Schiefergas in Europa: so viel wie in Nordamerika!

Ich habe hier an dieser Stelle oft gegen das gelästert, was ich KW nenne oder das Konventionelle Wissen der englischen Energie-Experten, d. h. das sind diejenigen, die schon durch mehrere Ebenen der Geschichte vom Schiefergas gegangen sind. Die KWler sind diejenigen, die – wenn sie nicht bestens davon leben, der Regierung anzuraten, riesige Mengen von Geld für die Energie auszugeben – selbst in der Regierung sitzen, wie es bei mir der Fall gewesen ist. Die KWler haben einen Interessenkonflikt bei der Aufrechterhaltung der Vorstellung, dass Gas ein großes Problem wäre (Kosten, Sicherheit, Kohlenstoff): Einfacher gesagt, sie verlautbaren nichts außer einem Durcheinander von Lösungen, weil es nun mal leichter ist, Geld mit dem Erfinden von Problemen zu verdienen. Das erklärt Vieles: Auch warum eine vorsätzliche Verdummung über das Schiefergas in England stattfindet, das geht sogar bis zur Verleugnung und Feindseligkeit in einigen Bereichen.

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Das Institut CERA (IHS Cambridge Energy Research Associates®) aber ist ständig sowohl traditionell bei den Mainstream-Medien, wie auch als Wegbereiter des Schiefergases tätig.  Das rührt wohl von der Unternehmenskultur von Daniel Yergins Firma her, die neugierig, offen und zukunftsorientiert ist, anstelle des engstirnig ängstlichen herkömmlichen Von-oben-nach-unten-Denkens in Energiefragen.
Wenn also CERA – immer realistisch beim Thema Schiefergas, aber wie alle anderen auch nicht in der Lage, Zahlen zu nennen –  sich mit Schiefergas zu beschäftigt, dann wird man aufmerken.

Die Menge an unkonventionellen europäischen Gas-Reserven gleicht der in Nordamerika, wie in der neuen großen Studie des CERA (IHS Cambridge Energy Research Associates®) "Breaking with Convention Prospects for European Unconventional Gas" steht. Die Reserven an europäischen unkonventionellen Gasvorräten werden auf 173 Trillionen Kubikmeter geschätzt.
Die Studie ist die erste einer Reihe von wichtigen Analysen zu den Aussichten unkonventioneller Gasförderung in Europa und der Welt. Beruhend auf der systemischen Analyse von Hauptlagerstätten unkonventioneller Gasvorkommen in Europa (Schiefergas und Methan in Kohlenflözen) und unter Benutzung der umfangreichen IHS-Datenbanken, untersucht die Studie, in welchem Umfang das zugängliche unkonventionelle Gas gefördert werden könnte, und welche Bedeutung das für den europäischen Gasmarkt haben könnte.
"Die technologische Revolution in Bezug auf unkonventionelles Gas ist die in diesem Jahrhundert bei weitem wichtigste Energie-Innovation," sagte Daniel Yergin, IHS CERA Institutsleiter und Autor des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Buches "The Prize". “Das gewaltige Potenzial hat bereits Nordamerikas Energielandschaft verändert und es könnte nun die globale Gasindustrie verändern.”

Kann ich Daniel Yergin zustimmen? Ich würde "könnte" mit "unausweichlich" im vorhergehenden Zitat ersetzen. Die beigefügten CERA-Zahlen für Europa haben sogar einen (rationalen) Optimisten wie mich überrascht. CERA hat Zugriff auf teure geschützte Datenbestände.

Hier noch weitere Zahlen:

Unkonventionelles Gas in Europa wird wahrscheinlich einen bedeutenden Beitrag zur Versorgung in den kommenden 10 bis 15 Jahren leisten, sagt der Bericht. IHS CERA schätzt Fördermengen von mindestens 60 Mrd. Kubikmetern bis etwa 200 Mrd. Kubikmetern im Jahr 2025.

Die 60 Mrd. Kubikmeter sind weniger als die Hälfte der gegenwärtigen Förderung von Schiefergas in Nordamerika.
Betrachten wir die Mindestmenge von 60 Mrd. Kubikmetern im Vergleich zu den gesamten Flüssig- und Erdgasimporten Europas von 69,02 Mrd. Kubikmetern im Jahre 2009. Das bedeutet große Probleme für den europäischen Flüssig- und Erdgasimporte, wenn der Markt so schrumpft wie in Nordamerika. Ein kleiner Trost für die europäische Gasindustrie ist, dass, anders als in den Vereinigten Staaten und in Kanada, niemand von europäischen Exporten ausgeht. Andererseits repräsentieren 200 Mrd. Kubikmeter den gesamten Bedarf von England, Frankreich und Deutschland zusammen, oder des größten Teils von Kontinentaleuropa ohne die drei.

