Ablehnung von Schiefergas gleicht dem Sturm im Wasserglas

Die Times hat mein Op-Ed zum Thema Schiefergas veröffentlicht:
Jetzt ist es amtlich: Das Bohren nach Schiefergas durch das Brechen von Felsen mit Wasser könnte das sprichwörtliche Wasserglas etwas durchschütteln, aber es ist höchst unwahrscheinlich, dass es zu Erdbeben führt. Bis hier ist das für jeden offensichtlich, der die Entwicklung der Schiefergas-Industrie während der vergangenen 10 Jahre in den USA verfolgt hat. Mehr als 25 000 Bohrungen haben zu einer Handvoll mikroseismischer Ereignisse geführt, die man kaum bemerkt hat.

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Bild rechts: Autor Matt Ridley

Die zwei Erschütterungen, zu denen es bei einer Bohrung bei Blackpool im vorigen Jahr gekommen war, waren gering. Eine Erschütterung der Stärke zwei ein Erdbeben zu nennen ist etwa so wie den Verzehr einer Haselnuss Lunch zu nennen. Solche Erschütterungen ereignen sich natürlicherweise mehr als 15 mal pro Jahr, werden aber nicht bemerkt, und sie sind eine normale Konsequenz von vielen anderen Arbeiten unter Tage, wie zum Beispiel der Kohleabbau und geothermische Bohrungen. Durch hydroelektrische Projekte ausgelöste Erdbeben (Staudämme, Ölabbau) können viel stärker sein und viel mehr Schaden anrichten. Das Sichuan-Erdbeben, bei dem im Jahr 2008 90 000 Menschen ums Leben kamen, wurde möglicherweise durch den Bau eines Staudamms verursacht.

Können wir also jetzt weiter machen und eine eigene heimische Schiefergas-Industrie ins Leben rufen? Die ökonomischen und umweltlichen Vorteile könnten riesig sein. Man schaue sich nur die Auswirkungen an, die das Schiefergas in den USA gezeitigt hat. Es hat den Preis auf ein Viertel der Höhe in Europa fallen lassen, was zu einer Halbierung der Energiekosten geführt hat; es hat Fabriken erholen lassen, Arbeitsplätze geschaffen, die Ausweitung teurer Kernkraft zum Stoppen gebracht und Kohlenstoffemissionen drastisch verringert.

Die Harvard School of Engineering and Applied Science hat im Februar gefolgert, dass der überraschende Rückgang der amerikanischen Kohlenstoffemissionen – um 7% im Jahr 2009, möglicherweise noch mehr seitdem – zum größten Teil auf das Ersetzen der Kohleverbrennung durch Schiefergas zurückzuführen ist. Dem Leiter der Studie Professor Michael McElroy zufolge „kann eine leichte Verschiebung der Relativpreise zwischen Kohle und Erdgas zu einem starken Rückgang der Kohlenstoffemissionen führen. In ganz Amerika werden Kohle- und Kernkraftprojekte wegen des billigen Gases gestrichen oder eingemottet. (Erklärung: Ich habe in den Kohleabbau investiert; darum ist Schiefergas eine schlechte Nachricht für mich, aber eine gute Nachricht für das Land und den Planeten). Und doch, wenn man der Diskussion in UK über das „Fracking“ lauscht, könnte man sich in einem anderen Universum wähnen. Tony Jupiter, der bevorzugte Grüne der BBC, erklärte gestern, dass Schiefergas zu zunehmenden Kohlenstoffemissionen führen könnte wegen des Eintrags von Methan in die Atmosphäre. Seine Beweise? Eine Studie der Cornell University wurde diskreditiert. Nicht nur, dass die Studie teilweise von einer Anti-Fracking-Gruppe namens Park Foundation gefördert worden ist, sondern auch, dass darin auch eine ganze Reihe elementarer Fehler gemacht worden sind, wie zum Beispiel das Herauspicken eines Kurzzeitrahmens, weil Methan nicht lange in der Atmosphäre verbleibt und den Diebstahl russischen Gases mit einem Entweichen aus Lecks verwechselt.

