Riskoforscher Renn: Eher fällt ein Meteorit auf Deutschland!

An 4. April kam die neue Ethikkommission der Bundesregierung erstmals zusammen, um über die Zukunft de Atomkraft zu beraten. Ein Mitglied ist der Stuttgarter Risikoforscher Ortwin Renn (59). Wir sprachen mit ihm über echte Risiken, Hysterie und die Gefahren durch andere Energieträger.

Herr Professor Renn, was sind die größten Lebensrisiken hierzulande?

Bei den Todesursachen stehen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen an erster Stelle, gefolgt von Krebs. Was ernste, lang anhaltende Krankheiten angeht, kommen nach den Herz-Kreislauf- Erkrankungen psychische Depressionen an zweiter Stelle.

Und die restlichen Todesfälle?

Da steht der Suizid ganz vorne, wenn man die ganz Alten und die ganz Jungen weglässt. Tödliche Unfälle passieren meist im Haushalt oder in der Freizeit, gefolgt vom Straßenverkehr. Ganz zum Schluss kommen die Arbeitsunfälle.

Haben somit jene Recht, die sagen, die Debatte um die Atomkraft sei hierzulande hysterisch, die Ängste stünden in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Risiko?

Nicht ganz. Die Angst vor der Atomkraft hat ja durchaus ihre Gründe. Ich sage gern: Die Atomkraft ist zwar ein Sündenbock, auf dem vieles abgeladen wird, aber kein Unschuldslamm.

Aber bislang sind relativ wenige Menschen durch einen Akw-Unfall umgekommen?

Wenn wir nur die Todesfälle betrachten, ist die Bilanz der Atomenergie in der Tat wesentlich besser als die der Alternativen. Denken Sie nur an die Wasserkraft, da gab es schon verheerende Brüche von Staudämmen mit tausenden von Toten. Oder nehmen Sie die Unglücke beim Kohleabbau. Weltweit sterben dabei knapp 8000 Menschen pro Jahr, allein in China sind es rund 5000.

Dennoch scheint Kohle kurzfristig die einzige Alternative zur Kernkraft zu sein. Neue Kohlekraftwerke sind schon in Bau, die Aktien der Kohleunternehmen sind nach dem Reaktorunglück von Japan stark gestiegen.

Wenn ich mich persönlich entscheiden müsste zwischen Kernenergie und Kohle, dann würde ich mich eher für die Kernenergie entscheiden – allein der Risiken wegen. Beim Verbrennen von Kohle werden ja nicht nur Schadstoffe in die Luft geblasen, sondern auch oft radioaktive Stoffe freigesetzt – und zwar in nicht unerheblichen Mengen. Wenn ich die Belastung für das Klima durch den CO-2-Ausstoß hinzunehme, addiert sich das zu einem flächendeckenden, schwer veränderbarem Risiko, das von der Größenordnung her durchaus mit der Kernkraft vergleichbar ist. Und dieser Vergleich geht nach meiner Einschätzung eher zugunsten der Kernkraft aus – auch nach Japan

Lesen Sie hier das ganze Interview hier in den Stuttgarter Nachrichten

Sehen Sie hierzu auch den Essay von Prof. Kepplinger : 

Phantomangst Atomangst

hier

Auszug aus die Welt vom 11.4.11 

Angst vor direkten Gefahren ist überlebenswichtig. Doch wenn die gefühlte Angst vor einer Katastrophe größer ist als die Wahrscheinlichkeit, jemals Opfer zu werden, wird es irrational

Seit der Inbetriebnahme des ersten deutschen Kernkraftwerks 1961 sind hierzulande über 600 000 Menschen den Unfalltod gestorben – allerdings nicht durch Reaktor-, sondern durch Verkehrsunfälle. Tote durch Unfälle in deutschen Kernkraftwerken hat es nicht gegeben. Bis zur Stilllegung des letzten deutschen Kernkraftwerks in vermutlich 15 Jahren kann man auch hierzulande kernkraftbedingte Todesfälle nicht völlig ausschließen. Allerdings ist ihre Wahrscheinlichkeit sehr gering. Im gleichen Zeitraum werden bei Verkehrsunfällen circa 60 000 Menschen sterben. Trotzdem hat keine Partei die Forderung nach der sofortigen Stilllegung des Auto- und Motorradverkehrs im Programm. Den üblichen Vorstellungen von Rationalität entspricht das nicht. Aber man kann es mit einer Reihe von Ursachen rational erklären….
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15 Kommentare

