Emissionshandel angezählt: der Weltmarkt für Emissionszertifikate fällt zum ersten Mal.

Die Weltbank meldet besorgt ein Grummeln im Markt wegen eines möglichen Zusammenbruchs.

Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis der Kurs auf Null ist, wie vergangenes Jahr bei der  Chicagoer Emissionshandels-Börse CCX.

Sogar der Guardian behandelt diesen “Reinfall” auf dem Zertifikatemarkt. Dort heißt es:

Der internationale Zertifikatehandel ist fast gänzlich zusammengebrochen. Im vergangenen Jahr sind nur Zertifikate für etwa  $1.5 Mrd. gehandelt worden …

Jetzt, nachdem das Kyoto-Protokoll im Wesentlichen tot ist,  werden die Märkte nach den Rettungsringen greifen, seit es keine politische Unterstützung mehr für die Emissionsreduzierungen gibt. In diesem Bericht und auch in der Berichterstattung der Medien kann man förmlich hören, wie die Händler zu den Notausgängen rennen.

Dann auch noch das hier von Reuters: – Der europäische Emissionshandel könnte während der kommenden Jahrzehnts von überschüssigen Verschmutzungsrechten überflutet werden. Die Preise könnten um die Hälfte fallen und den Regierungen Milliarden Euro Einnahmen fehlen, wie aus EU-Quellen verlautete.

Die Weltbank meldete in ihrer Pressemitteilung:2011/514/SDN:
Wachstumsstillstand im globalen Zertifikatehandel wegen Unsicherheit
(World Bank Releases 2011 “State and Trends of the Carbon Market” Report)

Barcelona, 1. Juni 2011 – Der jährliche Zustandsbericht der Weltbank über den globalen Zertifikatehandel zeigt für 2010 einen Hagelschlag. Das seit fünf Jahren andauernde robuste Wachstum endete mit einem leichten Rückgang gegenüber 2009. Der Zustand und die Trends auf dem Markt für Emissionsrechte 2011 (Veröffentlichung auf der Carbon Expo in Barcelona) zeigt auf, dass das Gesamtvolumen des globalen Emissionshandels im vergangenen Jahr auf etwa US$ 142 Mrd. geschätzt worden war. 

Die Verfasser schreiben, dass mit Hilfe vieler Gründe der Niedergang erklärt werden kann, darunter der fortwährende Mangel an Klarheit auf dem Markt für die 2012 und der Verlust an politischer Schubkraft bei der Schaffung neuer Handelsschematat in vielen Industriestaaten. Einige Einkäufer aus Industriestaaten, die in den vergangenen Jahren ihre Minderungsziele erreicht oder übertroffen hatten, kauften konsequenterweise weniger ein als 2010. Auch die noch fortwährenden Auswirkungen der Rezession in verschiedenen Industriestaaten führten zu weniger Treibhausgasemissionen und senkten den Druck zur Erfüllung der Reduzierungsverpflichtungen.

Darüber hinaus ist der Hauptmarkt der Certified Emission Reductions (CERs), auf dem die meisten projektbezogenen Transaktionen stattfinden, zweistellig gesunken. Verschiedene Gründe spielten eine Rolle, darunter eine geringere Nachfrage nach Rechten und die Konkurrenz von besser vorhersehbaren Investitionen (Assigned Amount Units and secondary CERs). Der Markt des Clean Development Mechanismus CDM befindet sich derzeit auf dem tiefsten Stand seit dem Inkrafttreten des  Kyoto-Protokolls 2005. Er ist um 46% auf geschätzte US$ 1.5 Mrd. für neue projektbezogene Transaktionen gefallen. Gleichermaßen sind andere Zertifikates-Märkte heruntergegangen oder auf gleicher Höhe geblieben. Nichtsdestoweniger sind zusammengenommen auf dem primären Markt der Erlaubnisse Transaktionen im Werte von fast US$ 30 Mrd. seit 2005 durchgeführt worden und man erwartet, dass sie noch viel mehr Finanzmittel freigesetzt haben, vorwiegend aus dem privaten Sektor.