Unabhängig davon steckt der Beweis in den Daten: Schiefergas hat schon jetzt zu einem Rückgang von Kohlenstoffemissionen in einem Ausmaß geführt, wie es bei Wind-, Biomasse- und Solarkraftwerken nie der Fall war. Mit Wind wird immer noch weniger als 0,5% der Energie erzeugt, und sie hat bisher keine fossilen Treibstoffe ersetzt. Biomasse hat nachweislich zu einer Zunahme der Kohlenstoffemissionen geführt, indem damit die Entwaldung unterstützt worden ist. Und die Sonnenenergie ist trotz ihrer guten lokalen Perspektiven in Wüstenstaaten immer noch global irrelevant und national Zeitverschwendung.

Wie steht es um die Verseuchung von Grundwasser? Das ist auch zum größten Teil Schwachsinn. Da sich normalerweise mehr als ein Kilometer Gestein zwischen den Wasser führenden Schichten und dem Niveau befindet, in dem das Fracking stattfindet, ist die Kontamination von Grundwasser durch Fracking höchst unwahrscheinlich. Mehr als 25 000 Bohrungen wurden inzwischen abgeteuft, und es gab lediglich eine Handvoll von Kontaminierungs-Ereignissen, von denen sich die meisten als natürlichen Ursprungs herausstellten. Natürlich kann es bei den Bohrungen zu Unfällen kommen mit der Folge einer oberflächennahen Verschmutzung, wie in jedem Industriebereich. Aber die beim Fracking benutzten Chemikalien – weniger als 0,5% der Lösung, die man zur Gewinnung des Gases braucht – sind Chemikalien der gleichen Art, die man auch unter dem Abwaschbecken in der Küche findet: Desinfektionsmittel, Tenside und so weiter.

Die Kampagne zum Stoppen von Schiefergas auf dem Markt ist politischer, nicht wissenschaftlicher Natur. Dahinter liegen persönliche Interessen. Die russische Gasindustrie, die durch den drohenden Verlust ihrer monopolartigen Gasversorgung Europas alarmiert ist, hat sich laut gegen Schiefergas geäußert. Auch die Kernkraft- und Kohleindustrie würde dieses Kind lieber noch vor der Geburt stranguliert sehen, waren dabei aber weniger profiliert.

Der stärkste Widerstand kam jedoch von denjenigen mit persönlichen Interessen an der erneuerbaren Energie einschließlich der großen Umweltvereinigungen, die alarmiert sind, weil die fetten Subventionen für Wind-, Biomasse und Sonne in Gefahr sind, wenn das Gas zu billig wird und die Kohlenstoffemissionen zu effektiv verringert werden. Ihre gesamte Begründung für weitere Subventionen, nachgeäfft von ihrem pflichterfüllten Pudel Chris Huhne als Energieminister besteht darin, dass das Gas immer teurer wird, bis sogar Wind- und Solarenergie im Vergleich dazu billig aussieht. Das war Wunschdenken.

Selbst wenn man Kohlenstoffemissionen nicht als höchste Priorität hinsichtlich der Umwelt ansieht, gibt es einen viel triftigeren Grund, warum der Verbrauch von Gas Nahrung für den Planeten ist. Keine andere Spezies braucht oder nutzt es. Jedes Mal, wenn man Getreide für Biotreibstoff anbaut, wenn man Holz für eine Biotreibstoff-Fabrik erntet, eine Wüste mit Solarpaneelen zupflastert oder einen Fluss für ein Wasserkraftwerk aufstaut, stiehlt man der Natur Energie. Selbst der Wind wird gebraucht – von Adlern für den Segelflug und von Fledermäusen (beide werden regelmäßig durch Windräder getötet). Als einzige Gas verbrauchende Spezies gilt: je mehr wir davon verbrauchen, umso mehr andere Energiequellen können wir der Natur übrig lassen.

