unserem einfachen Modell. Unsere eigenen Vorhersage-Prozeduren verletzten nur geringe auf Beweisen basierende Vorhersage-Prinzipien und haben sich nicht auf Expertenbeurteilungen hinsichtlich des Trends gestützt. Wissenschaftliche Vorhersagen seit der Studie aus dem Jahr 2009, die wir in unserem jüngsten Arbeitspapier beschrieben haben, benennen diese geringen Abweichungen von den Prinzipien, und die Ergebnisse stützen unsere früheren Erkenntnisse.

Hat es in der Vergangenheit ähnliche Fälle gegeben, wo führende Wissenschaftler und Politiker gefolgert haben, dass die Umwelt gravierenden Gefahren gegenüber steht? In einer noch laufenden Studie haben wir 26 alarmistische Bewegungen identifiziert, die ähnlich dem gegenwärtigen Alarm bzgl. der globalen Erwärmung waren (z. B. Bevölkerungswachstum und Hungersnöte in den sechziger Jahren, globale Abkühlung in den siebziger Jahren). In allen Fällen wurde vorhergesagt, dass menschliche Aktivitäten zu Umweltkatastrophen und Schäden für die Bevölkerung führen würden. Trotz starker Unterstützung seitens führender Wissenschaftler hat sich keine der alarmistischen Bewegungen auf wissenschaftliche Vorhersagemethoden gestützt. Die Regierung hat in 23 der 25 Fälle Regulationen eingeführt, die nach Intervention seitens der Regierung rufen. Keine der alarmistischen Vorhersagen hat sich als richtig herausgestellt. In den 23 Fällen, in denen es zu Interventionen der Regierung gekommen ist, war keine davon effektiv, und 20 richteten insgesamt mehr Schaden an, als das sie nützlich waren.

Die Politik bzgl. der Klimaänderung ruht auf einem dreibeinigen Hocker von Vorhersagen (siehe Bild oben rechts!). Erstens ist es notwendig, gültige und verlässliche wissenschaftliche Vorhersagen eines starken, persistenten Trends der Temperaturen haben. Zweitens, wissenschaftliche Vorhersagen müssen zeigen, dass die Auswirkungen des Trends in den Temperaturen schädlich sein werden. Drittens, wissenschaftliche Vorhersagen müssen zeigen, dass jede vorgeschlagene politische Maßnahme (z. B. eine Maßnahme, die sicherstellt, dass Eisbären wegen der globalen Erwärmung eines besonderen Schutzes bedürfen) insgesamt einen Vorteil aufweist gegenüber dem, was bei einem Unterlassen dieser Maßnahme geschehen würde. Sollte nur eines dieser drei Stützen nicht zutreffen, ist die politische Maßnahme falsch.

Seit 2007 haben wir nach wissenschaftlichen Vorhersagen gesucht, die den dreibeinigen Hocker der Klimapolitik stützen. Wir waren nicht in der Lage, auch nur eine einzige Vorhersage für irgendeine der drei Stützen zu finden – der Sockel erfährt derzeit keine Stützung.

Zwei Wege, bzgl. der Klimaänderung Übereinstimmung zu erzielen wären, darauf zu bestehen, dass Vorhersagen alle Kosten und Vorteile mit einschließen, und dass alle Vorhersage-Prozeduren wissenschaftlichen Prinzipien folgen. Falls gängige Prinzipien bei den gegenwärtigen Vorhersagen nicht enthalten sind, gibt es keine Grundlage für einheitliche Maßnahmen, um die globale Erwärmung zu verhindern – oder eine Abkühlung. Rationale Klimapolitik darf sich nicht auf Hellseher stützen, egal wie viele es davon gibt, wie smart sie sind oder über wie viel Erfahrung sie verfügen.

J. Scott Armstrong

J. Scott Armstrong ist Professoran der University of Pennsylvania und Autor von “Long-Range Forecasting” (Wiley-Interscience, 1985).

Read more: http://www.washingtontimes.com/news/2013/feb/4/climate-seers-as-blind-guides/#ixzz2K7MdSIMJ
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Übersetzt von Chris Frey EIKE

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4 Kommentare

  1. Bisher hatte ich von der Seer Sucker Theory noch nichts gehört. Wenn man die Vorgänge in der menschlichen Gesellschaft verfolgt, wird einem schnell klar, dass mit dieser Theorie sehr gut das Verhalten von Menschen wiedergegeben wird. Je größer das Unwissen von einem bestimmten Vorgang, desto eher lässt sich ein Mensch über diesen Vorgang manipulieren.

    Unwissenheit hat natürlich nicht viel mit Dummheit zu tun, denn die Mitglieder der Ethik-Kommission, die die Energiewende vorgeschlagen haben sind weitgehen sehr honorige und auf ihrem Fachgebiet auch hoch gebildete Persönlichkeiten.

