Neue Studie: Eine hoch aufgelöste Karte der Massenbilanz zeigt „von 1979 bis 2010 keinen signifikanten Trend der antarktischen Eisbedeckung“

Leif Svalgaard erzählte mir von einer wichtigen neuen Studie. Während Gore, Hansen, Branson und eine Horde Anhänger gerade von einer (Publicity-Tour) durch die Antarktis zurückgekommen sind, um uns zu sagen, wie schrecklich der ganze Eisverlust sein sollte, sagen die Daten etwas ganz anderes: Kein Trend!

Bild rechts: Zeitserie von SMB-Komponenten (SMB = Surface Mass Balance), integriert über den Eisschild einschließlich des Schelfeises für die Periode 1979 bis 2010 (alle in Gt y#-1). Schneefall (schwarze durchgezogene Linie) wird auf der linken Achse gezeigt, zusammen mit der SMB (Balken), die anderen Komponenten werden auf der rechten Achse angezeigt.

Eine neue, hoch aufgelöste Oberflächen-Massenbilanz der Antarktis (1979 bis 2010) auf Basis regionaler atmosphärischer Klimamodellierung

J. T. M. Lenaerts, M. R. van den Broeke, W. J. van de Berg, E. van Meijgaard,
und P. Kuipers Munneke
Received 17 January 2012; accepted 21 January 2012; published 21 February 2012.

Abstract: (1) Eine neue, hoch aufgelöste (27 km) Karte der Oberflächen-Massenbilanz (SMB) des antarktischen Eisschildes wird präsentiert. Sie basiert auf den Ergebnissen eines regionalen atmosphärischen Klimamodells, in das auch die Physik von Schneewehen eingegangen ist, ebenso wie die jüngsten Daten einer Neu-Analyse des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), ERA-Interim (1979 bis 2010). Die SMB-Karte bestätigt Zonen mit hoher Akkumulation auf der Westseite der antarktischen Halbinsel (über 1500 mm pro Jahr) und der Küste der Westantarktis (über 1000 mm pro Jahr). Niedrige SMB-Werte zeigen sich in weiten Gebieten des innerantarktischen Eisschildes (unter 25 mm pro Jahr). Die Örtlichkeit und das Ausmaß von Gebieten der Abtragung werden realistisch modelliert.

Die modellierte SMB steht in guter Übereinstimmung mit ±750 in-situ SMB-Messungen (R = 0,88), ohne dass es einer nachträglichen Kalibrierung bedarf. Die mittlere SMB integriert über den gesamten Eisschild einschließlich des Schelfeises wird mit 2418 ± 181 GT pro Jahr geschätzt. Der Schneefall zeigt eine moderate jährliche Variabilität (s = 114 Gt pro Jahr), aber einen ausgeprägten jahreszeitlichen Zyklus (s = 30 GT pro Monat) mit dem Maximum im Winter. Der wesentliche Prozess der Abtragung ist die Sublimation von Triebschnee, der ebenfalls im Winter maximal ist, aber mit geringer jährlicher Variabilität (s = 9 Gt pro Jahr).

Referenz: Lenaerts, J. T. M., M. R. van den Broeke, W. J. van de Berg, E. van Meijgaard und P. Kuipers Munneke (2012): A new, high-resolution surface mass balance map of Antarctica (1979–2010) based on regional atmospheric climate modeling, Geophys. Res. Lett., 39, L04501, doi:10.1029/2011GL050713.

Und hier kommt der Schlüsselsatz: (15) Wir haben im Zeitraum 1979 bis 2010 keinen signifikanten Trend in den Komponenten der Massenbilanz gefunden, was die Ergebnisse von Monaghan et al. (2006) bestätigt. Der geschätzte SMB-Trend, integriert über den Eisschild, ist etwa gleich 3+/-2 Gt/y^-2.

Anthony Watts

Die ganze Studie findet man hier.

