BEST: Wobei ich zustimme und was ich ablehne – plus ein Ruf nach zusätzlicher Transparenz, um „Vettern”-Begutachtung zu vermeiden

Es gibt eine Menge Stroh, welches von den üblichen flammenden Bloggern, einigen Nachrichtenportalen und so gedroschen wird über meine Ablehnung der Art und Weise, wie mit den Daten in einer der BEST-Studien umgegangen worden ist, der einzigen, die ich vor dem jüngsten Medienecho begutachten konnte. Offensichtlich ist es mir nicht erlaubt, auf Fehler hinzuweisen, und BEST wird es nicht erlaubt, irgendeinen Fehler vor der Veröffentlichung zu korrigieren, so wie die sechs falsch geschriebenen Referenzen der Studie von Fall et al., worauf ich BEST schon eine Woche früher hingewiesen hatte. Sie konnten sich nicht dazu durchringen, das zu verbessern.

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Und dann ist da noch die Sache der 60-jährigen Studie hinsichtlich der Aufstellorte, wenn wir garantiert nur 30 haben. Selbst die NOAA-Studie von Menne et al. wusste, wie man einen so stupiden Fehler vermeidet. Daten zu fabrizieren, wo es keine gibt, war das, was Steig et al. in Antarktika so in Schwierigkeiten gebracht hatte, und sie wurden darauf von Jeff Id, Steve McIntyre und Ryan O’Donnell in einer begutachteten Folgestudie hingewiesen.

Aber ich denke, es ist sinnvoll, hier zu beschreiben (seit ich weiß, dass manche Blogger einfach “Leugner” sagen und der Fall für sie dann erledigt ist), wobei ich tatsächlich zustimmen und es akzeptieren kann und wo nicht. Sie wollten sofort eine Antwort, noch bevor ich Gelegenheit hatte, die anderen drei Studien auch nur zu lesen. Medien haben mich nach meiner Meinung dazu gefragt, selbst vor der Veröffentlichung dieser Studien, und ich habe klar gesagt, dass ich nur eine einzige gesehen habe (hier) und die anderen daher nicht kommentieren kann. Das machte aber nichts, sie wandten meine Meinung zu der einen Studie einfach auf alle vier an.

Wobei ich zustimmen kann:

  1. Auf der Erde ist es wärmer , als es vor 100 bis 150 Jahren war. Aber das stand niemals zur Debatte – es ist ein Scheinargument. Die Größenordnung und die Ursachen sind es, nach denen die Skeptiker fragen.
  1. Aus der Presseerklärung “Die globale Erwärmung ist real…” siehe Punkt 1! Bemerkenswerterweise wurde die „anthropogene globale Erwärmung“ von BEST gar nicht erwähnt, und in ihren Ergebnissen weisen sie explizit darauf hin, dass sie diese Sache gar nicht angesprochen hatten, wie aus diesem Ausschnitt aus der  Presseerkläung hervorgeht:
  1. Wie David Whitehouse hier geschrieben hat: „die Forscher fanden eine starke Korrelation zwischen Jahrzehnte langen nordatlantischen Temperaturzyklen und der globalen Temperatur auf dem Festland. Sie geben zu, dass deren Einfluss während der letzten Jahrzehnte nicht beachtet worden war und dass sie den größten Teil, wenn nicht die gesamte, Erwärmung erklären können, einschließlich der Möglichkeit, dass die „menschliche Komponente der globalen Erwärmung irgendwie überbetont worden sei“. Hier folgt ein Auszug aus diesem Papier:
  1. Die eindeutige BEST-Methodik ist vielversprechend. Die Skalpell-Methode, mit der Diskontinuitäten der Stationen angegangen worden sind, ist eine gute Idee, und das habe ich auch früher schon gesagt.
  1. Die Ergebnisse der globalen Analyse von BEST passen zu den Ergebnissen anderer globaler Temperaturuntersuchungen. Das ist nicht überraschend, da die gleiche Basis von Rohdaten verwendet worden ist. Es ist ein Mythos, dass die Datenquellen von NASA GISS, HadCRUT, NOAA und jetzt Berkeley voneinander unabhängig sind. Das ist nicht die volle Wahrheit. Sie teilen sich eine Menge allgemeiner Daten aus dem GHCN, verwaltet von National Climatic Data bei der NOAA. Also ist es überhaupt keine Überraschung, dass sie alle zueinander passen.