“Der globale Emissionshandel steht am Scheideweg. Wenn wir die falsche Richtung nehmen, riskieren wir den Verlust von Milliarden von kleineren privaten Investitionen und neue technologische Entwicklungen in den Entwicklungsländern,“ sagte Andrew Steer, Sonderbeauftragter für Klimawandel der Weltbank. “Dieser Bericht sendet die Botschaft, dass wir einen stärkeren, robusteren Emissionshandelsmarkt mit Hilfe von klaren Signalen sichern müssen.”

Der Bericht “State and Trends of the Carbon Market 2011” macht klar, dass vergleichsweise die EU-Verschmutzungsrechte (Sie werden unter dem „EU Emissions Trading Scheme ETS“ gehandelt) das bei weitem größte Segment darstellen. Sie betragen 84% des gesamten Marktvolumens des Emissionsrechtemarkts. Wenn man sekundäre CLEAN DEVELOPMENT MECHANISM (CDM) Transaktionen einbezieht, erreicht der von den ETS angetriebene Markt 97% des globalen Marktvolumens.

Die Autoren des Berichts sagen voraus, dass während der kommenden beiden Jahre die Differenz zwischen der Gesamtnachfrage und dem kumuliertem Angebot an flexibilisierten Kyoto-Protokoll-Emissionszertifikaten etwas unter US$ 140 Mio. liegen wird. Eigentlich die gesamte Nachfrage wird von den Europäischen Regierungen kommen. Nach 2012 wird die nennenswerte und uneingeschränkte Nachfrage aus Europa kommen, obwohl der mögliche Bedarf an Emissionsreduzierungen sich auf 3 Mrd. Tonnen belaufen könnte. Das zwischen 2013 und 2020, aus den existierenden Projekten herrührende verfügbare Angebot wird für ausreichend gehalten, den Bedarf zu decken. So verbleibt nur wenig Anreiz für Projektentwickler, weiter zu investieren und zukünftiges weiteres Angebot für Verschmutzungsrechte zu erzeugen.

Im Kontrast zum Fall im Marktwert steht die generelle Meinung vom Erfolg der Verhandlungen auf der UNO-Klimakonferenz in Cancun im Dezember 2010. Von dort kommt eine relativ positive Markteinschätzung.

Obwohl einige Möglichkeiten zur Stärkung der Regulierungsrahmen in einigen Industrieländern versäumt wurden, haben nationale und lokale CO2-Minderungs-Initiativen an Stärke gewonnen und lassen hoffen.

“Das Wachstum des Emissionsrechtehandels hat zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt gestoppt: 2010 hat sich als wärmstes Jahr seit Wetteraufzeichnungsbeginn erwiesen, dabei stiegen die globalen Emissionen ungebremst an,“

meinte Alexandre Kossoy, World Bank Senior-Finanzexperte.

“Gleichzeitig haben nationale und lokale CO2-Minderungs-Initiativen merklich an Schwung gewonnen, sowohl in entwickelten wie in Entwicklungsländern. Zusammengenommen bieten sie die Möglichkeit zur Überwindung der regulatorischen Unsicherheit und sie senden ein Signal, das auf die eine oder andere Art Lösungen für das Angehens des Klimawandels entstehen.“