Matt Ridley

Link: http://www.rationaloptimist.com/blog/opposition-to-shale-gas-is-a-storm-in-a-teacup.aspx

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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17 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Paul,

    in diesem Forum gibt es wohl die Seite der immer wieder vernuftbemühten und die anderen.
    Unter Katzenliebhabern würde man es so sagen: Es gibt die ailurophilen und die ailurophoben, oder mit anderen Worten: Katzenliebhaber – und jene, die das Leben benachteiligt hat.

    Obwohl auch ich früher zur Atomkraft-Nein-Danke-Fraktion gehört und einige Jahre in der Energietechnik zugebracht habe und heute auch noch immer in die Entwicklung der Produktionstechnik von Dünnschicht-Solarzellen involviert bin, bin ich bezüglich der KKW’s Ihrer Meinung. Sie wurden gebaut, sie stellen die grundsätzlichen Taktgeber und Stabilisatoren für unsere Netzsicherheit dar und man sollte sie nicht jetzt einfach so verrotten lassen, weil wir uns damit mehr schaden als wenn man sie bis zum Ende ihrer sicheren Verfügbarkeit betreiben würde. Es könnte eher ein verrottetes KKW für uns zum Fukushima werden, als ein betriebsbereites. Bekanntlich haben wir es hier aber mit Ideologie(n) zu tun denn mit Vernunft …

    MfG

    Weber

  2. Mit nachsichtigen Lächeln nehme ich all ihre geschätzten Kommentare entgegen. Was gilt schon der Prophet im eigenen Lande …

    Des einen bleierner Focus liegt darauf, daß ich in meiner Aufzählung versehentlich „Metalle“ geschrieben habe, was daran liegt, daß beispielsweise silicium hier als Metall bezeichnet wird, – sorry, passiert manchmal -, der andere hält sich daran auf, daß ich etwas überspitzt geschrieben habe, daß der Bohrwerksführer (in English heißt das eben conductor oder operator und ich glaube in Deutschland spricht man ganz allgemein auch von einem Maschinenführer … nach der Einnahme dieses Medikaments ist das Führen von Maschinen nicht zulässig … ) in der Lage wäre, einem 3 m unterhalb des Hauses durchzubohren.

    Daß der Kernsatz eigentlich der über die Körperschallübertragung in den Gesteinsschichten ist, ist Ihnen, Herr Rassbach, dabei völlig entgangen, weshalb dies wohl auch nicht bestritten wird.

    Viel Substanz haben die Entgegenhaltungen sonst nicht. Hätten sie nur mal alle die in #8 erwähnte Stellungnahme des Umwelt Bundesamts zur Schiefergasförderung wirklich gelesen (http://tinyurl.com/5s7npwv). Sie hätten viel von meinen Aussagen dort bestätigt gesehen.

    Ja, Herr Hartung, das sind halt die Argumente des Praktikers und Kämpfers. Und halt nicht die des Theoretikers und Daheimgebliebenen. Ich bin eben nicht de(sin)formiert durch entsprechend aufbereitete Lektüre, Herr Rassbach, sondern informiert infolge praktischer, eigener Anschauung. Das unterscheidet uns wohl sehr maßgeblich.

    Was für ein Glück doch, daß es in Kanada noch mündige Bürger gibt, die ihre demokratischen Rechte in Anspruch nehmen und daß die Macht VOM Volke ausgeht und daß das Volk die gesetzgebende Gewalt ist. Folglich hat man sich in meinem Bezirk zu einer bürgerlichen Zusammenkunft zusammengefunden und ein Gesetz erlassen gegen Fracking, was der Politik ganz schön zu schaffen macht, daß sie es am liebsten ungeschehen machen würde. Schon erstaunlich, wie die Politik immer das Gegenteil dessen will, was das Volk will. Es ist schon ziemlich ungewohnt, daß urplötzlich Bürger sich ihrer Rechte besinnen und nicht, wie in Deutschland, dem vorauseilendem Gehorsam frönen und sich vor der Obrigkeit sogleich in den Dreck werfen.