Was Berkeley Earth nicht getan hat, ist eine unabhängige Abschätzung, wie viel der beobachteten Erwärmung auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist, räumte Richard Muller ein. Als nächsten Schritt plant Berkeley Earth, die Gesamterwärmung der Ozeane zu untersuchen mit der Absicht, genauere Angaben für die Gesamtmenge der beobachtbaren globalen Erwärmung zu erhalten. (hier)

AMO Regiment. Falls die langfristigen Änderungen der AMO durch Treibhausgase ausgelöst worden sind, könnte das  AMO-Regiment als positive Rückkopplung dienen, die die Auswirkungen des Antriebs von Treibhausgasen über Land erweitern. Andererseits kann Einiges dieser langfristigen Änderungen der AMO auch durch die natürliche Variabilität herrühren, z. B. Fluktuationen des thermohalinen Flusses. In diesem Fall könnte die menschliche Komponente der globalen Erwärmung irgendwie überschätzt worden sein. (hier)

Was ich ablehne:

  1. Die Art und Weise, wie sie mit meinen Stationsdaten in ihrer Analyse umgegangen sind, ist schlicht und ergreifend falsch, und das habe ich ihnen auch mehrere Tage vor dieser Veröffentlichung gesagt. Sie boten keine Korrektur an, ja sie erkannten das nicht einmal an. Die Angelegenheit hat mit der 60-Jahre-Periode zu tun, die sie benutzt haben. Zwei begutachtete Studien hierzu, von Menne et al. 2010 sowie Fall et al. 2011 benutzten 30-Jahres-Perioden. Dies ist ein Schlüsselpunkt, weil niemand weiß (ich nicht, die NOAA nicht, BEST nicht), wie die Beschaffenheit der Umgebung der Stationen vor 30 bis 60 Jahren ausgesehen hatte. Im Grunde haben sie eine Analyse über einen Zeitraum durchgeführt, von dem gar keine Metadaten existieren. Ich habe sie aufgefordert, dies doch einfach für die 30 Jahre zu tun wie in den beiden begutachteten Studien, ein Vergleich von Äpfeln mit Äpfeln. Wenn sie das tun und das gleiche Resultat erhalten, bin ich zufrieden. Vielleicht finden sie etwas Neues, wenn sie das ordnungsgemäß durchziehen; wir alle verdienen diese Gelegenheit.

Willis Eschenbach weist auf diesen Auszug aus der Studie hin:

Wir evaluieren den Effekt sehr ländlicher Stationen auf das globale Mittel, indem wir die Mittelungsprozedur  von BEST auf diese ländlichen Stationen übertragen. Durch den Vergleich des daraus resultierenden Mittels mit dem aus allen Stationen gewonnenen Mittel können wir den Einfluss der Standortwahl ohne Verstädterung auf die geschätzte mittlere Landtemperatur quantifizieren.

Eschenbach fügt hinzu: Das kommt mir blöde vor. Warum vergleicht man die schlechtesten Stationen mit allen Stationen? Warum vergleicht man nicht die schlechtesten Stationen mit den besten Stationen?

  1. Die UHI-Studie scheint ein wenig seltsam in diesem Zusammenhang. Sie schreiben in ihrer  Presseerklärung:

Der städtische Wärmeinseleffekt ist lokal groß und real, trägt aber nicht wesentlich zum Anstieg der mittleren Temperatur über Land bei. Dies liegt daran, dass urbane Regionen der Erde nur etwa 1% der gesamten Landmasse ausmachen.

Etwa 1/3 der Temperaturmessstationen rund um die Welt haben während der letzten 70 Jahre eine globale Abkühlung aufgezeichnet (einschließlich großer Gebiete der USAS und Nordeuropas). Aber 2/3 der Stationen zeigen eine Erwärmung. Individuelle historische Temperaturreihen einer einzelnen Station sind häufig verrauscht und/oder unzuverlässig, und es ist immer notwendig, viele Aufzeichnungen zu vergleichen oder zu kombinieren, um die wahre Natur der globalen Erwärmung zu verstehen (hier).

Sie haben sich nicht angemessen mit den 1% auseinandergesetzt, indem sie keine sorgfältige Wichtung der Gebiete vorgenommen hatten. Und welcher Prozentsatz von Wetterstationen wird von diesem 1% erfasst? Während sie einige Beweise der Nutzung einer „kriging“-Technik haben, bin ich nicht sicher, ob sie das sorgfältig genug gemacht haben. Die Tatsache, dass 33% der Messpunkte eine Abkühlung zeigen, bietet mit Sicherheit Anlass, dies viel näher zu untersuchen. Das ist nicht etwas, das man einfach so unter den Tisch fallen lassen kann, obwohl sie genau das versuchen. Hoffentlich fällt dies bei der wissenschaftlichen Begutachtung auf.

3. Die von ihnen gewählte Methode der Veröffentlichung, nämlich eine Art Medien-Blitzkrieg und die Vorab-Positionierung von Schreibern an wesentlichen Positionen der MainStreamMedien MSM, liegt jenseits der Grenze des Erlaubten. Während ich Dr. Mullers Ansicht zustimme, dass das Zirkulierenlassen von Studien unter Kollegen für eine größere Begutachtung eine exzellente Idee ist, ist das, was sie mit dem geplanten und koordinierten Vorgehen getan haben (kein Fehler, es war koordiniert für den 10. Oktober, wie mir Liz Muller persönlich selbst gesagt hat), nicht nur selbst gewählter Größenwahn, sondern auch sehr riskant, falls die Begutachtung zu einer anderen Antwort kommt.

