SRU (Sachverständigenrat für Umweltfragen) legt Gefälligkeitsgutachten zur 100% Versorgung mit „Erneuerbaren“ vor!

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, dem bezeichnenderweise keine Experten angehören, die einmal Verantwortung für die Energieversorgung getragen haben, hat sich zur Stromversorgung bis zum Jahre 2050 geäußert. Obwohl eigentlich jeder Gutachterkreis, selbst wenn er im Gegensatz zum SRU mit für dieses Thema fachkundigen Personen besetzt wäre, angesichts der dramatischen und nicht vorhersehbaren Veränderungen während der vergangenen 40 Jahre im Energiesektor aus Angst vor der Blamage niemals eine derartige Prognose gewagt hätte. Aber diese Umweltfachleute meinten, sie könnten das.


Das Ergebnis fiel entsprechend aus. Eine Durchsicht der Ergebnisse zeigt, dass wieder einmal die leider sehr in Mode gekommenen Methoden der falschen Annahmen, Rechnen mit unrealistischen Hoffnungstechniken, Kleinrechnen massiver Defizite der Erneuerbaren, Schönrechnen der Kosten und Unterschätzen der Widerstände – insbesondere seitens der Bürger – zu den gewünschten Ergebnissen führen kann. (Originalbeitrag der SRU hier)

Im Einzelnen:

Das Traumziel einer "komplett regenerativen Stromversorgung" sei erreichbar, "sofern die notwendigen Kapazitäten zur Speicherung und zum weiträumigen Ausgleich der Elektrizität geschaffen werden". So ist es und deshalb ist das Ziel illusionär, da prinzipiell unerreichbar. Sämtliche Physiker und Chemiker wissen, dass alle möglichen Speicherungsprinzipien für Strom lange bekannt sind und dass ebenfalls ihre physikalischen und ökonomischen Limitierungen Fakten sind, die auch durch politisch korrekte Prognosen nicht verändert werden können. Auch können die in vielen Jahrzehnten errungenen und jetzt möglichen  technischen Leistungen dieser Speicher nur noch in kleinen, teuren Schritten weiter getrieben werden, was jegliche großartigen  technologischen Durchbrüche ausschließt. Wir müssen mit den vorhandenen Systemen und Verfahren leben; neue sensationelle, in wenigen Jahrzehnten marktfähige Speichertechniken wird es nicht geben.

Die effizientesten Systeme, die Pumpspeicherwerke, sind bereits ausgelastet. Die an den Horizont projizierte Hoffnungstechnik – Pumpspeicherwerke in Norwegen, die über Seekabel an unser Netz angeschlossen werden – ist ebenfalls bald ausgebucht, wobei das erste geplante Seekabel gerade einmal 1,4 GW Übertragungsleistung haben soll – eine kaum ins Gewicht fallende Größe. Um die norwegischen Speicherkapazitäten werden übrigens sämtliche Nord- und Ostseeanrainer mit Windkraftanlagen konkurrieren. Die weiteren genannten Speichertechniken führen uns in die teure Welt der Science Fiction: Druckluftspeicher, die bisher als Prototypen Wirkungsgrade unter 50% haben – und mit den Erdgasspeichern um die Kavernenstandorte konkurrieren. Dann die Methanerzeugung mit Strom und dessen  Rückumwandlung in Strom – eine Energievernichtung großen Ausmaßes. Schließlich wird auch noch die Vision eines "größeren europäisch-nordafrikanischen Stromverbundes" angerufen,  das mit zahllosen Risiken behaftete Projekt DESERTEC, das selbst bei seiner äußerst unwahrscheinlichen Realisierung seinen überaus teuren Strom niemals nach Europa liefern würde.

Eine weitere, das gewünschte Ergebnis fördernde Annahme ist , daß "bei erneuerbaren Energien im Gegensatz zur konventionellen Stromerzeugung keine steigenden Preise für Brennstoffe zu berücksichtigen sind." Daß man nur von Brennstoffen spricht, ist ein Trick. Wie steht es denn mit den Gesamtkosten der Erneuerbaren ? Die weisen leider beträchtlich steigende Preise auf, wie man bereits an den kürzlich erhöhten Einspeisevergütungen für Offshore-Windkraft sieht,. Die besonders ungünstigen Bedingungen für die deutschen Offshore-Windparks schlagen sich in besonders hohen Kosten nieder: Für Land-Anlagen betragen die Stromerzeugungskosten 8 – 9,5 Cent/KWh, für Offshoreanlagen aber 15 –20 Cent/KWh. Und gerade die Offshoreanlagen sollen ja  künftig den Hauptanteil des Windkraft-Zubaus leisten. Das allein bedeutet bereits drastische Kostensteigerungen der erneuerbaren Stromquellen. Dazu kommen die weiter steigenden Kosten für Rohstoffe, Energie, Ersatz, Anlagenwartung, Transport der Biomasse, Löhne, Inflation.

