Wie das IPCC die Öffentlichkeit in die Irre führt, die negativen Auswirkungen der Klimaänderung übertreibt und die Vorteile wirtschaftlichen Wachstums ignoriert

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das IPCC seine eigenen Ergebnisse ignoriert und Pläne vorantreibt, die die Armut in den Entwicklungsländern verlängert.

Es wird immer wieder behauptet, dass die Klimaänderung verheerende Konsequenzen für arme Länder hat. Tatsächlich wird diese Behauptung vom IPCC und anderen Organisationen als eine wesentliche Rechtfertigung angeführt, den menschlichen Treibhausgasemissionen Restriktionen aufzuerlegen.

Aber es gibt einen inneren Widerspruch in den Behauptungen des IPCC selbst. Tatsächlich heißt es in dem gleichen sehr einflussreichen IPCC-Bericht einmal, dass es armen Ländern einerseits schlecht und andererseits in Zukunft viel besser gehen wird als heute. Also was denn nun? Der offensichtliche Widerspruch ergibt sich aus der Inkonsistenz, mit der das IPCC die Auswirkungen abschätzt. Am Beginn des Prozesses stehen verschiedene Szenarien künftiger Emissionen.

Diese Szenarien basieren selbst auch nur auf gewissen Annahmen über die Rate wirtschaftlichen Wachstums und der damit zusammenhängenden technologischen Entwicklung. Dem Szenario des größten Wachstums vom IPCC zufolge soll das Pro-Kopf-Einkommen in armen Ländern im Jahre 2100 doppelt so hoch sein, wie in den USA im Jahr 2006, selbst wenn man irgendwelche negativen Effekte der Klimaänderung berücksichtigt. (Bis 2200 wird es dreimal so hoch sein). Andererseits handelt es sich dabei um genau das gleiche Szenario, das zum größtmöglichen Temperaturanstieg führt – und es ist eines, mit dem man Ängste aller Art über den Einfluss der Klimaänderung auf die Armen geschürt hat. Unter dem Szenario der größten CO2-Zunahme (bekannt als A1FI) werden die Armen logischerweise neue Technologien übernommen haben, so dass sie viel besser als heute in der Lage sind, sich an das zukünftige Klima anzupassen. Aber diese Fortschritte der Anpassungsfähigkeit werden bei den meisten Abschätzungen über die Auswirkungen des Klimawandels nahezu vollständig ignoriert. Als Konsequenz überschätzen die Annahmen der „Auswirkungen“ seitens des IPCC systematisch die negativen Folgen und unterschätzen die positiven Auswirkungen. Mehr noch, in diesen Abschätzungen der „Auswirkungen” wird größtenteils nicht erwartet, dass die globale Erwärmung in Zukunft neue Probleme aufwirft; vielmehr wird angenommen, dass sie einige bestehende Probleme verschärft (im besonderen Hunger, Krankheiten und Extremereignisse), während sich andere Probleme abschwächen (wie Verluste von Wohnraum und Wasserknappheit an einigen Orten).

Die Reduktion von Treibhausgasen, die jeden Erwärmungseffekt reduzieren würden, egal ob der nun gut oder schlecht ist, ist nur ein Mittel, um mit den Konsequenzen der Erwärmung umzugehen. Und es wird vermutlich sehr teuer. Tatsächlich dürfte die Reduktion der Emissionen ärmeren Ländern kaum helfen, mit den Problemen umzugehen, die sie jetzt schon haben oder in Zukunft haben werden. Hinsichtlich der Sterblichkeit durch Hunger, Malaria und Extremereignisse zum Beispiel wird angenommen, dass die globale Erwärmung 2085 nur einen Beitrag von etwa 13% ergeben wird.