Die Hatz nach einer Beurteilung, bevor die Wissenschaft eine Chance hatte zu sprechen, ist schlimmer als alles, was ich bisher erlebt habe, und von meinen  früheren Begegnungen mit ihnen kann ich sagen, dass ich keine Ahnung hatte, dass sie so vorgehen würden, sonst hätte ich sie nicht so offen begrüßt. Eine Lüge durch Auslassung ist immer noch eine Lüge, und ich habe das Gefühl, dass mir nicht die wahren Absichten der BEST-Gruppe genannt worden waren, als ich mich mit ihnen getroffen habe.

Fazit: ich akzeptiere ihre Studien und viele ihrer Ergebnisse, aber ich stimme nicht mit einigen Methoden und Ergebnissen überein, was mein gutes Recht ist. Es wird interessant sein zu sehen, ob diese den Begutachtungsprozess im Wesentlichen unverändert überstehen.

Eine Sache, von der wir annehmen können, dass sie NICHT transparent ist, ist der Begutachtungsprozess, und falls dieser Prozess Mitglieder des „Teams“ einschließt, die versiert genug sind und trotzdem die Ergebnisse schon begrüßen, so wie es Phil Jones getan hat, dann wird die Begutachtung zu einer „Vettern“-Begutachtung.

Die Lösung wäre, die Namen der Begutachter bekannt zu geben. Dr. Muller und BEST wünschen, den Apfelkarren der wissenschaftlichen Prozedur zum Umkippen zu bringen und die öffentliche Begutachtung vor die wissenschaftliche Begutachtung stellen, und erheben diese selbstsichere und höchst ungewöhnliche Behauptung in ihrer Presseverlautbarung:

Vier wissenschaftliche Studien, die zu diesen Schlussfolgerungen kommen, wurden zur wissenschaftlichen Begutachtung eingereicht und werden Teil der Literatur für den nächsten IPCC-Bericht zur Klimaänderung. … Eine Videoanimation zeigt graphisch globale Erwärmung seit 1800 (hier, einschließlich des Links zu BEST).

Das ist eine starke Behauptung. Vier Studien sind noch nicht begutachtet worden, und sie WISSEN, dass sie durch die Begutachtung durchkommen und dass es im nächsten IPCC-Bericht erscheinen wird? Geht es nur mir so, oder klingt das wirklich zurechtgebastelt? Oder handelt es sich lediglich um das Ergebnis eines überaktiven Egos als Teil der BEST-Gruppe?

Ich sage, falls BEST und Dr. Muller wirklich an ein transparentes Vorgehen glauben, wie sie es auf ihrer Website erklären…

…dann lassen Sie uns den Begutachtungsprozess transparent machen, so dass die Möglichkeit einer “Vettern”-Begutachtung ausgeschlossen werden kann, und dass man das nicht ohne saubere Wissenschaft durchpeitschen kann.

Da Dr. Muller behauptet, dass „dies eine der wichtigsten jemals gestellten Fragen ist“, sollte man damit so offen wie nur irgend möglich umgehen. Sicherzustellen, dass diese vier Studien einer gründlichen und unparteiischen wissenschaftlichen Begutachtung  unterzogen werden, ist der beste Weg, diese Frage zu beantworten.

Hätten sie nicht behauptet, was ich oben beschrieben habe, nämlich es vor der Begutachtung im nächsten IPCC-Bericht auftauchen zu lassen, bevor diese Frage geklärt ist, hätte ich nie daran gedacht, danach zu fragen. Diese überselbstsichere Behauptung gibt echt zu Sorgen Anlass, vor allem, wenn es der von ihnen losgetretene Medien-Blitzkrieg für jeden potentiellen wissenschaftlichen Begutachter schwierig macht, nicht vorzeitig  auf diese Studien zu stoßen und sie zu lesen und folglich von den Medien verzerrt dargestellt werden.

Wir können den “Pool der Jury” von Wissenschaftlern nicht zu einer anderen Welt verlagern, um ein faires Verfahren sicherzustellen, wenn es jetzt weltweit bekannt ist, oder?

Abstimmen: [Im Original folgt eine Tafel zur Abstimmung. Wer mag, kann (sollte) daran teilnehmen!]

Antony Watts

Link: http://wattsupwiththat.com/2011/10/21/best-what-i-agree-with-and-what-i-disagree-with-plus-a-call-for-additional-transparency-to-preven-pal-review/

Übersetzt von Chris Frey für EIKE

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4 Kommentare

  1. //// „Wobei ich zustimmen kann:

    Auf der Erde ist es wärmer , als es vor 100 bis 150 Jahren war. Aber das stand niemals zur Debatte – es ist ein Scheinargument.

    Antony Watts“ ////

    Noch ein „skeptischer“ Autor, der der Generallinie treu bleibt. Traurig.

    Des Kaisers neue Kleider sind nicht sehr, sehr schön, das wissen wir jetzt, sie sind nur schön.

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