Den Beweis für die stark kostensteigernde Wirkung der Erneuerbaren  liefert schon die Betrachtung der monatlichen Stromkosten für einen Haushalt mit 3500 KWh Jahresverbrauch: 1998 betrugen die reinen monatlichen Stromerzeugungskosten ohne Steuern 37,60 Euro. 2010 betrugen sie 40,53 Euro – also nur 7,8% mehr – aber es kommen jetzt 12 Euro für die durch das EEG verursachten Kosten hinzu; damit ist der Strompreis durch die Zwangssubventionierung der Erneuerbaren bereits jetzt um 41% angestiegen. Und dieser Anstieg wird beschleunigt weiter gehen.

Mit seinen irrealen Speicher-Spekulationen und Netzausbau-Träumen für seine Kohle- und Kernkraftfreie Stromvollversorgung einerseits und mit seinen geschönten Kostenrechnungen andererseits  kommt dann der SRU auf seine Bewertung "bezahlbar".

Mehrfach wird "Biomethan" als Energiequelle zur Stromerzeugung angeführt. Was nicht diskutiert wird, ist der enorme Flächenverbrauch, der mit dieser Technik verbunden ist, und der sie – im Gegensatz zu den SRU-Behauptungen – alles andere als nachhaltig erscheinen läßt. Allein der Ersatz der deutschen Kernkraftwerke durch die Stromerzeugung mittels Biomasse würde 75% der gesamten deutschen Agrarfläche beanspruchen. Von der ethischen Bewertung eines Ersatzes von Lebensmittelproduktion durch Energieerzeugung einmal ganz abgesehen – was den Sachverständigenrat für Umweltfragen aber nicht interessiert.

Schließlich wird der bereits jetzt sehr spürbare Widerstand der Bürger, die nun den reichlich unnachhaltigen Charakter der Erneuerbaren leidvoll erfahren,  gegen neue Stromtrassen, CO2-Speicher und Windmühlen vom SRU ignoriert. Er wird sich jedoch im leichthin betrachteten 40-Jahre-Zeitraum nicht gerade verringern.

 

Im Übrigen fehlt dem rein politischen Ziel eines möglichst hohen Anteils der Erneuerbaren an der Stromerzeugung von vornherein eine einleuchtende Begründung: Der VGB, der Verband der Energiewirtschaft, betonte soeben, daß Wind und Sonne zwar Brennstoffe einsparen, nicht aber Kraftwerksleistung. Aufgrund der fluktuierenden Verfügbarkeit von Wind und Sonne und weiterhin fehlender Stromspeicher erfordert deren Ausbau umfangreiche Kapazitäten an gesicherter Kraftwerksleistung – im Wesentlichen Erdgas-, Kohle- und Kernkraftwerke. Der Ausbau der Erneuerbaren führt also nur zu einer unsinnig doppelten Bereitstellung von Stromerzeugungsanlagen und damit zu einer sinnlosen, teuren  Kapitalinvestition bei nur geringfügiger Brennstoffeinsparung. Und im Falle des teilweisen Ersatzes von Kernkraft tritt nicht einmal eine CO2 – Einsparung ein.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat sich in unbegreiflicher Selbstüberschätzung auf fachliches Glatteis begeben und das erwartete blamable Ergebnis abgeliefert. Aber wenigstens ist es politisch korrekt. Nur mit Sachverstand hat es nichts zu tun.

 

EIKE Gastautor Dr.-Ing. Günter Keil, Sankt Augustin

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9 Kommentare

  1. BMU Studie vom Juli 2010
    Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen
    Wind Land inst.Leistung 60 GW Ertrag 180.000GWh = 34,2%

    Energiestatistiken des BMWi
    Wind 2007 = 20,4% 2008 = 19,4% 2009 =16,7% 2010 bis Sept 14,5%

    PISA läßt grüßen
    mfg R.Schuster

  2. … zu Herrn Trummlers windabhängigen Eisenbahnfahrpläne könnte ich noch hinzufügen, dass sich in den Automobilfabriken arbeitstäglich Werker zum Bau von Autos einfinden, die dann windabhängig mal Autos bauen oder auch nicht.
    Eine Mittagsschicht kann dann nur bei Wind gefahren werden.
    Das ökorelgiöse Glück oder gar das Paradies? wäre dann nimmer weit.
    Gruß Gerhard Schweickhardt

  3. Bestimmt schickt uns der NicoBaecker gleich einem Link, wo er sich über diesen Unsinn aufregt. Er ist doch so ein großer Kämpfer gegen Unwissenschaft. Hoffentlich fehlt ihm da nicht der Mut, auf einer aufgeklärten Seite wie dieser zu Posten ist ja nicht schwer, Konsequenzen hat er hier nicht zu erwarten. Woanders gehört natürlich schon ein gewisser Mut dazu ;-).

