James Hansen zur Energie-Zukunft

Der weltweit wohl bekannteste Klimaforscher James Hansen, Direktor des NASA Goddard Institute for Space Studies und Professor an der Columbia Universität New York (http://de.wikipedia.org/wiki/James_E._Hansen) ist nicht gerade als Skeptiker einer als anthropogen vermuteten Klimaerwärmung bekannt. Er scheint sich in jüngster Zeit allerdings mehr und mehr der Energieproblematik zu widmen und befand sich im März dieses Jahres auf einer Vortragsreise durch Australien. Im AUSTRALIAN vom 10. März 2010, der größten überregionalen Tageszeitung des fünften Kontinents, erschien auf S. 23 ein Interview mit ihm. Seine Aussagen könnten wichtige Anregungen auch für die deutsche Energie-Diskussion liefern.

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„Erneuerbare Energien werden den Planeten nicht retten, daher ist es an der Zeit auf Kernenergie überzugehen. Wir sollten dringend gezielte Forschung und Entwicklung in die nächste Reaktorgeneration investieren. Während erneuerbare Energien aus Wind und Sonne im Wettbewerb mit der Kohleverbrennung zwar ökonomisch Boden gut machen, sind sie doch niemals in der Lage die Grundversorgung an elektrischer Energieerzeugung für die nächsten Jahre zu übernehmen. Sogar in Deutschland, das die erneuerbare Energien heftig subventioniert, werden mit den „Erneuerbaren“ nur 7% der benötigten elektrischen Energie erzeugt – sie sind einfach zu teuer.  Aktuell bieten fossile Brennstoffe die preiswerteste Form der elektrischen Stromerzeugung. Der so ernsthaften Gefahr globaler Erwärmung wegen müssen nunmehr Nationen wie die USA, China, aber auch Australien die dritte und vierte Generation (http://www.kernenergie-wissen.de/nextgeneration.html) von Kernreaktoren einsetzen.

Die gegenwärtigen Anlagen sind die der zweiten Generation. Die dritte Generation steht fertig zum Einsatz vor der Tür und zwar als Leichtwasserreaktoren (im Gegensatz zu schwerem Wasser als Moderator, wobei das normale Wasserstoffatom durch das Deuterium-Isotop ersetzt ist http://de.wikipedia.org/wiki/Deuterium: Anm. des Übers.). Zwei Reaktoren der vierten Generationen stehen bereits auf dem Zeichenbrett (zur 4. Generation s. pdf-Anhang). Sie verwenden flüssiges Natrium als Kühlmittel, und der Brennstoff ist Flüssigmetall, der auch nuklearen Abfall und waffenfähiges Uran und Plutonium enthalten kann.  Thoriumreaktoren (http://www.final-frontier.ch/ThoriumEnergie) verwenden dagegen Fluorid Salze für den Kernspaltungsprozess und benötigen keine Produktion von Brennstoffstäben.“

Hansen gibt zu, dass er ein zur Kernenergie „Spätbekehrter“ ist. Aber gerade die vierte Reaktorgeneration löse seiner Meinung nach zwei Probleme, die ihn zuvor stes skeptisch machten:

„Das erste ist der nukleare Abfall. Reaktoren der vierten Generation nutzen 99% des Brennstoffs, die der zweiten und dritten Generation gerade einmal 1%, wobei letztere strahlenden Abfall mit Halbwertszeiten um die 100.000 Jahre zurücklassen. Reaktoren der vierten Generation verbrennen dagegen fast allen Brennstoff und lassen nur Abfall mit Halbwertszeiten im Bereich von Dekaden zurück.

Noch existiert kein kommerziell einsetzbarer Reaktor der vierten Genration, aber sieben Nationen, unter ihnen Japan, Frankreich und China sind im Besitz von Expertise, Forschungsergebnisse und Prototypen.“

Wer den ersten einsetzbaren Reaktor bauen wird?

„Das ist eine offene Frage.“

 (von  Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke, EIKE-Pressesprecher, gefunden und ins Deutsche übersetzt)   

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7 Kommentare

  1. Zur Kernenergie:

    Verehrte Vorredner,

    Die beschriebene Evolution der Reaktoren ist das eine Problem, welches politische Akzeptanz einfordert.

    Ein zweites stellt sich als Frage der Endlagerung abgebrannter Kernbrennelemente sowie als Standortfrage für die Wiederaufbereitung und Wiedernutzbarmachung – Stichwort: Schneller Brüter-.

