Staatspräsident V. Klaus: Klimaalarmisten erleiden einen Rückschlag, verfolgen aber weiter ihr Ziel

Freitag* Abend besuchte ich ein Musikfestival in Prag, und während der Pause erwähnte ich gegenüber einer Gruppe von Leuten, dass ich nach Chicago fahren würde, um unter anderem auf einer Konferenz zur globalen Erwärmung zu sprechen. Ihre Reaktion: „Globale Erwärmung? Ist die nicht schon vorbei? Kümmert das noch jemanden?” So sehen sie es. Vielleicht ist es eine europäische Perspektive.


Das letzte Mal, das man mich aufforderte, über die globale Erwärmung zu sprechen, war im Juli 2011 in Australien. Eine mögliche Erklärung ist natürlich, dass die Zuhörerschaften nicht länger an meinen Ansichten zu diesem Thema interessiert sind; die andere Erklärung ist, dass meine Erfahrung nicht besonders ist. Die Themen haben sich zweifellos gewandelt. Derzeit werde ich öfter nach Vorträgen zu der beispiellosen Schuldenkrise in der Eurozone als zu unserer globalen Erwärmung gefragt.

Unbestreitbare Tatsache ist, dass fast von einem Tag zum anderen die Debatte um die globale Erwärmung nicht mehr in Mode ist. Sie verschwand aus den Schlagzeilen. Das könnte die Position der Fundamentalisten der globalen Erwärmung schwächen, Aber es wird dadurch auch schwieriger für uns, die „Leugner“ oder „Skeptiker“, wie sie uns nennen, die Leute dazu zu überreden, über diese Sache nachzudenken und öffentlich und politisch ihre Ansichten zu diesen irrationalen, die menschliche Freiheit einschränkenden und das gesellschaftliche Gedeihen unterminierenden Maßnahmen zu äußern, die durch das politische Establishment in den meisten Ländern der Erde während der letzten beiden Jahrzehnte eingeführt worden waren, um über die für die Zukunft geplanten Maßnahmen gar nicht zu reden. Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, dass unser Planet nicht nur durch menschliche Einflüsse, sondern vorherrschend durch langzeitliche äußere und innere natürliche Prozesse beeinflusst wird, von denen die meisten weit jenseits irgendeiner menschlichen Kontrolle liegen.

Der Alarmismus ist abgeflaut, sie wollen es „auf kleiner Flamme“ kochen. Erklärungen wie die aus dem Jahr 1989, dass „die globale Erwärmung die größte Krise ist, der die Menschheit als Ganzes je gegenüber gestanden hat“, sind nicht mehr populär. Die früheren radikalen Alarmisten, selbst die Wissenschaftler mit Verbindungen zum IPCC, haben ihre Taktik geändert. Immer öfter hören wir sorgfältig formulierte Statements, dass „einige Umweltaktivisten mit Unterstützung durch die Medien die Schlussfolgerungen übertreiben, die so sorgfältig von den Wissenschaftlern formuliert worden waren“. Wir wissen, dass sie nicht „sorgfältig formuliert“ waren.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die meisten der wirklich Gläubigen in der Debatte um die globale Erwärmung in ihren Ansichten unerschütterlich bleiben. Einige Individuen verlassen den fahrenden Zug (der jüngste weithin bekannte Fall ist der von James Lovelock), aber die Leute, die ein persönliches Interesse haben (und davon gibt es inzwischen viele) zusammen mit den Männern und Frauen, die unschuldig und naiv mit jedem Gedanken sympathisieren, der gegen die Freiheit, gegen Kapitalismus und die Märkte gerichtet ist, „laufen immer noch weiter“.

Über Formalitäten zu diskutieren ist nicht ausreichend, weil die Unterstützer der Debatte um die globale Erwärmung daran nicht interessiert sind. Wir haben es nicht mit Leuten zu tun, die wirklich an Wissenschaft und schrittweisen Änderungen der Temperatur sowie den Gründen dafür interessiert sind. Für sie sind die Temperaturdaten einfach ein Werkzeug für ihre Pläne, die Welt zu ändern, die menschliche Freiheit zu unterdrücken und die Leute zur Unterbeschäftigung zurück zu bringen. Ihre Gedanken sind die Gedanken von Ideologen, nicht von Wissenschaftlern oder Klimatologen. Daten und kluge Theorien werden sie niemals ihre Ansichten ändern lassen.

Möglicherweise gibt es um uns herum inzwischen immer mehr Leute, die der Debatte den Alarmismus nicht mehr abkaufen, aber wir müssen akzeptieren, dass diese Leute nicht ausreichend motiviert sind, irgendetwas dagegen zu tun. Und sie wissen auch nicht wie. Politiker und politische Aktivisten, Bürokraten in nationalen und internationalen Organisationen sowie Repräsentanten der subventionierten Geschäfte sind gut organisiert und in der Lage, diese Doktrin weiter voranzutreiben, weil genau dies in ihrem eng definierten Interesse ist. Normale Leute sind nicht organisiert und haben keine politisch formulierten Interessen. Ihnen wird auch nicht durch die jetzigen politischen Parteien geholfen, weil diese Parteien diese Sache auch nicht mehr auf ihrer Agenda haben. Sie sind schon – fast alle von ihnen – mehr oder weniger Gefangene der Grünen.