  1. @#14: Anton Kürner,

    da Sie schon die Einsicht haben, dass damit den Steuerzahlern Geld aus der Tasche gezogen wird sollten Sie sich noch darüber bewusst werden, dass E10 hilft, den Urwald zu vernichten. Wenn wir den anderen Menschen Brot tanken, brauchen wir uns nicht wundern, wenn diese Menschen Hunger haben oder ihre Kinder an Unterernährung sterben.

    Ich wr einige Zeit in Indonesien und habe gesehen, wie aus Urwald mit Orang Utans (mensch Wald) industrielle Ölbaumplantagen wurden.

    Zur Kernenergienutzung:
    Es derzeit populistisch zu nennen wenn man Kernkraft vertritt ist schon paradox.

    Das Wort „populistisch“ stammt von dem Wort „Volk“. Populus, lateinisch, heisst „Volk“. Das Volk und der Senat wirkten beide zusammen im römischen Reich. Der Wille des Volks war das A und O. Embleme und Symbole des römischen Reichs waren allesamt übersät mit der Abkürzung

    S.P.Q.R.

    Das „P“ in dieser Abkürzung steht für „populistisch“, es steht für „populus“, für „Volk“. Die Abkürzung heisst: Senat und Volk von Rom.

    Wo steht, das Volk oder der Senat oder heißt das jetzt Bunztag hinter der Kernenergie?

    Dann auch noch perfide?

    Welche Loyalität und insbesondere von wem kann man denn bezüglich der Kernkraft noch ausnutzen. Nicht mal die der Bettreiber!

    OK, Ok, Sie reden von der Aufrechnung der Todesfälle. Tot ist tot. Dem Toten und seinen Angehörigen bringt die Aufrechnung nichts. Aber den Lebenden schon. Leben mit Kernkraft ist besser als tot mit Fotovoltaik.

    Die Kosten der Zwischen- und Endlagerung des Atommülls sind im Strompreis bereits eingerechnet. Es sind 0.3 Cent pro kWh Atomstrom (17 % des Strom zurzeit), der für 4 Cent/kWh aus der Steckdose kommt. Für den vollkommen nutzlosen EEG Strom zahlen Sie zusätzlich 3.5 Cent/kWh für 100% des Stroms den Sie beziehen.

    “am stärksten subventioniert wird jedoch die Atomenergie.“

    Wenn die Kernenergie jemals oder zur Zeit subventioniert wird, dann mit der Haftpflicht. Da gebe ich ihnen recht. Bitte selber versichern. Das ist der Motor für mehr Transparenz und Sicherheit.

    “Es wäre schön, wenn Debatten ehrlich geführt würden und nicht mit Halbwahrheiten, Weglassungen und Lügen, und das gilt für alle Parteien, ob Gegner oder Befürworter einer bestimmten Lösung.“

    Ja, Herr Kürner, informieren Sie sich.

    Grüße

  2. zur CO2-Diskussion: ich halte nichts davon, daß CO2, aus welchen Quellen auch immer, den behaupteten negativen Einfluß auf den Klimawandel haben soll.
    Ich habe eher das Gefühl, daß damit den Steuerzahlern Geld aus der Tasche gezogen wird.
    Wesentlich Klima relevanter halte ich z.B.den ungebremsten Raubbau an den Ur-und REgenwäldern der Erde.
    Zur Kernenergienutzung:
    Ich finde es einfach nur populistisch und perfide, die durch die verschiedenen Energiegewinnungsmethoden verursachten Todesfälle gegeneinander aufzurechnen. Die über Jahre oder sogar Jahrzehnte an den Spätfolgen eines Reaktorunfalles zugrunde gegangenen Menschen werden hierbei – bewußt- nicht erfaßt. Preiswürdigkeit des Atomstromes: müßten die Kraftwerksbetreiber die Kosten der Zwischen-und Endlagerung des Atommülls in den Strompreis einrechnen, wäre es mit dem Märchen der ach so günstigen ATomenergie gleich vorbei. Man regt sich furchtbar auf, daß die erneuerbaren Energieträger subventioniert werden – am stärksten subventioniert wird jedoch die Atomenergie. Wer zahlt die Entsorgung? – der Steuerzahler. Wer zahlt die Folgekosten eines Unfalles? – der Steuerzahler, nicht der Betreiber. Versicherbar ist das Risiko Atomstrom nicht.
    Es wäre schön, wenn Debatten ehrlich geführt würden und nicht mit Halbwahrheiten, Weglassungen und Lügen, und das gilt für alle Parteien, ob Gegner oder Befürworter einer bestimmten Lösung.