Ein anderer Weg, die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu begrenzen wäre es, die klimasensitiven Probleme der Armut durch „konzentrierte Anpassung“ [„focused adaption“] zu reduzieren. Dies könnte beispielsweise wesentliche Investitionen im Frühwarnsysteme, die Entwicklung neuer Erntetechniken und Investitionen in die Gesundheitsvorsorge einschließen. Konzentrierte Anpassung würde es der Gesellschaft ermöglichen, klimasensitive Probleme zu lösen, die die globale Erwärmung verschlimmern würden. Zum Beispiel würden Emissionsreduktionen höchstens die Sterblichkeit durch Hunger, Malaria und Extremwetterereignisse um lediglich 13% verringern, während die konzentrierte Anpassung diese Gründe der Sterblichkeit nahezu beseitigen könnte.

Ein dritter Weg könnte sein, die Wurzel auszureißen, wegen der die Entwicklungsländer so anfällig sind, nämlich Armut. Stärkeres wirtschaftliches Wachstum würde nahezu alle Probleme der Armut zu bekämpfen helfen, wie es das Beispiel der entwickelten Länder zeigt, und nicht nur die Probleme durch die globale Erwärmung. Noch viel sicherer ist es, dass deutliches wirtschaftliches Wachstum größere Vorteile bringt als die Reduktion von Emissionen: während es keinen Zweifel gibt, dass Armut zu Krankheit und Tod führt, gibt es grundlegende Zweifel an der Realität und der Größenordnung der negativen Einflüsse durch die globale Erwärmung. Dies gilt vor allem, weil Annahmen oftmals Verbesserungen der Anpassungsfähigkeit ignorieren. Von diesen drei Wegen ist es die deutliche wirtschaftliche Entwicklung, die das menschliche Wohlergehen in ärmeren Ländern am meisten fördern würde. Emissionsreduktionen würden dazu am wenigsten beitragen. Außerdem wird wirtschaftliche Entwicklung wegen der Trägheit des Klimasystems schneller Früchte tragen als jedwede Emissionsreduktion.

Auch für reichere Länder wird erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt trotz jedweder Klimaänderung in Zukunft viel höher sein wird als heute. Folglich sollten sich alle Länder auf deutliches wirtschaftliches Wachstum konzentrieren. Diese Maßnahmen würden nicht nur alle derzeitigen Probleme bekämpfen, die sich in Zukunft verschlimmern könnten, sondern würde es auch der Menschheit ermöglichen, viel effektiver mit anderen Problemen umzugehen, egal ob sie mit dem Klima oder anderen Ursachen in Verbindung stehen.

Das IPCC sieht die ärmeren Länder durch die globale Erwärmung einem größeren Risiko ausgesetzt als reiche Länder, weil erstere weniger in der Lage sind, Ressourcen zu mobilisieren, die sie für Technologien brauchen, um mit den Folgen der globalen Erwärmung fertig zu werden. Das heißt, ihre „konzentrierte Anpassung“ ist klein.

Das IPCC behauptet auch, dass die globale Erwärmung viele Probleme verschärfen wird – wie z. B. Malaria und andere Krankheiten, Hunger, Wasserknappheit, Verwundbarkeit durch Extremwetterereignisse und Überschwemmungen – denen die armen Länder derzeit gegenüber stehen und mit denen fertig zu werden sie Schwierigkeiten haben. Aber basieren sie alle im Grunde nicht auf dem Fehlen wirtschaftlichen Wachstums?

Basierend auf der Behauptung, dass die gegenwärtige Anpassungsfähigkeit der armen Länder niedrig ist, behaupten das IPCC und andere, dass die globale Erwärmung auch ihre nachhaltige Entwicklung verhindert. Andere behaupten, dass die Auswirkung der globalen Erwärmung schwache oder arme Regierungen überwältigen könnte, was zu wirtschaftlicher und politischer Instabilität führt. Und das wiederum könnte Terrorismus und Konflikte fördern mit der Folge eines Massenexodus’ in Richtung reichere Länder.