Angesichts der fehlenden Nachfrage hat die Weltbank ein Anzahl von Initiativen gestartet, um den Nach-2012-Emissionshandelsmärkten Zuversicht zu vermitteln. Die in Cancun im Dezember 2010 aus der Taufe gehobene „Partnership for Market Readiness” zielt auf die Unterstützung des Trends zu nationalen Minderungsanstrengungen unter Zuhilfenahme des Marktes. Eine ganze Reihe von CO2-Fonds und Kreditlinien (Facilities) der Weltbank, wie die Carbon Partnership Facility, die zweite Tranche der Umbrella Carbon Facility und eine neue derzeit in Entwicklung befindliche Kreditlinie für die ärmsten Länder, sollen auf zukünftigen Bedarf Antwort geben durch verstärkte Reduzierung und durch den Ankauf von Verschmutzungsrechten für die Nach-2012-Zeit. Darüber hinaus unterstützt die Forest Carbon Partnership Facility die REDD+ Initiativen. Diese sind bislang noch nicht im Clean Development Mechanismus CDM enthalten. Die Weltbank hält die Emissionsrechtemärkte für ein wichtiges und wandlungsfähiges Werkzeug zur Schaffung von Anstößen zum Wechsel auf Entwicklungswege mit geringerem Kohlenstoff-Verbrauch.

Die Studie “State and Trends of the Carbon Market 2011” ist auf der CARBON EXPO 2011 vorgestellt worden. CARBON EXPO 2011 ist die weltgrößte Kohlenstoff-Messe mit über 3.000 Vertretern von Regierungen, aus dem privaten Sektor und zivilen Umweltschutzorganisationen, die sich weltweit zur Verminderung Treibhausgasemissionen einsetzen.

Mehr zu den CO2-Finanzaktivitäten der Weltbank und die elektronische Version des Berichts gibt es bei: www.carbonfinance.org

Autor Antony Watts, der Originalartikel erschien hier

Die Übersetzung besorgte Helmut Jäger (EIKE)

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7 Kommentare

  1. Die Bankster, Eigenbezeichnung gerne Senior-Finanz-Experten, haben einen künstlichen Markt geschaffen, mit einem einzigen Produkt, das auch noch verknappt werden soll. Die angeblichen Experten wollen ihren Scheinmarkt schon wieder „gelenkt“ haben, weil er nicht nach ihrem Willen funktioniert. Planwirtschaftler reinstens Wassers sind sie also in Wirklichkeit. Wie man eine Mangelwirtschaft installiert, haben sie im Osten abgeguckt, das ist ja ihr eigentliches Ziel. Und ganz nebenbei verdienen sie damit prächtig CO-2-freie Kohle. Betrügerbande!

    Michael Weber

  2. Nach der Lektüre dieses Artikels müsste jeden eigentlich klar sein, wessen Kind AGW tatsächlich ist. Hinter den Kulissen werden vermutlich alle Register gezogen, damit irgendein fauler „Konsens“in Durban dabei herauskommt und es mit der C02-Gelddruckmaschiene munter weitergeht.
    Nur ein totaler Wirtschaftskollaps wird diesem Spuk ein Ende setzen.

  3. Der deutsche Ökomichel mit seinem Atomausstieg und Einstieg in die Kohle-/Gasverstromung wird schon für eine steigende Nachfrage nach CO2-Zertifikaten im In- und Ausland sorgen.
    Deutschland rettet die welt!

  4. Vielleicht sollte man mal daran erinnern, wer uns diesen ganzen Zirkus eingebrockt hat ?
    Ja, es war „Sir“ Nicholas Stern“ der englische ehemalige Weltbankökonom mit seiner 700 Seiten -Ökobibel, wo alles haarklein festgelegt wurde.
    Jetzt schon die größte Lüge aller Zeiten !
    Wer greift eigentlich dieses Monster einmal an ?

    Erich Richter

  5. Um den Zertifikatehandel zu unterstützen ist Deutschland jetzt in die Offensive gegangen.

    Es hat 8 KKW stillgelegt und die weiteren werden die nächsten Jahre folgen. Gleichzeitig sollen, nach Frau Merkel, neue Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 10 GW gebaut werden. Die CO2 Bilanz wird in Deutschland als weiter negativ, heißt es müssen mehr Zertifikate gehandelt werden.

    Zahlen tut das natürlich der Bürger. Das ist praktisch und gibt der Bundeshaushaltskasse Geld.

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