Das Ende des Ökologismus: Die Autopsie

Der Friedhof der Ökobewegung? Bild Rike/pixelio.de

Heute erscheint die Umweltbewegung mächtiger den je. Greenpeace, Friend of Earth, WWF und Cie sind defacto zu weltweit mächtigen Überregierungen mutiert, die demokratisch nicht legitimiert, aber trotzdem wirkungsvoll den Bürgern vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben. Wird das so bleiben? Nein, meint ACHGUT Autor Benny Peiser und begründet das sorgfältig. Lesen Sie selbst. Mit Dank an Spürnase Harry Hain

Power Line: Anknüpfend an den Beitrag von gestern über das langsame, qualvolle Sterben der Öko-Bewegung: hätte das jemand voraussagen können? Tatsächlich hat das jemand getan, und zwar zu Beginn des modernen Ökologismus, so um den ersten Earth Day herum. Der Politikwissenschaftler Anthony Downs stellte seine Theorie des “issue-attention cycle” (Zyklus der medialen Aufmerksamkeit) in einem zum Klassiker gewordenen Artikel 1972 in der Quartalszeitschrift The Public Interest vor, in dem er die fünf Stufen darstellt, die praktisch alle Themen in ihrem medialen Leben durchlaufen. Ausdrücklich sagte Downs voraus, dass der Umweltthemen-Zyklus länger als gewöhnlich dauern würde.

Der Zyklus der medialen Aufmerksamkeit wird eingeleitet durch Experten und Interessengruppen, die ein Problem oder eine Krise thematisieren, worauf dieses Thema bald danach alarmiert von Nachrichtenmedien und breiteren politischen Kreisen aufgegriffen wird. Diese zweite Stufe ist typischerweise geprägt durch euphorischen Enthusiasmus — man könnte sie die „Dopamin-Stufe“ nennen — in der Aktivisten das Thema unter den Gesichtspunkten globaler Rettung und Erlösung wahrnehmen. Einer der größten Schwachpunkte des Ökologismus von Anfang an war dieses Wahrnehmen: nicht als ein praktisches Problem öffentlicher Gesundheit oder öffentlichen Ärgernisses, sondern – aus Al Gores Sicht – als ein Ausdruck tiefer spiritueller und sogar metaphysischer Probleme, die sich aus unserer „disfunktionalen Zivilisation“ ergeben. Diese Leute wollen nicht unseren Auspuff reinigen; sie wollen unsere Seelen reinigen.

Die dritte Stufe ist der Dreh- und Angelpunkt. Wie Downs erläutert, setzt sich “schrittweise die Erkenntnis durch, dass die Kosten zur ‘Lösung’ des Problems exorbitant hoch sein werden.“ Auf dieser Stufe befinden wir uns seit dem in Kyoto vorgeschlagenen, vollkommen unrealistischen Kurzfrist-Einsparungen bei fossilen Energieträgern als einzigem Heilmittel gegen den Klimawandel — einer fanatischen Monomanie, welcher die Kampagne für den Klimaschutz unerschütterlich nachhängt und die die Öko-Bewegung aufgezehrt und ihren Tod beschleunigt hat. Rückblickend lässt sich heute die Ironie erkennen, die darin liegt, dass die offene Weigerung von Präsident George W. Bush, die Kyoto-Regelungen anzunehmen, der Klima-Kampagne mit der Allzweck-Ausrede des mangelnden „Fortschritts“ zum Weiterleben verhalf. Jetzt, wo Bush weg ist, lassen sich die immanenten Schwächen der Farce zur CO2-Reduzierung nicht mehr verstecken.