Damit verändert sich alles.

Die Auswirkung dieser Stabilisierung der heimischen Versorgung könnte bedeutend sein, wenn auch nicht so revolutionär wie in den USA, meint der Bericht. Eine Stabilisierung der heimischen Versorgung würde die gegenwärtigen Bedenken wegen der Versorgungssicherheit ausräumen und zu höherem Vertrauen trotz der zunehmenden Abhängigkeit von Gas führen, auch in Bezug auf die Importe. Die europäische Politik wäre dann mit einer wichtigen strategischen Entscheidung konfrontiert: zwischen einer sicheren heimischen und relativ sauberen unkonventionellen Gasversorgung oder teueren Null-Emmissions-Alternativen zu wählen.

Eine schwacher Trost für die KWler liegt darin, dass diese Zahlen nicht vor weiteren 10 bis 15 Jahren Wirklichkeit werden. Versorger, Energieberater und deren Helfershelfer wie z. B. die englische Gasmarkt- und Elektrizitäts-Regulierungsbehörde Ofgem  können ruhig bleiben und sicher sein, dass die hohen Preise noch so lange da sein werden, bis sie in den Ruhestand gehen. Vielleicht finden sie auch andere Wege zum Abzocken der Bürger.Oder sollten sie doch nicht so ruhig schlafen? Die Schiefergasmengen brauchen wir ja heute noch gar nicht, um die Preise zu beeinflussen. Wer spart denn schon für sein Alter, wenn er eine reiche, liebenswerte 90jährige Erb-Oma hat?Wir brauchen noch viele bestätigte Zahlen von den heutigen Produzenten. Anders gesagt, wir müssen wissen, dass das Geld auf der Bank liegt, auch wenn es erst in 10 Jahren fällig ist. Keine Sorge, die Zahlen kommen noch, wie ich seit zwei Jahren sagte, CERA liefert sie jetzt.Wenn wir mehr wissen, heißt es Abschied nehmen von so verrückten Dingen, wie CO2-Abscheidung-und-Speicherung, Offshore Windanlagen, Kernenergie, Ölleitungen wie NABUCCO. Dieser ganze 200 Mrd. £ teure Mist, um angeblich die Lichter an zu lassen, ist für den Mülleimer der Geschichte. Wir können ruhig in Energieeffizienz investieren und Technologie einsetzen, um verlässliche Informationen über den Energieverbrauch zu gewinnen, damit wir sparsamer werden. Wir können Forschungs- und Entwicklungs-Investitionen finanzieren für Technologien wie Energie-Speicherung, Sonnenenergie und kleine Kernkraftwerke, die wirklich Aussicht bieten, den Kohlenstoffverbrauch rasch und zu bezahlbaren Preisen zu vermindern, anstelle des Einsatzes unserer heutigen feinen Technologie, die sehr teuer ist, nicht nachhaltig oder beides. Was aber soll mit dem Großteil der 200 Mrd. £ geschehen?  Den können wir klugerweise in die Ausbildung, in unser Transportwesen oder in die Gesundheit stecken. Das würde wirklich für die meisten von uns ein Fest werden!

Nick Grealy; den Originalartikel finden Sie hier

Die Übersetzung besorgte Helmut Jäger EIKE

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5 Kommentare

  1. Ja, ja, schon wieder das leidige Schiefergas! Mir wird es einfach nur schlecht, wenn ich tiefer darüber nachdenke. Man stelle sich vor, was die wirtschaftliche Ausbeutung von Schiefergas in einem dicht besiedelten europäischen Land wie die BRD für eine Umweltschweinerei darstellen würde: Eine dazu weit über über ca. 2500 m tiefe notwendige Explutationsbohrung, bei der unbedingt das aufwändige Fracking angewendet werden muss, hat eine Lebensdauer von bis zu 2 Jahren; davon sind für eine Gewinnung aber sehr viele innerhalb eines Förderfeldes nötig; um jede Bohrung entstünde jedes mal eine kleine Siedlung, infolge dessen große Flächen in Anspruch genommen werden müssten, die danach nicht sofort anderweitig genutzt werden könnten. Wenigstens mittelfristig müssten riesige Bohrkapazitäten (die es bisher nirgends in Europa – auch nicht in Norwegen oder Russland – so nicht gibt) aufgebaut werden. Massen von gut ausgebildetem Personal müssten da her, die es hier zu Lande weder in Ost oder West in dieser Menge noch nie gab und noch v.a. Das könnten doch die Amerikaner für uns in den Griff kriegen, oder?
    Mir scheint dies außerdem ein Zeichen für den noch immer nicht beendeten kalten Krieg zu sein – nur seine etwas subtilere Form. Wie gehabt, scheinbar aus einem schnöden kommunistischen Ideologielehrbuch für vermeintlich ewig Gestrige und Betonköpfe (und doch nicht!) – die Arbeit an der Durchsetzung US-amerikanischer Hegemonieansprüche auf dem europäischen Kontinent mit dem festen Willen des Zurückdrängens der Rohstoffmacht Russland. Ob das so einfach gelingen wird?