    Allerdings unterwerfen sich diese Leute den sich wissenschaftlich gebenden Hellsehern einer angeblich menschengemachten Klimakatastrophe und begründen damit ihren Vorschlag für eine Energiewende, die allen bisherigen wissenschaftlichen, technischen und ökonomischen Erkenntnissen für eine sichere und kostengünstige Versorgung mit Elektroenergie widersprechen. Damit werden diese Persönlichkeiten selbst zu Hellsehern, denen nun die Politiker und die Massen gerne folgen.

    Für mich ist es sehr wichtig zu wissen, dass mit der Seer Sucker Theory und dem Buch „Principles of Forecasting“ Prinzipien veröffentlicht worden sind, mit denen man Vorhersagen wissenschaftlich verifizieren kann. J. Scott Armstrong hat mit seinem Paper überzeugend dargelegt, dass die Klimavorhersagen der Alarmisten nicht den erarbeiteten wissenschaftlichen Prinzipien entsprechen und damit hellseherisch sind.

    Da ich kein Meteorologe und mit der Wissenschaft vom Klima und Wetter nicht so gut vertraut bin, werden meine bisherigen Erkenntnisse auf diesem Gebiet nun auf ein beteutend sicheres Fundament gestellt.

    Auch ich danke Chris Frey und Admin

  2. Sehr geehrte Moderatoren, sehr geeehrte Administration,

    da das Kontaktformular zur Zeit nicht funktioniert, möchte ich auf diesem Wege den Hinweis auf eine wohl neue Untersuchung zum urban heat effect geben, vielleicht ist diese von Belang. Es sieht so aus, als könne man diesen doch nicht länger ignorieren und seine Wirkungen könnten größer sein als gedacht:
    http://scinexx.de/wissen-aktuell-15516-2013-01-28.html

  3. Könnte Seer Sucker nicht mit Eingeweihter oder Informierter wiedergegeben werden, so wie die Seher oder Propheten des AT und NT in die Pläne Gottes eingeweiht waren und deren Vorhersagen 100% eintrafen und nicht zu 0 % wie bei den Experten des Klimawandels!
    Aber es wäre in dem speziellen Fall, die Übersetzung mit Eingeweihte oder Informierte ,( hat so ein Gschmäckle von Esoterik) eher eine Anmaßung oder Fehldeutung.
    Sie meinen an den Zitzen der Erkenntnis zu saugen und wiederkäuen nur Substanzlosigkeit

    Verläßlichkeit bzgl. des Eintreffens von Wettervorhersagen ist nicht gegeben und auch nicht zu erwarten. Schädlich oder Nachteilig ist ein Trend in der Temperaturentwicklung sowohl bei steigenden als auch sinkenden Temperaturen, wenn jeweils von extremen Veränderungen ausgegangen wird.
    Würden die Eisbären sich ausschließlich von Eis ernähren, wie Koalas von Eukalyptus und Pandas von Bambus , dann wäre dessen schmelzen eine Katastrophe für die Tiere.
    (Denkt man in weiterreichenden Zeitabschnitten als nur eine Woche, ist es verständlich in Alarmismus zu verfallen, wenn in Computer simulierte Katastrophen Wellen von Panikattacken verursachen.)
    Ein Trend läßt sich nicht immer als, nur einer Tendenz nach laufend, vorhersagen ( siehe Börse)
    Wettervorhersage und Börse haben gemeinsam, daß sich Alles im Nachherein erklären läßt,obwohl die Aktienkurse mehr von Erwartungshaltungen abhängig sind und Klimavorhersagen von dem was eine bestimmte Klientel will wie es sich(angeblich wissenschaftlich fundiert) entwickelt. Wärmer oder kälter. Durch fiskalische Maßnahmen (steigende nie sinkende Steuern und Abgaben) kann dem Gegengesteuert werden.

  4. @ admin
    Hallo, erstmal herzlichen Dank für die unermüdliche Arbeit, die Sie leisten.
    Ich habe einen Vorschlag: schreiben Sie doch den Autor eines Textes am Anfang des Artikels, wie das die Zeitungen machen. Zum Beispiel:

    Klimahellseher als blinde Führer
    Von J. Scott Armstrong

    Das ist dann besonders hilfreich, wenn ein Artikel in der „Ich-Form geschrieben ist, wie der oben. Da weiss man gleich, wer zu einem „spricht“, muss nicht erst nach unten und wieder zurück scrollen.
    Leiten Sie meinen Dank auch an Chris Frey weiter, für seine guten Übersetzungen.

    Freundliche Grüsse
    Guy Walder

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