„Die vorhergehende Stufe“, führt Downs aus, „gleitet kaum wahrnehmbar in eine vierte Stufe über: ein schrittweises Abnehmen der Intensität des Interesses der Öffentlichkeit an diesem Problem. In der letzten [Nach-Problem-] Stufe“, fährt Downs fort, „geht ein Thema, das aus dem Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt ist, in den Zustand eines verlängerten Übergangsstadiums über — einem Gebiet des Zwielichts aus weniger Beachtung und sprunghaftem Wiederaufflammen des Interesses.“

Das Todesröcheln des Ökologismus wird ohrenbetäubend sein. Es ist zuviel politische Eigendynamik und fanatische Hingebung im Spiel, als dass dies still und leise vonstatten gehen könnte. Das Öko-Establishment ist ein Milliardengeschäft und es gibt eine Menge einfältig-schuldbewußter reicher Leute, idiotischer Hollywood-Berühmtheiten und Direktwerbungsopfer, so dass die Agitationsmaschinerie noch für viele Jahre weiterlaufen kann. Die Architektur der Umweltgesetze und –regulierungen, die administrative Eigendynamik der Umweltministerien, all das stellt sicher, dass diese Zombie-Bewegung der Wirtschaft weiterhin und über für viele Jahre hinweg großen Schaden zufügen kann. Aber machen wir uns nichts vor — es ist nur ein Haufen hirntoter Zombies, die uns heute mit der Öko-Bewegung gegenüberstehen.

Benny Peiser

dankend übernommen von ACHGUT

Als Todesursache in der amtlichen Sterbeurkunde lässt sich vermerken: „Selbstmord, verschuldet durch Hybris“.

Übersetzung aus dem Englischen H.B.

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7 Kommentare

  1. #6: Aber liebe Susanne, ich versteh Dich wirklich nicht,
    das hier IST doch eine Bewegung

    auch gegen Umweltzerstörung,
    mit einer wichtigen Zusatzregel.

    DIE WAHRHEIT SAGEN

  2. Es wäre schade wenn es die Umweltbewegung nicht mehr gebe. Dann wird die Umweltzerstörung erst recht weiter gehen. Und ich hätte keine politsche Heimat mehr, wo ich mich wirklich einbringen kann. Wenn es mal so kommen solte. Dann werde ich mich auch nicht mehr politisch einbringen. Was hätte das für ein sinn. Meine politische Heimat gibt es ja dann nicht mehr. Dann sag ich mir sollen sie machen. Mir ist es dann eh egal. Oder glaubt ihr dann tatsächlich ich unterstütze dann eine andere richtung die dann das ganze gegenteil bewirkt. Nein das werde ich nicht tun. Sonst würde ich ja meine Ideale verraten.

  3. Ökologismus und Grünsein, das ist jetzt eine Bewegung oder besser eine Religion mit eigenem Dogma. Es gab auch eine Zeit vor der Bewegung. Und es gab – und gibt sie immer noch: Leute die nach dem Prinzip der guten Haushalterschaft mit der Umwelt umgehen wollen: Nimm so wenig wie möglich, nutze alles und vergeude nichts. Und hinterlasse alles möglichst so gut wie es sein sollte.

    Zu so einer Einstellung kann man links oder rechts sein – konservativ, liberal und gerecht sein gehört da oft zusammen. Ich war seit meiner Jugend schon immer – das Wort grün gab es damals noch nicht – Umweltschützer? Nur langsam habe ich bemerkt, wie aus der ganzen Sache ein Hype geworden ist und viele junge Leute, die sich gerne einer guten Sache hingeben wollen (was im Prinzip gut und ehrenhaft ist) sind für eine Bewegung eingenommen worden, die das eigenständige Denken einschränkt und vorgibt was richtig ist.

    Wenn diese Leute sich dann davon lösen, glauben sie an gar nichts mehr und werden zu Zynikern. Warum? Weil die Wahrheit gefehlt hat. Egal. was man glaubt, man sollte sich immer wieder kritisch überprüfen. Ich bin kein wenig grüner geworden, aber ich habe die Grüne Bewegung überprüft und deren Fehler erkannt: Anstatt den Menschen zu zeigen wie man selbstverantwortlich lebt und verantwortlich für seine Umwelt lebt, haben sie politisch korrekte Gesetze und Verhaltensweisen vorgegeben und versprochen für eine heile Umwelt, für gute Energie und korrektes Leben zu sorgen – wenn man ihnen folgt und sie machen lässt. Und wenn man die richitgen Opfer bringt. Wenn nicht, dann droht der Untergang. Wie viele Religion eben, die Unterwerfung fordern.