    Womöglich liegt dieses Bewußtsein mit daran, daß an Umwelt-, Natur- und Wasserschutz bislang ein ausgesprochen hoher Maßstab angelegt wurde, an dem man sich messen zu lassen hatte und wenn einem die Hauskläranlage in den Bach überlief, das schon einem Umweltverbrechen ersten Grades gleichkam. Und es demzufolge nicht sein kann, daß nun plötzlich alles anders ist und sogar die Fracking-Abwässer im Falle eines Überlaufs in den See laufen dürfen und nun Tag und Nacht Feuer in der Landschaft brennen dürfen, derweil vorher jedes noch so kleine Feuerchen angemeldet und ein fire permit erworben zu werden hatte.

    Daß jetzt in mehreren Nachbarprovinzen nun von einem Bann des Fracking die Rede ist, ist da schon ein sehr schöner Erfolg. Wie weit ist Kanada doch da schon und wie weit ist es mit Deutschland nun schon gekommen.

    Ja, wir trinken unser Wasser noch aus unseren eigenen Brunnen, wissen also, auf was wir zu achten haben. In Deutschland kommt für die meisten halt der Strom nur aus der Steckdose, das Wasser aus der Leitung und das Brot wächst auf den Bäumen und wird dort von Aldi geerntet.

    MfG

  3. #10 Rich.Weber
    „Es quellen also Mineralien, Metalle, Erdalkalien, radioaktive Stoffe, Salze und sonstige Substanzen und grundwasserführende Schichten und Gase munter durcheinander. Muß ich dazu noch etwas sagen?“
    Ne, müssense nich!
    Wenn Sie wüßten, was die „bösen“ chemischen Begriffe bedeuten, würden Sie den ersten zitierten Satz gar nicht schreiben.
    Ihr gesamter Beitrag erschließt sich mir aus Ihrem #9: Es sind halt die Argumente eines Kämpfers und Aktivisten gegen die Schiefergasförderung.
    J.H.

  4. #10: Rich. Weber

    „Wenn der Bohrwerksführer es will, bohrt er mit seinen Bohrkopf 3 m unter Ihrem (Keller-)Schlafzimmer oder unter den Fundamenten Ihres Hauses hindurch.“

    Lieber Herr Weber,
    Führer haben schon schlimmere Dinge gemacht….

    Wenn aber die Schiefergesteinschicht 3m unter Ihrem Fundament verläuft, wird da kein Gas drin sein, könnse glauben.

    Wer hat Sie nur so gründlich desinformiert?

  5. Ich bin kein Experte für „Fracking“, dafür lebe ich in NRW mit seinen „Altlasten“ aus der Steinkohlengewinnung.
    Die Gefährdung des Grundwassers ist auch hier DAS PROBLEM SCHLECHTHIN.
    Aber man hat dabei sicher auch einiges gelernt um Fehler (Ewigkeitsbelastungen) nicht zu wiederholen.

    Ich bin nach wie vor (als Strahlenschutzfachkundiger) der Meinung, dass bei unserem gesellschaftlichen Energiebedarf, den ich nicht als Risiko, sondern als großen Fortschritt betrachte, die KKW´s die geringste „Umweltbelastung“ darstellen. Hierbei gibt es sicher auch die größten Zukunftsperspektiven.

    mfG

  6. Sehr geehrter Hr. Weber,

    vielen Dank für ihre prompte Antwort, leider sind ihre Quellen nicht unbedingt die Objektivsten. Ein Link zu Facebook und zu einer Bürgerinitiative sind, gelinde gesagt, nicht sehr glaubhaft.
    Weiter lies sich aus ihrem ersten Kommentar nicht schließen, dass sie Vorfälle in Kanada meinten, insofern ging ich von der falschen Vorstellung aus, dass sie ggfs. Missstände in Deutschland ansprachen.
    Somit erübrigt sich auch ihr Hinweis auf „interne“ Informationen, da auch hier vermutlich Quellen genannt werden deren Unabhängigkeit in Frage gestellt werden dürfte.