    Mit freundlichen Grüßen
    B. Hartmann

  2. Als ich das erste Mal über Schiefergas hörte, betraf es Polen, dass riesigste Vorkommen habe.
    Auch für die norddeutsche Tiefebene werden sehr große Vorkommen vermutet. Explorer waren US Firmen. Dies hat mich allerdings irritiert, weil ich annehme, dass wir ein Hochtechnologieland sind und doch fähig sein sollten, auch wenn keine Erfahrungen vorliegen hier die Federführung zu haben. Auch die US Firmen mussten mal anfangen. In einem anderen Forum hatte ich damals schon meine Verwunderung geäußert.
    Allein, dass wir uns auch nicht um Erdöl oder Gasexploration kümmern, wie z.B. seit Jahren China das tut, oder aber auch Italien und Frankreich – oder können wir Aral damit vergleichen ? – ist suspekt. Wenn sogar im eigenen Land Deutschland bei Erkundung und dann womöglich bei der Förderung ausgeschlossen ist/wird, dann frag ich mich natürlich wie souverän sind wir ? Was gesteht man uns nach den 2+4 Verträgen noch zu ? Sind wir wirklich souverän, oder wollen wir nicht.
    Wollen wir nicht selbst erschliessen ? findet sich wirklich niemand in Deutschland oder Europa – von Politikern rede ich erst mal nicht obwohl hier bisher wohl auch keiner was einforderte – der eine Förderung in die Hand nehmen könnte ? Es bestünde bestimmt die Möglichkeit erfahrene US Firmen unter Vertrag zu nehmen – bis man es selbst kann – und die Verantwortung in Deutschland zu belassen.
    Aber wahrscheinlich haben sie leider Recht H. Richter, dass man gar nichts damit zu tun haben will.

    Haben denn unsere Medien schon darüber berichtet und zwar im gebührlichen Maß ? Immerhin handelt es sich hier um eigene Energiegewinnung die uns auf Jahrzehnte (40 Jahre) hin unabhängig macht. Aber anscheinend soll die Bevölkerung unwissend gelassen werden, oder aber sofort mit Bedenken überhäuft werden.

  3. #2 Dietmar Fürste. Herr Fürste Ihre Bedenken sind vollkommen berechtigt. NRW hat eigentlich gar keine Landesregierung und was da sich so nennt, ist froh
    von solchen Dingen erlöst zu sein. Schon jetzt in einer Art Vorphase werden entsprechende Bodenuntersuchungen von der ökobekloppten Bevölkerung behindert und man kümmert sich daher um spätere Schürfrechte überhaupt nicht.
    Jegliche Verantwortung diesbezüglich wird somit
    unterdrückt oder gleich abgegeben.
    Dies wird sich auch unter dem „Umweltass“ Röttgen als CDU-Führer kaum ändern. Dieser Mensch ist ja grüner als alle Grünen ! Und was von dieser Kanzlerin in ihrer Politik zu halten ist, ist weit weg von solchen Ideen und deren Umsetzung. Deutschland ist auf einer rasanten Talfahrt…sagen wir – es fährt ein Zug nach
    „Nirgendwo“ der allerdings überfüllt ist mit
    Öko-Faschisten aller Farben und Farbschattierungen. Wundern tut mich ferner diese mehr als geringe Beteiligung an Zuschriften auf diesen Artikel.

    Erich Richter

  4. Ich halte es für bedenklich, wenn durch die Regierung von NRW insgeheim und unter Umgehung des Landesparlaments bereits Rechte für die Exploration an USA – Konzerne vergeben wurden.
    Was steht in den Verträgen über die späteren Schürfrechte? Werden Bund und Länder wegen der Technik, die man für das Cracken braucht, sich gleich den Bedingungen der ausländischen Konzerne unterwerfen, ohne eigene Forschung und Entwicklung zu betreiben? Hätte die gezielt in die Überschuldung getriebene BRD für ein solches Megaprojekt überhaupt noch das finanzielle und personelle Potential, oder werden wieder Fremde über unsere Bodenschätze bestimmen, wie es schon bei der Kohle unseren Regierenden „nahegelegt“ wurde?

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