    Ich lebe weiterhin grün und öko – aber ich will niemand dazu zwingen. Wenn ich mir eine PV-Solaranlage zulege, dann kommt die nicht ans Netz, sondern ist nur für mein Haus. Und dann ist sie nur so groß, wie ich verbrauchen kann. Ich möchte keine Stromnetze mit überlasten und jahrelang meine Anlage von anderen mitfinanzieren lassen. Das ist mir erst in den letzten Wochen klargeworden – auch dank einiger kritischen Publikationen und Webseiten.

    Die grüne Massenbewegung wird verebben, aber es wird immer Menschen geben, die versuchen, geerdet zu leben. Ich habe gerade wieder einige junge Leute kennen gelernt, die vom guten Leben auf dem Lande träumen. Sie nennen sich nicht grün oder öko. Sie haben einfach eine Idee, wie ihr Leben zusammen mit anderen aussehen könnte und versuchen es zu verwirklichen. Ich wünsche es Ihnen, dass sie das schaffen.

  4. ich habe den eindruck, als hätte das merkel durch die überförderung der pv 3 fliegen mit einer klappe geschlagen:
    -der gemeine ökospießer mutiert (auch aus futterneid) zum windkraftgegner.
    -die pv-industrie stirbt
    -der gemeine ökospießer hat seine ganze liquidität (zzgl. darlehen, versteht sich) auf sein dach schrauben lassen und wird doch am ende erfolglos auf jene rendite warten, die einträte, wenn wechselrichter 20 jahre hielten
    -die ökospießer bezahlen sich durch hohe stromkosten gegenseitig die nie eintretende ökorendite

    ja, ich bin schadenfroh.

  5. …allein, der „Haufen hirntoter Zombies“ wird Politik und Mainstream-Medien vermutlich weitere Jahre bestimmen. Oder habe ich etwa das zarte Pflänzchen einer politischen Strömung oder gar wählbaren Partei übersehen, die in der Lage wäre, den Spuk zu beenden?

  6. Mir hat die englische (auch wenn Benny Peiser kein geborener Brite ist), oft glasklare und schörkellose Sicht auf den Weltenlauf schon immer gefallen neben vielem was auf mich eher befremdlich wirkt… wie eine verdammtenge Duschkabine mit 6er Schleifpapier ähnlichen Putz anno 83 in London…

    Auf geht´s die fünf Stufen auf der Hybrisleiter hinauf und ab geht´s Freefalling to neverland.

    Ein natürlich Klimaschützendes, C02-neutrales, alternativlos nachhaltiges Ende des Ökologismus wäre ein Lichtblick für das junge 21. Jahrhundert. „Echt saugeil“ wäre das und mir ein garantiert NICHT C02-neutrales Feuerwerk wert!
    Und für unsere orthodoxen Klima- und EE-Biotopschützer spiele ich extra laut von den Toten Hosen – er war doch nur ein A….

    Mal wird ja mal träumen dürfen…

    Aber Achtung aufgewacht – wie seitens Benny Peiser richtig bemerkt – heimlich, still und leise wird das alles nicht vonstatten gehen schon gar net im deutschen Moralapostelweltrettungsvorbildland.

    Dazu sind sinnbildlich bei uns schon zuviele Dächer den Bach runter nee PV-gedeckt…

    Genau Chaptcha – SIPHON -spült ihn runter den Ökologismus!

  7. Paranoia und Sucht nach Dogmatik sind die Krankheit der Grünbewegung was sie dazu verleitet in faschistoide Fahrwasser abzugleiten, damit werdfen sie unglaubwürdig und schaden der Gesellschaft, welcher sie eigentlich dienen und Vorbild sein wollen.

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