  7. @Rich. Weber #5
    Vielleicht ist es ja nur eine Tiefenbohrung für die „ökofreudnliche“ Geothermie…?
    Informieren Sie sich mal, was bei der Geothermie als Stoffe (Isotope) alles so mit nach oben geholt wird.
    Wenn Sie Fracking (Schiefergasförderung) verbieten lassen wollen, dann müssten Sie auch die Geothermie verbieten und den Bergbau erst recht!

  8. Sehr geehrter Herr Beckert, #7

    der Prozeß ist AUSGESPROCHEN schlecht!!! Dazu später.

    „Sicher kann man das Wasser … aufbereiten“. Ihre Mutmaßungen sind vergleichsweise naiv, was ich Ihnen kurz mit Hilfe eines einfachen Beispiels erläutern will: Nehmen Sie ein Glas Wasser, tropfen Sie etwas Tinte hinein und trinken sie es. Halt nein! Sie müssen es natürlich vorher noch ein wenig aufbereiten! Sie können das nicht? Na, sehen Sie. Genau so wenig können Sie es bei jenem Wasser mit den Fracking-Zutaten, die sich im Wasser in Lösung befinden. Das werden Sie aber in Zukunft trinken müssen. Genau so wie das Tinten-Wasser. Es sei denn, Sie gehören zu den zukünftig wenigen Glücklichen, die dann noch den Aufbereitungstarif für wiederaufbereitetes Wasser entrichten können.

    Und nun höre ich gerne noch von Ihnen, wie Sie Tintenwasser zu Trinkwasser wiederaufbereiten würden.

    Die Technologie zur Aufbereitung von Industrieabwässern sieht in der Wirklichkeit so aus: „Verklappung“ – Erklärung erspare ich mir, „Entsorgung“ in Entwicklungsländern, „Verpressung“ in Bodenstrukturen. All das ist so sicher wie das Endlager Asse. Bei einer großen Chemiefabrik in Ludwigshafen „reinigt“ man die Industrie-Abwässer in einer werkseigenen Kläranlage. Nicht zu reinigende Industrieabwässer dürfen in der zulässigen Größenordung von 7 to täglich in den Rhein entlassen werden. 1 kg über die zulässigen 7 to hinaus ist schwere Umweltverschmutzung, strafbar und wird unerbittlich verfolgt. Festbestandteile aus dem Klärprozeß industrieller Abwässer wurden von einem alerten Entsorger bis vor nicht allzu langer Zeit als Klärschlamm „der besonderen Art“ auf Wald und Feld im Saarland „verklappt“. Noch Fragen?

    Zum Prozeß selbst: Im Unterschied zu Erdöl, das entweder unter natürlichem Druck stand und somit leicht gefördert werden konnte oder herausgepumpt („gesaugt“) wurde, wobei ein Unterdruck an der Bohrstelle herrschte, wird beim Fracking mit Überdruck gearbeitet.

    In der bösen Wirklichkeit läuft das ähnlich ab, wie wenn böse Buben Reifen platt stechen: Dazu nimmt man ein Messer und sticht es in die Seitenwand. Wo kommt dann die Luft heraus? Um das Messer herum. Obwohl das Messer ja das Loch verschließt. Wieso? Weil im Reifen Überdruck herrscht. Genau so quillt das unter Überdruck stehende Medium unterirdisch und unsichtbar ständig um den Bohrspund herum von geologischer Schicht zu geologischer Schicht, ggf. bis es oben an der Bohrstelle heraus kommt. Mal mehr, mal weniger. Man nennt das Migration.