Link: http://wattsupwiththat.com/2012/02/20/new-paper-a-high-resolution-surface-mass-balance-map-of-antarctica-shows-no-significant-trend-in-the-1979-2010-ice-sheet/

Übersetzt von Chris Frey

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16 Kommentare

  1. Lieber Herr Limburg,

    Sie zitieren mit „Wir haben im Zeitraum 1979 bis 2010 keinen signifikanten Trend in den Komponenten der Massenbilanz gefunden,“ aber nicht die Autoren, sondern den Übersetzer Herr Frey. Die Autoren schrieben:

    „We found no significant trend in the 1979–2010 ice sheet integrated SMB components, which confirms the results from Monaghan et al. [2006]. The estimated SMB trend, integrated over the ice sheet, equals -3 +/- 2 Gt y^-2.“

    Wie gesagt, die Autoren schreiben überhaupt nichts von der Massebilanz der Antarktis, im ganzen Paper steht dazu nicht ein einziger Satz. Es geht nur um die surface mass balance (SMB). Und das Vorzeichen ist, wie gesagt, negativ, nicht positiv.

    Ich schätze, fast alle ihre Leser glauben nun fälschlicherweise, sie hätten etwas über die Massebilanz der Antarktis erfahren. Wenn Ihnen an Aufklärung ihrer Leser gelegen ist, sollte man diese aber nicht so in die Irre führen, ein Update würde ja schon genügen.

  2. Sollte man nicht langsam mal die Überschrift korrigieren? Wie ich in #11 erklärt habe, hat das Paper doch gerade nicht die Massenbilanz der Antarktis, sondern die sog. Surface mass balance (SMB) zum Thema.

    „Und hier kommt der Schlüsselsatz: (15) Wir haben im Zeitraum 1979 bis 2010 keinen signifikanten Trend in den Komponenten der Massenbilanz gefunden, was die Ergebnisse von Monaghan et al. (2006) bestätigt. Der geschätzte SMB-Trend, integriert über den Eisschild, ist etwa gleich 3+/-2 Gt/y^-2.“

    Wie gesagt: Im Paper steht -(minus!)3+/-2 Gt/y^-2. Scheint aber auch egal zu sein. Plus oder minus, wen juckt das schon.

  3. Lieber Estermeier
    Genau das meine ich. Wenn ich erst durch (oft erfolgloses) anklicken den author und die Zeitschrift erkennen kann, ist das reichlich spät für den potentiellen Leser. Wenn man gleich erkennen kann, dass es sich um eine seriöse Zeitschrift (wie hier Geophys. Research Letters) handelt, weiss ich gleich: es lohnt sich das genauer anzusehen. Denn zugegebenermassen sind oft polemische Artikel in EIKE, die in der Sache nicht unbedingt hilfreich sind. Nix für ungut
    D.Hovestadt

  4. #10 Herr(?) Hovestadt

    Für die meißten interessierten Personen sind die Originale der wissenschaftlichen Publikationen nicht sehr hilfreich, da sie nicht für jedermann/frau einsehbar sind. Hinweise zu entsprechenden Fachartikeln sind zwar nützlich, dienen aber häufig zum vorgaukeln seriöser Forschungsarbeit.

    mfg
    Markus Estermeier

  5. Ich bin mir nicht sicher, ob Watts den Artikel übersetzt hätte, wenn er verstanden hätte, um was es geht. Ich vermute mal stark, Watts glaubte, das Paper ginge um die Massenbilanz des antarktischen Festlandeises, doch darüber macht das Paper überhaupt keine Aussage.

    Weil vermutlich auch einige Leser hier diesem Irrtum unterliegen, sollte man einige Begriffe klären:

    Die Gesamtmassenbilanz kann z.B. durch Satellitenmessung basierend auf Messung der Gravitationskraft bestimmt werden. Neuere Messungen z.B. durch GRACE zeigen einen Massenverlust des antarktischen Eises.