    Die deutsche Politik begegnet den beiden vorgenannten Fragestellungen mit hilflosem Aktioninsmus, wenngleich die Frage nach Aufarbeitungsstandort + Endlager in Deutschland eigentlich gar nicht so schwer zu baeantworten ist.

    Beiliegend ein kurzer Exkurs zur Thematik, der bereits in die (hohe) politische Schine getragen worden ist, der aber bisher ohne jegliche Resonanz in irgendwelchen Arbeitskreisen verklungen ist:

    Die Suche nach einem Endlager
    für Kernbrennstoffe in der Bundesrepublik Deutschland – ein unlösbares Problem ?

    Kurzfassung

    Bereits seit einigen Jahrzehnten wird in der Bundesrepublik Deutschland nach einem Standort für die Endlagerung von nuklearem Abbrand, sogenanntem „Atommüll“ gesucht.
    Die bisherigen Lösungsversuche wie beispielsweise die Einlagerung in Salzstöcke (Gorleben) oder stillgelegte Eisenerz-Schachtanlagen (Schacht Konrad) erfüllen dabei weder die extrem langfristigen Anforderungen an geologische „Beständigkeit“ noch erfahren diese Ansätze hinreichende politische Akzeptanz.

    Zudem bleibt bei den vorgenannten Endlagermodellen der durchaus vernünftige Grundsatz „Gleiches zu Gleichem“ unberücksichtigt.

    In den nachfolgenden Ausführungen können zwar zum Themenfeld „Endlager für (verbrauchte) Kernbrennstoffe“ keine fertigen Lösungen angeboten werden.
    Es soll jedoch versucht werden, über die Vorstellung eines bisher noch nicht in Erwägung gezogenen Standorts eine Diskussion unter neuen Aspekten in Gang zu setzen.

    Einführung

    An Endlager für Kernbrennstoffe müssen aufgrund der extremen Toxizität und Langlebigkeit der verbleibenden Radionuklide ganz besondere Anforderungen gestellt werden.

    Neben unabdingbaren Standortvoraussetzungen wie geologisch langfristige Persistenz der bestehenden und kalkulierbaren Rahmenbedingungen wie Seismizität, Grundwasserverhältnisse u.v.m. ist in Rechnung zu stellen, das ein Endlager auch fern von bestehenden Siedlungsstrukturen und Verkehrswegenetzen geplant werden muß.

    Desweiteren ist sicherzustellen, daß ein solches Lager gegen unbefugten Zugriff geschützt werden kann; diesem Aspekt versuchte man bislang unter anderem über eine untertägige Einlagerung adäquat zu begegnen.

    Mithin sind neben objektiven Standortfaktoren, über die sich ein Endlager an und für sich über extrem lange Zeiträume geologisch/hydrogeologisch/seismisch als quasi invariant beschreiben lässt infrastrukturelle Aspekte so konfliktarm darzustellen, daß der Standort politisch ein hohes Maß an Akzeptanz erfahren kann.

    Der Standort der vormaligen SDAG
    („Sowjetisch Deutsche Aktiengesellschaft“) Wismut im Raum Gera- Ronneburg, Thüringen –
    Ein denkbares Endlager für Kernbrennstoffe ?

    Geschichtliches:

    In der sächsisch-thüringischen Uranprovinz sind in ununterbrochener Bergbautätigkeit von 1947 bis 1990 insgesamt 220.000 Tonnen Uran produziert worden. Mit 13 % der weltweiten Nachkriegsproduktion stellte dieses Uranbergbaugebiet für den genannten Zeitraum das größte im Weltmaßstab dar. Einziger Abnehmer des Urans war seinerzeit die Sowjetunion.

    Die staatliche Bergbaugesellschaft Wismut, zunächst ab 1946 als rein sowjetisches Unternehmen und später ab 1954 als sowjetisch deutsche Aktiengesellschaft (SDAG Wismut) geführt, stellte Ende 1990 die Uranproduktion ein.

    Im Jahre 1991 ging das Unternehmen im Zuge der Deutschen Einheit vollständig in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland über.

    Im Ergebnis der intensiven Bergbautätigkeit entstanden zahlreiche Umweltbelastungen mit unterschiedlichen Gefährdungspotenzialen.
    Der Bergbau selbst und die Erzaufbereitung verursachten mit ihren Relikten (Halden, Absetzbecken) bedeutende Eingriffe in das Ökosystem des Gebietes. Die heute hier lagernden Massen sind radioaktiv und chemisch-toxisch belastet.
    Sie zählen im europäischen Maßstab zu den grössten Bergbaualtlasten. [1]

    Zustand der Bergbauregion in 1995

    Das Gelände der SDAG Wismut im Raum Gera – Ronneburg vermittelte bei einer ersten Bereisung im Rahmen einer unter Rekultivierungsaspekten durchgeführten Exkursion der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (Jahrestagung der DBG 1995 in Halle / Saale) den Anblick einer lebensfeindlichen „Mondlandschaft“.