    Bevor gefördert werden kann, werden die geologischen Schichten penetriert durch kleine Sprengladungen und (hydraulische) Druckwellen aus Pumpen und Hochleistungskompressoren, die sich direkt an der Bohrstelle befinden, das sog. Stimulieren. Dabei werden Risse erzeugt, um an die Gaslager heranzukommen. Diese Risse verbinden dann jedoch auch geologische Schichten, die Mutter Erde wohlweislich voneinander getrennt haben wollte.

    Bei der Förderung drücken diese Pumpen und Hochleistungskompressoren das „Fracking Fluid“, von manchen auch als 99,51 % Trinkwasser und hier http://tinyurl.com/br4fz7f
    beschönigend beschrieben (kaum eine Firma verrät das wahre Geheimnis ihres Frackingerfolges!) nun mit Hochdruck unter die Erdoberfläche. Nebenbei bemerkt: Beim Fracking wird bis dato ausschließlich Süßwasser verwendet. Salzwasser ist untauglich. Besonders alarmierend ist das in Bezug auf das Salzwasser- zu Süßwasser-Verhältnis auf der Erde von 98 : 2.

    Diese Maschinen laufen Tag und Nacht, 24/7, rund um die Uhr und verursachen Lärm und Abgase. Unerwünschte Beiprodukte in Gasform werden 24/7 abgefackelt, weshalb die Umgebung unter ständigem Feuerschein und den entsprechenden Abgasen liegt. Besonders imposant anzuschauen ist das bei Nacht. An der Bohrstelle herrscht hektische Betriebsamkeit 24/7. Die „Bohrer“ sind meistens unqualifizierte Kräfte, die nur ihre speziellen Handgriffe beherrschen. Bereits beim kleinsten Zwischenfall sind sie völlig überfordert und warten auf den Befehl aus den Headquarters, die den Bohrvorgang am Monitor mitverfolgen. Sie tragen ständig einen Gaswarner mit sich und eine Atemschutzausrüstung, weil sie gegen den Austritt des tödlichen H2S-Gases, das schwerer ist als Luft, gewappnet sein müssen.

    Das Bohren selbst erfolgt mit einer Art biegsamer Welle und einem Fräser als Bohrkopf. Die dafür erforderliche Energie wird on-site durch großvolumige Verbrennungsmaschinen zu Verfügung gestellt, die 24/7 laufen. Der Bohrkopf wird von einem Bohrwerksführer in einem Steuerstand gesteuert. Seine Anweisungen erhält er von einem Spezialistenteam aus den weit entfernten Headquarters. Nur nach diesen Anweisungen handelt er vor Ort. Sobald der Bohrkopf in Betrieb ist, insbesondere, wenn er härtere Gesteinsschichten durchdringt, verbreitet sich das damit verbundene Geräusch per Körperschall (Der beträgt in Feststoffen bis zu 6000 m/sec. Man denke an den Indianer, der sein Ohr an die Schiene legt, um den noch weit entfernten Zug zu hören) und dringt mit ungeahnter Intensität bis in den hintersten Winkel jedweden menschlichen Aufenthaltsortes, sei es nun Zelt, Wohnwagen, Haus oder was sonst auch immer. Das Geräusch, das von der Arbeitsdrehzahl des Fräsers bestimmt wird, klingt etwa wie ein langgezogenes bruuum-bruuum-bruuuum-bruuum, das Sie nachts nicht schlafen oder immer wieder aufwachen läßt.

    Wenn der Bohrwerksführer es will, bohrt er mit seinen Bohrkopf 3 m unter Ihrem (Keller-)Schlafzimmer oder unter den Fundamenten Ihres Hauses hindurch. Interferenzen innerhalb der geologischen Schichten führen zu einem ständigen Auf- und Abschwellen des Geräusches. Das Geräusch verfolgt Sie Tag und Nacht.

    Tag und Nacht fahren auch die LKW an Ihrem Haus vorbei, die ständig etwas holen oder bringen.