  4. Genau lesen! Das Gutachten ist nach den Verfassern nur eine Stellungnahme mit eindeutig politischer Stossrichtung: Gegen die Laufzeitverlängerung der AKW. Das alte Lied von der politisch instrumentalisierten Wissenschaft,die die dringend notwendige politische Diskussion verhindern soll. Ich schlage vor, solche Studien aus gegebenem Anlass zukünftig als Stuttgart21-(S21)-Gutachten zu bezeichnen. S21 deswegen, weil sich hier der Widerstand gegen gezielte Gutachtenpolitik zum erten Mal manifestiert. Die Schweinegrippe wurde noch mit passivem Widerstand erledigt. Jetzt ist der Bürger aufgewacht und betätigt sich wieder als Souverän zum Leidwesen der Lobby-Politiker.
    Michael Weber

  5. Der Artikel ist Klasse!

    Allerdings frage ich mich ob es wirklich eines großen Ausbaus der „Erneuerbaren“ Energien bedarf um das 100% Ziel zu erreichen.

    Der umweltschädliche, nutzlose Strom aus Wind wird mit 9,7c/KWh vergütet, der aus Solarzellen mit 33c/KWh. Es würde völlig reichen die Industrie mit den Ökostrompreisen zu belasten. Die Industrie und in Folge ein Großteil des Gewerbes und des Wohlstands wären nach etwa 20 – 25 Jahren geschwunden.

    Die heutigen Kapazitäten von ca. 25000 MW Windmühlen und knapp 20.000 MW Solarzellen, plus die Wasserkraftwerke und Güllekraftwerke würden reichen den noch benötigten Strom zu erzeugen. Eisenbahnfahrpläne könnten windabhängig gestaltet werden. Wer nicht an den Klimawandel, Waldsterben und die ungelöste Endlagerfrage glaubt, sollte ohnehin auswandern, falls man diese nicht ähnlich der UDSSR in geschlossenen Einrichtungen unterbringt.

    Ein armes, aber in ökoreligiösem Glück verzücktes Volk wäre die Folge.

    Vandale

  6. Wer von den zahlreichen EEG-Propagandisten aus der Politik und der EE-Branche widerlegt die obigen Aussagen und gibt seine ‚Richtigstellung‘ dazu? Ich bin darauf gespannt.

  7. Im Ergebnis ist den Aussagen zuzustimmen. Es sei jedoch ergänzend angemerkt, dass die Angabe des Haushaltsstromverbrauches von 3500 kWh und die damit verbundenen Kosten bewußt irreführend ist und grundsätzlich nicht verwendet werden sollte.

    Da kein Haushalt ohne den Verbrauch anderer Instituttionen wie öffentliche Infrastruktur (Straßenbeleuchtung, Ampel, öffentliche Gebäude), Handel und Industrie nicht existieren kann, ist der gesamte Stromverbrauch auf die Bürger in diesem Land umzulegen, abzüglich des Saldos aus Im- und Export von Gütern. Dann ergeben sich pro Person exklusive der Folgekosten durch die Mindernutzung der notwendigen konventionellen Kraftwerkskapazitäten (und des zukünftigen Ausbaus der Netzinfrastruktur mit Mindernutzung – wird nur gebraucht bei kurzweiliger Überproduktion) wesentlich höhere Kosten. Die liegen derzeit im nächsten Jahr grob gerechnet bei 220 € pro Person.

    Genauso ist übrigens auch die Propaganda hinsichtlich der „Versorgung von xy-Haushalten“ durch die Uralttechnik Windmühle zu bewerten, da Haushalte wegen ihres nur sporadisch auftretenden Verbrauches mit nicht bedarsgerecht bereitstellbarer Kraftwerksleistung durch Windmühle & Co gar nicht versorgt werden können. Aber selbst wenn man das Integral der fluktuierenden Stromerzeugung nimmt, sind die Werte zu hoch, da der virtuelle Strom zur Lebenserhaltung der Personen in einer Industriegesellschaft nicht berücksichtigt wird. In D beträgt dieser Strombedarf in etwa 7200 kWh pro Person und Jahr.

    mfg

    Thomas Heinzow

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