Um meine einfache Botschaft zusammenzufassen: Empirische Daten sind wichtig; wissenschaftliche Entdeckungen sind wichtig; die Bekanntmachung übler Machenschaften im IPCC und in anderen „Bastionen“ der Debatte um die globale Erwärmung ist wichtig; aber wir müssen unsere Rolle in der tatsächlich stattfindenden ideologischen Schlacht spielen. Der Untertitel meines fünf Jahre alten Buches lautet: What is Endangered: Climate or Freedom? Es gibt keinen Zweifel, dass es ausschließlich um Freiheit geht.

Václav Klaus

* Die Rede von Präsident Klaus wurde am 20.5.12 auf der Heartland-Konferenz in Chicago gehalten

Financial Post
Václav Klaus is the President of the Czech Republic. These remarks were extracted from his presentation to the Heartland Institute’s Seventh International Conference on Climate Change in Chicago last week.

Link: http://opinion.financialpost.com/2012/05/28/vaclav-klaus-its-about-freedom/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

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5 Kommentare

  1. Zu#2 Andreas Demming
    Obwohl viele öffentliche Medien der Tschechischen Republik zum Teil in deutscher Hand sind, ist der einfache Bürger noch aus der Zeit des realen Sozialismus gewohnt, die Nachrichten in öffentlichen Medien unter dem folgenden Muster zu sortieren:
    1) Nachrichten der Warheit entsprechend; das heißt Sportergebnisse
    2) Wahrscheinliche Nachrichten; das heißt die Wettervorhersage
    3) Alle politische Nachrichten; das heißt ….

    mfG

  2. Danke Herr Kunz für diesen Kommentar. Sie haben völlig recht, in Deutschland ist die Klimadebatte- und Hysterie weiterhin voll im Gang. Der Artikel über den Bodensee ist eine Zumutung für den Leser. Die meisten werden es allerdings nicht bemerkt haben.

    „Man weiß einfach nicht was da kommt“ meinte der Herr vom Naturschutzbund BUND. Genau so wird es auch bleiben. Heute schon geforscht – BUND?

  3. Kann der Aussage zumindest für Deutschland überhaupt nicht zustimmen.
    Meine, die Gehirnwäsche ist inzwischen gelungen und das Thema hat die gewünschte Eigendynamik erreicht, läuft also unstoppbar von alleine weiter.

    Jede Gemeinde hat inzwischen ihren Klimawandelverantwortlichen eingestellt,der nun Beschäftigung und Erfolge braucht; jeder lokale Energieversorger publiziert stolz seine „von den Kunden geforderten“, stetig steigenden Investitionen in Öko-Energieparks; jeder Bürgermeister versucht seine Gemeinde mit „Öko-Energieuatarkie“ zu maximieren und damit im Gemeinde-Ökowettbewerb zu brillieren (die ersten Energie-autark erklärten Gemeinden gibt es ja schon).
    Die Zeitungen bringen konsequent jeden Schwachsinn, der von Öko-Lobbyisten geschrieben wird (heute die wichtige Info, dass der Bodensee am Klimawandel leiden könnte – zumindest können Wissenschaftler dies nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen – hängt ja ein Forschungsauftrag dran, den man an Land gezogen hat -); dazu das Lobbyisten-Interview in der „Süddeutschen“ zur aktuell in München stattfindenden Solarmesse, Tenor: „stört bloß nicht die Solarsubventionen. Und wir versprechen auch, wenn wir nur genügend weiter subventioniert werden, wird der Strom dank uns immer billiger.“
    Und zu guter Letzt müssen / wollen ja die grösseren Firmen nun auch ihre Öko-Bilanzen ausweisen.

    Und bevor ichs vergesse: Dass an den Energieverteuerungen ausschließlich die grossen Energiekonzerne schuld sind, ist inzwischen auch eine gängige Meinung, die in Talkshows unwidersprochen geäussert werden darf.

  4. Danke für die Übersetzung.

    Leider sehr wahr ist die Aussage, dass die Ökokreaturen und Profiteure gar nicht an einer wirklichen Diskussion interessiert sind.

    Mich würde interessieren, ob die Tschechen auch eine so einseitige berichtende Medienlandschaft haben wie wir?
    Weis das jemand?

  5. Ich hoffe, daß Herr Klaus zum Thema „Klimahysterie“ mehr Rationalität beisteuern kann, wie er es zum Thema Vertreibung je konnte!

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