    Für die Gesamtänderung der Masse gibt es zwei Effekte zu unterscheiden:
    Die Oberflächenmassenbilanz SMB (um die es im Artikel geht) beschreibt, wie sich die Eismasse an einem bestimmten Ort verändert: Z.B. kommt durch Schneefall neues Eis hinzu, im Sommer schmilzt ein Teil etc. Da steigende Temperaturen mit höheren Niederschlagsmengen einhergehen, erwartet man für die Zukunft wachsende positive Werte für die SMB.

    Demgegenüber verändern steigende Temperaturen die Dynamik des Eises, seine Fließgeschwindigkeit nimmt zu. Dieser Massenverlust überwiegt die Zunahme der SMB, was zu einem Nettoverlust führt.

    Nun also der „Schlüsselsatz“:

    „Und hier kommt der Schlüsselsatz: (15) Wir haben im Zeitraum 1979 bis 2010 keinen signifikanten Trend in den Komponenten der Massenbilanz gefunden, was die Ergebnisse von Monaghan et al. (2006) bestätigt. Der geschätzte SMB-Trend, integriert über den Eisschild, ist etwa gleich 3+/-2 Gt/y^-2.“

    Nochmals: Bei zunehmender Erwärmung erwartet man mehr Schneefälle und steigende SMB-Werte. Man erkennt diesen beschleunigten Anstieg aber nicht, das Ergebnis ist nicht signifikant. Auch dies überrascht nicht wirklich, die bisherige Erwärmung der Antarktis fiel ja durch die bekannten Sondereinflüsse nur schwach aus.

    (Anmerkung: Das Vorzeichen stimmt nicht, im Paper steht -3 ±2 Gt/y^2)

    PS:
    Im Unterschied zur Gesamtmassenänderung kann die SMB nicht durch Satelliten bestimmt werden. Die Zahl der Messstationen ist sehr begrenzt, die Forscher benutzten daher Simulationen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Watts Simulationen einer realen Satellitenmessung des Gesamtbilanz vorzieht.

  6. An Redaktion
    Betr. Paper: „Eine neue, hoch aufgelöste Oberflächen-Massenbilanz der Antarktis (1979 bis 2010) auf Basis regionaler atmosphärischer Klimamodellierung
    J. T. M. Lenaerts, M. R. van den Broeke, W. J. van de Berg, E. van Meijgaard,
    und P. Kuipers Munneke
    Received 17 January 2012; accepted 21 January 2012; published 21 February 2012.“

    Hier wie bei vielen Paperübersetzungen von „peer reviewed papers“ wird leider die Zeitschrift ( hier J.Geophys.Reserch Letters) nicht angegeben. Sie ist erst nach längerem Klicken auffindbar.
    Das ist aber für die einfache Beurteilung der Seriösität wichtig.

    Im Übrigen wäre bei anderen Artikeln in EIKE hilfreich, wenn der/die Autoren schon gleich in der Nähe des Titels eingestellt würde.

  7. #1: ach lieber Herr b.biersauer, Sie haben doch glatt die negative Rückkopplung durch die Massentötung von Vögeln vergessen!
    Sie wissen doch, diese entziehen der Atmosphäre viel mehr Energie als die Windmühlen.
    Hätten Sie recht mit ihrer vorgetragenen Furcht vor der Atmosphäre, könnte eine schreckliche Katastrophe passieren, wenn man diese Vogelschredderei nicht stoppt.

    … andererseits, …
    Im Gegensatz zu Ihnen finde ich es weder gefährlich noch unangenehm wenn Energie in der Atmosphäre steckt.
    Warum sind sie denn so erpicht darauf die (erfolglos) reduzieren zu wollen.
    Das konnten Sie in ihren Beiträgen bisher nicht verständlich machen.