    Die von der BAB 4 in Richtung Gera beobachtbaren, rauchenden Terrakonikhalden aus Bergematerial, welche sich infolge des hohen Kohleanteils des silurisch/devonischen Abraummaterials – hier insbesondere der Kiesel- und Alaunschiefer – über die Autoxidation sulfidoxidierender Bakterien (Thiobazillus ferrooxidans) immer wieder selbst entzünden (sogenannte Markasitbrände), vermittelten damals einen gespenstischen Anblick.

    Vorgestellt wurden damals im Rahmen der Exkursion die Rekultivierungsbemühungen der Wismut insbesondere mit Blick auf den Verbau der in grosser Quantität anstehenden „schwarzen Masse“, die infolge ihres noch hohen Radiumgehaltes besondere Umweltrelevanz besitzt.

    Bundesgartenschau 2007

    Im 2007 ist auf dem Gelände die Bundesgartenschau ausgeführt worden.
    Offenbar sollte hierdurch das wohl höchstbelastete Gebiet in Deutschland unter dem seinerzeit von Herrn Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl geprägten Wahlspruch „Blühende Landschaften schaffen!“ präsentiert werden.

    Die Kritik soll diesbezüglich nicht gegenüber der Sinnhaftigkeit und Schönheit von Bundesgartenschauen geäussert werden, sondern vielmehr ist zu beanstanden, daß sich offenbar politisches Bestreben darin manifestiert, Altlastengebiete mit blühenden Landschaften oberflächlich zu überziehen und mithin „superfizielle“ Umwidmungen zu schaffen.

    Denkbarer Ausblick unter dem Aspekt des Kernbrennstoffendlagers

    In Anbetracht der sich in den kommenden Jahren weltweit verschärfenden Energiemarktsituation wird die Kernenergie wieder den Weg zu einer Energieform zurückfinden, an der die politische Diskussion nicht mehr dauerhaft vorbeigehen kann.

    In Anbetracht der sich langfristig verknappenden und mithin verteuernden Vorräte an fossilen Energieträgern Kohle / Gas und Erdöl wird der zu durch andere Energieträger zu substituierende Anteil zu steigern sein.

    Sonnenlicht, Windkraft oder auch Geothermie und Gezeitenenergie werden die sich ergebende Versorgungslücke – wenn überhaupt – nicht zeitnah ausfüllen können, zumal die weltweite Energiebedarfsrechnung nicht unter der Prämisse „ceteris stantibus“ betrachtet werden darf.
    Der weltweite Energiebedarf wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten als exponentiell steigend darstellen.

    Auch die Produktion von Biodiesel aus Raps, Palmöl und ähnlichem als Substitut für Rohöl dürfte nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten fragwürdig sein.

    Das nämlich riesige Flächen tropischen Regenwaldes gigantischen Monokulturen zur Herstellung von Palmöl weichen sollen – dies ist bereits in weiten Teilen Indonesiens geschehen – wird nicht länger vertretbar sein.

    Eine Deckung des deutschen Energiebedarfs kann künftig sicherlich noch für einige Jahrhunderte teilweise aus der heimischen Braunkohle erfolgen.

    Auch die heimische Erdgasproduktion in Höhe von etwas mehr als 4 % des bundesdeutschen, jährlichen Erdgasbedarfs kann noch für einige Jahre eine gewisse Rolle spielen.

    Die restliche Bedarfsdeckung wird sich jedoch auf Lieferungen aus mehr oder weniger politisch stabilen Regionen – dies betrifft insbesondere die Erdgaslieferungen aus den ehemaligen GUS Staaten – stützen müssen.

    Hier gibt es z.T. erhebliche Lieferrisiken, nicht nur was die künftige Preisgestaltung angeht.

    Es bleibt also künftig weiterhin die Frage einerseits nach der Erreichbarkeit einer ausreichenden Betriebssicherheit von Kernkraftwerken als solchen und zum anderen nach der Verfügbarkeit von Endlagerkapazitäten für verbrauchte Kernbrennelemente zu beantworten sein.