Diese Studie versucht abzuschätzen, ob diese Annahmen gerechtfertigt sind. Es fängt an bei einer Diskussion, die Licht auf die Hauptfaktoren wirft, die die Trends klimasensitiver Indikatoren menschlichen Wohlergehens beeinflussen. Die Diskussion erkennt die Rolle fossiler Treibstoffe bei der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung an.

Als Nächstes untersucht sie die Behauptung – unter Einschluss der Ansicht, dass arme Länder durch die künftige Auswirkung der globalen Erwärmung hinweg gespült werden – dass ihre Anpassungsfähigkeit auch in Zukunft niedrig bleibt. Sie untersucht besonders, ob diese Sicht im Lichte ökonomischer Annahmen gerechtfertigt ist, die in den IPCC-Szenarien entworfen werden.

Diese wirtschaftlichen Annahmen sind unter den wesentlichen Treibern der IPCC-Projektionen zur Klimaänderung und werden dann benutzt, um den zukünftigen Einfluss der Globalen Erwärmung (einschließlich spezieller Schäden) abzuschätzen. Sie sind also für Schätzungen der Größenordnung und der Richtung der globalen Erwärmung fundamental. Die Studie macht sich ferner Gedanken über die Prämisse, dass höhere wirtschaftliche Wachstumsraten nicht nur zu größeren klimabezogenen Auswirkungen führen, sondern auch zu höherer Anpassungsfähigkeit. Da erhebt sich die Frage, ob die wirtschaftliche Entwicklung und damit verbundene technologische Änderungen den Schaden durch die globale Erwärmung in den IPCC-Szenarien stärker vergrößern als die Zunahme der Anpassungsfähigkeit und als Konsequenz nachhaltige Entwicklungen verhindern. Genauso erhebt sich die Frage, ob eine unzureichende wirtschaftliche und technologische Entwicklung die Fähigkeit, mit der künftigen globalen Erwärmung fertig zu werden, behindern würde.

Indur Goklany

Link: http://reason.org/studies/show/how-the-ipcc-climate-change-reports

Übersetzt von Chris Frey für EIKE

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3 Kommentare

  1. Werter Herr Hofmann, solange Sie Fragen der zukünftigen Stromwirtschaft immer wieder auf das Szenario „Deutschland ohne Strom“ oder ähnliches reduziern wollen, wird kaum jemand ernsthaft Ihnen zustimmen können. In diesem Sinne, machen Sie 2012 genau weiter so. 🙂

  2. Zitat: „Aber es gibt einen inneren Widerspruch in den Behauptungen des IPCC selbst. Tatsächlich heißt es in dem gleichen sehr einflussreichen IPCC-Bericht einmal, dass es armen Ländern einerseits schlecht und andererseits in Zukunft viel besser gehen wird als heute. Also was denn nun? Der offensichtliche Widerspruch ergibt sich aus der Inkonsistenz, mit der das IPCC die Auswirkungen abschätzt.“
    Frage dazu: Wo steht das im Original-Papier?

  3. Was wäre denn, wenn Deutschland nicht diesen Fortschritt in der technischen (Energie) Entwicklung gemacht hätte. Wie sehe unser Leben heute aus? Ohne Strom, ohne Maschinenbau, ohne Chemie,Stahl und Autobranche? Ohne Ideen,Erfindungen,Pioniergeist und die Zeit der Aufklärung?
    Wie sehe Deutschland heute aus, wenn wir diese Entwicklungssprünge nicht mitgegangen (erstritten) wären und immer noch die Wasser- Pferde- Ochsen- und Windkraft als „Energiekraft“ einsetzen müssten und die Religion als „einziges Wissen/Wahrheit anerkennen….
    wir wären in Deutschland genauso dem Hunger,den Überschwemmungen, der Naturkatastophen ausgesetzt, wie wir Sie aus den 3.Weltländern medial eingetrichtert bekommen.

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