  3. Pest und Cholera,

    Nun Bakterien und Pilzgifte sind mit abstand das Giftigste was wir kennen.

    Was muß geschehen das in Deutschland wieder Vernunft einkert ?
    Irgendwie scheint mir das sehr viel Arbeit zu sein.

  4. #8: greg house
    Pest und Cholera,

    es soll ja auch sowas wie eine Todesehnsucht geben,
    nach Sigesmund Freud sogar ein ganz tief sitzender Trieb.
    Immerhin ist die Selbstmordrate recht hoch,

    sind wir Deutsche etwa zu triebhaft???

  5. #5: Stahl
    völliger Quatsch,
    das Gegenteil ist richtig,
    ohne Krankenhäuser gäbs ein Massensterben!!!
    wir hätten vielleicht eine Lebenserwartung von 31 Jahren, eine kleine Blinddarmentzündung reicht schon 🙂

    Ich weis, ich weis,
    manche haben Angst davor

  6. //// „#3: Harry Hain sagt:

    Aber er argumetiert insofern logisch: wer Co2 für einen Klimasünder hält, kann jetzt nicht den sofortigen Aussteig aus der Kernenergie fordern.“ ////

    Aber natürlich kann er das. Dann sagt er, es gibt halt mehrere Gefahren. Er ist sowohl gegen Pest, als auch gegen Cholera.

    Man kann nicht FÜR etwas argumentieren, indem man einfach darauf hinweist, dass es noch schlimmeres gibt.

  7. Hier haben wir wieder das Thema…wenn sich die Katze in den Schwanz beißt. Aus meiner Sicht undiskutables „Geschwafel“ was unserer Sache kaum helfen kann.

    Erich Richter

  8. Bei den Lebensrisiken vermisse ich eine der größten: Die Krankenhausinfektionen, hier habe ich noch nie etwas von Protesten gehört obschon die Zahlen in die Tausende gehen.

  9. Phantomangst Atomangst

    Es lag an der rotgrünen Journaille? Wer soll das glauben. Presse funktioniert ganz anders. Durch Preisdruck verringert sich der wissende und ethisch handelnde Anteil der Journalisten immer rasanter. Veröffentlicht werden Artikel von Presseagenturen und kostenlose „Zuarbeit“ von steuerfinanzierten NGOs und Vereinen. Alleine dieser IPPNW Ärzte gegen den Atomkrieg war sehr präsent bis in die GEZ Medien.

    Das war eine Kampagne für EEG , weil AGW nichts bringt. Das kann man nicht einer degenerierten Journaille in die Schuhe schieben.

    Wie sagte Prof. Schellnhuber in der langen Nacht des Klimas (youtube 2009 Teil 9) so schön.
    “ In Europa haben wir die Medien intellektuell im Griff, in den USA sieht es anders aus…“

  10. ad #1: karl karlauf
    Naja, man muss es kein Dummgefasel nennen. Aber er argumetiert insofern logisch: wer Co2 für einen Klimasünder hält, kann jetzt nicht den sofortigen Aussteig aus der Kernenergie fordern.
    Persönlich halte ich es für strategisch falsch, wenn man als KKW-Befürworter sich zu schnell Argumente aus der gleichen Ecke der KKW-Gegner zu eigen macht. Da muss man sprachlich schon korrekt arbeiten. z. B. wenn man der Ansicht ist, daß CO2 ein klimarelevantes Gas ist, dass nicht im Übermass in die Atmosphäre eingetragen werden soll, dann… usw.

  11. Durch das Dummgefasel über die angeblichen CO²-Gefahren, disqualifiziert er sich leider selbst. Schade, mir fingen seine Aussagen schon fast an, zu gefallen.

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