    Am Ende wird das Schiefergas entweder mit immensem Energieeinsatz und Lärm transportfähig komprimiert oder direkt in eine Pipelineverrohrung gepumpt. Das entsprechende Gebiet – Fracking-Bohrungen sind in einem Raster angeordnet mit etwa 1000 m Abstand – sieht aufgrund der Verrohrung aus wie eine auf einer großen Fläche verteilte Industrieanlage.

    Wird das Gas mittels LKW abtransportiert, erhöht das den Verkehr um ein Weiteres.

    Nun noch ein Wort zur Migration, der eigentlichen Bedrohung unseres Süßwassers durch Fracking.

    Das unter Überdruck stehende Medium quillt also unterirdisch und unsichtbar ständig um den Bohrspund herum und von geologischer Schicht zu geologischer Schicht. Eine Bohrung, die durch so viele verschieden duktile Schichten führt, ist selbst vom besten Maschinenbau mit heutigem Stand der Technik nicht zuverlässig abzudichten. Es ist davon auszugehen, daß hier die Schiefergasbohrer auch nicht die Physik auf den Kopf stellen können.

    Es quellen also Mineralien, Metalle, Erdalkalien, radioaktive Stoffe, Salze und sonstige Substanzen und grundwasserführende Schichten und Gase munter durcheinander. Muß ich dazu noch etwas sagen?

    Das war jetzt ein bißchen nächtliches Fracking für Sie, Herr Beckert.

    Wünsche angenehmes Erwachen!

    Mit freundlichen Grüßen

  9. Sehr geehrter Herr Klasen, #6

    danke für Ihr Interesse. Und da Sie sich im Voraus bedanken, muß ich mich des Vorausdanks nun wohl auch würdig erweisen … 😉

    Meine Erfahrungen lagen zuerst in West-Kanada. Das „Glück“ des Frackings verfolgt mich allerdings jetzt auch nach Ost-Kanada.

    Unsere unermüdliche Kämpferin und Aktivistin gegen Fracking, selbst aus dem Erdöl-Geo-Geschäft stammend, ist Jessica Ernst. Es lohnt sich, sie einfach einmal selbst zu hören.

    (Jessica Ernst und viele ihrer Vorträge zwischen Irland und Alberta finden Sie in youtube unter Jessica Ernst.)

    Aktuell haben wir nun in Ost-Kanada den Kampf aufzunehmen gegen Fracking anhand der gemachten Erfahrungen.

    Alles erforderliche finden Sie hier

    http://www.facebook.com/protectlakeainslie

    und hier

    http://www.savelakeainslie.org/

    Sollten Sie internere Informationen wünschen, lassen Sie es mich bitte wissen. Gerne will ich meinen Beitrag dazu leisten, daß die Menschheit von dieser endgültigen Verschmutzung ihrer letzten Trinkwässer verschont bleibt.

    Eine Warnung an „unwissende Nichttrinker“ des Frac-Cocktails:
    Die Fische vertragens nicht! Nach der (irrtümlichen oder störfallbedingten) Einleitung des Frac-Cocktails in Seen und Gewässer schwimmen die Fische immer so merkwürdig kieloben …

    Womit ich auch gleich meinen nächsten Beitrag für Herrn Beckert einleiten will.