    Oder wollen Sie uns nur verkackeiern?

    mfG

  8. @ S. Schmitz #6

    Sehr geehrte Frau Schmitz,

    da selbst dann, wenn es rund um die Antarktis und über der Antarktis sehr viel wärmer würde, hätte das zur Konsquenz, daß mehr Niederschlag fallen würde und die Eisproduktion so richtig verstärken würde.

    In Grönland hat es zu Zeiten der Wikinger dieses Phänomen gegeben. Deshalb ist auch das Grönlandeis nie – ebenso wie das Antarktiseis – wesentlich abgeschmolzen.

    Ein Meteorologiestudent, der in seiner Bachelorprüfung nicht ausrechnen kann, um wieviel Meter sich bei einer Erwärmung um 1 °C sich die die mittlere 0 °C-Fläche anhebt, wird nie die Prüfung bestehen. Gleiches gilt für eine Masterprüfung, in der der Prüfling behauptet, daß aufgrund der stärkeren Erwärmung durch den Klimawandel im Nordpolargebiet – gegenüber den Subtropen – die Sturmhäufigkeiten und -stärken in unseren Breiten zunehmen werden.

  9. #4 Herr Wasow

    sie nehmen mir die Worte aus dem Mund.
    Mir war auch neu, dass Windräder bei Sturm laufen.
    Am Besten müsste dann doch ein Hurrikan sein ?

  10. Das passt ja prima zu den Ergebnissen des letzten IPCC Berichts (http://tinyurl.com/84bccb8):

    „Contrary to some earlier work, these new studies found no continent-wide significant trends in accumulation over the interval 1980 to 2004“

    Auch für den Rest des Jahrhunderts wird für die Antarktis eher ein Anwachsen des Eises erwartet:

    http://tinyurl.com/84wydlj

    Da scheinen sich ja mal alle einig zu sein!

    mfg.

  11. b.biersauer ist ein Fake.

    Mutmaßlich ist er oder sie Student/in der Psychologie oder der Sozialwissenschaften, der/die per Studie herauszufinden sucht, wie gebildete Menschen auf geschriebenen offensichtlichen Unsinn reagieren.

    Wer die Methoden der empirischen Sozialforschung irgendwann einmal erlernt hat, erkennt sowas.

  12. Lieber Herr Biersauer,
    den Wunschtraum, Sturm für die Stromerzeugung zu nutzen, um die Schadenswirkung zu mildern, kann ich nicht nachvollziehen. WEA ohne Sturmregelung fahren bei 25m/s (90 km/h )ab.Außerdem kam in 2011 bei 25.000 MW istallierter Leistung nur max. 8% der gesamten el. Arbeit zusammen.
    MfG

  13. Der Welteisvorrat ist der tatsächliche und einzig wirkliche Indikator eines Klimawandel, da dies eine Größe für gebundene Wärme darstellt.
    Solange sich die Eismasse keiner singnifikanten Änderung begibt, bleibt es so wie es ist.
    Das sagt aber nichts über das Wettergeschehen aus und es kann sehr wohl zu großen Unterschieden des Energiegehaltes in der Atmosphäre kommen, was sich als extreme Wettersituationen in Form von starken Kondensations und auch Verdunstungserscheinungen mit den damit einhergehenden Entladungen zeigen kann.
    WIr haben aber einstweilen mittels renewable energie einen direkten Einfluss in Größenordnungen auf solche Wettererscheinungen, dass zwar das Ereigis nicht verhindert, aber dessen Auswirkung sehr stark gemildert werden kann. So gibt ein Bericht der Energiewirtschaft zu denken, wo aufgezeichnetz wurde, dass an einem einzigen stürmischen Tag, in Niederösterreich mittels des 600MW-Windpark, über 10.000 Megawattstunden davon als STrom, geerntet werden konnten und solche Energiemengen lassen auch ein STurmgebiet nicht folgenlos, sondern mildern dessen Schadwirkung.
    Deutschland hat aber bereits an die 25.000 MW installiert!

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