    Der vorstehend beschriebene Standort mit einer Größe von fast 100 Quadratkilometern sollte zumindest einer diesbezüglichen Eignungsprüfung unterzogen werden, zumal er ein ganz wesentliches Eignungskriterium („Gleiches zu Gleichem“) erfüllt.

    Der vorstehende, kurze Exkurs sollte daher vorerst nur unter dem Aspekt eines gedanklichen Anstoßes verstanden werden.

    Literatur:

    [1]
    Mitteilungen der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, Band 77 (Exkursionsführer zur Jahrestagung 1995 in Halle) S. 311f.

  2. CO2 als Umweltverschmutzung wurde als erstes von
    den Kernkraft-Promotern der 60ger und 70ger eingesetzt. Nach dem Motto Kohle=schmutzig und
    Kernkraft ist „sauber“. Auch damals wurden die
    Einsparungen an schmutzigem Kohlenstoff schon
    vorgerechnet und ein blauer Himmel über dem
    Ruhrgebiet versprochen,während die Risiken und
    die Entsorgungsfrage weitgehend ausgeblendet
    wurden.Der alte Sündenbock wird wieder für das
    alte Ziel instrumentalisiert.

    Michael Weber

  3. wenn mich nicht alles täuscht, ist doch das ganze Klimakatastrophenszenario u.a. von Al Gore inszeniert worden (2000) um die am Boden liegende Atomindustrie zu stützen? – so gesehen wäre er eine Art Doppelagent, der auf jeden Fall „gewinnt“.
    Entschuldigung wenn ich mich da geirrt haben sollte

  4. Auch das ist von ihm nichts neues. Er hat von Anfang an das Symbol der Radioaktivität geschwungen.

    „Spätbekehrter“

    Na, sicha doch. Zum Glück ist Zeit ja relativ. Ich kenne nur zwei Primaten von ihm: Klimakatastrophe, Prokernkraft. Der ganze Artikel ist typisch für ihn. Er ist weitaus berechenbare wie er es mit dem Thema Klima gerne hätte.

  5. Egal aus welcher Ecke die Anregung zur intensiveren Nutzung der Kernenergie mit neuem, eigentlich altem Konzept wie dem schnellen Brüter kommt, es macht Sinn. Allerdings sollte die Wiederaufbereitung von sog. abgebrannten Kernbrennstäben schleunigst wieder aufgegriffen werden, denn sie enthalten ca 50%? nutzbaren Kernbrennstoff und der Rest wäre bei Lagerung über einige 100 Jahre dann zumindest in Beton eingegossen als Sitzbank nutzbar. Leider wird die Generation von Physikern und Ingenieuren, die sich mit dem Thema auskennen, demnächst ausgestorben sein, aber das ist kein wirkliches Problem.
    Die hochgelobten Anlagen zur Erzeugung von Solarstrom und Windkraft haben in Deutschland eine Anlagennutzung bezogen auf die installierte Nennleistung von „lausigen“ ca. 10 bzw. ca. 20 Prozent im Vergleich zu ca 90% von konventionellen und nuklearen Kraftwerken. Die Investitionskosten sind aber vermutlich in beiden Fällen ähnlich hoch.
    Bis das der deutsche Michel, der das alles mit seiner Stromrechnung bezahlt, und auch die politische „Elite“ verstehen, wird noch viel Zeit verstreichen und/oder massive Netzzusammenbrüche bewirken ein schnelleres Umdenken. Dr.Z.aus R.

  6. Die Einteilung der Kernkraftwerke in Generationen ist ziemlich willkürlich.

    Technologisch ist der Unterschied zwischen einem EPR (Generation 3+) und einem Konvoireaktor (Generation 3) gering. Der EPR ist aufgrund diverser Regulierungen sehr komplex und teuer geraten. Ich habe dies in dem Artikel „Kritische Betrachtung des EPR“ auf meiner Homepage http://www.oekoreligion.npage.de erläutert.
    Generation IV ist gleichfalls eine etwas theoretische Betrachtung.
    Die aktuellen Leichtwasserreaktoren sind bewährt und optimiert. Die Infrastruktur ist ausgebaut. Da man Kernkraftwerke im Gegensatz zu Windmühlen und Solarzellen nicht aus religiösen Motiven baut, sondern in der Regel aus profanen ökonomischen Gründen muß ein neues Reaktorkonzept signifikante wirtschaftliche Vorteil versprechen um gebaut zu werden. Manche G IV Konzepte haben das Potential diese Forderung zu erfüllen, Schneller Brüter, MSR, die anderen nicht.

    Vandale

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