    Mit freundlichen Grüßen

  10. #5 Hallo, Herr Rich. Weber,
    würden Sie Ihr Badewasser, Wasser aus der Elbe, dem Rhein oder aus irgendwelchen Seen trinken oder gar Gülle? Das verbringen dieser Flüssigkeiten auf Felder und Wiesen oder in Ihrem Garten wäre allerdings kein Problem (bei Gülle allerdings nur in geringen Mengen z.B. für Düngung) Also nun stellen Sie mal an Frackwasser nicht den Anspruch, das dies Trinkwasserqualität haben müsste. Die strengen Maßstäbe, die an die Lagerung der Grundchemikalien, die Zusammensetzung des Frackwassers, an eventuelle Rückspülungen, Entsorgung und überhaupt an die Freigabe des Fracking in unterschiedlichen geologischen Formationen in Deutschland angelegt werden, können Sie beispielhaft hier erahnen:
    http://tinyurl.com/5s7npwv
    Wenn Sie übrigens behaupten, vor Ihrer Haustür – ich nehme an Sie wohnen in Deutschland – wird gefrackt, dann kann es sich nur um Probeuntersuchungen handeln und dann glaube ich auch nicht, das wirklich „Frackwasser“ vergeudet wird, um es auf Felder, Wiesen und Straßen zu verteilen. (s. auch #7!)
    Dies schrieb ich nach dem Trinken eine kühlen Jever!
    J.H.

  11. @Rich Weber: Das heißt ja noch lange nicht, das der Prozeß schlecht ist. Sicher kann man das Wasser mit verhältnismäßig wenig Aufwand aufbereiten und wiederverwenden. Die Technologie zur Aufbereitung von Industrieabwässern existiert seit Jahren. Das sollte kein Problem sein.

  12. #5: Rich. Weber sagt:
    am Mittwoch, 18.07.2012, 13:39
    Bevor man sich bildet, sollte man es vielleicht mal trinken, dieses „Wasser“ …
    Bei mir vor der Haustür wird gefrackt. Dieses wunderbare Frac-Wasser wird nun überall verteilt. Es werden die Wiesen und die Felder damit „gewässert“. Und die Straßen. Seine Einleitung in Bäche und Seen ist allerdings verboten.

    Trinken bildet …
    —–

    Sehr geehrter Hr. Weber,

    wäre es ihnen möglich, dazu passende Berichte / Bilder usw. zu verlinken, damit ggfs. „Unwissende Nichttrinker“ sich ebenfalls informieren können?
    Vielen Dank im Voraus.

  13. Bevor man sich bildet, sollte man es vielleicht mal trinken, dieses „Wasser“ …
    Bei mir vor der Haustür wird gefrackt. Dieses wunderbare Frac-Wasser wird nun überall verteilt. Es werden die Wiesen und die Felder damit „gewässert“. Und die Straßen. Seine Einleitung in Bäche und Seen ist allerdings verboten.

    Trinken bildet …

    MfG.

  14. Und was sagt der Autor dieses Artikels über die eingesetzten Chemikalien? Es ist ja nicht nur Wasser, was dort eingesetzt wird, sondern hochtoxische Chemikalien, die, wenn sie nicht vollständig zurück geholt werden, schwere Umweltschäden anrichten. Oder wie sieht es mit Kontaminierten Wasser aus? Gas ja, aber nicht auf Kosten einer Umweltverschmutzung.

  15. @ #1:

    „… Vielen ist überhaupt nicht bewusst, dass Gas, Kohle und Uran ein Abfallprodukt der Natur aus der Vergangenheit ist. Die Natur hat für diese Rohstoffe so zu sagen keine Verwendung mehr und dies ist das Geschenk an uns Menschen…“

    Und Herr Hofmann, haben Sie diesbezüglich eine Rechnung bekommen? Also ich auch nicht 😉

    GT

  16. Sehr schöner Artikel. Besonders der letzte Absatz.
    Vielen ist überhaupt nicht bewusst, dass Gas,Kohle und Uran ein Abfallprodukt der Natur aus der Vergangenheit ist. Die Natur hat für diese Rohstoffe so zu sagen keine Verwendung mehr und dies ist das Geschenk an uns Menschen. Diese Geschenk der „Abfall-Rohstoffe“ der Natur haben wir Menschen uns mit unseren Verstand und Vernunft zu eigen gemacht. Und darauf kann der Mensch stolz sein.
    Mit den sog. erneuerbaren Energien wiedersprechen wir jeglichen Verstands- und Vernunftsdenken! Was eigentlich auch üblich für jede Ideolgieart ist.

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